Gert Scobel im Gespräch mit einem weiblichen Gehirn
3sat zeigt uns Louann Brizendines Hormone at work
3sat zeigt heute abend ab 23.45 Uhr ein Interview von Gert Scobel mit der amerikanischen Forscherin Louann Brizendine, deren Buch Das weibliche Gehirn man wohl als umstritten bezeichnen darf. Für Judith Luig schreibt Brinzendine darin nur alte Klischees neu auf
:
Die Welt der Frauen, die hier beschrieben sind, dreht sich ausschließlich um Männer – wie man sie gewinnt, wie man sie hält, wann man sie anrufen darf, warum sie einen trotzdem lieben, auch wenn sie einem nicht zuhören.
Es geht in dem Buch darum, warum Frauen anders sind als Männer
, wie der Untertitel erläutert, und die Gründe dafür sind (wie anderswo bei 3sat zu lesen ist) die, die man auch anderswo schon bis zum Erbrechen angepriesen bekam:
Das hat, so erfahren wir in ihrem Buch mit einer ursprünglichen und eben unterschiedlichen Programmierung unserer Gehirne zu tun. Denn schon vor der Geburt, so behauptet Brizendine, wird das männliche Gehirn von Testosteron überflutet, das weibliche nicht.
Das sehen viele RezensentInnen und WissenschaftlerInnen mittlerweile anders, wie Petra Gehring schreibt:
Kulturelle Faktoren hätten einen derart starken Einfluss auf Form und Funktion des Gehirns, dass es sich ihnen gegenüber wie „Knetmasse“ verhalte. Das ist nicht etwa ein Befund der idealistischen Philosophie, sondern ein Befund der Hirnforschung selbst. Sie ist es, die den Biologisten in ihren eigenen Reihen den Boden entzieht. Tatsächlich sind Brizendines „Belege“ vage, oft stammen sie aus Tierversuchen und werden ohne klare Theorie im Hintergrund interpretiert.
Und Birgit Schönberger faßt zusammen:
Das Hauptproblem ist: Die Autorin kann sich zu keiner klaren Position durchringen. Einerseits stellt sie Frauen als Hormonsklavinnen dar, andererseits behauptet sie, auch das weibliche Gehirn sei eine gigantische Lernmaschine, die Frauen neu programmieren können.
Also was jetzt? Vielleicht erfährt man das ja heute abend.
(Nur zur Klärung: Ja, natürlich glaube ich, daß Menschen von Hormonen/Biologie und Kultur zugleich geprägt sein können, auch wenn ich einen essentialistischen Biologie-Begriff unhaltbar finde.)

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“daß Menschen von Hormonen/Biologie und Kultur zugleich geprägt sein können”
Meinst Du damit, daß Du glaubst, daß es Deiner Meinung nach auch Menschen gibt, die entweder “nur” biologisch oder “nur” kulturell geprägt sind? Oder daß der Regelfall eben ein komplexes Ineinanderwirken von nature / nurture ist?
Ich finde “Evolution” und “biologische Essenz” sind ein Widerspruch. Aber: Evolution ist eine für das Individuum und seine Handlungsmöglichkeiten eher irrelevante Kategorie. Für den einzelnen gibt es daher sehr wohl biologische/genetische Dispositionen – und vielleicht auch Determinanten, aber da wäre ich eher vorsichtig.
In wie weit kulturelle Aspekte diese biologischen Anlagen beeinflussen oder sogar verändern können, ob und inwieweit Kultur auch biologische Konsequenzen haben kann (fehlendes frühkindliches Training bzgl. räumlichem Denken führt zu schwächer ausgeprägten neuronalen Knoten in diesem Zusammenhang und damit zur vermeinltlich “essentiellen” Sache mit dem Einparken bei erwachsenen Frauen z.B.), das sollte meines Erachtens ein Kernelement der Forschung zum Thema “Geschlecht als Wissenskathegorie” darstellen.
Vielleicht mal nur so am Rande – was ist dir lieber:
a) Wenn transsexuelle Frauen, als Männer bezeichnet werden, die einen psychischen Schaden haben, weil Geschlecht nur anerzogen ist und nur der Körper dann als geschlechtsbestimmendes Merkmal übrigbleibt (eine sehr männliche Sicht der Dinge, oder?)
b) Wenn eine transsexuelle Frau Frau ist, weil sie als Frau geboren wurde, und lediglich ihr Körper von ihrem Hirn/ihrer Psyche abweicht?
A ist übrigens heute noch Gesellschaftsnorm. Ein patriachales Weltbild, daß dem eigenen Delbst des Inidividuums entgegensteht – und nicht zuletzt auch Frauenrechten zuwider läuft…
Die Anerkennung von Transsexualität als körperliche Störung (weil eben der Körper vom geschlechtlichen Selbst abweicht) ist Voraussetzung dafür, um überhaupt eine weibliche Weltsicht als gleichwertig anerkannt zu bekommen. Denk mal drüber nach.
Als Frau mit überwiegend technischer Begabung ist das ein zentrales Thema meines Lebens, dem entsprechend habe ich sehr viel darüber nachgedacht.
Vielleicht wird die Wissenschaft ja irgendwann feststellen, was die Geschlechter abgesehen vom Äusseren ausmacht. Aber unabhängig davon plädiere ich für eine faire gesellschaftliche Sichtweise:
Das Geschlecht interessiert nur im privaten, zwischenmenschlichen Bereich.