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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

What’s your Gender?!
Zwei Filme thematisieren die Grenzen der Zweigeschlechtlichkeit

 Rochus Wolff   29. August 2008
 Ankündigungen, Film, Queer, Veranstaltungen

In Kooperation mit den 19. Lesbisch-Schwulen-Filmtagen, die vom 21. bis 26. Oktober in Hamburg stattfinden, veranstaltet das Kinoprojekt DIEnstagsDOKU im September eine Reihe mit zwei Dokumentarfilmen, die die Grenzen der angeblich natürlichen Unterteilung der Welt in Mann und Frau thematisieren.

Gezeigt werden am 9. September Das verordnete Geschlecht (D 2001) von Oliver Tolmein und Bertram Rotermund (wird mit Elisabeth Müller anwesend sein) sowie am 30. September Gendernauts – Eine Reise ins Land der neuen Geschlechter (D 1999) von Monika Treut (wird anwesend sein). Die Filme werden jeweils um 20.00 Uhr im B-Movie, Brigittenstraße 5 (Hinterhof), Hamburg-St. Pauli zu sehen sein.

Aus der Ankündigung:

Herr/Frau (Unzutreffendes bitte durchstreichen) – Die Benennung des eigenen Geschlechts, ein alltäglicher, unkomplizierter Akt. Was aber, wenn die Realität nicht so eindeutig wäre, wie sie auf dem Papier des Einwohnermeldeamts scheint? Die zweigeschlechtliche Ordnung unserer Welt zwingt jeden Menschen in eine Rolle, entweder in eine feminine oder eine maskuline, die aufgrund körperlicher Merkmale angeblich eindeutig feststeht. Wie sieht es aber mit Menschen aus, deren körperliche und genetische Eigenschaften ganz und gar nicht eindeutig einem der beiden Geschlechter zuzuordnen sind? Dieser Frage gehen Oliver Tomein und Bertram Rotermund in ihrem Film “Das verordnete Geschlecht” nach. Sie schildern die Schicksale und Lebenswelten intersexueller Menschen und zeigen die gewalttätige Hilflosigkeit von ÄrztInnen, die die Uneindeutigkeit chirurgisch zurecht zu rücken wollen – und wie sie damit scheitern. So fühlt sich Elisabeth Müller, eine der ProtagonistInnen in “Das verordnete Geschlecht”, trotz eines Eingriffes, bei dem ihr im Kindesalter die Hoden entfernt wurden, heute nicht uneingeschränkt als Frau, ihre Intersexualität ließ sich nicht so einfach “wegoperieren”. In Tomeins und Rotermunds Film wird deutlich, wie unzureichend das binäre System Mann/Frau die geschlechtlichen Realitäten beschreibt – und wie eine Gesellschaft, die diese binäre Ordnung verinnerlicht hat, danach strebt, jegliche Uneindeutigkeiten zu beseitigen.

Ebenfalls jenseits klassischer Geschlechtergrenzen bewegen sich die ProtagonistInnen in Monika Treuts preisgekröntem Dokumentarfilm “Gendernauts – Eine Reise ins Land der neuen Geschlechter”. Am Ende des 20. Jahrhunderts trifft sie in San Francisco auf Angehörige der dortigen inter- und transsexuellen Szene, die – auf den unterschiedlichsten Wegen – die bestehenden Geschlechtergrenzen zu Gunsten eines autonomen Lebens auf der Grundlage einer selbstbestimmten geschlechtlichen Identität überschreiten. Texas Tomboy, Stafford, Max Wolf Valerio und viele andere Gendernauten lassen so ein wahrhaftiges Gender-Utopia enstehen, in dem die Zweigeschlechtlichkeit durch eine unbeschränkte Bandbreite geschlechtlicher Identitäten abgelöst wird. Oder mit den Worten der “Göttin des Cyberspace”, Sandy Stone: “Gender nimmt jede vorstellbare Form an. Wir glauben, es gibt nur zwei: maskulin und feminin, weil wir gelernt haben, die anderen unsichtbar zu machen. Wir müssen lernen, sie zu sehen, wir müssen die Wahrnehmung wiederentdecken.”

Fotos: DIEnstagsDOKU

 
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Ein Kommentar

(RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel)

  1. Ich finde es große Klasse, dass auf diese Thematik eingegangen wird.
    Ich verstehe nicht, warum immer noch eine so starke Abgrenzung vorgenommen wird. Selbst beim Marketing wird immernoch damit kokettiert, dass Frauen Sexsymbole sind und Männer die “Jäger”.
    Ich habe erst kürzlich in den News von konsumgoettinnen.de gelesen, dass Frauen (!!) den Fernseher einem Wochenendausflug vorziehen-wer hätte das gedacht?

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