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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

Der Frauenversteher

 Rochus Wolff   15. November 2007
 Gesellschaft, Medien

Matthias Matussek hat sich einer ziemlich radikalen Kur zur Gewichtsreduktion unterzogen, und weil er nicht nur offenbar stolz auf das Ergebnis und ein bißchen eitel, sondern auch Spiegel-Redakteur ist, bringt er dies im neuen Sonderheft “Gesund & glücklich” und online den Massen zu Gehör.

Das ist leidlich komisch, wie Matussek mit ein bißchen selbstironischer Distanz zu den Ereignissen von seinen nächtlichen Freßorgien vor dem Kühlschrank berichtet, auch wenn man sich fragt, warum der Mann, um des Herzens willen, mit dem Rauchen aufhört, aber dafür sich so anscheinend hemmungslos ins Essen stürzt.

Dann folgen einige launige Bemerkungen zu seiner Kur und zu seinem behandelnden Arzt, den er einen Hölderlin des Darms nennt,

von dem die Legende erzählt, dass seine sensiblen Künstlerhände in der morgendlichen Bauchmassage bei einem sehr dünnen Model erspürt haben sollen, dass es kurz vor der Behandlung ein Brötchen und drei Gummibärchen zu sich genommen hatte.

Womit das im Titel des Artikels (“Mein Leben als Frau”) angerissene Geschlechterthema in die Diskussion eingebracht wäre. Es findet sich sonst explizit kaum, außer in Matusseks nicht uneitler Selbstbespiegelung zum Schluß:

Jetzt weiß ich, wie es ist, wenn man nur auf sein Äußeres reduziert wird. Kurz: wie man sich als Frau fühlt.

Eigentlich gar nicht schlecht.

Weil, er sieht ja, meint er, gut aus. Das ist nun Geschmackssache, und natürlich ist es hübsch, daß wir hier einmal das Diätthema, Dauerbrenner aller “Frauenmagazine”, auch auf den Mann bezogen serviert bekommen. (Ja doch, Men’s Health und Konsorten betreiben das auch schon seit Jahren.) Und natürlich soll der Schluß ein humoriger Dreh sein.

Leider ist es aber eben nicht so, daß “auf sein Äußeres reduziert” zu werden sich für Frauen auf lobende Bemerkungen übers geschrumpfte Hinterteil beschränkt. Oder sollten wir demnächst dann auch über Matusseks evtl. wieder zunehmende Leibesfülle schreiben, uns womöglich gar über die Form und Größe seiner Geschlechtsorgane auslassen, damit er sich so richtig gut, so richtig fraulich fühlen kann?

Oder steht jetzt Matussek immer vor dem Märchen-Spiegel, um sich zu versichern, daß er der Schönste, Schlaueste, Tapferste ist? So rein vom Äußeren her?

Mit Dank an Leserin S. für den Hinweis!

 
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