Sexismus, Stärke und Dominanz
Männlichkeit in Disney-Zeichentrickfilmen
Daß einengende Weiblichkeitsdarstellungen auf der einen stets mit im Spektrum entsprechend begrenzten Männlichkeitskonzepten einhergehen, ist ja weder überraschend noch neu – in einem binären Geschlechtermodell ist das kaum anders denkbar. Insofern kann man sich den “weiblichen” Teil bei der Präsentation von Männlichkeitskonzepten in Disney-Filmen leicht dazu denken. Oder weiß jemand konkrete Texte und Analysen?
Etwas schwierig an dem Video finde ich allerdings den wiederholten Bezug auf Gaston aus The Beauty and the Beast, der im Kontext des Films klar negativ konnotiert ist, während die Darstellung des Biests doch noch um einiges komplexer zu sein scheint. Ähnliche Argumente lassen sich auch auf andere Beispiele des Clips anwenden, wie dieser Kommentar bei feministing.com erläutert.
(Direktlink; via)
Das Genderblog bei Facebook
Das Genderblog bei Twitter
Man sollte auch nicht vergessen, daß Disney-Charaktere auch dem Wandel der Zeit unterliegen. Insofern ist es eher nicht verwunderlich, daß der Autor des Clips keine Ausschnitte aus z.B. “Verwünscht/Enchanted” (2007) gewählt hat, in der die Zeichentrick-Prinzessin in die Realität geschleudert wird und sich in einen alleinerziehenden Vater verliebt, dem *sie* zum Schluß im Kampf mit dem bösen Drachen das Leben rettet. Die Story sagt auch etwas aus über die Entwicklung von Paarbeziehungen. Der hilflose Kavalier (“a true love’s kiss”) wird zwar mit der Ex des Alleinerziehenden belohnt, aber die “schicksalhafte” Romantik wird doch gegenüber der “Erotik des Realen” zur Buffo-Beziehung degradiert.
Die Welt ist halt zu kompliziert für schematische Betrachtungen. Gilt auch (zum Teil insbesondere) für feministische Kritik.
Das Video ist aus meiner Sicht hat Schlagseite, die nicht zu fassen ist. Diese Form selbstgerechter “Kritik” ist nicht zweckdienlich, finde ich.
Der Verweis auf den Kommentar halte ich daher für unumgänglich. Die Diskussion dort bringt jede Menge Beispiele für die wenig kenntnisreich (wohlmeinender Euphemismus) im Video vorgebrachten Behauptungen und sinnentstellenden Verkürzungen.
@Tobias: Danke für Deine Ergänzung – auch wenn ich Enchanted noch nicht gesehen habe, ist das wohl bald fällig.
Allerdings verstehe ich Deinen letzten Satz nicht ganz: Äh ja. Der Kommentar stammt ja auch aus dem feministischen Kontext. Meine Anmerkungen auch. Insofern verstehe ich nicht, wem hier – außer der Autorin/dem Autor des Videoclips – “schematische Betrachtungen” vorzuwerfen wären.
@Rochus,
“außer der Autorin/dem Autor des Videoclips”
Ja, darauf Bezog sich mein Satz auch.
Sorry, wenn das nicht klar genug war.
Zur Frage im Text nach weiteren Werken.
Es gibt eine Dokumentation:
Mickey Mouse Monopoly. Disney, Childhood & Corporate Power.
Der Film läßt sich in einigen Bibliotheken ausleihen und ist auch bei youtube abrufbar. Neben Sexismus wird hier auch der alltägliche Rassismus in Disneyfilmen unter die Lupe genommen. Ich finde das Projekt ganz gelungen.
Schriftlich gibt es mindestens das:
Monographie/Sammelband:
Bell, Elizabeth; Haas, Lynda; Sells, Laura (1995): From Mouse to Mermaid. The Politics of Film, Gender, and Culture. Bloomington: Indiana University Press. (Sammelband unterschiedlicher Aufsätze)
Davis, Amy M. (2006): Good Girls and Wicked Witches. Women in Disney’s Feature Animation. Eastleigh U.K.: John Libbey Pub. Soweit ich mich erinnere, schwimmt das Ganze ein bißchen an der Oberfläche, aber vielleicht verwechsele ich da auch gerade etwas…
Aufsätze:
Bendix, Regina, Seashell Bra and Happy End. Disney’s Transformations of “The Little Mermaid” , Fabula, 34 (1993) p.280-290
Stanger, Carol A., Winnie the Pooh Through a Feminist Lens , Lion and the Unicorn, 11:2 (1987:Oct.) p.34
Wobei ich bei den beiden Aufsätzen noch nicht weiß, wie gut sie sind…
Leider bin ich etwas in Zeitdruck. Deshalb fast im Telegrammstil.
Theoretisch stimmt die Tendenz des Videos schon. Die Männer- und Frauenbilder in den meisten disneyproduktionen sind… tradiert, ums mal nett zu formulieren.
Aber was ist mit dem König aus ein Königreich für ein Lama? Am Anfang ist er zwar ein Arsch, aber dermaßen überzeichnet, dass es ja grade als lächerlich und nicht erstrebenswert dargestellt wird, so ein frauenverachtender Ignorant zu sein.
Das Biest in die Schöne und das Biest muss klassisch-männliche Verhaltensweisen ablegen und jemanden lieben lernen und sanftmütig sein – ergo weibliche Verhaltensweisen annehmen (okay, das ist schon wieder obersteretyp weiblich, aber immerhin, es ist ein Bruch im Männlichkeitsklischee).
Ich wills echt nicht schönreden, aber so krass wie es das Video darstellt, ist die Situation sicher nicht.
[...] (via: Genderblog) [...]
Trackback per Hand.
Ich habe mal die Youtube-Videos zu Mickey Mouse Monopoly raus gesucht.