Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

AirBerlin fördert DIY Mile High Club

 Rochus Wolff   10. Juli 2008
 Kapitalismus, Sexismus

Nachdem die minimale, ziemlich bedeutungslose Aufregung, die aPoR (ahnungslose Postillen ohne Recherchewillen) über eine Äußerung des wenig zimperlich sprechenden Ryanair-Chefs Michael O’Leary auf- und wieder abgeblasen hatten (er hatte “Bed and Blowjob”-Service angekündigt), sich nun wirklich gelegt hat, weist Klaus Werner mich auf einen besonderen Service von AirBerlin hin, den er genießen durfte. Unter den in den Fliegern bereit liegenden Zeitschriften findet sich nämlich auch der Playboy.

Probeweise pinnte er das Playmate des Monats mal an die Kabinenwand, um die Reaktionen des Personals beobachten zu können:

Die etwas ausführlicher bekleideten Stewardessen reagierten zunächst mit irritiertem Wegschauen. Erst gegen Ende des Fluges kam die Chefstewardess auf mich zu und bat mich, das Poster wieder abzunehmen: “Hier reisen immerhin auch Angehörige von Kulturen, die sich durch solche Abbildungen gestört fühlen könnten.”

Anschließend weist Klaus noch darauf hin, daß AirBerlin für heterosexuelle Frauen und schwule Männer kein gleichwertiges Anschauungsmaterial anbietet – ist das eigentlich ein Verstoß gegen das AGG? – und stellt sich die natürlich offensichtliche Frage:

Wie fühlen sich wohl alleinreisende Frauen, wenn sich männliche Sitznachbarn bei airberlin-Flügen an Sexmagazinen ergötzen? Das möchte ich airberlin fragen.

Da wäre ich auch neugierig.

(Update: Die taz zum Mythos des Mile-High-Clubs.)

 
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4 Kommentare

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  1. Was ist denn so schlimm am Playboy? Immerhin wars nicht die Coupé… Gibt es überhaupt Äquivalente für Frauen? Also ich (als Frau) wäre genauso neugierig mal zu sehen, wie es in so einem Heftchen aussieht.
    Aber klar ist auch, dass sie das Aushängen der Poster nicht als belästigend betiteln dürften, wenn sie durch die bloße Anbietung des Magazins doch genauso stören könnten.

  2. OMG ich hab grad gesehen dass ich (bzw. meine Seite) in eurem Blogroll aufgenommen wurde. Da stehe ich, wow! Danke!

  3. Ernsthaft? Ist Sommerloch hier, oder?

    “Hier reisen immerhin auch Angehörige von Kulturen, die sich durch solche Abbildungen gestört fühlen könnten.”

    (Radikal) Feministen/innen vielleicht?

    Der Autor scheint nicht besonders viel zu fliegen. Der Playboy gehört zum Leseangebot nicht weniger Airlines, wofür ich als Pubertierender überaus dankbar war. Übrigens kann man ihn auch in Berlin auch an Kiosken kaufen, die auch von Angehörigen von Kulturen betrieben werden, bei denen man a priori mal eine Ablehnung der Veröffentlichung weiblicher Aktdarstellungen annehmen würde. Im Wartezimmer meiner türkischstämmigen Zahnärztin liegt zwar nicht der Playboy, aber die GQ. Fröhliche Aufregung.

    “Wie fühlen sich wohl alleinreisende Frauen, wenn sich männliche Sitznachbarn bei airberlin-Flügen an Sexmagazinen ergötzen? Das möchte ich airberlin fragen.”

    Aber dann könnte man ja auch fragen – wie fühlen sich konservative, ältere CSU-Wähler mit Hut wenn neben ihnen schwarzbewandete Muslima mit Schleier sitzen…

    Und irgendwie passt es für mich nicht zusammen sich einerseits über das Angebot des Magazins aufzuregen und andererseits über den Mangel an vergleichbaren Angeboten für “heterosexuelle Frauen und schwule Männer” zu jammern…

    Aber hey, ist ja Sommerloch ;).

  4. Soziale Regeln sind immer eine heikle Sache, gegen die man ohne großen Aufwand verstoßen kann. Playboy-Hefte als Lektüre anbieten, ist noch ok, aber ein Bild daraus für alle sichtbar an die Wand zu hängen, geht natürlich nicht. ;-) Obwohl das Bild ja auch vorher schon, zumindest theoretisch, für alle sichtbar war – wenn es denn praktisch möglich wäre, dass das Heft während eines Fluges von allen Passagieren der Reihe nach gelesen wird.

    Bei der Frage danach, wie man sich fühlt, wenn der Sitznachbar dieses oder jenes tut oder anhat, gibt es natürlich eine große Bandbreite. Die Empfindlichkeiten sind sehr unterschiedlich. Ich krieg schon zu viel, wenn mich ein/ fremde/r Sitznachbar/in mehrmals unabsichtlich berührt, komische Geräusche macht oder starke Gerüche aussendet. Deswegen vermeide ich es, so gut es geht, alleine zu reisen.

    Der Menschen-Transport unter Käfighaltungsbedingungen ist nun mal eine Extremsituation. Da habe ich schon Schlimmeres als einen Playboy lesenden Mann neben mir erlebt. Ehrlich gesagt, habe ich noch überhaupt keinen Playboy lesenden Mann neben mir erlebt. Vielleicht haben die Männer aus Rücksicht auf mich als weibliche Sitznachbarin darauf verzichtet? Könnte ja immerhin auch möglich sein.

    Überhaupt habe ich Männer insgesamt auf Reisen als sehr viel zuvorkommender und höflicher mir gegenüber empfunden als Frauen.

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