Der schwule Mann kämpft nicht gern?
Man muß schon ein paar argumentative Pirouetten drehen, um das im Hirn wirklich zusammenzubringen: Nach Ansicht des früheren amerikanischen Generals und Nato-Kommandeurs John Sheehan ist die Anwesenheit homosexueller Soldaten unter den niederländischen Friedenstruppen ein Grund dafür, daß diese das Massaker von Srebrenica 1995 nicht verhindert hatten.
Der Focus berichtet mit dpa und AFP:
Sheehan hatte [...] bei einer Senatsanhörung in den USA dargelegt, die Kampfmoral der niederländischen Truppe sei wegen der Anwesenheit schwuler Soldaten zu gering für eine Verteidigung von Srebrenica gewesen. Der 1997 pensionierte General wurde zu Fragen über eine mögliche Zulassung von Homosexuellen zum Dienst in den US-Streitkräften angehört. [...]
Bei der Senatsanhörung erklärte Sheehan vor laufenden Kameras, der damalige niederländische Stabschef Henk van den Breemen habe ihm gesagt, Schwule in seiner Armee seien in Srebrenica „Teil des Problems“ gewesen.
Das niederländische Verteidigungsministerium hat dem widersprochen, mit zum Teil deutlichen Worten:
“It is astonishing that a man of his stature can utter such complete nonsense,” defence ministry spokesman Roger van de Wetering told AFP.
Nun ist natürlich klar, daß das Vorurteil von den friedliebenden und kampfesunwilligen (weil: unmännlichen) Schwulen weit verbreitet ist (es gibt einen sehr lesenswerten Roman, der einigermaßen bizarr um dieses Vorurteil Funken schlägt), aber zum einen sollte ein Nato-Kommandeur doch vielleicht so reflektiert und weltgewandt sein, daß er solchen Schmarrn wenigstens hinterfragt (oder ihn wenigstens nicht in laufende Kameras wiederholt). Und zum anderen sollte er den ganz offensichtlichen Widerspruch doch sehen, daß diese Männer ja immerhin wohl Berufssoldaten geworden sind, wozu m.W. auch in den Niederlanden niemand gezwungen wird.
Und wären, müßte man die absurden Denkmuster eigentlich noch weiterschieben, dann übrigens die ja so “männlichen” Lesben – der Begriff “Kampflesbe” spitzt das ja schon zu – nicht die besseren Soldatinnen?
Sheehans Äußerungen stehen im Zusammenhang mit der Neubewertung der bisherigen ‘Don’t Ask, Don’t Tell’-Politik des amerikanischen Militärs, die derzeit im Senat diskutiert wird. Der Militärberater von Barack Obama etwa spricht sich dafür aus, Homosexuelle ohne Wenn und Aber im Militär zuzulassen. queer.de hat dazu ein paar Hintergründe zusammengestellt.
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