Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

Gender in der New Economy (und ihren medialen Repräsentationen)

 Rochus Wolff   8. Oktober 2007
 Gesellschaft, Kapitalismus, Netz

Bedenkenswert ist die Diskussion im Mädchenblog: Nennen Sie eine erfolgreiche Start-Up-Gründerin im Bereich des Web 2.0! inklusive der nicht nur rhetorischen Frage: Warum fällt mir bloß keine Fernsehserie ein, in der wenigstens eine Frau in der IT-Branche arbeitet? Auch im Kino sind nach wie vor die meisten IT-Leute Männer. Weiß jemand Ausnahmen?

Über die Geschlechterverhältnisse in der Blogosphäre gab es im Übrigen auch in Deutschland schon einmal eine kleine Untersuchung.

 
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19 Kommentare

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  1. Die Frage keineswegs rhetorisch. Ich kenne zumindest zwei Frauen im Fernsehen, in zwei äußerst populären Sendungen. Bei Navy CIS (läuft auf SAT 1) gibt es nur eine Rolle die ausschließlich mit hochmodernen Geräten und Computern arbeitet – eine Frau (“Abby”). In der selben Serie war schon mehrfach eine Frau als Leiterin einer “Computerabteilung” der Navy zu sehen.
    Bei CSI: Miami auf RTL gibt es auch eine leitende Mitarbeiterin die regelmäßig forensische Untersuchungen etc.macht. Die arbeitet zwar nicht in der IT-Branche, beweist aber trotzdem sehr gut, dass auch Frauen in der Lage sind mit Computern und High-Tech im allgemeinen souverän umzugehen.

  2. Lt. Nyota Uhura, Kommunikationsoffizierin in “Star Trek” – Gut, sicher keine vorbildliche Serie für die Vermeidung von Geschlechter- und Rassenklischees.

  3. Ms. Uhura darf wohl ohne Probleme als Erfüllung aller Klischees gelten. Vielleicht sollte man die Frage darauf erweitern, ob jemand Frauen weiß, die im Fernsehen als kompetente IT-Fachleute dargestellt werden.

    Die im Mädchenblog genannte “Jen” aus der (im Übrigen großartigen) britischen Serie The IT-Crowd ist deshalb ja auch kein besonders gutes Beispiel.

  4. Lena Klingström in “Kommisar Beck”

  5. SQL error: MySQL server has gone away

    lasst mal die IT-Spezialistin ´ran

  6. Nicht meckern! ;-)

  7. Chloe O’Brien in 24.

    Ok, B’Elanna Torres und Seven in ST:VOY waren Ingenieurinnen und Jadzia Dax Wissenschaftsoffizier (DS9), aber da programmiert auch nur selten wer. Ingenieurinnen und Wissenschaftlerinnen fallen mir auch ein paar mehr ein, IT-Leute tatsächlich weniger.

  8. Vielleicht widerspricht das Klischee vom Computer-Nerd (not emotionally responding dude) doch allzu sehr sowohl dem herkömmlichem als auch dem aktuellem Klischee von der emotional kommunikationsstarken Frau?

    Vielleicht lässt sich aber auch einfach mit dem Eintippen von SQL-Queries generell schwer eine Dramaturgie aufbauen.

    Gibt es überhaupt im nennenswertem Umfang IT-Spezialisten in Filmen und Serien? Und wenn ja, werden diese nicht als emotional inkompetente männliche Fachidioten dargestellt?

  9. Es gibt natürlich auch noch Rachael Leigh Cooks Figur in Start Up/Antitrust, aber das ist derart schlecht, darüber mag man gar nicht länger nachdenken.

  10. IT ist so ziemlich der letzte Bereich, in denen Männer in Film, Fernsehen und Romanen noch als den Frauen überlegen dargestellt werden. Diese Bastion muss natürlich auch noch fallen, so dass die Frauen in wirklich allen Bereichen als das überlegene Geschlecht dargestellt werden. War ja klar.

  11. Ein möglicher Grund für die schwach ausgeprägte Affinität von Frauen zur IT: Es widerspricht doch allzu sehr der aktuellen Konstruktion von Weiblichkeit, den ganzen Tag mit Maschinen zu “kommunizieren”.

    Die die Zukunft weiblich machenden “superior soft skills” sind gerade im IT-Bereich eher als Sekundärtugenden gefragt.

    Womit die F-Klasse mal wieder in die selbst gestellte Falle getappt wäre..

  12. IT ist so ziemlich der letzte Bereich, in denen Männer in Film, Fernsehen und Romanen noch als den Frauen überlegen dargestellt werden. Diese Bastion muss natürlich auch noch fallen, so dass die Frauen in wirklich allen Bereichen als das überlegene Geschlecht dargestellt werden.

    Mit Verlaub, dem ist natürlich nicht so. Die darin verborgene These, in den Medien und Künsten würden in weitgehend allen Bereichen Männer und Frauen als das “überlegene Geschlecht” dargestellt werden, läßt sich nicht nur nicht beweisen, es ist kein Problem, das Gegenteil darzustellen.

    Allenfalls sind wir an dem Punkt angelangt, an dem in einigen und vielleicht vielen Bereichen es Frauen gibt, die genauso kompetent agieren wie sonst Männer (die Tatort-Krimis fallen mir da sofort ein, aber das ist nur ein nicht wirklich präzises Beispiel). Und das wäre ja nun erfreulich.

    Deine These müßtest Du schon belegen.

  13. Ich kann da schon so einige Beispiele nennen. Bleiben wir mal beim Tatort oder generell Fernsehkrimis: Oft gibt es die Konstellation, dass eine kompetente Frau mit einem etwas dümmlichen Mann zusammenarbeitet. Beispiel Odenthal & Kopper. Es ist üblich, dass in einem Team unter mehreren Männern eine Frau ist, die dann aber natürlich das klügste und tüchtigste im Teammitglied ist, wobei mindestens einer der Männer irgendwie ein Tollpatsch ist. Beispiele dafür: “SOKO 5113″, “SOKO Köln”, “SOKO Leipzig”, “Ein starkes Team”. Beispiele mit umgedrehter Konstellation: Kompetente Männer und eine dümmliche Frau sind mir nicht bekannt.

    Sehr illustratives Beispiel aus “SOKO 5113″: Die Folge spielt im Millieu einer Handwerkerburschenschaft, deren Mitglieder immer einen Hammer bei sich haben, mit dem sie in der Lage sind mit einem oder sehr wenigen Schlägen einen Nagel in ein Stück Holz zu schlagen. Im Zuge der Ermittlungen bekommt die SOKO einen solchen Hammer mit Nägeln auf den Tisch. Die beiden Kommissare versuchen sich daran, einen Nagel in ein Stück Holz zu schlagen und hauen sich dabei beide die Finger wund. Die Kommissarin kommt dazu und ihr gelingt es natürlich auf Anhieb mit drei Schlägen, den Nagel bis zum Ende ins Holz zu treiben.

    Ein weiteres sehr verbreitetes Motiv im Fernsehkrimi ist das der Kommissarin, die bösen Männern zu Leibe rückt. Ich nenne dass mal das Robine-Hoodin-Motiv. Beispiele: “Bella Block”, “Kommissarin Lucas”, “Das Duo”, Tatortkommissarin Lena Odenthal. Auffallend ist überhaupt, dass es wenige Fernsehkrimis gibt, in denen eine Frau die Täterin ist. Und wenn, dann ist sie meist nur die juristisch Schuldige, der wahre Schuldige ist der Tote, ein Mann. Die Tragik der Geschichte ist dann, dass die Polizei, die ansich rechtschaffene Frau verhaften muss.

  14. Die darin verborgene These, in den Medien und Künsten würden in weitgehend allen Bereichen Männer und Frauen als das “überlegene Geschlecht” dargestellt werden, läßt sich nicht nur nicht beweisen, es ist kein Problem, das Gegenteil darzustellen.

    Also in meiner Wahrnehmung ist das zumindest auch so – seit meinem Studienbeginn höre ich das aus jeder Ecke. Frauen sind sozial kompetenter, teamfähiger, haben die social skills, die man für die Zukunft braucht, sind besser in der Lage, Konflikte zu regeln. Frauen/Mädchen haben die besseren schulischen/universitären Leistungen (das zuzugeben schmerzt sogar unseren Bundesfinanzminister, wie er im Rahmen der Debatte um die Krippenbetreuung am Donnerstag zu Protokoll gab), und sie können sogar mindestens so gut einparken wie Männer, wie ja nicht zuletzt hier immer wieder nachzulesen ist.

    Auf der Buchmesse meinte ein Kinderbuchautor, daß er es als problematisch ansehe, daß von den Verlagen ein zumindest subtiler Druck ausgehe, vor allem Bücher zu schreiben, die “starke Mädchen” zum Thema hätten – allerdings wohl nicht, weil die Jungs benachteiligen wollten, sondern weil Mädchen einfach mehr lesen und Verlage ja keine Sozialpolitik machen…

    Im übrigen war der Hauptcharakter des wohl ersten Films, der sich ernsthaft mit dem Internet beschäftigte, eine Frau – Sandra Bullock in “The Net”, anno 1995.

  15. @Tobias: Ich würde die Diskussion gerne auf die fiktionalen Ergüsse beschränken, was irgendwer denkt, was irgendwelche komischen Zeitungen schreiben, muß nicht unbedingt in diesem Diskussionsstrang auch noch auftauchen – sonst können wir nämlich keine sinnvolle, weil auf ein Thema konzentrierte Diskussion führen.

  16. @Johannes: Ich bezweifle zwar auch, daß Du in den einzelnen von Dir beschriebenen Fällen immer recht hast – vor allem beweisen die einzelnen Beispiele aber keineswegs Deine These, daß “in weitgehend allen Bereichen Männer und Frauen als das “überlegene Geschlecht” dargestellt werden”.

    Die meisten Tatort-Kommissare sind immer noch Männer. Daß auch unter Chefinnen oder im Team mit Frauen “mindestens einer der Männer irgendwie ein Tollpatsch” ist, ist einfach nur ein dramaturgisches Mittel – “comic relief” eben. Und bei “Odenthal & Kopper” ist Kopper keineswegs dümmlich – dafür ist seine Chefin vielleicht gerne mal etwas sehr streng dargestellt.

    Zu dem Phänomen der Krimis (aber eigentlich geht’s hier um IT, oder?) gehört im Übrigen auch dazu, daß die weiblichen Kommissarinnen – es gibt dazu hübsch aufschlußreiche Untersuchungen – besonders häufig Fälle lösen dürfen, bei denen Kinder oder andere Frauen betroffen sind, und die sie dann (Klischee!) mit viel Einfühlungsvermögen aufklären. Und wenn Du meinst, sie würden dann “bösen Männern zu Leibe rücken”, dann könnte das daran liegen, daß die Mehrzahl solcher Verbrechen (und beim Tatort geht’s ja immer mindestens um Mord) wie aller Gewaltverbrechen immer noch von Männern begangen wird.

  17. Und wenn Du meinst, sie würden dann “bösen Männern zu Leibe rücken”, dann könnte das daran liegen, daß die Mehrzahl solcher Verbrechen (und beim Tatort geht’s ja immer mindestens um Mord) wie aller Gewaltverbrechen immer noch von Männern begangen wird.

    Womit wir beim nächsten männerdiskriminierenden Klischee wären. Männer sind Täter und Frauen Opfer. Schöne einfache Welt.

  18. Kein Klischee, Johannes, Statistik. Die Mehrzahl aller Gewaltverbrechen wird von Männern begangen, und, wie wir alle wissen, ist auch die Mehrzahl der Opfer männlich.

  19. @Rochus

    Und wenn Du meinst, die “dummen Frauen” würden als IT-Inkompetent dargestellt, dann könnte das daran liegen, daß die Mehrzahl solcher Fachleute männlich ist.

    Kein Klischee, Rochus, Statistik. Die Mehrzahl aller IT-Spezialisten ist männlich.

    Biased?

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