Köhler und Schwan: Zwischen Wahlkampf und Statistik
Jetzt, da Horst Köhler erklärt hat, er stehe als Bundespräsident auch für eine neue Amtszeit zur Verfügung, und sich die SPD langsam darauf einschießt, Gesine Schwan (taz-Portrait) erneut als Kandidaten zu verschleißen – präventiv lobt sie jetzt sogar die FAZ schon einmal kräftig (via) – kann man schon einmal mit lleichter Resignation auf die kommenden, erwartbaren Diskussionen blicken.
Ob, falls Schwan nominiert wird, sie als Frau eine Chance habe. Ob ihr das gar einen Vorteil verschaffe. Ob es Zeit sei für eine Bundespräsidentin. Ob die Republik zwei Frauen in höchsten Staatsämtern verkraften könne. (Glücklicherweise gibt es ja noch Norbert Lammert!) Ob also die Frauen nicht sowieso schon längst das größte Stück vom Kuchen der Macht abgegriffen hätten.
Wie sich dann Gesine Schwans Ehemann verhalten werde. Ob das sein Ego beschädigen würde. Ob Gesine Schwan als Frau genug Biss haben werde, sich durchzusetzen und die Bedeutung des Amtes auszufüllen vermöge.
Gerd Langguth sieht auf Spiegel Online solche Fragen nicht, sondern sieht Schwan in Sachen öffentlicher Selbstdarstellung und politischer Kommunikation als deutlich erfahrenere Person:
Denn sie als Politikwissenschaftlerin und Hochschullehrerin beherrschte ungleich stärker die Auseinandersetzung über wichtige gesellschaftliche Entwicklungen als der Ex-Direktor des Internationalen Währungsfonds. So könnte es nun auch wieder laufen. [...]
Er steckt in der Zwickmühle. Denn auf diese Herausforderung reagieren sollte Köhler nicht. Er wäre gut beraten, sich auf keinen Wahlkampf mit Schwan einzulassen – ein Bundespräsident darf nicht in die Niederungen einer persönlichen Auseinandersetzung mit einer Herausforderin herabsteigen.
Das immerhin wirkt erst einmal frei von Geschlechtszuschreibungen. Aber natürlich werden die Medien es sich nicht nehmen lassen, auch auf diesem Gebiet wild mit Umfragen zu wuchern, wie es die Bild am Sonntag schon mal gemacht hat (veröffentlicht am 18. Mai 2008), mit durchaus interessantem Ergebnis:
Und das bietet noch die Gelegenheit, halbwegs off-topic auf Statista hinzuweisen, gefunden hier, eine Seite voller Statistiken, die manchmal sinnvoll und manchmal völlig gaga sind, etwa mit Antworten auf die großen Menschheitsfragen:
(Ja, auch mir fehlt “Other” in dieser Übersicht. Da hätte ich gerne eine Statistik.)

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Ergänzungen! Marcel wies mich gerade noch auf diesen, seinen Beitrag zu Schwan vom Dezember 2005 hin; und bei der Mädchenmannschaft wird auch heftig diskutiert.
Frau Schwan sagt, sie kandidiere »mit Lust«. Hoffentlich vergeht ihr diese nicht, falls die Debatte um ihre Kandidatur, die sie sich wünscht, nicht ganz so konstruktiv verlaufen sollte, wie sie es hofft … (By the way: Wann ist in den Medien und in der Politik eigentlich zum letzten Mal wirklich konstruktiv diskutiert worden?)