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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

“Bild” ist sich nicht nur wichtig, sondern göttlich

 Rochus Wolff   11. April 2008
 Medien, Werbung

Daß die Redaktion der Bild-”Zeitung” an kollektiver Selbstüberschätzung leiden, wird ja nicht nur täglich dokumentiert, damit machen die Damen und Herren inzwischen auch noch Werbung. So ließen sie in einem Anfall ungewohnt subtilen Sexismus den Slogan

Liebe Kolleginnen von der taz, endlich kommen richtige Männer nach Berlin

die Kochstraße (an der Axel Springer, aber auch die taz beheimatet sind) rauf- und runterfahren – und illustrierten das mit einem Foto, das sicherlich keinen Redakteur der Bild zeigt. Auch wenn sie sich vielleicht gerne so sähen.

Nicht nur schön, sondern auch richtig wichtig findet sich Bild aber mit der neuen Werbung.

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Spießer Alfons kommentiert den Slogan mit den Worten:

BILD ist offenkundig der Meinung, dass der Mensch eher auf das Boulevardblatt hören würde als auf den lieben Gott.

Wenn’s nur das wäre. Denn natürlich sind Slogan und Motiv – unabhängig von der Frage, ob Bild informiert oder nicht – auch deshalb falsch kombiniert, weil man kaum davon ausgehen kann, daß Bild kein Interesse daran haben kann, den biblischen Sündenfall zu verhindern. Schließlich lebt die Zeitung davon, jahraus, jahrein die Nachrichten von Sünden zu verbreiten, finanziert sich aus Sex und Prostitution und nährt sich vom Leiden noch der Unschuldigen.

Bild, das sollte uns diese Werbung vielleicht sagen, stand immer schon auf der Seite der Schlange. Oder mindestens seit 1952.

Edit: Paßt ja zum heutigen Tag.

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6 Kommentare

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  1. Über dieses Plakat habe ich mir auch schon einige Gedanken gemacht, ich denke aber nicht, dass man es zum simplen Bild-Bashing nutzen sollte. Dazu ist es viel zu interessant.

    Denn die Werbung erinnert meiner Auffassung nach weniger an den biblischen Sündenfall, sondern eher an die Tat, die ihn verursacht hat, nämlich das Essen vom Baum der Erkenntnis. Und damit wäre auch die Fragen nach Wahrheit und dem Verhältnis des menschlichen Wesens zu ihr aus biblischer Sicht berührt.

    Neben den unglaublich vielfältig theologisch-feministischen Implikationen des Topos, müsste man also auch darauf hinweisen, das diese Werbung genau genommen vollkommen an ihrer Zielsetzung scheitern muss. Wenn die ‘Bild’ die Position vertreten würde, dass das Essen vom Baum der Erkenntnis nicht notwendig christlich-theologisches Übel, sondern etwas Aufhebenswürdiges darstellt, vertritt diese Werbung eine Aussage bezüglich des menschlichen Wesens und seiner Erkenntnismöglichkeiten.

    Ohne den Apfel wäre nicht die Bild unnötig, wahrscheinlich wäre ‘Information’ unnötig.

    Anmerkung: Auch wenn sich die Macher dieser Werbung wahrscheinlich nur gedacht haben, sie hätten einen Eyecatcher gefunden, so finde ich sollte der Text eher lauten “Essen?!?” – und danach kann man über die biblische Anthropologie, Erkenntnis und Medien (insbesondere Boulevard) diskutieren, wobei sich für die Gender-Perspektive viele Anknüpfungspunkte ergeben könnten… Wie gesagt, das Plakat ist zu interessant zum Bild-Bashing, wahrscheinlich interessanter als sich die Macher es im Sinn hatten…

  2. Die Bild-Zeitung ist nur eines von unzähligen Unternehmen, das religiöse Symbole in der Werbung nutzt. Auf der Internetseite http://www.glauben-und-kaufen.de/ sind fast alle “Sünden” der Werbebranche verzeichnet.

  3. Argh. Würde Alice Schwarzer jetzt immer noch für dieses Schundblatt werben?

  4. Wenn Gerhard Henschel sie nicht überzeugen konnte…

  5. Dass auf dieser Erde pausenlos kopf- und hirnloses geschieht, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung oder eines Hinweises. Wer trotzdem darauf herum pocht, stellt sich meines Erachtens auf dieselbe Stufe mit dem Objekt des Ärgers.
    Mich begeistert an Werbung (sei sie nun gut oder schlecht) einfach die Kreativität der Werber, ohne sie zu bewerten. Soll man doch mal erst auf solche Ideen kommen! Außerdem gibt es ja noch die anderen Bilder in der Serie der Werbung.

  6. Iß nicht vom Baum der Erkenntnis, lese lieber BILD!

    Ist doch köstlich..

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