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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

CFP: Jugend-Aufklärungsbuch für Alle

 Rochus Wolff   11. Januar 2010
 Calls for Papers, Sexualität

Der folgende Call for Papers erreichte uns mit der Bitte um Verbreitung. Dem entsprechen wir doch gerne.

Wir wünschen uns Ihre Perspektive in unserer Aufsatzsammlung für Jugendliche mit und ohne Behinderung, queer, trans*-, inter-, homo-, hetero-, bi- oder asexuell. Sie können hier darstellen, was Sie selbst früher gern gesagt bekommen hätten.

Hier gibt es für unsere Autor_innen die Möglichkeit Probleme darzustellen, denen sie in Bezug auf ihre Sexualität ausgesetzt gewesen sind. Aber vor allem können hier Entdeckungen Revue passieren, die ihnen erlaubten ihr individuelles Verlangen und ihre eigenen Grenzen ernst zu nehmen und sich nicht durch normative Setzungen in ihrem persönlichen Raum einengen zu lassen.

Hierbei kann es sich um Auseinandersetzungen mit Medien, Sexualpraktiken, Liebe, Schönheitsidealen, einengende Erwartungshaltungen des näheren und weiteren Umfelds, Verhütung und die damit einhergehende Aushandlungsmoral, handeln.

Wir suchen Mitstreiter_innen die Lust haben sich an diesem, nicht-normativen Buchprojekt zu beteiligen.

Konzept:

Die bestehende Aufklärungsliteratur für Jugendliche wird dem Anspruch vielfältige Lebensweisen einzubeziehen bislang nicht gerecht. In der Regel wird hier weiterhin von einem heterosexuellen Normalzustand ausgegangen. Wohingegen Homo- und Bisexualität weitgehend als Randerscheinungen verhandelt werden. Diese Klassifizierung als Abweichung wird bei aller Normalitätsrhetorik durch die marginale Präsenz dieser Formen erotischen Verlangens in wenigen Extraseiten, oder -abschnitten weiterhin bestätigt. Ein Gegengewicht bilden hierzu Aufklärungsbücher, Coming-Out-Ratgeber und Jugendromane, in denen homo- bzw. bisexuelle Sexualidentitäten in den Vordergrund gestellt werden.

Noch schwieriger ist es um Sexualitäten bestellt, die sich weiter abseits der Zweigeschlechterdichotomie befinden. Queere Menschen, die sich nicht mit traditionellen Vorstellungen über Weiblichkeit und Männlichkeit identifizieren, tauchen in Kinder- und Jugendliteratur in der Regel nicht auf. Dadurch werden sie weiterhin implizit als Perverse oder Kranke klassifiziert. Dabei wird ausgeblendet, dass auch sie Jugendliche gewesen sind, die durch den Umstand des Nichtvorhandenseins positiver role-models mit unsinnigen Hindernissen während ihrer Jugend konfrontiert wurden.

Menschen mit körperlichen oder/und geistigen Beeinträchtigungen tauchen in der Mainstream-Aufklärungsliteratur ebenfalls nicht auf. Sie werden nicht als Menschen wahrgenommen, die ein Bedürfnis nach Sexualität haben oder auslösen können. Eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen der Sexualität beeinträchtigter Jugendlicher und der von Jugendlichen ohne Beeinträchtigung erscheint uns nicht wünschenswert. Eine Grundlage, auf der festgelegt werden kann, dass „Behinderung und Sexualität“ kein Thema ist, mit dem man sich an „normale Jugendliche“ richtet, ist in hohem Maße fragwürdig. Auch hiermit werden Vorstellungen bestärkt, dass behinderte Menschen keine „normalen Menschen“ seien.

Unser Anliegen ist es, „vielfältige Lebensweisen“ in einer nicht-hierarchisierenden Weise als Normalität anzuerkennen. Da jedes Individuum eine Abweichung von normativen Vorstellungen bildet, halten wir es dabei nicht für sinnvoll, lediglich in jeweils gesonderter Literatur auf spezifische Formen von Sexualität einzugehen. Aus diesem Grund soll dieses Buchprojekt dazu beitragen diese engen Spektren aufzubrechen und mehrere Perspektiven auf das Thema Sexualität zu verbinden.

Organisatorisches:

Beiträge und Ideen können bis zum 20. März an aufklaerungfueralle@gmx.de gesendet werden. Wir freuen uns über (ca.) 2- bis 15-seitige Beiträge. Wir sind uns darüber bewusst, dass dies sehr persönliche Geschichten sein können und werden entsprechend sensibel im Umgang mit deiner Arbeit und deinen Daten sein. Auf Wunsch können Beiträge selbstverständlich auch anonym bzw. unter einem Pseudonym veröffentlicht werden.

Die Herausgeberinnen:

Nadine Glade, 28, geboren und aufgewachsen in Brandenburg. Ihre erste wirklich beeindruckende Entdeckungsreise macht sie mit 18 in Nordamerika. Hier geht sie auf viele Rock- und Punkkonzerte und Demos. Lernt junge feministische Frauen kennen, durch die sie anfängt sich selbst und die Welt zu hinterfragen. Angeregt durch diese Eindrücke beschließt sie 2002 nach Oldenburg zu gehen um dort Politik, Pädagogik und Gender Studies zu studieren. Neben theoretischen Auseinandersetzungen mit postmodernen feministischen Theorien, setzt sie sich als Referentin des feministischen Referats der Uni Oldenburg auch praktisch für frauenpolitische Forderungen ein. Zunehmend gelangweilt von Oldenburg, der Uni und dem Studium geht sie 2007 erneut für 10 Monate ins Ausland – diesmal nach Litauen. Auch hier stellt sie, aus feministischer Sicht, gesellschaftliche Defizite fest, welche sie momentan in ihrer Abschlussarbeit verhandelt.

Anna Hollendung wird seit 26 Jahren permanent mit Geschlechterfragen konfrontiert. Das ist für eine Frau nun mal Alltag. In den letzten 6 Jahren hat sie diesen Faden bewusst aufgenommen, ihr alle-Welt-ist-gut-alter-Ego abgelegt und sich intensiv mit politischer Theorie und Philosophie, Geschlechterkonstruktionen, Rollenvorstellungen, Rüschen und Bärten auseinandergesetzt, erfindet Freiräume und Widerstand und wächst mit ihren Aufgaben. Seminare, Tutorien, Öffentlichkeitsarbeit im Autonomen Feministischen Referat der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, freie Bildungszusammenschlüsse und politische Subversion sind Bühnen auf denen sie ein- und auftritt. In ihrer Abschlussarbeit stellt sie dar, wie Menschenhandel thematisiert und bekämpft wird um für alle einzutreten, deren „Recht, Rechte zu haben“ (Hannah Arendt) unzulänglich behandelt bleibt. Denn sie ist davon überzeugt, dass keine Gesellschaft das Recht hat Menschen zu „menschlichen Abfall“ (Zygmunt Bauman) zu erklären. Das Magisterstudium der Politik und Gender Studies wird sie letztendlich 2011 beenden, zuvor wird sie noch für IPON als Menschenrechtsbeobachterin auf den Philippinen arbeiten.

 
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