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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

26. März – Equal Pay Day

 Rochus Wolff   26. März 2010
 Frauenförderung, Geschlechterpolitik, Gesellschaft, Kapitalismus

Heute ist Equal Pay Day – Frauen in Deutschland haben im statistischen Durchschnitt die ersten 23% dieses Jahres (die jetzt vorbei sind) für umme gearbeitet, denn nach wie vor verdienen sie, wie das Statistische Bundesamt zuletzt für 2008 festgestellt hat, durchschnittlich 23% weniger als Männer (das ist der Gender Pay Gap, auch Gender Wage Gap genannt). Diese Zahlen lassen freilich keine Schlüsse darüber zu, ob Männer und Frauen in gleicher Position und bei gleicher Ausbildung gleich bezahlt werden oder nicht, wie das Bundesamt warnt:

Bei der Interpretation der Werte sollte berücksichtigt werden, dass es sich um den unbereinigten Gender Pay Gap handelt. Aussagen zum Unterschied in den Verdiensten von weiblichen und männlichen Beschäftigten mit gleichem Beruf, vergleichbarer Tätigkeit und so weiter sind damit nicht möglich.

EPD-LogoSelbst mit diesem unbereinigten Gender Pay Gap stehen Frauen in Deutschland schon schlechter da als im europäischen Vergleich oder im Durchschnitt der OECD-Staaten.

Der Frauenbund gibt für den bereinigten Gender Pay Gap einen Wert von 12% an, ohne allerdings auf dessen Bestimmung näher einzugehen. Das Statistische Bundesamt gibt einige Hintergrundinformationen zum genauen Zustandekommen der Gender Pay Gap, und in der Zeit hat Tina Groll im vergangenen Oktober sich genauer angesehen, welche Zahlen das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung dazu herausgefunden hat.

In einer Untersuchung auf Basis eines selbst erhobenen Lohnspiegels hat das WSI unter anderem festgestellt, daß schon Berufsanfängerinnen weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen. (Weitere Infos in Kurzform in diesem PDF.)

Die Einkommensrückstände von Frauen lassen sich nur zum Teil durch unterschiedliche berufliche Präferenzen, Unterschiede in der Ausbildung sowie berufliche Unterbrechungen auf Grund von Kindererziehung erklären. Mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten spielen auch eine Rolle. All dies sind jedoch nur Teilerklärungen.

Mit ihrer Studie (PDF) kommen die Autor_innen schließlich zu dem Ergebnis:

Insgesamt bestätigt unsere Studie, dass Frauen bereits in den ersten Berufsjahren finanziell gegenüber Männern benachteiligt werden. Dieser geschlechtsspezifische Einkommensrückstand lässt sich vollständig weder durch unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen noch durch eine spezifische Berufswahl erklären. Die Ergebnisse verweisen vielmehr auf das Fortbestehen geschlechtsspezifischer Lohndiskriminierung.

Selbst bei unterschiedlichen “Präferenzen” in Ausbildung und Berufswahl sowie durchschnittlich kürzerer Arbeitszeiten – alles Phänomene, die keineswegs unabhängig von geschlechterpolitischen Fragen zu sehen sind – besteht also doch immer noch eine Form von Ungleichbehandlung, bei der Frauen trotz gleichwertiger Qualifikationen und gleichwertiger Arbeitskraft weniger verdienen.

Darauf geht auch dieser hübsche Spot ein (via):

cheap_women_255Das von anti-feministischen Kommentatoren gerne gebrachte Argument, daß der Gender Pay Gap in seiner bereinigten Form nicht existieren könne, weil ansonsten ja Firmen nur noch Frauen anstellen würden (die ja, der Spot spielt damit, billiger zu haben seien), ist natürlich nicht stichhaltig, sondern entsteht aus einem neoliberal-marktpuristischen Mißverständnis: Es sind eben nicht nur rein rationale Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit, die Personalentscheidungen etc. entstehen lassen; die Strukturen der Geschlechterordnung greifen wesentlich tiefer in unser Handeln und Entscheiden ein, als uns immer bewußt ist.

Und das betrifft ebenso die Entscheidungen von Männern wie Frauen in Sachen Ausbildung, Berufswahl und Reproduktionsarbeit wie eben auch die Entscheidungen jener Menschen, die in Unternehmen für die Personalbetreuung, -auswahl und -beförderung zuständig sind.

Genau deshalb ist eine Frauenquote, wie jetzt von der Telekom eingeführt, eine sinnvolle Sache (wenn auch nicht der Weisheit letzter Schluß), weil sie diese nicht-bewußten, zum Teil auch nicht-gewollten Mechanismen und Prozesse unterläuft oder idealerweise sogar bewußt macht und ändert. Das liegt durchaus auch im Interesse der Unternehmen, und zwar nicht, weil sie den Frauen weniger zahlen müßten (das kann nicht das Ziel einer Quote sein), sondern weil sie sich für Kräfte und Ideen öffnen, die ihnen sonst fehlten.

Logo: BPW Germany e.V.; Plakat via Essential Estrogen

 
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4 Kommentare

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  3. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Rochus Wolff, danilola, modern_dragon, Isi, Sperre und anderen erwähnt. Sperre sagte: Frauen verdienen immer noch 23% weniger als Männer. Heute ist Equal Pay Day. http://tinyurl.com/yf6qra6 [...]

  4. Hat eigentlich jemand schon mal untersucht, ob es vielleicht daran liegt, dass Frauen weniger Gehalt verlangen? Oder sich mal dazu herablassen nach einer Gehaltserhöhung zu fragen?

    http://www.n-tv.de/politik/Mer.....74791.html

    Achja, Frauen arbeiten vermehrt in Teilzeit, weil sie Kinder haben. Hat schon mal jemand daran gedacht auf Kinder zu verzichten und Karriere zu machen?

    Oder wie sieht es mit Social Skills aus, gibt es da Untersuchungen? Wenn sich jemand wegen deffensivem Verhalten nicht durchsetzen kann, dann steigt sojemand auch nicht auf. Risikobereitschaft, Führungspersönlichkeit usw. sind auch wichtig

    http://stuttgart.business-on.d.....d4151.html

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