Vampirismus einmal anders
„Perfect Creature“ ist zwar nicht vollkommen, bietet aber hübsche Ideen

Das ist ein seltsam brüchiger, inkonsequenter Film, der eine Parallelwelt zur unseren in Szene setzt und dann auf einmal ignoriert, wie er auch seine Hauptfiguren ernst zu nehmen vorgibt, um sie dann nur noch wie stereotype Schachfiguren herumzubugsieren.
Perfect Creature hat eine hübsche Prämisse, zumal für einen Vampirfilm: Irgendwann im Mittelalter entdecken die Alchemisten die Genetik – ein selbstgedrechseltes Virus führt dann in seltenen Fällen dazu, dass manche Kinder – nur solche männlichen Geschlechts – als Vampire geboren werden.
Der Verzicht auf jeglichen „Fürst der Finsternis“-Schnickschnack (der, wenn er konsequent durchgezogen wird, natürlich auch seinen Reiz hat – siehe zuletzt 30 Days of Night) tut dem Vampirgenre hier gut: äußerst langlebig, stark, schnell und mit bemerkenswertem Gehör ausgestattet sind die bluttrinkenden Männer auch in diesem Film, aber Furcht vor Knoblauch und Tageslicht zeigen sie nicht.
Stattdessen haben sich die Vampire in Form der „Brotherhood“ als eine Art Kirche etabliert, die in ihren männlichen Hierarchien und schwarzen Klamotten sicher nicht von ungefähr an die Kirche erinnert. Die Mitglieder dieser Bruderschaft wachen über die Menschen und werden von diesen dafür mit in freundlichen kleinen Ritualen gespendetem Blut versorgt.

In dieser Welt nun ist die Polizistin Lilly (Saffron Burrows) damit beschäftigt, den illegalen Handel mit Grippeimpfstoffen zu bekämpfen – dem mittlerweile verbotenen Herumbasteln an Viren verdankt die Menschheit dieser Welt wohl einiges Leid. Zumal hygienisch nicht alles zum Besten steht: Perfect Creature spielt zu unbestimmter Zeit in einer Großstadt, einem dreckigen Durcheinander von Straßen, wie wir es in unserer Welt vielleicht am Ende des 19. Jahrhunderts erwarten würden – hier fahren Autos (fast) wie aus unseren 1920er Jahren herum, die Polizei benutzt Funksprechgeräte. Das ist ein bunter Technikmix, und es macht Spaß, dabei zuzusehen, wie Regisseur Glenn Standring das entfaltet.
Lilly ermittelt auch in einem Mord, den ein abtrünniger Vampir (Leo Gregory) verübt hat, der Gefallen an der Ernährung durch Aussaugen gefunden hat; ihr zur Seite steht mit Silus (Dougray Scott) ein ranghoher Vampir der Bruderschaft.
In seiner ersten Hälfte reißt der Film hier allerlei interessante Themen an – seine Welt ist genau so viel von unserer verschieden, dass sie stets interessant bleibt, die Funktion und Bedeutung der Bruderschaft bleibt fragwürdig, es deuten sich politische Intrigen an – und lässt sie dann auf einmal links liegen. Zum Schluss hin mutiert er zu einem ziemlich gewöhnlichen Geiselbefreiungsklopper, der dann nicht einmal besonders gut inszeniert ist.

Schon vorher geht die Art und Weise gewaltig auf den Keks, mit der Silus’ übernatürlich gutes Gehör in Filmsprache übersetzt wurde: mit flotten Kamerafahrten und -rissen, dazu dem obligatorisch aufgedrehten Soundtrack. Vorher zoomt die Kamera für die Begriffsstutzigen unter uns noch rasch zum Ohr. Beim ersten Mal versteht man die Botschaft der Bilder, beim dritten Mal wäre das wirklich nicht mehr nötig gewesen, vielen Dank.
Problematisch konstruiert erscheint schließlich und am Ende die Figur der Lilly. Nimmt sie (Lilie, die Unschuld, Vergänglichkeit, königlich, platonische Liebe, Reinheit, Fruchtbarkeit, Lauterkeit, Keuschheit und Einheit) am Anfang eine ganz und gar positive, aktive Position ein, so wird mehr und mehr deutlich, dass sie im von Männer dominierten Gefüge des Films nur eine allzu konventionelle Position besetzen soll, in der sie heterosexuelles (aber stets platonisches) Begehren für den so kühlen Silus ermöglicht und außerdem auch noch Mutter sein muss. Zuerst trauert sie noch um ihre eigene, von der Grippe dahingeraffte Tochter, am Schluss wird sie zur Mutter für die titelgebende „Perfect Creature“, während Silus über sie beide wacht.
Natürlich ist das dann schon eine hübsch verdrehte Variation auf die heilige Familie, aber so richtig klug weiß der Film das nicht mehr zu positionieren. Und auch wenn Saffron Burrows ihrer Lilly nicht klassisch Mütterliches gibt, so kann auch sie ihre Figur nicht aus der allzu normativen Matrix herausfischen, die das Drehbuch ihr vorgibt.
Perfect Creature; Neuseeland 2006; Regie: Glenn Standring; Drehbuch: Glenn Standring; mit Saffron Burrows, Dougray Scott, Leo Gregory, Scott Wills, Stuart Wilson. Auf DVD ab 14. Januar 2008 im Handel; bereits im Verleih.
Fotos: 20th Century Fox
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