Keine echte Scham, bitte!
Heidi Klums Supermodelshow stößt Herrn Niggemeier sauer auf
Ich habe mir von der zweiten Staffel von Heidi Klums “Castingshow” Germany’s Next Top-Model noch keine einzige Folge angesehen und werde es wohl auch weiterhin so halten, aber von den wenigen Sendungen der ersten Staffel habe ich noch in Erinnerung, daß ich die Show zwar so albern wie entwürdigend fand, aber doch nachdrücklich zu erleben war, wie “Schönheit” produziert und inszeniert werden muß. Das Ganze verquickte sich dabei aufs Feinste mit einer seltsamen Leistungsethik, deren Einhaltung wiederum mit den späteren “Bewertungen” nicht das geringste zu tun hatte, und einem hochgradig nervigen Team.
Stefan Niggemeier, der weitaus mehr fernsieht als ich, wohl auch, weil es sein Beruf ist, kommentiert die Show nun für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung :
[Heidi Klum] ergänzt das schlimme Leistungs- und Ihr-müsst-es-nur-wollen-Mantra der anderen Castingshows um eine ungehemmte Zuhälter-Mentalität: Hier wird getan, was verlangt wird, und nicht gezickt und gezögert. Als ein Mädchen es nicht auf Anhieb das natürlichste von der Welt findet, sich an einem Strand bemalt, aber vollständig nackt, breitbeinig und auf allen Vieren in Pose zu bringen, kommentiert Klum das gleichzeitig in die Kamera: „Hana schämt sich so’n kleinen bisschen vor den Leuten hier. Ich mein’, so was muss man auch abschütteln können, ne?” — und aus jeder Pore strömt Herablassung. „Die Hana tut so, als ob hier ein ganzes Fußballfeld voll mit Jungs gewesen wär”, sagt sie noch. Kurz darauf sind überall Paparazzi.
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Also persönlich würde ich der Sache mit der Entwürdigung ja schon zustimmen, wie bei allen Casting Shows: Wie heißt es doch so schön in Maria Menas Song “Just hold me” – “And If I’d like rejection I’d audition”.
Aber nachdem ich zwei Episoden der Sendung bei Besuchen gemeinsam mit meiner Mutter und meiner von der Sendung begeisterten 92-jährigen Großmutter gesehen und darüber auch mit einigen ca. 25-jährigen Schauspielerinnen diskutiert habe, die die Sendung sehr fair fanden und ja aus Liebe zur darstellenden Kunst mitunter aus meiner Sicht noch viel entwürdigenderes über sich ergehen lassen, bin ich da doch etwas entspannter.
Die Stelle, auf die Stefan Niggemeier sich bezieht fand ich weitaus weniger entwürdigend als die dramatische Ausbeutung der Koflikte unter den Mädchen.
Zeigt dieses Verhalten nicht eher, dass mit dem Selbstwertgefühl der Frauen was nicht stimmt?