Kein Wechsel bei “Emma”
Lisa Ortgies wird nun doch nicht Chefredakteurin der Emma. Dies hat Ortgies anscheinend, glaubt man dem Bericht bei Spiegel Online, gestern bekanntgegeben. Allerdings scheint die Trennung nicht ganz freiwillig gewesen zu sein – die Emma scheut sich nicht, ein wenig nachzutreten und in einer Pressemitteilung zu verbreiten, Ortgies eigne sich nicht für die umfassende Verantwortung einer Chefredakteurin
.
Wahrscheinlich spekuliere ich nicht zu sehr, wenn ich vermute, daß Alice Schwarzer dann doch nicht so leicht von ihrem Baby lassen konnte, und daß Lisa Ortgies mehr Unabhängigkeit für ihre Entscheidungen wollte. Oder sieht das jemand anders?
Schwarzer scheint nicht in bester Stimmung zu sein, wie dieser Passus bei Spiegel Online vermuten läßt:
Alice Schwarzer war auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zu keiner persönlichen Stellungnahme bereit. Dies sei “im Interesse” von Lisa Ortgies.
In einem entscheidenden Punkt allerdings irrt der Spiegel-Artikel: Ortgies war keineswegs schon seit Anfang des Jahres Chefredakteurin, sie sollte diesen Posten vielmehr ab der kommenden Ausgabe bekleiden und wurde bislang nur eingearbeitet, wie in der Emma-Pressemitteilung auch nachzulesen ist (meine Hervorhebung):
Die EMMA-Redaktion gibt bekannt, dass sie die Phase der Einarbeitung von Lisa Ortgies in die Chefredaktion nach zwei Monaten beendet.
(via)
Das Genderblog bei Facebook
Das Genderblog bei Twitter
das ist irgendwie schräg… ich würde gerne mal wissen wie die struktur und hierarchie bei der emma so ist und ob schwarzer da echt die totale oberhand hat.
Nein, du irrst da nicht. Ich fand es schon immer sehr befremdlich, wie Frau Schwarzer sich in ihrer etablierten und machtvollen Position gefällt und nach außen das streitbare aufrechterhalten will.
Vielleicht ist es so, wenn mensch angekommen scheint ;o).
Ist auch ein Grund warum ich die EMMA nicht mehr abonniere oder lese.
Alice Schwarzer ist in Köln seit jeher als Patriarchin bekannt, deshalb wundert diese Nachricht nicht. Gleichwohl der Zeitpunkt ist schon der Hammer.
Meines Wissens hat Frau Ortgies doch erst zum 1. Mai das Ruder übernommen. Naja, lieber ein Ende mit Schrecken als eine Schrecken ohne Ende.
Dann könnte ja Ortgies stattdessen zum Missy Magazine wechseln :-)
Also ich finde das auch sehr suspekt und halte da die Vermutungen bezüglich des “nicht loslassen”-Könnens für sehr wahrscheinlich. Vielleicht hat Fr. Schwarzer auch Sorge, die Emma könnte ohne ihr Machtwort falsche Bahnen ziehen?
Anbei der Link auf ein Video eines Beitrages von ZAPP (NDR)mit O-Tönen von Bascha Mika, Ingrid Kolb, Charlotte Roche.
http://www3.ndr.de/ndrtv_pages.....76,00.html
Weder Lisa Ortgies noch Alice Schwarzer waren bereit, eine Statement abzugeben, trotzdem ist der Beitrag absolut sehenswert. ZAPP läuftt übrigens ab demnächst in der ARD.
Ines KAppert von der Taz machte sie heute auch so ihre Gedanken über Frau Schwarzer….
http://www.taz.de/1/debatte/ko.....g/?type=98
inzwischen sehe ich mich fast schon zur alice schwarzer-verteidigerin mutiert angesichts der häme, die über sie geschüttet wird. so z.b. in dem hier verlinkten beitrag aus der sendung “zapp”. mal ganz ehrlich: woher wissen die alle so ganz genau, wie es – die (nicht)übergabe der chefredaktion bei der emma – gelaufen ist? wieso ist bascha mika sich ihrer eigenen meinung derart sicher? und weshalb diese martialische sprache??
mir scheints, als wäre nun endlich die gelegenheit zum kollektiven muttermord gegeben. wieso aber sollten wir alice schwarzer loswerden wollen?? wieso glauben denn alle möglichen frauen/feministinnen, es gäbe kein weg an ihr vorbei bzw. mit ihr gemeinsam?? und, bitte, wieso sollte sie sich um schmutzigen medien-geschäft niemals auch nur ein bisschen dreck unterm fingernagel leisten können??
ganz klar: ich teile viele von schwarzers ansichten nicht! insbesondere ihre ins rassistische und xenophobe tendierenden ausfälle gegen “den islam” oder ihre jüngste verteidigung der junta in burma sind für mich unglaublich dumm. aber sie gleich in die tonne kloppen zu müssen, das scheint mir aber sehr von der eigenen unsicherheit in bezug auf feministisches agieren in der (medien-)öffentlichkeit ablenken zu wollen.
paula
Das Schwarzer-Bashing erklärt sich auf dem Hintergrund der Erwartung, dass Frauen es doch irgendwie besser machen, wenn sie an der Macht sind: sach-orientierter, weniger Macht- und Status-versessen, etc. usw. Wenn dem nicht so ist, bricht Häme aus.
Alice Schwarzer mag nicht loslassen und ist als “Patriarchin” bekannt, die quasi-diktatorisch in ihrem Reich herrscht. Für ihre früheren Leistungen verdient sie nach wie vor Dank und Anerkennung, doch ihr Verhalten in den letzten Jahren hat mir auch nicht mehr gefallen. Ohne Not in irgendwelchen sinnbefreiten Talk- und Spiele-Shows rumtingeln, für die BILD werben: das hätte sie gut auslassen können wie überhaupt so manchen peinlichen Auftritt. Es gibt auch eine Kunst des Abtretens, aber das ist wohl das Schwerste für “Promis”, egal welcher Coleur.
Schade, ich habe mich auf Lisa Ortgies gefreut.
So sehr ich die Emma mag und schätze, habe ich mich doch nicht immer von ihr repräsentiert gefühlt und habe auf eine Verjüngung gehofft. Mit 23 ist man manchmal “zu jung” für Emmas Themen.
Warum auch immer der Chefredakteurinnenwechsel nicht geklappt hat, man hätte ihn elegant und dezent abwickeln können, ohne das völlig überflüssige Mediengetöse.
Es schadet der Sache der Gleichberechtigung – eine offene Flanke für den Stutenbissigkeitsvorwurf; Ortgies und Schwarzer – beide stehen in letzter Konsequenz als unfähiger da, als sie es sind und in letzter Konsequenz den Frauen im Großen.
Schade!
Es ist übrigens schön zu sehen, dass über Frau Schwarzer Kübelweise Spott und Hähme ausgegossen wird für Eigenschaften, die bei einem männlichen Chefredakteur oder Männern in leitenden Positionen als durchaus wünschenswert angesehen werden.
Machtgier wird dann als Zielstrebikeit und Ehrgeiz ausgelegt,
patriachalische und zentralistische Organisationsstrukturen als konsequente und straffe Führung.
Diese Eigenschaften sind nicht per se positiv – mich wundert nur jedes mal ihre geschlechterabhängige Interpretation.