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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

Arme Jungs? Ein Kommentar zum Thema “Jungenförderung”

 Ulrike Spohn   14. September 2008
 Allgemeines

Die Medien haben das Thema “Jungenförderung” entdeckt – und lenken die Diskussion systematisch in die falsche Richtung. Die meisten Beiträge beschwören eine neue Machokultur. Sie dämonisieren den Feminismus und diffamieren ihn als “dichte[s] Netz von Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, von Beratungsstellen für Mädchen und Frauen und von Frauengruppen in Gewerkschaften und Institutionen”, das in den Schulen und anderswo seine “machtpolitische[n] Interessen” ausspiele. Die Warnung vor einem “Abdriften eines Teils der Bevölkerung” – nämlich der “diskriminierten”, “chancenlosen” Jungen – ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten.


Dass „Jungenförderung“ in den Medien zurzeit stark thematisiert wird, hat möglicherweise nicht zuletzt damit zu tun, dass einigen Journalisten die in letzter Zeit verstärkte Berichterstattung zum Thema Feminismus gegen den Strich geht. Diese Vermutung liegt deswegen nahe, weil die Artikel zum Thema Jungenförderung größtenteils einseitig eine neue Machokultur beschwören und die aberwitzige These aufstellen, Jungen würden durch die „machtpolitischen Interessen“ eines „dichte[n] Netz[es] von Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, von Beratungsstellen für Mädchen und Frauen und von Frauengruppen in Gewerkschaften und Institutionen“ unterdrückt und diskriminiert (siehe Der SPIEGEL 35 / 2008). Hier wird die Schule zur Erziehungsdiktatur stilisiert, in der die armen Jungen von feministischen Lehrerinnen darauf „konditioniert“ würden, sich mehr für „Schmetterlinge“ als für „Piraten“ zu interessieren. Die Autorität, auf die sich der Autor Ralf Neukirch beruft, um seinen Ansichten Legitimation zu verschaffen, ist Anne Blank, „die Leiterin einer Arbeitsgruppe für Bubenförderung im bayrischen Kultusministerium“. Nach Meinung dieser Dame hat „die feministische Diskussion […] dazu geführt, dass man die Jungen so behandelt, wie man sie gern hätte, und nicht, wie sie sind”. Wie „sind“ „die“ Jungen denn? Ralf Neukirch weiß die Antwort: Jungen mögen Fußball, Piraten und Ritterburgen, und sie mögen nicht „darüber schreiben, wie es ist, mit nackten Füßen durchs Gras zu gehen und Libellen zu beobachten“. Sie lieben die „harmlose Schulhofrangelei“ und schneiden in Diktaten besser ab, wenn „Wörter wie Schiedsrichter oder Torwart in den Texten auf[tauchen]“. Was der Autor übersieht, ist, dass die spezifischen Interessen von Jungen und Mädchen nicht frei im Raum schweben, um schließlich gemäß ihrer „natürlichen Bestimmung“ die Gestalt eines Schmetterlings oder einer Ritterburg anzunehmen. Im Gegenteil gibt ihre Umwelt ihnen doch vor, wofür sie sich aufgrund ihres Geschlechts überhaupt interessieren dürfen. Die Aussage, Jungen, die stereotype männliche Eigenschaften an den Tag legten, würden „diskriminiert“ und hätten dadurch schlechtere Chancen im Leben, ist an Lächerlichkeit nur noch durch Neukirchs Warnung vor einem „Abdriften eines Teils der Bevölkerung“ zu überbieten. Hier gehen wirklich alle Proportionen verloren. Neukirch fürchtet sich vor der „Macht“ einer Frauenlobby, vor dem „dichte[n] Netz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten“ – und verschwendet keinen Gedanken daran, dass die Gesellschaft „an sich“ eine einzige Männerlobby ist. Dazu passt natürlich, dass er Frauen einen Mangel an „Risikobereitschaft, Konkurrenzdenken, Aggressivität“ attestiert, was seiner Ansicht nach erklärt, „warum es Frauen schwer haben, in großen Unternehmen ganz nach oben vorzustoßen“. Auf die Idee, dass das das „Mangelhafte“ in dieser Angelegenheit nicht bei den Frauen, sondern bei den Unternehmen zu suchen sein könnte, kommt er natürlich nicht.

Jörg Staiber von der Nahe-Zeitung – einem regionalen Ableger der „Rhein-Zeitung“ – springt ebenfalls auf den Zug der Jungenförderungsthematik auf. Er erklärt die Tatsache, „dass Mädchen die Jungen im schulischen Bereich inzwischen weit hinter sich lassen“, zum „Problem“ und warnt vor den „fatalen Folgen“ dieser Entwicklung. Macht ihn die Tatsache, dass sich – laut dem „Gender-Datenreport“ des Familienministeriums aus dem Jahre 2005 – der Anteil von Frauen in „Top-Führungspositionen“ mittlerweile auf Schwindel erregende 19 Prozent beläuft, so nervös? Ist mit den „fatalen Folgen“ die Vorstellung gemeint, dass eines schönen Tages einmal die Hälfte aller Aufsichtsräte der DAX-notierten Unternehmen und C4-Professuren mit Frauen besetzt sein könnten, und dass mehr Väter auf eine Vorstandskarriere verzichten, um Zeit mit ihren Kindern zu verbringen? In der Tat: ein Horrorszenario!

Jungenförderung wird leider viel zu oft falsch verstanden, und das Thema wird in den Medien, bis auf wenige Ausnahmen, systematisch falsch diskutiert. Der Ruf nach „Rollenvorbildern“ für Jungen ist völlig richtig. Was allerdings wirklich „fatal“ ist, ist die Tatsache, dass viele darunter das stereotype Bild des „starken Mannes“, der Karriere macht, ein dickes Auto fährt, Fußball spielt und einen Nagel gerade in die Wand schlagen kann, verstehen. Richtig wäre es, Jungen andere Vorbilder anzubieten als dieses, das den – nach wie vor betonierten – gesellschaftlichen Erwartungen an einen „echten“ Mann entspricht. Um den Erfahrungshorizont von Jungen zu erweitern und ihnen die Möglichkeit zu geben, ohne Angst vor Diskriminierung auch Eigenschaften, Gefühle und Gedanken jenseits des herrschenden Jungenklischees auszuleben, müssen erwachsene Männer endlich den Mut finden, Jungen etwas anderes vorzuleben. Und sie täten gut daran, sich hierfür von der Entschlossenheit der „kampferprobten Frauenrechtlerinnen“, deren „Lobbyismus“ Staiber fürchtet, eine Scheibe abzuschneiden.

Weiter kann Jungenförderung nicht heißen, Angebote für Jungen zu schaffen, bei denen es darum geht, dass die kleinen wilden Racker sich mal wieder so richtig austoben können, um ihren vermeintlich naturgegeben höheren Aggressionspegel zu senken. Statt wie seither mit dem Geschlechterargument Jungen gegenüber mehr Nachlässigkeit zu zeigen, wäre es an der Zeit, auch ihnen die an Mädchen ohnehin herangetragene Erwartung, diszipliniert und zielstrebig zu lernen und zu arbeiten, durch interessante Angebote schmackhaft zu machen. Man sollte aber bei all dem auch nicht vergessen, dass Mädchen trotz höheren Bildungs- und Qualifikationsniveaus den Sprung in die Führungsetagen später nicht schaffen – im Gegensatz zu ihren oft schlechter qualifizierten Kollegen. Man sollte also wirklich genau darüber nachdenken, wo Förderprogramme tatsächlich benötigt werden.

Staiber beklagt, dass „ein Kind, das mit zwei Jahren in den Kindergarten kommt, gute Chancen [hat], in den ersten acht Jahren seiner ‚öffentlichen Erziehung’ nie einen Mann zu Gesicht zu bekommen“. Dass mehr Männer den Beruf des Erziehers oder Grundschullehrers ergreifen, wäre unter dem Aspekt, alle gesellschaftlichen Bereiche gleichermaßen mit Männern und Frauen zu besetzen, übrigens tatsächlich wünschenswert. Mehr als fraglich ist allerdings, ob ein Hinweis in entsprechenden Stellenausschreibungen, dass „Männer bei gleicher Qualifikation bevorzugt werden“, wie Staiber vorschlägt, hier etwas bringen würde. Mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Mann das Antidiskriminierungsgesetz genutzt und den Vorwurf der Diskriminierung erhoben hätte, weil er seinen Wunsch, Kindergärtner zu werden, nicht hat verwirklichen können. Vielleicht sollte man stattdessen lieber darüber nachdenken, das Image der erzieherischen Berufe aufzuwerten und sie aus der „Kuschelecke“ herauszuholen. Dazu gehört neben einer angemessenen Bezahlung auch, dass die Gesellschaft die Bedeutung dieser wichtigen Aufgabe der Erziehung und Ausbildung von Kindern erkennt und diejenigen, die sich ihr Tag für Tag stellen, mit mehr Anerkennung bedenkt. Das übliche „Emanzenbashing“ und der Ruf nach neuen Machos helfen uns bei dem Problem der ungleichen Chancen für Jungen und Mädchen jedenfalls nicht weiter, ganz im Gegenteil!

 
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41 Kommentare

(RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel)

  1. Sehr richtig! Ein Lehramtsstudent für Grund- und Mittelstufe erzählte mal, dass ein Professor ihm sagte, sehr viele Männer, die in den Grundschuldienst einsteigen, würden in die Schulleitung oder sogar ins Ministerium befördert, und damit nach ein paar Jahren wieder aus den Klassen verschwinden. Das hat auch wiederum mit Rollenvorstellungen zu tun: Grundschullehramt wird als netter Teilzeitjob zum Zuverdienst misverstnaden, während Männern aufgrund von Familienernährer-Konzepten nahegelegt wird, einen aussichtsreichen Vollzeitjob zu haben. Das finde ich vor dem Hintergrund dieser Debatte auch sehr bemerkenswert.

  2. Halten wir doch erstmal fest:

    Eine Bundes-Studie hat bewiesen, daß Jungen bei gleicher Leistung schlechter bewertet werden als Mädchen. Da stellt sich doch die Frage, wie kann das sein? Schaut man in die feministische Literatur erhält man schnell eine Antwort. Weiblein ist besser und wertvoller als das Männlein. So rein gefühlt menschlich eben. Seit 30 Jahren wird uns die nicht wissenschaftlich belegten weiblichen Supersoftskills in diversen Femizinen um die Ohren gehauen. Dieses färbt natürlich ab, auch auf LehrkörperInnen.

  3. Noch ein Kommentar, die andere Seite.
    http://www.welt.de/wams_print/.....-sind.html

  4. Hallo,
    also ich als männlicher Erzieher in einer Kita, finde die Diskussion, ob jetzt Jungen von “bösen Feministinnen” in ihren ersten Lebensjahren begleitet und “benachteiligt” werden, schwachsinn!
    Vorallem mit irgendwelchen Studien zu kommen, wieviel Prozent die jungs in der Grundschule abschneiden und so…Komisch denn (andere) Studien belegen auch, dass Frauen im Berufsleben schlechter bezahlt werden und so weiter… und die bezahlte Reproduktions Arbeit nicht zu vergessen! Wie kommt das denn?
    Die Diskussion mmüsste meines erachtens darüber gehen, wie unsere Gesellschaft struktuiert ist und wie emanzipative Erziehungsformen gestaltet werden können für Jungen und Mädchen in der Kita.
    Wichtig ist doch, dass Jungen- und Mädchen spezifische Interessen und Bedürfnisse in dem Kita Alltag ungesetzt und kritisch Reflektiert werden sollten um so nicht klassische Rollenbilder und Verhaltenmuster zu reproduzieren.

  5. @Lotte Bakunin
    >Wichtig ist doch, dass Jungen- und Mädchen spezifische Interessen und Bedürfnisse in dem Kita Alltag ungesetzt und kritisch Reflektiert werden sollten um so nicht klassische Rollenbilder und Verhaltenmuster zu reproduzieren.<
    Und genau dieses “kritische Reflektieren” scheint so gut zu gelingen, daß Jungen miserabel in diesem reflektierenden Erziehungssystem abschneiden.
    Jungen und Mädchen haben in ihrem So-Sein angenommen zu werden und müssen nicht dahin umerzogen werden, wohin sie nie wollen, sondern positiv begleitet und bestärkt werden, egal, wohin sie wollen.
    Wenn sie dabei “klassisches” Rollenverhalten reproduzieren, dann sollte man das nicht aus ideologischer Besessenheit heraus verhindern, zumal niemand weiß, wieviel von diesem Rollenverhalten sich den biologischen Grundlagen der Geschlechter, wieviel sich tatsächlich soziokultureller Prägung verdankt.
    Umerziehungsversuche, denen sich Jungen in solchem Ausmaße verweigern, sind eine schädigende Anmaßung.

  6. Interessant, ist die Mobbing Statistik grade für ErzieherInnen, in denen natürlich viele Softskills abverlangt werden und somit klar ist, warum überweigend Damen diesen Beruf wählen. Besonders erstaunlich ist auch, wie diese Damen mit ihren männlichen Erzieherkollegen umgehen (spon).

    Die klassischen Rollenbilder werden grade weggegendert, zumindest das männliche (Granatenvereine wie Dissens e.V. und hyperaktive Defizitpädagoginnen arbeiten fleißig daran), das weibliche darf bleiben, ist ja auch irgendwie wertvoller und anpassungsfähiger.

    Stimmt, Studien dürfen nur durchgeführt/erwähnt werden, wenn die Frau als ewige “OpferIn” dargestellt wird oder z.B. wenn es den Damen dient, die in der vollkommen schwachsinnigen Genderforschung einen nichtsnutzigen Job gefunden haben.

  7. Ulrike Spohn,

    “Dass „Jungenförderung“ in den Medien zurzeit stark thematisiert wird, hat möglicherweise nicht zuletzt damit zu tun, dass einigen Journalisten die in letzter Zeit verstärkte Berichterstattung zum Thema Feminismus gegen den Strich geht.”

    “Man sollte aber bei all dem auch nicht vergessen, dass Mädchen trotz höheren Bildungs- und Qualifikationsniveaus den Sprung in die Führungsetagen später nicht schaffen – im Gegensatz zu ihren oft schlechter qualifizierten Kollegen. Man sollte also wirklich genau darüber nachdenken, wo Förderprogramme tatsächlich benötigt werden.”

    Interessant finde ich hier leider vor allem die Aggressivität mit der in Abrede gestellt wird, daß ein Problem bestehen könnte, weil, ja weil offenbar die Angst besteht, daß eine Berichterstattung über die potentiell vom Feminismus hervorgerufenen Kollateralschäden die Bewegung pauschal diskreditieren könnte.

    Ich persönlich finde, daß das vor allem der Fall sein dürfte, wenn sich die hier zum Ausdruck kommende Sichtweise durchsetzen sollte und sich die heute institutionell abgesicherten second waverInnen in Deutschland weiterhin nicht oder wenn nur in geschlossenen Zirkeln mit sich und ihrer Geschichte auseinandersetzen. Man erinnere sich nur mal an das Editorial von Lisa Ortgies in der Emma… das war wohl schlicht zuviel für die Vertreterinnen des “weil nicht sein kann was nicht sein darf.”

    Zur Erinnerung, auch das nach diesem Absatz zitierte Bekenntnis einer feministischen Mutter eines Sohnes stand mal in der EMMA, in den Achtzigern (Februar 1986), als sie auch das S.C.U.M. Manifest auf deutsch druckte und sicher noch mehr als heute als Indikator für den Geisteszustand des deutschen Feminismus angesehen werden konnte.

    “Ich finde es sehr schwer, viel schwerer, als Feministin zu sein und Töchter zu haben. Feministin und Mutter eines Sohnes zu sein. Weil ich eben bei fast keiner Sache, die den Sohn stark macht, Solidarität zeigen kann und / oder fühle. Überspitzt gesagt: Die Entwicklung der Töchter zur Frau schafft mir gelegentlich Konkurrenz- und Neidgefühle. Die Entwicklung des Sohnes zum Mann bedroht mich existentiell. … Und trotzdem: Wir müssen den Söhnen die Privilegien nehmen! Wir können nicht Männermacht bekämpfen und die Augen vor den eigenen Söhnen verschließen. Wir haben keine neutralen Wesen an unseren alternativen Busen genährt, sondern die Patriarchen von morgen, wenn wir ihnen diese Sicherheit nicht rauben – ganz persönlich. Wir müssen unseren männlichen Kindern etwas wegnehmen, sie unterdrücken. Das tut weh.”

    Wenn sich der klassische Feminismus nicht mit sich selbst auseinandersetzt sondern in seiner – aus meiner Sicht offenbaren, und auch hier zum Ausdruck kommenden – Kritikunfähigkeit verharrt und seine Realitätskonzeption weiterhin lieber aus soziologischen Wälzern aus der Nachkriegszeit denn aus eigenen Beoabachtungen bezieht, dann sollte sich dieser Feminismus aus meiner Sicht lieber nicht über einen vermeintlichen “backlash” oder “Antifeminismus” beklagen, nur weil sich andere Leute Fragen stellen, die sie – auch und gerade aufgrund ihres Hintergrunds im Bereich “Geschlechtergerechtigkeit” – schon seit langem – auch selbstkritisch – diskutieren sollten. Solche Selbstkritik würde auch aggressive und eher unsachliche Rebuttals wie das obige deutlich glaubwürdiger machen.

  8. Ich habe vor ein paar Wochen erst den “Puppenkasper” von W. Gogolin gelesen – das Buch ist von 2004 und nimmt die jetzt erst bekannt gewordenen und im Spiegel kommentierten Ergebnisse hinsichtlich der Jungenbenachteiligung vorweg. Fremdbestimmung ist keine so gute Idee, auch nicht, wenn sie von feministischen idealen durchdrungen ist.

    Bedenklich finde ich, dass die gleichen Stimmen, die sich seit Jahren erfolgreich für Mädchenförderung ohne Ende eingesetzt haben, die Schlechterstellung der Jungen nicht schlimm finden – sie vergessen vermutlich, dass männliche ‘Schulversager’ als Opfer für künftige weibliche Unterhaltswünsche ausfallen.

  9. >Die Entwicklung des Sohnes zum Mann bedroht mich existentiell. … Und trotzdem: Wir müssen den Söhnen die Privilegien nehmen! Wir können nicht Männermacht bekämpfen und die Augen vor den eigenen Söhnen verschließen. Wir haben keine neutralen Wesen an unseren alternativen Busen genährt, sondern die Patriarchen von morgen, wenn wir ihnen diese Sicherheit nicht rauben – ganz persönlich. Wir müssen unseren männlichen Kindern etwas wegnehmen, sie unterdrücken. Das tut weh.”<
    Ich möchte nicht wissen, wie viele feministische Lehrerinnen dieses Konzept in ihrem ideologischen Furor umsetzten.
    Schnitten Mädchen in einem männlich bestimmten Erziehungssystem so schlecht ab wie Jungen heutzutage, Feministinnen wären die ersten, die den Skandal dieser Diskriminierung lautstark publik machten.
    Da aber Jungen die Opfer sind, soll wohl am besten darüber geschwiegen werden, scheint doch die Benachteiligung unmündiger Jungen gerechtfertigt, wenn es nur dem Fortkommen erwachsener(!), mündiger(!!) Frauen im Beruf dient.
    Dabei fällt es dem Feminismus immer schwerer, darüber hinweg zu täuschen, inwieweit der mangelnde berufliche Erfolg von Frauen von Entscheidungen bewirkt wird, die diese eigenverantwortlich treffen und somit nicht als Folge von Diskriminierung deutbar ist.
    Es dürfte schwer fallen, den zynischen Egoismus dieser selbsternannten Wohltäterinnen der Menschheit noch länger zu übersehen.

  10. Was man bereits beim Übergang vom Studium ins Berufsleben merkt ist die große Kompromissbereitschaft von Frauen im Vergleich zu Männern. Bestimmtes wird alleine deswegen nicht verfolgt, weil man ja auch irgendwann Kinder möchte und man nicht noch mehr Zeit verlieren dürfte…

    Das sind wohlgemerkt keine bösen Unterstellungen sondern Dinge die man immer wieder wortwörtlich so zu hören bekommt. Weshalb ich mittlerweile gerne knallhartes, unverlangtes Feedback gebe. Dann kann ich es später ablehnen das Geheule anzuhören, wenn die Scheidungsrichterin (weil im öffentlichen Dienst sind die Weiber ja schon ehrgeizig) sagt, dass Madame die sich das Vorstadtleben so nett vorgestellt hat, jetzt mal wieder ihren Arsch bewegen soll für den Lebensunterhalt.

    Die Glasdecke gibt es, aber die meisten Frauen setzen sich nicht dagegen zur Wehr sondern wollen eingekuschelt ihre Harmonie-Träume verwirklichen.

  11. Zur Selbstreflexion feministischer Jungen-/Männerbilder und ihre Auswirkungen auf die Jungenerziehung, hier der vollständige EMMA-Beitrag vom Februar 1986, aus dem Tobias zitierte:
    http://www.trennungskinder.de/traumsohn.htm

    Jungen unglücklich zu machen, ihr Selbstbewußtsein zu zerstören als Dienst an der guten Sache, schönes Beispiel für die Menschenfreundlichkeit feministischer IdeologInnen.

  12. *Die Warnung vor einem “Abdriften eines Teils der Bevölkerung” – nämlich der “diskriminierten”, “chancenlosen” Jungen – ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten.*

    Übrigens richtig lächerlich und lustig wird es, wenn die Jungen dank Identitätszerstörung sich eines Tages selbstständig männliche Vorbilder suchen. Da diesen ja alle sozialen Skills abgesprochen wurden, kann sich jeder ausmalen was das für Vorbilder sind. Feminismus funktioniert wie die perfektionierte Landminenproduktion, neben der Herstellung und Anleitung zur Verlegung, bietet man auch noch Minenräumfahrzeuge an. So richtet man schon heute die TätER von morgen ab, um den OpferIn-Bonus der Frauen aufrecht zu halten, welcher wiederum garantiert bei Straftaten (Kindesunterschiebung, Kindestötung, Betrug, Rufmord etc.) Straffreiheit garantiert.

  13. [...] Genderblog nimmt sich Ulrike Spohn mit einem sehr lesenswerten Kommentar dankbarerweise dem momentan so populären Thema Jungenförderung an. Wie man an den Kommentaren sieht, wäre das noch öfter [...]

  14. Bevor wir hier weiterdiskutieren, sollte seitens der Mods hier geklärt werden, ob hier genau so zensiert wird wie im Mädchenblog.blogster.

  15. Don’t feed the antifeminist trolls… :) … but …

    Leute, ihr braucht alle mal eine gewaltige Ladung Theorie-Nachhilfe. Und nicht nur die verklemmten Antifeministen, die glauben, dass wenn Heranwachsende, denen ein männliches Geschlecht zugeordnet wird, auf einmal ihre ‘männliche Natur’ (was auch immer das sein soll?!?) verlieren, sondern auch diese ganzen bescheuerten Jungenförderer. Anstatt rumzuheulen und Geschlechtersolidarität für die armen Opfer ‘Jungs’ zu praktizieren (aber die benachteiligten Frauen schnell wieder vergessen – sonst würde der von euch inszenierte ‘Kampf der Geschlechter’ wohl nicht stattfinden) und in irgendwelchen Blogs irgendwelche Uraltstellen aus der EMMA zu zitieren, würde euch ein bisschen Theorie mal ganz gut tun.

    Dann würdet ihr nämlich wissen, dass ‘männlich’ und ‘weiblich’ nur willkürliche Attribute sind, deren verknüpfte Eigenschaften die meisten Menschen mehr einschränken, als dass sie einem irgendwie helfen. Wenn ihr das dann mit der Situation in Grundschulen und Kindergärten vergleichen würdet, dann würdet ihr feststellen, dass die meisten Kinder trotz solcher auch in die Pädagogik eingesackerten Erkenntnissen die wenigsten Kinder heutzutage in der Lage sind, ihre Geschlechteridentität zu hinterfragen.

    Was auch immer aus irgendwelchen gestrigen Diskursen (und meinetwegen auch aus irgendwelchen Einzelstatements der aktuellen EMMA) rauszulesen vermögt, ist weniger ein Beleg für die angebliche Männerfeindlichkeit der FeministInnen und anderen Genderbewegten als ein Beweiß für eure eigenen Scheuklappen rund um einen von euch als vom Feminismus angefeuert imaginierten ‘Kampf der Geschlechter’… Dass es der feministischen Bewegung bei allen (letztlich durch die noch massivere Benachteiligung von Frauen in vergangenen Tagen, die ihr Wohlstandsmänner euch wahrscheinlich nicht mal vorstellen könnt, verursachte) männerfeindlichen Äußerungen immer um Geschlechtergerechtigkeit ging und nicht die Ausrottung der ‘männlichen’ Menschen oder deren Reprogrammierung, blendet ihr in eurem Verschwörungswahn wohl besser aus…

    In diesem Fall gilt wie in den meisten Diskussionen, dass man sich vorher schon ausführlich informieren sollte, bevor man über angebliche Schweinereien herzieht… Bildung führt nicht nur zu mehr Chancengerechtigkeit, sondern auch zu weniger Idiotie in Internet-Diskursen…

  16. Sven,

    “Dass es der feministischen Bewegung bei allen … männerfeindlichen Äußerungen immer um Geschlechtergerechtigkeit ging und nicht die Ausrottung der ‘männlichen’ Menschen oder deren Reprogrammierung, blendet ihr in eurem Verschwörungswahn wohl besser aus…”

    Ich würde das für viele Feministinnen der “dritten Welle” unterschreiben – daher finde ich ein solchermaßen plattes “es gibt kein Problem, weil es keins geben kann” auch umso verwirrender. Was die zweite Welle betrifft, dazu gehörte auch jemand wie Valerie Solanas, deren Forderungen noch 1997 in der schon erwähnten Zeitschrift gedruckt wurden (vielleicht ja nur zur Dokumentation einer Serie zur feministischen Vergangenheitsbewältigung – http://www.emma.de/914.html). Forderungen die im Übrigen ziemlich explizit das fordern, was Du als absurd beschreibst. Klar, das war selbst in der zweiten Welle eher “radikal”. Aber es zeigt doch ganz klar, daß dem Feminismus so wie jeder auf Gruppenrechte zielenden Ideologie ein ziemliches – zumindest gedankliches – Gewaltpotential innewohnt – und was die Umerziehung betrifft, da ist das Erbe des Marxismus, das im Feminismus ja bis heute unverkennbar ist, durchaus problematisch.

    Wie gesagt, die meisten der Frauen und Männer, die sich heute als Feministen bezeichnen, haben mit den problematischen Seiten nichts am Hut. Wie man ja auch nicht zuletzt an Lisa Ortgies’ Editorial in der Emma lesen konnte -

    “Halten Sie mich für ignorant, aber ich habe erst bei der Recherche zu diesem Text erfahren, dass Differenzialfeministinnen den Radikalfeministinnen vorwerfen, sich an männlichen Idealen zu orientieren. Dass Vertreterinnen des kybernetischen Feminismus die Aufhebung der biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern fordern. Oder dass der gynozentrische Feminismus genau diese Unterschiede verteidigt und feiert.

    To cut it short: Es gibt vier Haupt- und elf Unterströmungen des Feminismus, die sich in ihren Theorien teilweise gegenseitig aufheben. Darunter auch der freudomarxistische, anarchistische oder marxistische Feminismus. Auf die Gefahr hin, dass jetzt einige von euch ihr Abo kündigen: Bin ich die einzige, die in dieser Aufzählung eine gewisse Komik entdeckt.”

    Daß sie sich bei der theoretischen Vorbildung nicht gegen die Geschichte durchsetzen konnte, war klar. Aber genau das ist doch der Punkt: Die feministische Gegenwart ist geprägt von der feministischen Geschichte, und die ist eben mitunter problematisch. Solange das nicht laut und öffentlich diskutiert wird, solange nicht Feministinnen selbst die problematischen Ideologiekonstrukte und ihre potentiellen gesellschaftlichen Auswirkungen diskutieren, finde ich es notwendig, auf diese Dinge von außen hinzuweisen.

    Soviel mal zur theoretischen Nachhilfe…

  17. Ja, und genau aufgrund dieser vielen Theoriedifferenzen gab es im Feminismus immer schon haufenweise Selbstkritik unterschiedlicher Art, jede Menge Weiterentwicklungen und Neuorientierungen. Und genau deshalb macht es überhaupt keinen Sinn, jedem feministischen Text, jeder feministischen Kindergärtnerin und jeder feministischen Pädagogikprofessorin vorzuwerfen, sie würden unhinterfragt und unkritisch einer radikalfeministischen Ideologie anhängen, die sich in irgendeinem 80er Jahre EMMA Artikel findet.

  18. @genderwars: Zensiert wird hier nicht. Beschimpfungen wie diejenige, die Du hier gestern nacht abgegeben hast, werden aber gelöscht oder gar nicht erst freigegeben.

  19. @Sven
    >Leute, ihr braucht alle mal eine gewaltige Ladung Theorie-Nachhilfe. Und nicht nur die verklemmten Antifeministen, die glauben, dass wenn Heranwachsende, denen ein männliches Geschlecht zugeordnet wird, auf einmal ihre ‘männliche Natur’ (was auch immer das sein soll?!?) verlieren, sondern auch diese ganzen bescheuerten Jungenförderer.<
    Sven, wenn jemandem so wie Dir schlicht das biologische Grundlagenwissen über angeborene und hormonell bedingte Geschlechtsunterschiede zu fehlen scheint, ist es wenig ratsam, anderen Theoriedefizite zu unterstellen.
    Die Vorstellung, man werde als Mann und Frau nicht geboren, sondern erst dazu gemacht, können nur jene Geisteswissenschaftler noch aufrecht erhalten, die von den biologischen Fakten, die die Forschung allein der letzten 15 Jahre zusammengetragen hat, nicht die mindeste Ahnung haben.
    Dein Weltbild spielt deshalb in den Biowissenschaften keine Rolle. Man nimmt es schlicht nicht mehr ernst.
    Allein die psychischen Wirkungen zahlreicher Hormone, die bei Mann und Frau in unterschiedlicher Konzentration vorliegen oder bei gleicher Konzentration durch antagonistische Wechselwirkungen mit Sexualhormonen unterschiedliche Auswirkungen haben und die hochwirksame Psychopharmaka sind, wie die Sexualhormone ja selbst, sorgen für jede Menge Verhaltensunterschiede zwischen Mann und Frau, die weit über alles soziokulturell Konstruierte und Zugeschriebene hinaus gehen.
    Von den unterschiedlichen Funktionsmustern männlicher und weiblicher Gehirne wie sie die neuen bildgebenden Verfahren zeigen, den anatomischen Unterschieden und den sich daraus möglicherweise ergebenden Ableitungen gar nicht zu reden.
    Wenn Gendertheoretiker noch ernst genommen werden wollen, sollten sie schleunigst einen Blick auf die biologischen Grundlagen dessen, wovon sie reden, werfen, den Menschen als Säugetier, als Mann und Frau.
    Also, erst mal ein bißchen Biologie, Medizin, Neuropsychologie pauken, bevor man solche Statements abliefert.

  20. Stimmt Jungenförderer sind bescheuert, weil das männliche Geschlecht keine Förderung verdient hat und sowieso laut den drei heiligen Königinnen Schwarzer, Solanas, Dworkin vernichtet geschreddert zerquetscht werden sollte.

    30 Jahre crossmediale feministische Volksverhetzung, nicht schlecht, was diese bei unseren MenschInnenfreundInnen so angerichtet hat.

  21. Was ich schade finde, ist, daß dieses Thema immer mit einer solchen Aggression diskutiert wird, daß sich die beteiligten “Parteien” am Ende wieder in ihre Echokammern zurückziehen ohne irgendwas vom anderen gelernt zu haben. Das ist der Fragestellung unangemessen und führt nur zu unnötigen Konflikten. Klar, ich finde auch, der Feminismus muß selbstkritisch(er) werden. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, daß derbe Beschimpfungen dazu beitragen werden, daß sich eine solche Entwicklung einstellt.

  22. @Tobias
    >Klar, ich finde auch, der Feminismus muß selbstkritisch(er) werden. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, daß derbe Beschimpfungen dazu beitragen werden, daß sich eine solche Entwicklung einstellt.<
    Da gebe ich Dir völlig Recht.
    Mich ärgern Ausfälle, wie genderwars sie hier vollführt auch deshalb, weil sie es auf feministischer Seite leicht machen, die haßgeladenen Abschnitte feministischer Geschichte zu verdrängen, zu verleugnen, zu rechtfertigen.
    Einiges davon habe ich persönlich mit-und abbekommen in den späten 70′er Jahren, als 18-19jähriger Freund einer Gleichaltrigen, die sich zunehmend dem radikalen Feminismus verschrieb wie einer Sekte.
    Manches von dem Erlebten wird ahnbar in diesem Artikel von Astrid von Friesen, die diese Zeit als Feministin erlebte und offensichtlich keine schönfärberische “Veteraninnenkultur” beim Erinnern pflegt:
    http://www.zeitpunkt.ch/news/a.....chtet.html
    Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß bei vielen Männern Verwundungen zurückblieben, die sich u.U. in solchen Ausbrüchen wie oben nachzulesen, äußern.
    Es kam zu emotionalen Verwüstungen in einem besonders sensiblen Bereich.

  23. Man sollte aber bei all dem auch nicht vergessen, dass Mädchen trotz höheren Bildungs- und Qualifikationsniveaus den Sprung in die Führungsetagen später nicht schaffen – im Gegensatz zu ihren oft schlechter qualifizierten Kollegen. Man sollte also wirklich genau darüber nachdenken, wo Förderprogramme tatsächlich benötigt werden.

    Ich kann hier nichts anderes erkennen als die Idee, Jungen in der Form in Kollektivhaftung zu nehmen daß sie in der Entfaltung ihrer Potentiale gehindert werden sollen: Die Mädchen hätten es später schwerer, also müssen wir es den Jungs heute schwerer machen.

    Insofern finde ich die EMMA-Zitate gar nicht weit hergeholt. Vom Duktus erinnert mich der Artikel sehr an Chantal Louis´ “Prügelknaben oder prügelnde Knaben”

    Bei den den Bildungsverlierern handelt es sich überwiegend um Jungen aus unterprivilegierten Familien. Das Abdriften eines Teils der Bevölkerung ist keine Wahnphantasie, sondern gesellschaftliche Realität. Eine Realität, an der es offenbar nichts auszusetzen gibt solange die Verlierer Schwanzträger sind.

    Das zeigt eben wieder das Gewaltpotential von manchen Ausprägungen des Feminismus, und wir täten tatsächlich gut daran solche mit Nachdruck auf den Müllhaufen der Geschichte zu befördern.

  24. P.S.: Sorry. Wer es partout nicht wahrhaben will: Das gezielte Nichtfördern von Kindern ist Gewalt.

  25. “Mich ärgern Ausfälle, wie genderwars sie hier vollführt auch deshalb, weil sie es auf feministischer Seite leicht machen, die haßgeladenen Abschnitte feministischer Geschichte zu verdrängen, zu verleugnen, zu rechtfertigen.”

    Wenn Sie Sendungen / Talkshows mit dem Schwerpunkt Thema Feminismus, dann müßten sie gemerkt haben, daß diese “Du Britta, wir sollten uns mal kritisch mit den Vergasungsplänen von Frau Solanas sowie aktuelle Aussagen:
    - Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden. -

    - Alle Männer sind ‘potentielle Vergewaltiger. -

    kritisch außeinandersetzen, du.”

    Dieses Pudel-blabla zeigt überhaupt keine Wirkung. Wirkung zeigt dagegen nur knallharte Konfrontation mit der Geschichte feministischer Volksverhetzung und den Lebenslügen der GutmenschInnen.

    Das Misandrie in kleinen Damenkreisen gefeiert wird ist mir schnuppe, nur wenn diese ein Abrichtungsprogramm für eine Gesellschaft begründet (viele der FemifaschistInnen sitzen heute im Erziehungswesen, Genderforschung etc.) dann wird´s brenzlig.

  26. “P.S.: Sorry. Wer es partout nicht wahrhaben will: Das gezielte Nichtfördern von Kindern ist Gewalt.”

    Übrigens, in der aktuellen Defizit bzw. Verweiblichungspädagogik an Jungen sehen Experten eine Form des Mißbrauchs. Für FeministInnen natürlich undenkbar, mißbrauch hat immer etwas mit männlicher körperlicher Gewalt zu tun.

    Genauso wenn ältere europäische Damen in Afrika die Armut der männlichen Schwarzen ausnutzen und diese zu Leibeigene erklären, dann istdas nicht Prostitution sondern sinnliche Völkerverständigung.

  27. Tobias:

    Ich kann nur über die Formen des Feminismus sprechen, die ich erlebt habe. Ich denke, dass selbst zu den Hochzeiten der zweiten Welle nur eine Miderheit S.C.U.M. und ähnlichem Blödsinn angehangen haben. Dass es so was gegeben hat und auch heute noch gern neo-essentialistische Auswüchse gibt, würde ich eher als eine bestehende Aufgabe ansehen. Mein erster Beitrag zielte lediglich gegen die Verleumdung einer ganzen Bewegung aufgrund von Zitaten, die größtenteils aus ihrem Kontext gerissen werden. Dann wird auch immer noch angenommen, dass es sich bei dem Feminismus gefälligst um eine homogene Bewegung zu handeln hat, mit einer einheitlichen Meinung und dezidierten Köpfen … und weil jetzt keine medientauglichen Köpfe mehr nachkommen wollen oder weil die existierenden Köpfe für den seichten medialen Mainstream zu komplexe Gedankengebäude errichten, kann man den Backlash einleiten unter dem Verweis, es sei doch nur um Einzelinteressen gegangen…
    Fakt ist: Gegen eine ernsthafte Aufarbeitung der dunklen Stellen ist nichts zu sagen. Auch, wenn ich es nicht weiß, gehe ich davon aus, dass sich durchaus FeministInnen schon damit beschäftigt haben. Ich verbitte mir aber, diese ‘Aufarbeitung’ von verwirrten Leuten wie genderwars durchführen zu lassen, die mit reaktionären Reflexen hier auf den Feminismus einprügeln wollen…

    Rosslin:
    Mir mit dem Biowissenschaften und ihren ‘Belegen’ für gesellschaftlich etablierte Rollenbilder kommen ist echt ganz schön billig. Lass uns vorher eines klären: Wie weit glaubst du, mit deinen Biologismen zu kommen? Bis zum Sozialverhalten? Dann frage ich mich ernsthaft, was du in einem genderblog machst, wenn du nicht einmal den zentralen Thesen rund um den Begriff ‘gender’ der Geschlechterforschung zustimmen magst. Wenn das der Fall wäre, brauchen wir nicht zu diskutieren, brauchen wir hier eigentlich nicht zu diskutieren – nicht, weil unsere Ansichten inkommensurabel wären, sondern weil ich schlichtweg nicht wüsste, mit welchem Ziel eine solche Debatte ablaufen sollte.

    Im anderen Fall, wenn du nur meinst, dass deine Biologismen nur für das ‘sex’zutreffen sollen und du die gender/sex-Unterscheidung für plausibel hälst, kann ich dir gerne meine Sicht der Dinge mitteilen und wir können darüber diskutieren – aber einen großen Unterschied bezüglich des Themas macht das nicht, denn hier geht es um Erziehung und die ist gemäß jeder Definition ein Produkt des Menschen und veränderbar…

    Bist du selbst BiologIn? Wenn ja, hättest du vielleicht einen Wissensvorsprung. Wenn nein (was ich eher vermute) und du nur das allgemein etablierte blinde Vertrauen in die Naturwissenschaften reproduzierst, lasse dir folgendes gesagt sein: Eine Wissenschaft, die sich ihrem äußeren Erscheinungsbild nach kaum mit den Grundsätzen von Wissenschaftstheorie und deren Entwicklungen beschäftigt und blind dem Empirismus vom Anfang des 20. Jahrhunderts folgt, ist kein geeignetes Mittel, um strak reflektierte Theorien einfach zu delegitimieren.

    Genau das meinte ich mit Theorie. Reflektierte Theorie. Nicht irgendwelche Ergebnisse aus Laboren, deren erkenntnistheoretische Prämissen schon äußerst zweifelhaft sind. BTW: Immerhin hast du auf die ‘Biowissenschaften’ verwiesen, nicht auf die angebliche ‘Natur des Menschen’… Wissenschaften sind immer eine Schäpfung der menschlichen Kultur und müssen mit den Beschränkungen von Kultur leben: Dazu gehört, keine objektiven Ergebnisse produzieren zu können und die ‘Verseuchung’ der Daten durch subjektive Vorstellungen (wozu auch kulturelle Muster gehören).

    In diesem Fall liegt das Theoriedefizit eher bei Feyerabend und co…

  28. Ich bin Mediziner, Sven und ich vertraue der empirischen Vorgehensweise der Naturwissenschaften mehr als jeder anderen Methode.
    Ihre Erfolge sind gewaltig, was man von den geisteswissenschaftlichen Methoden nicht in auch nur annähernd gleichem Maße behaupten kann.
    Sind geisteswissenschafltiche Theoriebildungen nicht noch sehr viel mehr von kulturellen/ideologischen Vorstellungen “verseucht” als die empirisch nachprüfbaren Ergebnisse der Naturwissenschaften?
    Wieviel unhinterfragtes, empirisch nicht abgestütztes “Wissen” beinhaltet denn der Feminismus in seinen unterschiedlichen Spielarten?
    Weiß der Feminismus z.B., wie frei der Mensch überhaupt ist, zu wollen, was er will?
    Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn ein Geschlecht aufgrund seiner biologischen Grundausstattung das aktivere, aggressivere, innovativere sein könnte, auf dem der inhärente Druck lastet, sich stärker beweisen zu müssen, nicht allein aufgrund von Erziehung, sondern aufgrund von Testosteron, weil Jahrzehntausende lang Frauen “potente” Männer bevorzugten und Männer “fruchtbare” Frauen, deren Fruchtbarkeit ablesbar war/ist an körperlichen Merkmalen, an ihrem jugendlichen Aussehen usw.?
    Was, wenn all das zu Instinkthandeln abgesunken ist, eingesintert in die menschliche Natur?
    Was, wenn die rigiden kulturellen Normen, die Emanzipationsbewegungen, Gott sei Dank, aufgelöst haben, nicht willkürlich sind, sondern nur die illegitimen Verfestigungen der mehrheitlichen Bestrebungen im jeweiligen Geschlecht repräsntierten?
    Was bedeutet es für die Motivation eines jungen Mannes, der vielleicht instinktiv weiß, daß er, um für Frauen attraktiv zu sein, seine “Potenz”, seine Versorgerqualitäten, unter Beweis stellen muss?
    Er wird sich sehr viel “triebhafter” seiner Karriere, seinem beruflchen Fortkommen widmen als eine Frau, die ebenso instinktiv weiß, daß ihre Attraktivität für Männer nicht sonderlich abhängig ist von beruflichem Erfolg und “Potenz”, weil für Männer Schönheit und Jugendlichkeit viel wichtiger sind als Attraktivitätsmerkmale von Frauen.
    Ich suche in den Naturwissenschaften nicht nach Rechtfertigungen für Rollenzuschreibungen, aber nach Begründungen dafür, warum sich Gesellschaften so ausgeformt haben, wie sie es taten.
    Begründungen, die über das unterstellende Konstrukt der patriarchalen Unterdrückungsabsicht hinausgehen.
    Denn auch ununterdrückt, rechtlich gleichberechtigt, verhalten sich Frauen deutlich anders als Männer, wohlgemerkt, betrachtet man die große Zahl.
    Die Muster werden undeutlicher, verschwinden aber nicht.
    Aussagen über das konkrete Individuum, gar Rollenfestlegungen im Vorhinein, geben biowissenschaftliche Ergebnisse nicht her. Sie könnnen nur helfen, zu erklären, warum sich Muster so ausbilden, wie sie es getan haben/tun, im Nachhinein.
    Warum Männer sich mehrheitlich anders verhalten als Frauen, warum z.B. Frauen sich auf Berufe konzentrieren, die kommuninkativer, menschenbezogener sind, warum Männer sich auf technisch-naturwissenschaftliche Fächer konzentrieren.
    Warum Männer so sehr viel mehr nach Erfolg, Karriere, Potenznachweisen gieren, warum Frauen sehr viel mehr nach Jugendlichkeit und Schönheit streben usw.
    Hier geben evoltutionsbiologische Ansätze Antworten, die schlüssiger erscheinen als die geisteswissenschaftlichen Konstrukte, die noch gängig sind.
    Kein ernstzunehmender Biowissenschaftler wird den Einfluß der Soziokultur auf menschliches Verhalten leugnen. Man hat sich mehrheitlich auf einen 50/50 Einfluß von Biologie/Umwelt geeinigt, ein etwas hilfloses Ergebnis, der Tatsache Rechnung tragend, daß bei der Ausformung des menschlichen Individuums natürliche und Umweltfaktoren unablösbar in-und miteinander verwoben sind.
    Mir fehlt ein gleichwertiges Bedenken der natürlichen Voraussetzungen menschlichen Verhaltens auf Seiten der Geisteswissenschaften, der hormonellen und anatomischen Unterschiede (Hirnanatomie!) der Geschlechter.
    Dort werden mögliche biologische Ursachen für Verhaltensunterschiede einfach geleugnet.

  29. Dieses “gleichwertige Bedenken der natürlichen Voraussetzungen menschlichen Verhaltens auf Seiten der Geisteswissenschaften”, Roslin, existiert ganz sicher in herausragenden geisteswissenschaftlichen Kreisen. Wobei ich aber kein Beispiel aus dem Bereich Frauen- und Geschlechterforschung kenne, wo das in entsprechend anspruchsvoll-abwägender Weise geschieht. Das mag aber daran liegen, dass ich mich zu wenig in der Frauen- und Geschlechterforschung auskenne. Vielleicht kann da jemand aushelfen.

  30. Lieber Rochus, liebe Ulrike Spohn

    die Kommentare sprechen für mich Bände! Einige Autoren sind mir aus den Foren schon bekannt. Und alle vergessen hier eines, nämlich dass Kinder nicht vom Feminismus unterrichtet werden, sondern von Lehrern und den von den Kultusministerien festgelegten Lehrplänen.
    Ganz besonders lustig finde ich immer solche Argumente wie den, dass mit Blumen verzierte Hausaufgaben besser benotet werden, oder dass es unmännlich ist, ein Lineal zu benutzen. So, als sei Disziplin neu und würde Jungen in ihrem Bewegungsdrang hindern.

    Als ich zur Schule kam schrieb man noch nicht einmal das Jahr 1970. Da war Disziplin an der Tagesordnung. Da konnte dem Lehrer auch gut noch “die Hand ausrutschen”. Und ganz sicher hat auch damals kein Lehrer mit den Jungen gespielt und spezielle Unterrichte abgehalten.

    Und auch damals gab es Schulversager. Nur ist dies damals niemanden aufgefallen. Weil man auch ohne jeden Schulabschluss noch einen Job bekam, sogar ohne Befristung und mit einem Lohn, der reichte eine Familie zu ernähren. Heute ist das anders und heute fällt es auf. Das aber liegt am neoliberalem Wirtschaftsmodell in dem wir leben. Die Mädchen wurden immer und werden noch heute auf Anpassung gedrillt. Sich den schulischen Hierarchien anzupassen fällt ihnen leichter. Hat aber meiner Meinung nach zur Folge, dass sie später mit ihrer tollen Bildung nicht viel weiter kommen.
    Denn wenn etwas an der Kritik stimmt, dann, dass Schule nicht zum kritischen Denken und zur Kreativität erzieht. Auch nicht zum sich Durchsetzen. Alles Eigenschaften, die aber später im Beruf gebraucht werden. Vor allem dann, wenn man Karriere machen will. Da liegt meiner Meinung nach die “gläserne Decke” für Frauen eher begründet als in echter negativer Diskriminierung.

    Man hat übrigens festgestellt, dass die Jungen, deren Väter sich stark für die schulischen Belange interessieren besser in der Schule abschneiden, als andere Jungen, bei denen das nicht so ist. Und da heute auch viele Kinder und Jugendliche sich selbst überlassen sind, mag das eine große Rolle mitspielen.

  31. @Angela
    >die Kommentare sprechen für mich Bände! Einige Autoren sind mir aus den Foren schon bekannt. Und alle vergessen hier eines, nämlich dass Kinder nicht vom Feminismus unterrichtet werden, sondern von Lehrern und den von den Kultusministerien festgelegten Lehrplänen.<
    Richtig, Angela.
    Und was sind das für Lehrer?
    Der Anteil der Kindergärtner tendiert stramm gegen 5 %, der Anteil der Grundschullehrer gegen 15 %.
    Die Erziehungswissenschaften sind gegenüber dem Feminismus als ideologisch nahestehend zu werten.
    Das Erziehungssystem in den ersten Jahren eines Kindes ist fest in weiblicher Hand.
    Nicht zu reden von den vielen Kindern, die bei alleinerziehenden Müttern groß werden.
    Als Du 1970 zur Schule gingst, war das Erziehungssystem noch sehr viel männlicher geprägt als heute.
    Damals gingen 56 % der Jungen und 44 % der Mädchen auf’s Gymnasium.
    Feministinnen machten der Gesellschaft klar, welch ungeheure Diskriminierung da vorlag.
    Heute ist das Verhältnis haargenau umgekehrt.
    Nur noch 44 % der Jungen kommen auf’s Gymnasium, aber 56 % der Mädchen.
    Dafür stellen Jungen 2/3 der Schulversager.
    Und Feministinnen fordern uns auf, wir sollten uns gefälligst über die Bildungserfolge der vielen Mädchen freuen und von dem Scheitern der vielen Jungen möglichst schweigen.

  32. Es spielt keine Geige, ob und nun Feminismus einen Einfluß auf das Schulwesen hat oder nicht. (Wobei es mit Verlaub gesagt einer mehr als reduzierten Betrachtungsweise geschuldet wäre anzunehmen, daß eine Mainstreambewegung die es geschafft hat ihr Anliegen zum Staatsziel zu machen, dort keinen Einfluß hätte)

    Wer – kulturalistisch verbrämt – biologische Merkmale derer, die in unserer Gesellschaft die Interessen der ShareholderInnen überwiegend repräsentieren, zum Maßstab dafür macht wie Kinder unterschiedlich in der Förderwürdigkeit zu beurteilen sind, bewegt sich ethisch auf unterirdischem Niveau – Und sollte das Wort “Gerechtigkeit” lieber gar nicht erst in den Mund nehmen.

  33. @ Roslin,

    die Diskussion ist mir zu undifferenziert.Einmal muss die Frage beantwortet werden, wieviel von den 2/3 männlichen Schulversagern Migranten sind. In Ballungsräumen stellen sie die Spitze der Schulversager, die aber keineswegs feministischen Ursprungss sind, sondern ganz andere Ursachen haben.

    Wie viele kommen aus bildungsfernen Haushalten, oder sind nicht in der Lage, Fortbildungen zu belegen, weil das Geld fehlt?

    Warum gibt es so wenige männliche Erzieher und Grundschullehrer? In den Gymnasien gibt es einen klaren Männerüberschuss bei den Lehrkräften. Des Rätsels Lösung ist die Besoldung, bzw. Bezahlung bei nicht Verbeamteten Kräften.

    Um eine tatsächliche Diskriminierung nachzuweisen, müssten alle Komponenten geklärt werden.
    Und noch als letztes: Als ich in die Schule kam, erzog man Mädchen noch für den Haushalt. Mir hat man immer erklärt, Mädchen heiraten und brauchen nicht lernen. Daraus resultieren die Zahlen der Jungen/Mädchen auf den Gymnasien zu dieser Zeit.

  34. @Angela
    >die Diskussion ist mir zu undifferenziert.Einmal muss die Frage beantwortet werden, wieviel von den 2/3 männlichen Schulversagern Migranten sind. In Ballungsräumen stellen sie die Spitze der Schulversager, die aber keineswegs feministischen Ursprungss sind, sondern ganz andere Ursachen haben.<
    Angela, wann wird denn die Diskussion einen Differenzierungsgrad erreicht haben, der Dir angemessen erscheint?
    Wenn der Jungenanteil unter den Gymnasiasten bei 40 % liegt oder der Frauenanteil an Vorstandsposten bei 50 %?
    Es ist JETZT erkennbar, daß Jungen in DIESEM Bildungssystem wesentlich schlechter abschneiden als Mädchen, Migrantenjungen wesentlich schlechter als Migrantenmädchen,z.B.
    Das kann ich doch nicht den Jungen anlasten, die unmündige Kinder sind und dies zum Anlaß nehmen, die Entwicklung weiter so kaltschnäuzig hinzunehmen, wie das bisher ja noch geschieht.
    Dafür muss ein Erziehungssystem die Verantwortung übernehmen, daß seit 15 Jahren der steten Verschlechterung der Jungenbildung ungerührt zusieht und statt dessen weiter permanent entweder von Mädchenförderung redet, weil ja so wenige Frauen Professuren und Aufsichtsratsposten erreichen – wobei es dann schon gar keine Rolle mehr spielt, ob das vielleicht ganz einfach daran liegt, daß viel weniger Frauen als Männer überhaupt dorthin wollen, wohin sie nach feministischer Vorstellung sollen.
    Es handelt sich dabei in jedem Falle um ERWACHSENE Frauen, die sich gegen etwaige Diskriminierungen ganz anders zur Wehr setzen könnten als diese Kinder, über deren Scheitern auch nur zu diskutieren schon als unangenehme Ablenkung von der ach so notwendigen Mädchen – und Frauenförderung empfunden wird.
    Nichts anderes legt doch der Beitrag von Ulrike Spohn nahe.
    Es ist dieser zu einem puren Frauenförderegoismus verkommene Feminismus, der glaubt, nur weibliche Wesen hätten mit ihren Problemen politische Beachtung, soziale Förderung verdient und der alle männlichen Problemgruppen in seinem Opfernarzissmus ausblendet, als nachrangig behandelt usw., es vielmehr am liebsten sähe, wenn nur über Mädchen/Frauen als Leidtragende berichtet würde, damit nur ja niemand auf die Idee komme, auch andere Gruppen bräuchten vielleicht gelegentlich Aufmerksamkeit und Hilfe.

  35. Angela, Roslin,

    “Mir fehlt ein gleichwertiges Bedenken der natürlichen Voraussetzungen menschlichen Verhaltens auf Seiten der Geisteswissenschaften, der hormonellen und anatomischen Unterschiede (Hirnanatomie!) der Geschlechter.
    Dort werden mögliche biologische Ursachen für Verhaltensunterschiede einfach geleugnet.”

    Das Problem scheint mir vor allem zu sein, daß der Feminismus/die soziologische Genderforschung axiomatisch unterschiedliche Plausibilitätsmaßstäbe bei der Bewertung von verhaltensbezogenen Aussagen und der Beurteilung von Diskriminierung heranzieht. Aussagen, die die Kernthese von der rein soziologischen Ausprägung geschlechtsbezogenen Verhaltens unterstützen werden a priori für glaubwürdig erklärt, solche, die die Ursache in “essentiellen” biologischen Unterschieden zwischen Geschlechtern und Individuen ausmachen a priori für “biologistisch” (also – die Freiheit des Individuums durch vermeintlich in der Biologie begründete Tatsachen einschränkend) erklärt oder zumindest einer methodischen Fundamentalkritik unterzogen, für die allerdings zumeist die Fachkenntnis fehlt. Die fehlende ernsthafte Einbeziehung von Biologie in die Genderforschung ist deren größter fachlicher Schwachpunkt.
    Aber eine solche disziplinäre Verschmelzung wird natürlich von den Vertretern/innen der soziologischen, normativen Genderforschung als problematisch empfunden.

    “Um eine tatsächliche Diskriminierung nachzuweisen, müssten alle Komponenten geklärt werden.”

    Auch hier gilt die Sache mit den doppelten Maßstäben. Die Diskriminierung von Frauen wurde/wird ausgehend von der standpunktepistemologischen Aussage von Frauen akzeptiert (“Wenn Frauen sagen, sie werden diskriminiert, dann wird das schon so sein…”), in anderen Fällen müssen “alle Komponenten” geklärt werden, um eine tatsächliche Diskriminierung festzustellen. Interessant sind in diesem Zusammenhang oft auch die gewählten Begrifflichkeiten: Sind Frauen in bestimmten Zusammenhängen ganz klar die Profiteure des vom Feminismus beklagten Systems, daß per definitionem Männer privilegiert, dann handelt es sich nicht um weibliche Privilegien, sondern um “benvolenten Sexismus.”

    Wer in solchen Theoriekonstruktionen kein Problem sieht, kann aus meiner Sicht an ernsthafter Geschlechtergerechtigkeit nicht interessiert sein.

  36. Roslin schrieb:
    “Damals gingen 56 % der Jungen und 44 % der Mädchen auf’s Gymnasium.
    Feministinnen machten der Gesellschaft klar, welch ungeheure Diskriminierung da vorlag.
    Heute ist das Verhältnis haargenau umgekehrt.
    Nur noch 44 % der Jungen kommen auf’s Gymnasium, aber 56 % der Mädchen.”

    In den siebziger Jahren ging annähernd die Hälfte aller Jugendlichen aufs Gymnasium? Über die Hälfte aller Jungen und knapp die Hälfte aller Mädchen? Und heute gehen über die Hälfte aller Mädchen und knapp die Hälfte aller Jungen aufs Gymnasium?

    Bei solchen Zahlen, die doch eher von Erfolg sprechen, wundert mich doch ein wenig, dass von Bildungsmisserfolg gesprochen wird. Dort wo ich herkomme, geht vielleicht 1/4 bis 1/3 der Jugendlichen in eine Mittelschule, der Rest wählt eine nicht schulische Berufsausbildung.

  37. Das Problem muß man wirklich differenzierter betrachten, und es trifft tatsächlich Jungen aus Migranten- und “Bildungsfernen” Familien am härtesten. Man sollte auch nicht vergessen, daß es auch Mädchen aus diesen Familien nicht wirklich besser ergeht: Unser Schulsystem kann eigentlich nur insgesamt als Katastrophe bezeichnet werden. Ich finde es mehr als Zynisch, so zu tun als sei alles in Ordnung – Offenbar weil Mädchen insgesamt ein wenig besser Abschneiden.

    Selbstverständlich sind statistische Ungleichgewichte alleine kein Beleg für Diskriminierung – Das gilt für Frauen in Führungspositionen ebenso wie für Jungen ohne Schulabschluß.

    Studien (Bildungsministerium) kommen zu dem Ergebnis, daß Jungen für gleiche Leistungen im Schnitt eine Note schlechter bewertet werden, und schlechtere Empfehlungen für Weiterführende Schulen erhalten. Weiterhin ist nachgewiesen, daß Jungen bei “Jungsthemen” im Diktat besser abschneiden. Fehlende Väter (ein anderes Thema) spielen sicherlich auch eine Rolle.

    Es hat niemand behauptet, daß ein dichtes Netz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten die Jungen unterdrücke und diskriminiere. Im Spiegel-Artikel heißt es:

    Wie immer, wenn über weltanschauliche Dinge gestritten wird, gibt es auch in der Bildungsdiskussion handfeste machtpolitische Interessen. In Deutschland existiert ein dichtes Netz von Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, von Beratungsstellen für Mädchen und Frauen und von Frauengruppen in Gewerkschaften und Institutionen. Sie leben davon, für die Gleichstellung der Frau zu kämpfen. Spezielle Förderprogramme für Jungen würden das eigene Selbstverständnis und die eigene Arbeit in Frage stellen.

    (Hervorhebung von mir)

    Hier gehen wirklich alle Proportionen verloren. Aber wie gut, daß man hier weiß daß das Thema überall systematisch falsch diskutiert wird..

  38. Ihre Erfolge sind gewaltig, was man von den geisteswissenschaftlichen Methoden nicht in auch nur annähernd gleichem Maße behaupten kann.

    Unreflektierte ‘Erfolge’ sind keine Erfolge, sondern Rückschritte. Es gab auch einst Physiker, die meinten, dass die Erforschung von Nuklearwaffen ein Fortschritt an sich darstellen würde – eben weil man es machen kann. ‘Gewaltig’ waren die ‘Erfolge’ dann auch, aber anders, als man sich das vorstellen mag. Natürlich ist das eher ein Beleg für eine Blindheit für die ethische Dimension des eigenen wissenschaftlichen Handelns – aber man kann an ihm gut die Folgen einer positvistischen Verengung von Wissenschaft sehen.

    Sind geisteswissenschafltiche Theoriebildungen nicht noch sehr viel mehr von kulturellen/ideologischen Vorstellungen “verseucht” als die empirisch nachprüfbaren Ergebnisse der Naturwissenschaften?

    Das mit der ‘Verseuchung der Daten’ ist ein Zitat von Feyerabend. Die Pointe liegt darin, dass es keine unverseuchten Daten gibt und keine Daten mehr oder weniger verseucht sein können – Alle Daten sind gleich weit weg von der Objektivität, wiel diese unüberprüfbar bleibt. Postmodern gesprochen: Man kann keine Wahrheiten ‘entdecken’, weil diese hinter dem Diskurs verborgen sind. Nach meinem Erleben sind sich die meisten geistes- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen (vielleicht bis auf meine eigene) darüber bewusst, keine objektiven Ergebnisse produzieren zu können, während NaturwissenschaftlerInnen und Psychologen meinen, objektive Wahrheiten zu Tage zu fördern. Das ist in den meisten Fällen nicht weiter dramatisch, wenn man über den Menschen redet, zum Beispiel von Geschlechtern, gewinnen die eigenen Aussagen normative Kraft – und auch deshalb haben wir hier mit Rollenvorstellungen zu kämpfen, welche Menschen in ihrem Leben nur einschränken.

    Den Rest deines Postings fasse ich mal so zusammen: “Hast du schon mal darüber nachgedacht, was wäre, wenn die schlimmsten biologistischen Szenarien zutreffend wären?”

    Die Frage ist unter der Prämisse des Biologismus schon falsch. Zum einen bin ich dank meiner Disziplin ausreichend sensibilisiert, was den freien Willen und die daraus resultierenden Probleme für das menschliche Handeln – dafür brauche ich nicht mal die Biologie, zumal die Sache Determinismus vs. freier Wille eher eine Glaubensfrage ist, das hat schon die mittelalterliche Philosophie gezeigt. Alles, was diese Neurobiologen uns vorsetzen sind ja schöne Ergenisse, aber keine Aussagen über das Bewusstsein (wie will man über etwas, was das eigene Handeln vollständig bedingt, objektive Aussagen treffen? – das wäre ein Selbstwiderspruch).
    Über Einschränkungen der Handlungsmöglichkeiten wird nach Judith Butler in der Geschlechterfroschung auch sicherlich genug nachgedacht… ;)

    Um es zusammenzufassen: Es kann sein, dass 48% der Menschen ein bestimmtes Körperteil aufzuweisen haben. Es trifft eventuell auch zu, dass x Prozent einen höheren Spiegel des einen Hormons haben und es mag ebennso sein, dass dieses Hormon bestimmte Verhaltensweisen bedingt. Damit kann man noch lange nicht die Rollen ‘Mann’ und ‘Frau’ und ihre definitorische Macht erklären, der selbst die Biowissenschaften vollkommen unterlegen sind.
    Beispiel: Nehmen wir mal an, ich würde nicht nur der Kategorie ‘männlich’ zugeordnet, sondern man könnte auch noch im Labor nachweisen, dass in meinem Blut ein entsprechender Testosteron-Spiegel vorhanden ist. Und nehmen wir auch mal an (was ich schon für sehr weitgehend halte), dass Testosteron für eine erhöhte Aggressivität verantwortlich sein würde. Könnte man auf dieser Grundlage mir verbieten, Schwäche zu zeigen, weil das nicht meiner ‘Natur’ entspricht? Nur, wenn man die ‘Natur’ (die gar keine ist, sondern nur ein Topos) zum normativen Ideal – aber warum müsste die Natur normativ sein?

    Normationen sind immer ein Bereich der Kultur, allein schon, weil der menschliche Geist, der sie erkennt, von seinem kulturellen Kontext bedingt ist…

  39. @Daisy Duck
    >Roslin schrieb:
    “Damals gingen 56 % der Jungen und 44 % der Mädchen auf’s Gymnasium.
    Feministinnen machten der Gesellschaft klar, welch ungeheure Diskriminierung da vorlag.
    Heute ist das Verhältnis haargenau umgekehrt.
    Nur noch 44 % der Jungen kommen auf’s Gymnasium, aber 56 % der Mädchen.”

    In den siebziger Jahren ging annähernd die Hälfte aller Jugendlichen aufs Gymnasium? Über die Hälfte aller Jungen und knapp die Hälfte aller Mädchen? Und heute gehen über die Hälfte aller Mädchen und knapp die Hälfte aller Jungen aufs Gymnasium?<
    Daisy Duck, das ist natürlich eine mir in der Eile unterlaufene, schlampige, sachlich falsche Formulierung.
    Gemeint war natürlich, dass damals 56 % der Gymanasiaaten/Abiturienten Jungen waren, 44 % Mädchen.
    Heute ist es umgekehrt.

  40. [...] hat. Sie finden, Jungs werden in der Schule sy-ste-ma-tisch von fiesen Frauenlehrerinnen benachteiligt, überhaupt trippele die (selbstredend schlimm-schlimme) Verweiblichung unaufhaltsam auf [...]

  41. **Sie finden, Jungs werden in der Schule sy-ste-ma-tisch von fiesen Frauenlehrerinnen benachteiligt, überhaupt trippele die (selbstredend schlimm-schlimme) Verweiblichung unaufhaltsam auf [...]**

    Übrigens von Alice Schwarzer damals bejubelt, das Experiment einen Jungen zum Mädchen zu machen.

    Dieses Genderkonzept endete leider in ner “ich halt mir die Schrottflinte an den Kopf” – Endlösung.

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