Immer gut frisiert und immer gut kariert
Nancy Drew: Brave Mädchen gehorchen nicht
Ich bin immer wieder auf der Suche nach überzeugenden weiblichen Nachwuchsheldinnen – selbst das Kinderkino ist ja, obwohl es sich dort seit Pippi Langstrumpf schon immer mehr die Waage hielt als bei den Erwachsenen, noch gelegentlich irritierend männlich dominiert, vor allem wenn es um die Filme geht, in denen auch mal ein bisschen Action sein darf.
Mit Kletter-Ida habe ich seinerzeit Hoffnung geschöpft (das amerikanische Remake Mission: Possible – Diese Kids sind nicht zu fassen! habe ich mir immer noch nicht angesehen; das einzige Argument dafür wäre die phantastische Kristen Stewart in einer ihrer ersten Rollen), aber seitdem kam lange nichts mehr auf den hiesigen Markt. (Die Kinderfilmsektion der Berlinale ist ja alljährlich eine Fundgrube für interessante Filme, aber die wenigsten schaffen es dann auch in deutsche Kinos oder nur auf DVDs.)
Insofern durfte ich mit einer gewissen Skepsis Nancy Drew – Girl Detective entgegensehen, der Filmfassung einer amerikanischen Jugendbuchserie – falls „Serie“ nicht ein etwas zu kleiner Begriff ist für einen Berg von Publikationen, der 1930 begann (hier etwas zum “Vater” der Reihe) und heute noch anhält, mit Spin-Off-Serien, Comics und jetzt eben auch einem Film.
Nancy Drew also, die Protagonistin, ist eine Detektivin mit viel Spürsinn und einem hohen Grad an Selbstorganisation. Oder auch: Sie wirkt für ihr Alter zwar nicht unbedingt verkniffen – dieser Eindruck wird in kleinen Szenen immer wieder untergraben – aber doch zu ordentlich gekleidet, zu organisiert und nicht nur einen Tick zu vorlaut: Noch am ersten Tag an ihrer neuen Highschool macht sie dem Schuldirektor Verbesserungsvorschläge.
Mit ihrer Vorliebe für Mode nach den Schnittmustern ihrer Mutter ist sie, frisch in Kalifornien angekommen, rasch als Außenseiterin erkennbar und markiert – aber natürlich wird sie nachher nicht nur mit ihren vormaligen Gegnerinnen versöhnt, sondern sogar zur Modetrendsetterin.

Nancy Drew folgt da allzu simpel dem Grundmodell der klassischen Highschool-Komödien – es gibt mindestens eine Außenseiterin mit Sidekick und eine Gruppe intriganter In-Girls. Die eher bemühte Detektivgeschichte kommt, obwohl sie eigentlich den Fokus des Films bilden sollte, fast zu kurz und wirkt eher wie schmückendes Beiwerk.
Zumal die Heldin Nancy zwar als äußerst patent und reaktionsschnell gezeichnet wird (wenn etwa eine Bombe rasch zu entschärfen ist), sich als brave Detektivin natürlich nicht an die Anweisung ihres Vaters hält, bloß nicht wieder mit Ermittlungen anzufangen und sich stets allein in dunkle Höhlen und Gänge begibt – die Jungs dürfen ihr nur ihr Handwerkszeug reichen. Letztlich geht die Geschichte dann aber doch in einem sehr “weiblichen” Drama auf: Es geht um Mütter, verlorene Töchter und ein bißchen auch um eine große Erbschaft und Betrug. Am Ende macht ein Haus für alleinerziehende Mütter auf.

Da nervt es dann schon auch bald, daß die Männer und Jungs so allzu farblos bleiben, bis auffällt: Das trifft eigentlich auf alle Figuren zu und hat mit ihrem Geschlecht nichts zu tun. Das ist schade, denn im Drehbuch ist doch immer wieder ein Hauch von Subversion zu spüren in dieser Figur, die sich an die Regeln nicht so recht halten will. Und ganz selten bricht ein alberner Humor durch (Nancy liest zum Beispiel ein dickes Buch zu Advanced Sandcastle Making), der dem Film auch an anderer Stelle gut gestanden hätte.
Stattdessen: Viel zu viel kariert.
Nancy Drew; USA 2007; Regie: Andrew Fleming; Drehbuch: Andrew Fleming, Tiffany Paulsen; mit Emma Roberts, Josh Flitter, Max Thieriot. Auf DVD ab 23. Mai 2008 im Handel.
Fotos: Warner Bros./Warner Home Video

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