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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

Gut in Schuss

 Silvio Schwartz   1. Juni 2011
 Gesellschaft, Medien

Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Männer hat bei den letzten Weltmeisterschaften jeweils einen dritten Platz erreicht und bestimmte das mediale, politische und symbolische Leben in diesem Land. Dagegen kickte die Nationalmannschaft der Frauen (“Mannschaft der Frauen” – sic!) quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit – trotz der beiden WM-Titel in Folge. Doch jetzt wird alles anders! Denn seit gestern sind erstmals Panini-Sammelalben zu einer Frauen-WM im Handel. Zur Erinnerung: Diese Alben mit den Bildchen zum Sammeln und Kleben begleiten die Männer-WMs seit 1970. 1970: In diesem Jahr wurde es Frauen in der BRD offiziell erlaubt, Fußball zu spielen. 1955 hatte dies der DFB noch ausdrücklich verboten, Fußballspielen sei gegen die weibliche Natur.

Panini Deutschland-Kader WM2011

Bildquelle: Panini

Seitdem hat sich einiges getan: 1982 fand das erste Länderspiel der Frauen gegen die Schweiz statt (Endstand 5:1) und seit 2010 gibt es eine Tipp-Kick-Variante mit weiblichen Figuren. Nachdem es 70 Jahre nur mit Männern funktioniert hat. Und noch eine Premiere: Die Trikots einer Nationalmannschaft können die Fans schon lange kaufen, auch an weibliche Schnitte zu den Männer-WMs wurde gedacht. Und nun gibt es auch männliche Schnitte zu den Frauen-Trikots! Famos.

Und warum all das? Der Erfolg der Spielerinnen? Fortschreitende Gleichberechtigung? Nein, die Spielerinnen werden endlich schön. Ach ja.

 
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8 Kommentare

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  1. Und gestern habe ich im TV gesehen, dass die Beauftragte für das Album erklärt hat, dass bei den Frauen – im Gegensatz zu den Männern – kein Gewicht neben dem Bild der Spielerin steht. Danach bei Frauen zu fragen wäre ja unhöflich…

  2. 1982 fand das erste vom DFB anerkannte Länderspiel der Frauen statt. In der Zeit des Verbotes muss es etliche Länderspiele gegeben haben. In einem WDR-Feature über die damals beste deutsche Spielerin Christa Kleinhans wurde erwähnt, dass sie zwischen 1957 und 1965 150 Länderspiele bestritten habe. Leider wird das meist totgeschwiegen, weil ja der DFB quasi ein Monopol auf Fußball in Deutschland hat.

  3. [...] gestern sind erstmals Panini-Sammelalben zu einer Frauen-WM im Handel, berichtet der [...]

  4. oh, vielen Dank für den Hinweis! Diese Doku kommt offenbar wieder im Fernsehen: Der verbotene Kick – Frauen und Fußball in Deutschland – Montag, 20. Juni, 22:45-23:30, WDR.

    Der DFB wollte Frauenfußball unter allen Umständen verhindern. 1955, ausgerechnet in der großen Begeisterung über das “Wunder von Bern”, wurde Frauen und Mädchen in Deutschland das Fußballspielen ganz offiziell untersagt. Das wollten sich aber längst nicht alle Frauen einfach bieten lassen. Genau solche Frauen, die sich mutig über dieses Verbot und den damit verbundenen Spott und die Häme der Männerwelt hinweggesetzt haben, sind die Hauptdarstellerinnen in unserer Dokumentation, Frauen, die damals, in den fünfziger und sechziger Jahren, “wilde Mädchen” in Essen und Dortmund, in und um Hamburg waren. Sie hätten unter anderen Bedingungen Stars und Idole werden können – wie Helmut Rahn oder die Spielerinnen der Nationalmannschaft heute.

  5. Hi, ich finde es gut, dass es im Panini-Sammelalben bei den Bildern der Spielerinnen keine Angaben von Gewicht gibt. Es ist doch unintressant wieviel die Frauen wiegen! Intressant ist es doch ob wir gewinnen oder nicht :-)

  6. Danke für den knappen historischen Rückblick. Habe schon einige Artikel zur Frauen-WM gelesen, aber diese Daten waren bisher nicht enthalten. Playboy und Bild-Werbung waren für mich übrigens die größten Miesmacherinnen… ob sich in den Ländern anderer Frauenteams Ähnliches abspielt(e)?
    LG

  7. Frauenfußball wird nie die Bedeutung des Männerfußballs erreichen, weil Frauen aufgrund körperlicher und anderer Unterschiede einen anderen, weniger rasanten Fußball spielen.

    Ist es für den Autor das Ziel, daß der Frauenfußball mit dem Männerfußball gleichzieht?

  8. Nun, wer beim Fußball welche Bedeutung erlangt, das hat ja auch viel mit Erwartungen und Geschlechterstereotypen zu tun. So gab es dieses Jahr wie schon 1989 ein Kaffeeservice für die Spielerinnen, für die Männer gab es so etwas bislang nicht – eine Folge körperlicher Unterschiede?

    Und mein Ziel: Ich schaue darauf, wie unterschiedlich Männer- und Frauenfußball wahrgenommen wird. Die deutschen Spielerinnen konnten in den letzten Meisterschaften eine bessere Bilanz vorweisen können als die Männer – und sie werden entweder mit diesen verglichen (was andersherum ja nicht passiert) oder auf ihr Aussehen reduziert mit eigener Bilderstrecke im Playboy. -Vergleichbares ist mir von den männlichen Spielern nicht bekannt. Es wäre schön, wenn Frauenfußball nicht mehr auf die Formel “schöne Frauen, aber spielen schlechter als die Männer” gebracht wird, sondern genauso wie der Männerfußball sportlich-professionell betrachtet wird.

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