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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

Wozu brauchen wir überhaupt noch Geschlechter?
Schaubühne Berlin: Veranstaltung zu neuer Männlichkeit und neuer Weiblichkeit

 Rochus Wolff   4. Januar 2008
 Frauen- und Geschlechterforschung, Geschlechterpolitik, Veranstaltungen

Im Streitraum der Schaubühne Berlin (Lehniner Platz, Kurfürstendamm 153, 10709 Berlin) findet am 20. Januar 2008 von 12 bis 14 Uhr ein Gespräch zwischen Volker Beck, Sabine Hark (angefragt) und Carolin Emcke zum Thema Neue Männlichkeit, neue Weiblichkeit – wozu überhaupt noch Geschlechter? statt. Veranstalter ist die Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit der Schaubühne.

Aus der Ankündigung:

Während wir in den ästhetischen Diskursen in Werbung, Film und Kunst herkömmliche Vorstellungen von “Männlichkeit” oder “Weiblichkeit” längst ironisiert, gebrochen, transgressiv erleben, während die theoretischen Entwicklungen der Gender Studies und Queer Theory längst einen historisierten Blick auf die Konstruiertheit und die Performativität von Geschlecht erlauben, finden die politischen und medialen Debatten um Weiblichkeit und Männlichkeit zur Zeit vor allem im Rahmen von Familienplanung und Demographie statt.

Was bedeuten uns noch die Vorstellungen von “Männlichkeit” und “Weiblichkeit”? Wie bestimmen und codieren sie Vorstellungen unsere Lebens- und Liebesvorstellungen? Sabine Hark, Professorin für Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Potsdam und Expertin für Queer Theory, hat unter anderem zur Diskursgeschichte des Feminismus publiziert. Volker Beck, Bundestagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen, engagiert sich seit langem für die Rechte Homosexueller und gilt als einer der Väter des “Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft”.

 
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13 Kommentare

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  1. Was ich nicht verstehe, nie verstanden habe, ist warum sexuelle Orientierung so eng mit Gender verbunden wird. Für mich sind das zwei unabhängige Aspekte einer Person.

    Ausserdem sehe ich nicht, dass in Werbung und Film irgendwie ironisch oder transgressiv auf Gender eingegangen wird.

  2. zu deiner ersten frage … das kannst du u.a. bei frau butler, „Gender Trouble“ (1990) nachlesen.

    Butler thematisiert in dieser Arbeit zwei Ausrichtungen der Geschlechterfrage: erstens reflektiert sie Sexualität als einen zentralen Bestandteil des Geschlechts und zweitens greift sie das biologische Geschlecht als das natürliche Fundament von Geschlechtsidentität an. Sie konstatiert die „metaphysische Dreieinigkeit des Geschlechts“ in der herrschenden heteronormativen Zweigeschlechterordnung, aus dem biologischen Geschlecht (sex) folgt die Geschlechtsidentität (gender) und daraus ein Begehren nach dem entgegen gesetzten Geschlecht.

  3. Ich würde Paulas Frage auch eher in die Richtung verstehen, ob es den nötig sei, Gender und sexuelle Orientierung gemeinsam zu denken – daß die hegemonialen Geschlechterkonzeptionen das tun, muß ja nicht zwingend Maßstab für unser Denken sein.

    Natürlich ist dabei Sexualität ein wesentlicher Bestandteil davon, wie man (sich selbst als) geschlechtliche(s) Wesen wahrnimmt, aber ließe sich Gender nicht auch unabhängig davon denken?

  4. “daß die hegemonialen Geschlechterkonzeptionen das tun, muß ja nicht zwingend Maßstab für unser Denken sein.”

    So als Naturwissenschaftlerin, weiß ich auch erst seit letztem März, was genau der Unterschied zwischen Geschlecht und Geschlechtsidentität ist. Ich tu mich mit der Formulierung darauf bezogener Gedanken immer noch schwer. Es ist aber ein Wort, dass ich schon lange gesucht habe, um meine Gedankenwelt zu umschreiben.

    Mir stellt sich die Situation so dar, dass sexuelle Orientierung teil der Geschlechteridentität ist, wie sie uns in der “heteronormativen Zweigeschlechterordnung” aufgedrückt wird. Unsere eigene “frei gewählte” Geschlechteridentität muss sexuelle Orientierung nicht einschließen. Genau genommen können wirt die eh abschaffen, die Geschlechteridentität.

    Ich finde es seltsam, aber es ist nun mal so. Viele Menschen halten, selbst wenn sie neue Wege denken wollen und den Druck der Geschlechteridentität von Menschen nehmen wollen, an der gottgegebenheit von Geschlecht=Geschlechteridentität fest. In dem Zusammenhang, nach Butler, macht es auch Sinn einen queer-aktivistischen Politiker zu so einer Debatte einzuladen.

  5. sicher, nötig ist es aus meiner perspektive auch nicht – der papst ist da aber wohl ganz anderer meinung. und wenn es um die analyse & kritik bestehender verhältnisse geht, ist es ebenfalls nötig die sache mal auf den punkt zu bringen. und veränderung beginnt eben mit einsicht.

    und ich meine nicht, dass im moment geschlecht unabhängig von sexualität gedacht werden kann, weil es doch kein ausserhalb des (hegemonialen) diskurses gibt. die nicht-norm, die abweichung, das andere wird doch i.A. durch die norm erst konstruiert. und ausserdem interpretiert ja jede_r (vorallem “nicht-wissende”) erstmal nach den geltenden regeln, u.a. dem sogenannten gesunden menschenverstand, das allgemeinwissen und diese geben eben einen bestimmten interpretationsrahmen, nämlich hegemoniale geschlechter- und sexualitätskonzeptionen vor. und da kann mensch dreimal geschlecht unabhängig von sexualität denken, was beim gegenüber ankommt, ist nicht frei von stereotypen und hegemonialen annahmen.

    ausserdem welchen sinn macht es denn, geschlecht ohne sexualität zu denken? welche bedeutung hat geschlecht ohne sexualität?
    die beiden kategorien (geschlecht & sexualität) bestätigen und re_produzieren sich doch beständig gegenseitig.
    vorallem geschlecht hat (hegemonial gesprochen) nur die funktion der reproduktion, referiert also auf sexualität.
    ich würde eher andersrum denken und “fragen”, ist es nicht möglich sexualität unabhängig von geschlecht denken …. und das wiederrum wird durchaus vielfach, auch in “normalen konstellationen” praktiziert – nur über sexualität spricht mensch nicht, weil des privatsache ist.

    hmmmm … *grübel

  6. Mir fiel gerade ein Video in die Hände, daß da vielleicht noch als konkretes Anschauungsmaterial herhalten kann – hier gepostet. (Vielleicht aber hier weiterdiskutieren …)

  7. “ausserdem welchen sinn macht es denn, geschlecht ohne sexualität zu denken? welche bedeutung hat geschlecht ohne sexualität?”

    Welchen sinn macht es Haarfarbe ohne Augenfarbe zu denken? Welche bedeutung hat Haarfarbe ohne Augenfarbe?

    In meiner (Gedanken)welt sind alle Eigenschaften Variablen die eine Person ausmachen. Für all diese Variablen gibt es ein Spektrum. Vielleicht bin ich da auch naiv, aber ich kann jede Eigenschaft mit jeder korrelieren. Sexualität mit Geschlecht und Gender und Haarfarbe etc. Ich bekomme dann einen n-dimensionalen Raum, in dem alle Menschen beschrieben sind. Und nur weil das hegemoniale Dings einige dieser Variablen aberkennt oder sie auf nur zwei mögliche Werte festlegt, heißt das doch nicht, dass das die Warheit ist, oder dass ich so denken muss.

    Mein eigentlicher (Frage)sinn war aber, ob ein Politiker, der dafür bekannt ist für Queer-Rechte einzutreten auch genderpolitisch kompetent ist.

    Eigentlich wollte ich diesen Satz so stehen lassen, aber mir fällt gerade auf, dass eine Person, die erkannt hat, dass Sexualität ein (vereinfacht gesagt) Kontinuum ist dieses Wissen auch auf Gender übertragen kann. Weil nach meiner obigen Argumentation alles Variablen sind. Andererseits erkennen viele Leute, dass Haarfarbe eine kontinuuierliches Spektrum hat, aber nicht dass das ebenso für Geschlecht, Gender oder Sexualität gilt.

    Langsam fang ich an mich selbst zu verwirren. Ich fang mal einen neuen Kommentar an;)

  8. Also! Das Video. Ich sehe nicht, dass es transgressiv ist. Vielleicht habe ich auch, da ich schon seit Jahren kein Fern mehr schaue verlernt Werbung zu verstehen.

  9. “Mein eigentlicher (Frage)sinn war aber, ob ein Politiker, der dafür bekannt ist für Queer-Rechte einzutreten auch genderpolitisch kompetent ist.”

    möglich, aber nicht generell …. in meiner (erfahrungs-)welt gibt es ne menge menschen, die zwar sehr flexibel mit sexualität umgehen, aber zu genderproblematiken eine eher abgeneigte haltung haben bzw. sich weiterhin an den hegemonialen diskurs der zweigeschlechtlichkeit klammern.
    das ist wohl eher eine frage, wie intensiv mensch sich mit dem thema queer auseinandergestzt hat.

    und noch ne frage, welchen Unterschied zwischen Geschlecht und Geschlechtsidentität meinst du? gibt’s da nen unterschied?

  10. Also Geschlecht ist die Eigenschaft, die sich an Organen, oder Chromosomen oder so festmacht, während Geschlechtsidentität=Gender das ist, wie man Auftritt also feminin maskulin etc. Zumindest hab ich das so verstanden.

    Kann natürlich sein, dass ich die Begriffe falsch verwende (bitte um Aufklärung).

  11. (sorry – war etwas länger weg)

    so – nö-nö …ansich ist dit nicht “falsch”. Ist halt nur die frage ob frau zwingend zwischen biologisiertem geschlecht und geschlechtsidentität unterscheiden muß. zumal ich weder an das gen, noch an organ ansich als geschlechtsmarker glaube.
    ich neige da eher zur geschlechtslosigkeit, da die trennung sex-gender doch immer wieder impliziert, es gäbe “echte” & “natürliche” & deutlich sichtbare Geschlechter.
    Und dann gibt unsere sprache halt auch nur zwei Möglichkeiten von Geschlechterbeschreibung her. Hier haben sich die geschlechtsidentitätskonzepte (je nach kontext) ja schon etwas erweitert =D …nur das biologisierte geschlecht hängt dabei, natürlich noch hinterher. klar, denn hält ja noch immer fest am naturalisierten zweigeschlechtermodell.
    Ich sehe allerdings natürlich ein, dass es je nach kontaxt praktikabel ist, auf diese trennung zurückzugreifen.

  12. “Also Geschlecht ist die Eigenschaft, die sich an Organen, oder Chromosomen oder so festmacht, während Geschlechtsidentität=Gender das ist, wie man Auftritt also feminin maskulin etc.”

    hm. da kommt man letztlich auch nicht weit mit oder? was ist mit xy-frauen? oder operierten trans*menschen? oder leuten, die hormone nehmen? denen hormone fehlen? was ist mit sterilisierten menschen? klinefelter_innen? Menschen wie in Almodovars “Alles über meine Mutter” und dem oben verlinkten Clip: Mit Penis und Brüsten? denen, die ihren Penis zu klein finden? ‘Männer’ mit nur einem hoden? …? …? Menschen, denen ein weiblicher Körper nachgesagt wird, die diesen aber als ‘männlich’ oder als etwas völlig anderes wahrnehmen. Ist das dann auch schon Geschlechtsidentität?
    Wie objektiv ist das kriterium “Biologie” da? meines wissens kann dort letztlich nicht von 2 geschlechtern ausgegangen werden, sondern eben von breit gefächerten variationen?

    *naja, nur so als ergänzung und fragen an mich und die welt*

  13. Mir ging es erstnal darum den Gebrauch der Worte abzugrenzen, wie es im heutigen Sprachgebrauch üblich ist.

    st_eva: Ich denke, man kann willkürlich Merkmale festlegen nach denen eine Person Man oder Frau ist. Mann könnte auch eine Checkliste machen, sogar mit Gewichtungen, um auf einer Skala festzulegen wie Mann oder Frau einer ist. Alternativ könnte man auch mehrere Kategorien und Checklisten festlegen. Das wäre alles eine frage deer Definition und der Definitionsmacht.

    Ob das einen Sinn ergibt ist eine andere Frage. Eine die ich mit nein beantworten würde.

    sAn & cArlchen: Gute Frage. Da hab ich noch nicht drüber nachgedacht und deshalb mit der Antwort gezögert. Ansich brauch frau nicht zwischen Geschlecht und Gender unterscheiden, besonders wenn, unter berücksichtigung von st_evas Argument, Geschlecht schwer zu definieren ist. Es ist modern in Debatten zwischen biologischen und sozialisations Einflüßen zu unterscheiden. Daraufhin versuchen die verschiedenen Seiten die eine oder die andere Sorte herunterzuspielen, ohne jemals die Unabhängigkeit der zwei Einflusssorten in Frage zu stellen. Ich denke aber, das geschieht aus der puren Not heraus. Ich frage mich jetzt nur, wie ich aus dieser Einsicht einen Nutzen ziehen kann. Wie hilft sie mir mit den Menschen umzugehen die meinen, aufgrund einer Kategorie in die sie mich stecken, mich wie Dreck zu behandeln?

    Gute Frage ;)

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