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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

Ich habe einen Traum
Feminismus-Wochen: Der Beitrag von Anja William

 Anja William   8. März 2008
 8. März 2008, Feminismus

2029: Meine Tochter ist 28, so alt wie ich heute.

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ ist kein Programmsatz mehr, sondern Wirklichkeit.

Die Worte „Hausfrau“ und „Herdprämie für Frauen“ sind aus dem Wortschatz verschwunden, da es mittlerweile endlich Normalität geworden ist, daß sich Mütter und Väter gleichermaßen um Kind und Karriere kümmern. Auch die „Vati arbeitet, Mutti kocht“-Ehe gehört der Vergangenheit an: Frauen und Männer bekommen endlich das gleiche Geld für die gleiche Arbeit. Über 95% aller Väter teilen sich die Elternzeit 50:50 mit ihren Frauen. Jedes Kind hat nach der Elternzeit von 14 Monaten einen Rechtsanspruch auf einen kostenlosen Kita-Platz.

Pornographie und Prostitution sind abgeschafft, da die BRD frauenverachtende Zustände nicht mehr toleriert, sondern bekämpft. Auch in der Abtreibungsfrage hat sich einiges getan: jede Frau hat das Recht, selber über ihren Körper zu bestimmen, daher gibt es den Paragraphen 218 nicht mehr. Eine Abtreibung kann jederzeit in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft ohne Angabe von Gründen und ohne Beratungsschein vorgenommen werden. Der Wille der ungewollt Schwangeren ist Grund genug.

90% aller Frauen bezeichnen sich selbst als aktive Feministinnen und sind stolz darauf, was die Frauenbewegung zwischen 2008 und 2029 erreicht hat.

Was für mich Feminismus heute bedeutet? Dafür zu kämpfen, daß dieser Traum Wirklichkeit wird!

Anja William ist regelmäßige Beiträgerin des Genderblog. Sie studiert Kulturwissenschaften an der FernUni Hagen.

 
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13 Kommentare

(RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel)

  1. Ich sehe diesen Traum durchaus kritisch. Einerseits kann ich einigen Punkten zustimmen (Gleiches Geld für gleiche Arbeit, Kitaplätze) andere halte ich wirklich für einen wenig realistischen Traum (Abschaffung von Pornographie und Prostitution, 50:50 Elternzeit).

    Dieser Traum hat wenig mit Gleichberechtigung sondern viel mehr mit scheinbarer Gleichheit zu tun.

    Interessant und bedenkenswert finde ich, das allein der Wille der ungewollt Schwangeren zu zählen scheint und vom Zwangsstaatsdienst (ob an der Waffe oder nicht) aller ebenfalls keine Rede ist.

    Insgesamt möchte ich in dieser Welt nicht leben.

  2. Chris Janes: “Dieser Traum hat wenig mit Gleichberechtigung sondern viel mehr mit scheinbarer Gleichheit zu tun.”

    Ich würde noch weitergehen und sagen, dieser Traum hat in erster Linie mit GleichSCHALTUNG zu tun.

    Was völlig in Ordnung ist, solange dieser Traum innerhalb eines demokratischen Systems geträumt wird. Dann ist er ein Beitrag zur Vielfalt der konkurrierenden Ideen und lädt dazu ein, den eigenen Widerspruchsgeist zu schärfen.

  3. Etwas Off-topic hier, aber Links kann man ja nicht direkt kommentieren, oder?

    Jedenfalls: Danke für den Link auf das Interview mit der einzigen Titanic-Redakteurin!

    Mein feministischer Albtraum wäre übrigens eine zwangsquotierte Titanic-Redaktion, die, weil sie nicht genügend Redakteurinnen der Marke Martina Werner findet, lustige Texte von Hera Lind oder Amelie Fried ins Heft nehmen müsste.

  4. aha mein körper gehört mir, aber sexarbeit oder pornos (egal ob hetero-lesbisch oder queer) darf ich damit nicht machen? was für eine doppelmoral!?

  5. oO

    Ihr seid aber schnell mit euren Urteilen. Was hier beschrieben ist, ist eine Momentaufnahme, ohne Angaben darüber wie der Prozess dahin abläuft. Ob der Prozess zwanghaft abläuft, oder weil alle Bürger dieser Republik einsehen, dass das die bessere Welt ist ist gar nicht beschrieben.

    Und lieber Chris, für dich gilt das gleiche wie für alle anderen Männerrechtler. Schreib deine Artikel selbst! Wir, die AutorInnen dieses Blogs sind nicht dafür verantwortlich deine Themen anzusprechen.

    porYES, natürlich hast du das Recht darauf Pornographie mit deinem eigenen Körper zu erzeugen. Aber vielleicht willst du das 2029 nicht mehr (s. auch erster Abschnitt)?

  6. Zu Paula:

    Ich bin der festen Überzeugung, dass dieser Weg nur unter Zwang möglich wäre, da ein großer Teil (wenn nicht sogar eine Mehrheit) diese Traumwelt bewußt oder unbewußt ablehnt. Ich empfinde es auch als ein wenig anmaßend implizit zu behaupten, man wisse was die “bessere” Welt ist, zumal “besser” sehr schwierig zu definieren ist.

    Weiterhin finde ich es interessant als “Männerrechtler” bezeichnet zu werden. Zumindest mir wäre neu, dass ich ein Mann bin.
    Weiterhin bin ich durchaus in der Lage “meine” Artikel (zumindest im Netz) zu veröffentlichen und erwarte auch nicht das hier “meine” Interessen besonders berücksichtigt werden.

    Ich habe versucht einen konträren Standpunkt zum Artikel zu vertreten, weil ich seine Grundhaltung nicht teile. Mit meinem sehr kurzen Anriss bezüglich staatlichem Zwangsdienst und der Mitsprache des Vaters bei Abtreibungen habe ich lediglich versucht Beispiele für Aspekte zu erwähnen, im Traum der Autorin offenbar nicht relevant sind, was ich primär schade finde.

    Zum Thema Pornographie:
    Auch hier empfinde ich den Traum wenig realistisch: Ich denke man sollte sich vor Augen halten wie unglaublich groß der Markt für Pornographie ist, wieviel Milliarden Euro pro Jahr umgesetzt werden, dass der größte Teil des Internetverkehrs durch Pornofilme erzeugt wird, welche über Peer to Peer Netzwerke getauscht werden. Kurz: Der Markt und das Bedürfnis ist extrem groß, so groß und so bedeutend, dass ich mir ein Verschwinden beim besten Willen nicht vorstellen kann.

    Weiterhin finde ich die implizite Reduktion auf heterosexuelle Pornographie interessant. Ich möchte fragen was mit homosexueller Pornographie im Traum der Autorin geschieht?

    Im Küchenradio (ein Podcast aus Berlin) habe ich eine interessante Folge gehört, über einen schwulen Pornodarsteller, welcher mit einigen Wochen Arbeit pro Jahr das restliche Jahr finanzieren kann. Welcher andere Job kann schon solche attraktiven Bedingungen bieten, die entsprechenden persönlichen Neigungen vorausgesetzt?

  7. Chris,

    Ich wollte nicht implizit behaupten, dass ich oder Anja wissen welches die bessere Welt ist. Was ich sagen wollte ist, dass für Anja dies die bessere Welt ist und sie davon träumt, dass andere diesen Traum teilen und dass sie als Feministin sich dafür einsetzen will. Ach nein, das wollte SIE ja sagen.

    Ich wollte sagen, dass das eben subjektiv ist. Ihre Wünsche. Scheinst ist für sie Pronographie und Prostitution so schlimm, dass sie sich nicht vorstellen kann, dass sie in einer freien Welt noch existieren. Ausserdem wollte ich sagen, dass in dem Artikel kein Anspruch darauf erhoben wird ein umfassendes Bild dieser Traumwelt zu zeichnen. Vielmehr glaube ich, dass der Artikel, der Klarheit wegen, bewusst Dinge auslässt. Aber das ist nur meine Interpretation. Schön wäre wenn Anja sich selber äußert.

    Das mit dem “Männerrechtler” tut mir leid, ich hätte “MännerrechtlerIn” schreiben sollen ;) Genau genommen habe ich dich angegriffen und jetzt tuts mir Leid. Vielleicht hast du noch ein bischen Nachsicht für mich übrig. Das Zwangsdienst ein wichtiges Thema ist sehe ich auch so, bloß stelle ich in Frage, dass dies der richtige Ort ist das zu diskutieren. Ich lasse mich da aber auch gerne vom Gegenteil überzeugen.

    Zum väterlichen Mitspracherecht bei Abtreibungen kann ich wenig sagen. Ich sehe die Gründe dafür. Aber was mir noch viel mehr ins Auge sticht, ist das Recht der Mutter zu entscheiden ob sie die gesundheitlichen und sozialen Risiken tragen möchte. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder mensch das Recht auf körperliche Unversehrtheit hat und Maßnahmen ergreifen darf die dazu dienen diese zu sichern. Ich sehe nicht wie das “Recht auf Nachwuchs” des Vaters das “Recht auf Gesundheit und einen intakten Körper” der Mutter aufwiegt. Ich glaube, dass das auch noch niemand gelöst hat. Margaret Peircy in “Woman on the edge of time” ist auch nur eingefallen, dass Reproduktion ausserhalb des weiblichen Körpers verlegt wird, um eben diese “Letzte” Ungerechtigkeit auszubügeln.

    Zum Thema Pronographie, auch hier muss ich um Nachsicht bitten. Im Moment ist mir das Thema einfach zu komplex um es in einem kurzen Paragräphchen eines Kommentares zu besprechen. Ich möchte das lieber noch ein bischen mit mir herum tragen.

    Gruß Paula.

  8. Grundsätzlich ist zu dem Artikel zu sagen, daß es gewisse Traumwelten gibt, die zu träumen zwar nicht verboten ist (wie auch), für die man aber nicht kämpfen darf und soll. Anjas Welt gehört dazu.

    U.a. wegen des Verbots von Pornographie: wen – außer dem Betrachter des Fotos und der forografierten Person – geht es bitte schön etwas an, wenn sich ein Mensch ein Bild eines anderen nackten Menschen ansieht? Wen geht es an, daß jemand für Geld Geschlechtsverkehr vor laufender Kamera volführt?

    Aber nicht nur deswegen: das Wort “Hausfrau” soll aus dem Wortschatz verschwinden. Warum? Sollte es nicht der Königsweg in einer freien und gleichen Gesellschaft sein, daß sich jeder Mensch selbst entscheiden darf, wie er sein Leben führen möchte? Es gibt Frauen, die ihre Kinder selbst betreuen wollen (Männer übrigens auch, wenn auch seltener). Mit welchem Recht will Anja ihnen diese – im Gegensatz zu einigen überflüssigen Berufen – durchaus sinnvolle und wertvolle Tätigkeit verbieten? Denn nichts anderes will sie, wenn sie den Begriff aus dem Wortschatz streichen will.

    Solche Versuche, Menschen nach den eigenen Vorstellungen (Arbeit ist wertvoller/erfüllender als Kindererziehung) umzuformen, wurden schon öfter gemacht. Sei es in Pol Pots Umerziehungslagern, sei es durch die Propaganda der Nazis, sei es während Maos Kulturrevolution: alle diese Versuche endeten in extremen Grausamkeiten, in Massenmorden. Menschen bleiben individuell, und das ist auch gut so. Anja träumt davon, daß diese Individualität verschwindet.

    Eigentlich sollten wir von solchen Träumen geheilt sein. Daß eine Studentin der Kulturwissenschaften derartige Träume hegt, ist entsetzlich genug und zeigt das Versagen unseres Bildungssystems. Das Studium der Geschichte des dritten Reichs soll nicht nur dazu gut sein, unseren persönlichen Abscheu vor der damaligen Zeit zu kultivieren, es sollte auch dazu gut sein, die Mechanismen und Gedankengänge, die hinter dieser Gleichmacherei stecken, zu verstehen. Das ging hier offenbar schief.

    Deshalb ist es auch nicht ausreichend, wenn man sich hinter Subjektivität versteckt, sich darauf zurückzieht, daß aufgrund der Klarheit Dinge vereinfacht dargestellt wurden. Ich erwarte eigentlich, daß sich diejenigen, die im Feminismus etwas Positives sehen, klar gegen solche Dystopien stellen, und auch klar sagen, daß sie Anjas Kampf für diese Diktatur nicht nur nicht unterstützen, sondern daß sie, wie alle von Freiheit und Demokratie überzeugten Menschen, im Zweifelsfall gegen Anjas Traum kämpfen werden. Menschenrechte – und die möchte Anja einschränken – sind nicht subjektivierbar.

  9. Trotz Masku-Troll-Alarm;):
    das ist und bleibt mein Traum. Daß dieser (Gleichheitsfeminismus-) Traum MännerrechterInnen, die im Zusammenhang mit FeministInnen gern mal von “Feminazis” bzw. “lila Pudeln” sprechen, nicht gefällt, war zu erwarten und ehrt mich sogar. Auch das bewußte Mißverstehen des Textes einer Feministin ist wohlbekannt.
    @Jogi:
    >>>Menschenrechte – und die möchte Anja einschränken – sind nicht subjektivierbar.

  10. ^^ Da wurde wieder was abgeschnitten:
    @Jogi:
    >>>Menschenrechte – und die möchte Anja einschränken – sind nicht subjektivierbar.

  11. Menschenrechte sind aber auch Frauenrechte- auch, wenn das manche Männer (Porno-Fans, Männer, die nur Karriere machen konnten und können, weil sie eine Hausfrau daheim haben etc.) sehr gern ausblenden.
    Und mehr habe ich dazu nicht zu sagen, denn alles, was ich sagen wollte, steht in meinem Text!:)

  12. Immerhin hast du jetzt bestätigt, daß du das wirklich so meinst. So weit, so schlecht. Natürlich sind Menschenrechte auch Frauenrechte (weil Frauen Menschen sind, erstaunlich, daß dies in einem feministischem Forum immer noch extra erwähnt wird, obwohl es selbstverständlich ist).
    Dazu noch ein paar Anmerkungen: warum blenden “Porno-Fans” (zu denen ich nicht gehöre) Frauenrechte aus? Pornodarstellerinnen machen ihre Arbeit freiwillig, weil sie dort relativ viel Geld mit recht wenig Aufwand verdienen können (hier gibt’s übrigens tatsächlich einen starken “wage gap” zugunsten der Frauen, die verdienen pro Film das 3-5fache von dem, was ihre männlichen Kollegen bekommen). Deren Rechte beschränkst du durch ein Pornographieverbot ziemlich massiv. Und eine Frau, die sich von Pornos “belästigt” fühlt, soll halt keine anschauen. Ich finde es jedenfalls nicht allzu schwer, mich davon fernzuhalten, wenn ich es nicht sehen will. Ich frage mich sowieso, wie man auf die Idee kommen kann, etwas verbieten zu wollen, weil es einem nicht gefällt. Mir gefällt auch manches nicht (die Emma, das Genderblog, Filmsequels), dennoch sehe ich es als eminent wichtig für eine freie Gesellschaft an, daß all dies weiterhin erlaubt bleibt. Diese Freiheit ist Grundbedingung für eine Gesellschaft, die die Menschenrechte ernsthaft gewähren will. Freiheit ist die Freiheit des Andersdenkenden, in deinem Fall die Freiheit der “Porno-Fans” und der in der Porno-Branche arbeitenden Menschen.
    Und die Behauptung, Karriere-Männer würden die Menschenrechte ihrer Frau “ausblenden”, ist an Absurdität schwer zu überbieten. Ich habe genug dieser Frauen kennengelernt, unglücklich mit ihrer Rolle war keine. Im Gegenteil – wochentags ein nettes Bridge-Golf-Turnier spielen, während der Mann per 45h-Woche das notwendige Kleingeld dafür verdient, ist ein Lebensstil, von dem manche hart arbeitende 45jährige nur träumt. Die Lebensplanung dieser Ehen ist keineswegs nur auf dem Mist des Mannes gewachsen – das haben Mann und Frau immer gemeinsam so entschieden. Die Hausfrauen wurden zu nichts gezwungen, sie wurden nicht zur Ehe gezwungen, nicht zum Kinderkriegen. Zwang willst allein du ausüben, indem du anderen Menschen deinen Lebensentwurf aufzwingen willst. Das verletzt Menschenrechte, Hausfrauenehen tun dies nicht.
    Ich habe dich keineswegs “bewußt mißverstanden”, ich habe dich überhaupt nicht mißverstanden – ich lehne lediglich das ab, was du willst, und zwar massiv. Und ich werde niemanden unterstützen, der sich von derartigen Phantasien nicht deutlich distanziert. Interessant übrigens, daß du die Begriffe “lila Pudel” und “Feminazi” ins Spiel bringst. Die hat hier niemand verwendet (ich würde es auch nicht tun, da ich mich lieber mit Inhalten auseinandersetze als mit ad-hominem-Konstrukten) außer dir. Steckt da irgendein tieferer Sinn dahinter, außer der Versuch, andere Meinungen mit Hilfe von Strohmännern zu diskreditieren?

  13. Nur zur Erinnerung, ich schrieb:
    >>>Und mehr habe ich dazu nicht zu sagen, denn alles, was ich sagen wollte, steht in meinem Text!:)

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