Das Sexvideo von der Ex
Das Bildblog hat heute dokumentiert, wie die Bravo ihre Leser_innen mit zwei Listen mit Rachevorschlägen an der oder dem Ex zu Straftaten animiert.
Das ist schon für sich sehr lesenswert. Durchaus interessant ist aber auch, sich diese Listen dahingehend anzusehen, welche Geschlechter- und Sexualitätsstereotype darin versteckt sind (stets bedenkend, daß das Beziehungsmodell, welches hier mitgedacht wird, stets brav heterosexuell ist und nur Männlein und Weiblein kennt).

Daraus ließe sich dann etwa Folgendes destillieren:
Einem Mann/Junge sollte nach Meinung der Bravo-Autor_innen peinlich sein, wenn:
- er keine Granate im Bett ist,
- er homosexuell ist oder als schwul gilt,
- er in Briefen (und vermutlich auch anderswo) Gefühle offen zeigt,
- seine Freundin (auch) mit anderen Jungs ins Bett geht,
- er inkontinent ist oder dies behauptet wird oder
- sein Schwanz nicht groß genug ist und er dies kaschieren möchte (weil ja Männer mit großen Penissen diese stets der Öffentlichkeit präsentieren).
Einer Frau oder einem Mädchen ist in dieser Gegenüberstellung eher peinlich oder unangenehm, wenn:
- sie vergeblich vor ihrem “Lieblings-Shop” steht (weil ja, logisch, jede Frau einen solchen hat),
- sie über ein Kondom im Briefkasten oder durch ein publiziertes Video beim Sex gezeigt und damit öffentlich entblößt wird bzw. wahlweise
- durch Einsatz von Photoshop mit einem “Nacktmodell” in Zusammenhang gebracht wird,
- sie ihren Freund schlägt,
- ihre “Lieblings-Barbie” aus Kindertagen zerstört wird (hat jede Frau!) oder
- ihre körperlichen Unzulänglichkeiten (Oh mein Gott, Cellulitis!) öffentlich thematisiert werden.
Der Witz ist jetzt nicht unbedingt, daß sich diese Formen von (wir weisen gerne noch einmal daraufhin: potentiell strafbarer) “Rache” nicht vielleicht aufs jeweils andere Geschlecht anwenden ließe – Inkontinenz ist ja, ganz unabhängig vom Geschlecht, keine schöne Sache. Interessant ist, welche Formen jeweils als besonders geeignet für welches Geschlecht ausgewählt wurden.
Und da fallen diese Rachephantasien doch größtenteils brav in die Stereotype dessen, was mit “Männer” und “Frauen” besonders negativ assoziiert wird. Bei den Männern sind das neben zu großer Emotionalität und der Unfähigkeit, “die Frau” sexuell (und sonstwie) an sich zu binden, vor allem mangelnde sexuelle Performanz und Größe, nebst insgesamt fehlender Kontrolle über die eigenen Körperausscheidungen. Die Frauen hingegen lassen sich eher dadurch bestrafen, daß man sie als unweiblich (sie schlägt!) oder körperlich fehlerbehaftet darstellt, in ihrem Einkaufswahn trifft oder aber, der Klassiker, einer freien und zügellosen, gar promisken Sexualität bezichtigt oder mit dieser in Verbindung bringt.
Es ist ziemlich bestürzend, wie wenig in der Bravo-Redaktion zumindest in diesem Fall über die implizit mitgesagten Geschlechterstereotype nachgedacht wird.
(Verwendung des Heftscans mit freundlicher Genehmigung von Lukas Heinser vom Bildblog. Danke!)
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Finde diesen Artikel sehr interessant, frage mich nur aus welchem der ersten 10 Punkte sie die Schlußfolgerung Nr. 4 (seine Freundin (auch) mit anderen Jungs ins Bett geht) entnommen haben. Ungeachtet dessen ein gelungenes Beispiel für die Begrenztheit der Bravo Redakteure
@Roland: Das bezieht sich auf den Punkt Nr. 6 (die Fußballmannschaft).
Die Bravo bedient Stereotype? Welch große Erkenntnis!
Zur Information: das ist (in meiner Erinnerung…) dieses Jugend-Magazin, das das Fan-Gehabe seiner Leser bedient. Und die meisten bejubelten Fans bedienen selbst – Stereotype.
Eigentlich nur konsequent.
Mmh,
meine Exfreundin hat auch mal rumerzählt das ich nicht der geilste im Bett wäre, mein Kommentar, “Naja, sie hat sich ja nie beschwert”, hat dann aber eher bewirkt das sie doof da stand…. von wegen schlammschlacht und so.
Wieso kann sowas nicht in der BRAVO thematisiert werden?
Ach so, hatte das so verstanden, dass damit gesagt werden sollte, der Junge würde Frauenunterwäsche tragen, was ja nicht weniger unter die Stereotypen der Bild passen würde.
Vielen Dank für den erhellenden Beitrag. Ich habe mein Bravo-Abbo schon vor Jahren gekündigt, da ist es sehr toll an anderer Stelle darüber lesen zu können. Vielen Dank
Roland, das mit der Fußballmannschaft ist eher so gedacht, dass der Mann Frauenunterwäsche trägt, denke ich.
[...] Via Bildblog. Einen weiteren Bericht gibt es im „GenderBlog“. [...]
Krass finde ich auch den Punkt mit dem seltenen Duschen. Das gilt ja nur als peinlich für Frauen. Die implizite Erwarten: Frauen müssen sehr reinlich sein und sich oft waschen, sonst sind sie ekelhaft. (Männer allerdings nicht.) Ich fühle mich an die Gespräche meiner pubertierenden männlichen Klassenkameraden über die angeblich stinkenden weiblichen Genitalien erinnert.
Ähäm, das sollte “Erwartung” heißen.
..(Verwendung des Heftscans mit freundlicher Genehmigung von Lukas Heinser vom Bildblog. Danke!)
..ich gebe selbstverständlich auch gern meine Genehmigung zur Verwendung des Heftscans (was in Wirklichkeit allerdings mangels Vorhandenseins eines Scanners ein Handyfoto ist) :)
@Stefan W.: Vielen Dank! :-)
Herr Wolff,
können Sie plausibel machen, was daran schlimm ist, wenn die “Bravo” Frauen und Männer als typisch darstellt und ausschließlich von “heterosexuellen” Beziehungen zwischen Männern und Frauen ausgeht?
Sie suggerieren in Ihrem Beitrag, daß dies in irgendeiner Weise negativ sei, und vermitteln den Eindruck, als ergebe sich solch eine Einschätzung ohne weiteres.
@James T. Kirk: Herr “Kirk”, könnten Sie plausibel machen, was daran gut sein soll, wenn die Bravo Frauen und Männer nur in Form althergebrachter Stereotype zu beschreiben weiß? Und was soll gut daran sein, ausschließlich von heterosexuellen Beziehungen auszugehen? Und wozu die Anführungszeichen?
Sie suggerieren in Ihrem Kommentar, daß dies in irgendeiner Weise positiv sei, und vermitteln den Eindruck, eine solche Einschätzung ergebe sich ohne weiteres.
[...] meisten beschenkt (16mal) wurde übrigens dieser Text im Genderblog, der aber auch, nicht zuletzt dank eines Hinweises von @bildblog der wahrscheinlich [...]
[...] alles drehe sich um den G-Punkt) Die anmaßende Scheiße kannst du in die Bravo schreiben, Mädel, da ist sie bestens aufgehoben, aber als neuen sexy Trend brauchst du das nicht [...]
Schlimm finde ich auch, dass die Bravo damit direkt mal zum gezielten Mobbing aufruft…
Die Bravo ruft in diesem Fall nicht zum Mobbing auf, sondern zu Straftaten.