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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

Smash § 218
Veranstaltungen und Demo gegen Abtreibungsverbot und christlichen Fundamentalismus

 Rochus Wolff   17. September 2008
 Ankündigungen, Anti-Feminismus, Geschlechterpolitik, Veranstaltungen

Der Paragraph 218 des deutschen Strafgesetzbuches ist ja ein bißchen aus der öffentlichen Diskussion geraten – es gibt derzeit kaum Diskussionen darüber, dass Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, sich nach wie vor strafbar machen, diese Straftat allerdings unter bestimmten Voraussetzungen nicht verfolgt wird.

Für betroffene Frauen kann diese Regelung sehr restriktiv und stigmatisierend sein; dennoch gibt es immer noch Leute, denen der 1995 ziemlich mühsam hergestellte Kompromiß – die liberaleren Regelungen der DDR wurden leider nicht in gesamtdeutsches Recht übernommen, obwohl das insbesondere von FrauenrechtlerInnen gefordert worden war – nicht restriktiv und stigmatisierend genug ist.

Entsprechende Forderungen kommen vor allem aus der Ecke fundamentalistischer christlicher Glaubensrichtungen und nationalistischer Bewegungen – ein eher seltsames, aber bei näherem Hinsehen gar nicht so unlogisches Bündnis von Gruppen, die sich bei antifeministischen Bestrebungen des öfteren Seit’ an Seit’ wiederfinden. Es scheint ihnen zu behagen.

Verschiedene Gruppen haben nun für den kommenden Samstag zu einer Demonstration aufgerufen, deren Aufruf schon fragwürdige Daten enthält: 1000 weiße Kreuze will man durch die Berliner Straßen tragen: Die Kreuze symbolisieren die Zahl der unschuldigen Kinder, die in Deutschland an jedem Werktag ums Leben kommen.

Wir wissen nicht, wieviele Kinder die DemonstrantInnen noch extra umbringen wollen, um auf ihre Zahlen zu kommen; im Jahr 2006 jedenfalls gab es, je nach Zählung, zwischen 248 und 304 Arbeitstage und 119 710 Schwangerschaftsabbrüche. Das müßten schon fast alle Mehrlingsabtreibungen gewesen sein, um auf “1000 tote Kinder pro Werktag” zu kommen.

Erfreulicherweise haben sich aber Menschen* gefunden, die am Samstag ab 11.30 Uhr Ecke Spandauer Str./Karl-Liebknecht-Str. mit einer Kundgebung gegen christlichen Fundamentalismus antworten wollen. Hingehen!

Als “Rahmenprogramm” sind derzeit zwei Veranstaltungen angekündigt, unter anderem heute abend ab 19.00 Uhr im Friedrichshainer K9 (Kinzigstr. 9) ein Screening von Sarah Diehls Film Abortion Democracy.

Weitere Infos und den Aufruf für Berlin gibt es auch als Flyer (PDF); auch in München formiert sich das Antisexistische Aktionsbündnis zu einer Kundgebung am 4. Oktober.

(Danke, Julia!)

*Eine ganze Menge sogar: a.g. gender-killer, ak linker feminismus, ANA – autonome Antifa Neukölln, Antifaschistisches Bündnis Süd-Ost [ABSO], Antisexismusbündnis Berlin, Antisexistische Praxen-Konferenz II, f.a.q. antisexistischer Infoladen, feministische FrauenLesbenListe FU Berlin, Forschungsgruppe Christlicher Fundamentalismus, Frauen- und Queer-Referate AStA TU Berlin, GAP Berlin, LISA 2 Marburg, LAK Shalom Berlin der Linksjugend ['solid], pro familia (Landesverband Berlin), Schwarzer Kanal

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4 Kommentare

(RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel)

  1. Ich erinner mich noch gut daran, dass ich mit meiner Mutter ‘90 und ‘91 Flugblätter gestaltet habe damit eben der Paragraph 218 gestrichen wird. Mir ging das als damals 9-jähriger nicht in den Kopf, dass irgend jemand darüber bestimmen will was irgendwer mit seinem eigenem Körper tut.

    Mein Argument gegen §218: “Schau dir die Frauen an die hier vorbei laufen. Kannst du für jede dieser Frauen entscheiden ob sie ein Embryo austragen muss? Kannst du für eine x-beliebige entscheiden ob ihre Gründe eine Abtreibung rechtfertigen, oder nicht? Woran willst du die Schwere des Grundes messen, an deinem Leben oder an ihrem?” Meistens sehen sie dann ein, dass sie es nicht eintscheiden können.

  2. Ich frage mich, ob es so sinnvoll ist, mit Gegendemonstrationen das Thema noch aufzuwerten.

  3. [...] nach Drag-Festival-Party in Berlin?16. Februar 2007 — Refresh the F-Word17. September 2008 — Smash § 21812. August 2008 — Queer-feministisches Internet?10. August 2008 — Hip Hop Girlz meet Alice [...]

  4. Liebe Paula! Jeder Mensch hat das fundamentalste aller Menschenrechte: zu leben. Auch das ungeborene Kind. Ich wünsch dir, dass auch du einmal echte Liebe erfährst in deinem Leben: “Ich liebe dich” = “Es ist gut, dass es dich gibt!”
    Lass dich auch einfach ein bisschen von Optimismus und Hoffnung anstecken:
    http://www.ich-tus-nicht.de/statements.php
    Sei lieb gegrüßt!

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