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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

Was Quoten Können

 Paula Schramm   7. Dezember 2007
 Frauenförderung

Es gibt viel systemische Ungerechtigkeit in der Welt. Ganze Gruppen von Menschen werden aufgrund von willkürlichen Eigenschaften diskriminiert. Diese Diskriminierung sitzt fest in den Köpfen aller. Genauso gibt es aber auch formelle Mittel die eingesetzt werden können um diese Diskriminierung zu lindern, bzw. aus den Köpfen heraus zu holen. Eine Gruppe mit der sich dieses Blog befasst sind Frauen. Anhand dieser möchte ich mich mit dem formellen Mittel der Quoten beschäftigen.

Trotz, dass ich das Thema schon sehr eingeschränkt habe, ist es immer noch ein sehr weites Feld. Deshalb möchte ich mich erst einmal mit quotierten Redelisten, wie es sie z.B. bei den Grünen gibt, befassen. Die Methode ist denkbar einfach, es reden abwechselnd Mann und Frau, bzw. es reden abwechselnd ein Mann/Frau und eine Frau. Letztere Variante hat eine offene Redeliste, auf der sich alle melden können und eine die nur Frauen zur Verfügung steht. In ersterer gibt es nach der Genderdichotomie eine Liste für Männer und eine für Frauen. Es kann dann abwechselnd einer von der einen und einer von der anderen zur Diskussion beitragen. Steht auf einer Liste keine Person mehr, dann werden beide geschlossen. Die Diskussion ist dann zu Ende.

Ich finde diese Listen ein probates Mittel. Denn es gibt Frauen die Möglichkeit, ohne den Druck die Schnellste sein zu müssen, oder die Lauteste sein zu müssen, sich zu äussern und zum Diskussionsgeschehen beizutragen. Ihnen wird effektiv ihre Stimme zurück gegeben. Das sie was zu sagen haben, daran besteht kein Zweifel.

Es gibt natürlich Kritik an diesem Mittel. Es verlängert Diskussionen, da doppelt so viele Leute reden verglichen mit vorher. Dem Argument möchte ich jedoch begegnen, dass es kein Wert an sich ist schnell mit einer Diskussion fertig zu werden. Eine weiteres Gegenargument ist, dass es an den Machtstrukturen die die Frauen hemmen sich zu äußern nichts ändert. Es hilft den Frauen nur sich an männliche Verhaltensmuster anzupassen. Sie übernehmen, so das Gegenargument, einfach das aggressive Verhalten der Männer. Für mich klingt in diesem Argument immer etwas von der biologistischen ansicht mit, Frauen seien von Natur aus sanfter und passiver. Ich bin der festen Überzeugung, dass das alles Training ist. Somit wirkt die quotierte Redeliste gegen die gesellschaftliche Programmierung. Was ich nicht im geringsten gelten lassen werde sind Argumente, dass so eine Quote den Männern einen Nachteil erzeugt. Diese haben noch genau die gleiche Möglichkeit sich zu äußern wie vorher. Der Unterschied ist, dass diese Möglichkeit auch für Frauen besteht. Quote bewirkt in diesem Fall ausschließlich eine bereichernde Beteiligung von mehr Personen!

Ein Problem sehe ich aber durchaus. Quotierte Redelisten berücksichtigen nicht, dass es neben den Gendern Mann und Frau noch weitere gibt und dass die Grenzen zwischen ihnen fließend sind. Dieses Dazwischen, Daneben, oder sonst wie, ist ein Pulverfass, dass ich in diesem Artikel lieber nicht anzünden will. Ihr könnt das in den Kommentaren gerne tun.

 
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6 Kommentare

(RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel)

  1. Auch wenn in diesem Beitrag einige wahre Aussagen stecken, kann ich der Grundaussage nicht zustimmen: Ich halte solche Listen für absolut ungeeignet.
    Erstens denke ich, dass auch viele Männer darunter “leiden”, dass sie nicht zu Wort kommen, weil irgendwer (m oder w oder alles dazwischen) ständig schneller bzw. aggressiver ist. Für die ändert sich durch solche Listen nichts, obwohl auch einige von ihnen sicher etwas zu sagen hätten.
    Zweitens finde ich es albern, unbedingt darauf zu bestehen, dass immer abwechselnd Frau und Mann reden dürfen. Das zerstört im Extremfall das Aufeinanderbeziehen der verschiedenen Diskussionsteilnehmer.
    Drittens entzieht vor allem die zuerst genannte Listenvariante willkürlich Personen das Wort. Beispiel: Auf der Männerliste stehen 3 Männer, auf der Frauenliste 6 Frauen. Die Redereihenfolge geht: Frau, Mann, Frau, Mann, Frau, Mann. Dann ist die Männerliste leer und beide werden geschlossen. Somit wird den drei Frauen, die nicht “aggressiv” genug waren, um auf den ersten drei Plätzen zu stehen, willkürlich das Wort entzogen. Was soll das für eine Diskussionskultur sein?

    Ich denke einfach, dass das Problem, dass in Diskussionen vielleicht nicht immer die zu Wort kommen, die wirklich was zu sagen hätten (egal ob Mann, Frau oder alles dazwischen), nicht unbedingt in der Gender-Dichotomie begründet liegt. Es geht einfach um ein vernünftiges Miteinander, ein Aufeinanderachten und Sich-nicht-in-den-Vordergrundstellen. Und das ist eben nicht immer gewährleistet.

    So, das war jetzt mein erste Kommentar auf diesem Blog. Ich hoffe, ich habe mich nicht gleich unbeliebt gemacht…

  2. Deshalb möchte ich mich erst einmal mit quotierten Redelisten, wie es sie z.B. bei den Grünen gibt, befassen. Die Methode ist denkbar einfach, es reden abwechselnd Mann und Frau, bzw. es reden abwechselnd ein Mann/Frau und eine Frau. Letztere Variante hat eine offene Redeliste, auf der sich alle melden können und eine die nur Frauen zur Verfügung steht. In ersterer gibt es nach der Genderdichotomie eine Liste für Männer und eine für Frauen. Es kann dann abwechselnd einer von der einen und einer von der anderen zur Diskussion beitragen. Steht auf einer Liste keine Person mehr, dann werden beide geschlossen. Die Diskussion ist dann zu Ende.

    Das hat aber nichts mit Gleichberechtigung zu tun, dass sich auf einer Liste sowohl Männer als auch Frauen und auf der anderen Liste nur Frauen eintragen kann. Konsequent wäre, wenn sich auf einer Liste nur Frauen und auf der anderen Liste nur Männer eintragen könnten.

    Noch ein anderes Wort zum Frauenstatut der Grünen:

    § 1 MINDESTQUOTIERUNG
    Wahllisten sind grundsätzlich alternierend mit Frauen und Männern zu besetzen, wobei den Frauen die ungeraden Plätze zur Verfügung stehen (Mindestparität).
    Frauen können auch auf den geraden Plätzen kandidieren.
    Reine Frauenlisten sind möglich.

    Inwieweit sind dieser Paragraph sowie Paragraph 2 mit den Redelisten konform mit Artikel 3 des Grundgesetzes? Die Tatsache, dass reine Frauenlisten möglich sind, reine Männerlisten aber nicht, ist verfassungswidrig.

    Genauso verfassungswidrig weil männerdiskriminierend ist Paragraph 4 des Frauenstatuts der Grünen:

    § 4 FRAUENABSTIMMUNG UND VETORECHT
    (1) Eine Abstimmung unter Frauen (Frauenvotum) wird auf einer Bundesversammlung auf Antrag von mindestens 10 stimmberechtigten Frauen vor der regulären Abstimmung durchgeführt. Für ein Frauenvotum beim Länderrat sowie allen anderen Gremien genügt der Antrag einer stimmberechtigten Frau für ein Frauenvotum.
    (2) Die Mehrheit der Frauen einer Bundesversammlung, eines Länderrates und anderer Gremien hat ein Vetorecht mit aufschiebender Wirkung. Eine von den Frauen abgelehnte Vorlage kann erst auf der nächsten Bundesversammlung erneut eingebracht bzw. von der Versammlung mehrheitlich an den Länderrat überwiesen werden.

    Insofern sind die Grünen die einzige Partei, die Momentan im deutschen Bundestag vertreten ist, die sich offen zur Geschlechterdiskriminierung bekennt.

    Das Frauenstatut der Grünen zum Nachlesen: http://kuerzer.de/EAcuKSudw

  3. Auf der Männerliste stehen 3 Männer, auf der Frauenliste 6 Frauen.

    In diesem Fall können zwei oder drei von den sechs Frauen einfach auf die “Männerliste” geschrieben werden.

  4. Ich fand es höchst interessant, daß selbst die Pressestelle der Grünen im vergangenen Jahr nicht auf eine Anfrage bzgl. der offiziellen Argumentation hinsichtlich der (angenommenen) Verfassunggsgemäßheit (innerparteiliche Demokratie) des Grünen Frauenstatuts reagiert hat…

  5. nicht erwähnt wird an dieser stelle leider, dass quoten kategorien festschreiben, die sie ja eigentlich als ursache für ungleichheit ausmachen… diese abhilfe ist also nur eine scheinbare…

  6. @st_eve: Das ist auch mein Hauptbedenken. Aber es war ja auch nur ein Anfang einer Diskussion.

    @Michael: Willkommen! und unbeliebt hast du dich (noch) nicht gemacht.

Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.



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