Erst bummeln, dann Baby!
Barbara Streidl hat freundlicherweise den Link ausgegraben, den ich letzten Donnerstag noch nicht gefunden hatte – im Zeit Magazin Leben (der Name!, aber das nur am Rande) bricht Iris Radisch eine fulminante Lanze für die Gebärbummelei, die allerdings sehr stark für studierende Frauen geführt wird.
Im Hamsterradrennen des beschleunigten Lebens und Gebärens wird die Freiheit wieder beschnitten. Eine junge Studentin, die den Nutzen jedes Seminars, jedes verträumten, unsystematisch verbrachten Lesenachmittags abwägt, weil der Nutzen die Fremdbetreuung ihrer beiden Kleinkinder rechtfertigen muss, wird in ihrem Studium keine unvorhergesehenen Erfahrungen mehr machen. Sie wird nichts ausprobieren, wird sich jeden interessanten Irrweg versagen. [...] Nein, die Freiheit zum Trödeln, zum Abseitigen, zum scheinbar Sinnlosen ist eine zu kostbare Errungenschaft, um sie dem Statistischen Bundesamt oder sonst wem zuliebe zu opfern.
Lesen! (Mehr zu Radischs jüngstem Buch, Die Schule der Frauen, z.B. hier und hier.)
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Hab ja auch über den Artikel gebloggt. Und eigentlich muss ich sagen: diese ganze Spätgebärenden Thematik ist einfach eher eine für Hochschulabsolventinnen. Während ich mit 24 noch Tage am Schreibtisch verbringe wird mir von gleichaltrigen, die ihre Ausbildung mit 19 (spätestens) abgeschlossen hatten immer wieder gesagt, dass das ja für sie nichts wäre, so mit großen beruflichen Ambitionen, weil sie ja auch mal Kinder wollten und doch 30 sehr spät wäre.
Wenn ich mit 25 schon fast zehn Jahre gearbeitet habe, dann schalte ich vielleicht eher mal eine Zeit lang einen Gang runter, was man wohl unbestritten in den ersten Jahren muss – oder man schaltet eben richtig heftig rauf.
Gerade die hochqualifizierten Frauen sind es auch, die generell bei der Diskussion außen vor bleiben. Aber man sollte vielleicht langsam etwas davon wegkommen, dass alle Frauen die schon mal eine Uni von innen gesehen haben hinterher Lehrerinnen oder Pädagoginnen sind (oder sonst im öffentlichen Dienst mit wirklich hervorragenden Möglichkeiten für Teilzeit etc.).
Partizipation in allen Lebensbereichen kostet auch Zeit – aber Nicht-Partizipation hat für Frauen ebenfalls einen hohen Preis, nämlich in der Verschlechterung ihrer allgemeinen Lebensbedingungen. Und am Ende heißt es dann doch wieder: wir haben keine Frau gefunden die das machen wollte…