Cybergirls Rule
Frauen und Mädchen scheinen, schreibt Stephanie Rosenbloom in der New York Times, zumindest in den USA im Internet zumindest als Produzentinnen aktiver zu sein als Männer.
Research shows that among the youngest Internet users, the primary creators of Web content (blogs, graphics, photographs, Web sites) are not misfits resembling the Lone Gunmen of “The X Files.” On the contrary, the cyberpioneers of the moment are digitally effusive teenage girls.
Das Thema hatten wir kürzlich schon einmal; und hierzulande bleibt noch einiges zu tun. (via)
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Der Taz-Artikel hat mich irgendwie schon geärgert. Warum sollten all die Mädels die im RL versuchen besonders sexy zu sein, das Verhalten im Web plötzlich ablegen?
Apropos, das Zitat sagt nicht was für Content die Mädels machen. Ich meine Statisitken gesehn zu haben, dass auch in Deutschland 60% aller Blogs von Frauen geschrieben werden. Nur die Repräsentation in den “Topblogs” und traditionelleren Medien ist nicht proportional.
Ja, der taz-Artikel von Meredith Haaf. Da bin ich auch über ein paar Stellen gestolpert. Zum Beispiel dies:
“Frauen und Männer bloggen unterschiedlich. Männer verbreiten im Netz Nachrichten und persönlichen Auslassungen zu Themen wie Politik, Technik, Wirtschaft oder Sport. Frauen tendieren zu Themen, die nach traditionellem Verständnis eher im geheimen Tagebuch oder im Gespräch mit Freunden verhandelt werden: Gefühle, Gesundheit, Haushalt, meist aus einer persönlichen Perspektive. Klar ist das auch wichtig – aber der Informationswert für die Allgemeinheit ist da recht begrenzt. Es gibt keine Geschlechterdichotomie der Interessen. Frauen interessieren sich genau so für Politik oder Ökologie wie Männer und sind in gesellschaftlichen Bereichen ebenso engagiert wie diese. Trotzdem zeigen sie das kaum.”
Erst wird die geschlechtsspezifische Interessenverteilung im Internet beschrieben, dann wird gesagt, dass es die nicht gibt.
Ist der Artikel an dieser Stelle widersprüchlich, oder steh ich auf der Leitung?
@Petra: Ich glaube, sie meint, daß die Interessen zwar gleich verteilt seien, dies aber online nicht zum Ausdruck komme. Wobei sie unter Umständen zumindest (nicht essentiell, sondern rein statistisch gedacht) insofern vielleicht sogar Unrecht hat, weil sich Frauen vielleicht eher für Haushaltsthemen interessieren – weil das eben tendenziell öfter ihre Erfahrungswelt ist. Denn Männer haben in heterosexuellen Paarbeziehungen ja immer noch geringeren Anteil an der Hausarbeit als Frauen.
Bemerkenswert ist im Übrigen auch, daß, wie ElisaC festgestellt hat, der oben von mir erwähnte Artikel in der NYT unter “Fashion & Style” einsortiert wurde. Aua.
> (…) weil sich Frauen vielleicht eher für Haushaltsthemen interessieren – weil das eben tendenziell öfter ihre Erfahrungswelt ist.
Eine interessante Frage wirfst Du da auf, Rochus: Interessiert sich jemand für etwas, weil es seine/ihre Erfahrungswelt ist – oder wendet sich jemand einer bestimmten Erfahrungswelt überhaupt erst zu, weil es ihn/sie interessiert?
Meine eigene bescheidene Erfahrung dazu geht so: Du könntest mich bis zum St. Nimmerleinstag in die Erfahrungswelt Haushalt reinstellen, und ich würde trotzdem nicht freiwillig und begeistert über “Gefühle, Gesundheit, Haushalt, meist aus einer persönlichen Perspektive” (M. Haaf) bloggen. Ganz einfach, weil mich andere Dinge mehr interessieren. Und das zeige ich auch.
Deshalb halte ich die Behauptung von M. Haaf “Frauen interessieren sich genau so für Politik, (…) Trotzdem zeigen sie das kaum.” für schwierig. Offenbar geht die Autorin bei Männern von einer Kongruenz der Interessen in RL und im Internet aus, bei Frauen aber nicht.
Worauf stützt sich diese Behauptung? Wer hindert Frauen im Internet daran, ihre ‘wahren’ Interessen zu zeigen? Gilt der Gedankengang dann analog auch für Männer, die sich genauso für Haushaltsfragen interessieren wie Frauen, es aber “kaum zeigen”?
Ich würde sagen, da wird ein Holzweg beschritten. Wenn man davon ausgeht, dass Männer im Internet ihren Interessen folgen, gibt es keinen plausiblen Einwand gegen die Annahme, dass Frauen das Gleiche tun.
Ich finde den gedanklichen Spung von der Beschreibung der Perspektivenwahl der digitalen Externalisierung -
doch eher für, hmm, gewagt. Im übrigen wird so schon wieder eine Scheinhierarchie bzgl. der Wertigkeit des Inhalts aufgestellt und die gesellschaftliche Bedeutung der Veränderung von Kommunikation (ehemals rein Privates wird jetzt teilöffentlich) nicht beachtet.