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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

Tagung: Vaterschaft in der Moderne

 Rochus Wolff   21. März 2007
 Ankündigungen, Elternschaft, Veranstaltungen

An der Universität Bielefeld findet vom 19. bis 21. April 2007 eine Tagung unter dem Titel Vaterschaft in der Moderne statt.

Mit der neuen Aufmerksamkeit, die Vätern im öffentlichen Diskurs entgegengebracht wird, scheint sich eine Phase ihrem Ende zu nähern, die den Wandel von Geschlechterverhältnissen und -leitbildern auf die Modernisierung weiblicher Lebensläufe beschränkt sah. Analog zum Auseinandertreten von ‘Weiblichkeit’ und ‘Mütterlichkeit’ vollzieht sich ein Prozess der Differenzierung von ‘Männlichkeit’ und ‘Väterlichkeit’, bezogen auf Leitbilder wie auf Praxen. Allerdings sind Ungleichzeitigkeiten und Widersprüche zu beobachten. Forschungen in verschiedenen Disziplinen führen derzeit zu dem übereinstimmenden Schluss, dass es große Diskrepanzen gibt zwischen den gewandelten Wünschen von Männern nach aktiverer Vaterschaft und der tatsächlichen Praxis.

Für die Beurteilung der gegenwärtigen Trends will diese Tagung die Perspektiven und methodischen Zugänge verschiedener Disziplinen verbinden und deren Potentiale für ein umfassendes Verständnis aktueller Entwicklungstendenzen von Vaterschaft nutzen. Soziologie, Geschichtswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Literaturwissenschaft, Politikwissenschaft, Psychologie, Rechtswissenschaft, und Wirtschaftswissenschaften sind eingeladen, Problemformulierungen für das Forschungsfeld zu überprüfen und zukünftigen Forschungsbedarf zu benennen.

Das Tagungsprogramm ist als PDF verfügbar. Tagungssprache ist Englisch. Im Rahmen der Konferenz findet am Freitag, 20. April 2007 um 18.30 Uhr die Finissage der Kunstausstellung Familienstücke von Katja Sandler-Wedekind statt.

 
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3 Kommentare

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  1. das tagungsprogramm klingt nicht nur unspannend aber eher plutonisch theoretisch jenseitig….
    für alle, die an konkreten veränderungen nichtideologisch interessiert sind und auch (nicht kritiklos, DAS wurde hoffentlich aus den erkennbaren fehlentwicklungen des feminismus gelernt:-) real existierende väter miteinbeziehen wollen: letztes wochenende hat ein internationales symposium mit dem thema “die bedeutung des vaters um die geburt” stattgefunden. dafür ist es natürlich jetzt zu spät. aber nächstes jahr solls das wohl wieder geben, im märz.

  2. War denn jemand da?

  3. oh, das hab ich gar nicht mitbekommen, dass es da schon einen hinweis zu gab. prima & dank an danilo.
    ja, ich war da. theoretisch nichts neues für alle, denen zu männlichkeit mehr als nur “hegemonie” einfällt.
    die grundsätzlich theoretische einführung von prof. petzold war eher schlicht, nicht sehr fundiert und nicht ganz auf der höhe der zeit. weil von ihm direkt ins zentrum gestellt: an der stelle möchte ich ja hier auch mal kurz die frage in die runde werfen, inwieweit eine “wissenschaft” noch eine angemessen ist, wenn sie für ihre “objekte” fast nur negative beschreibungen bereit hält. wie z.b. bei der hier schon mal erwähnten neuesten väterstudie. wer möchte gern “fassadenhaft”, “traditionell”, “unsicher” oder “randständig” sein? 2/3 der männer haben obiger studie zu folge diese bezeichnungen verdient…
    … wahrscheinlich sind väter einfach dumme versager…

    aber eine wirklich tolle mischung im publikum: größtenteils praktiker und -innen: pädagogen, hebamminnen, ärzte und menschen aus der gesundheitsverwaltung und 3,4 theoretikerInnen. die begrenztheit jeder disziplin der vortragenden (soziologie, eher traditionelle psychoanalyse, psychologie etc.) war deutlich spürbar und gleichzeitig auch jeder blick aus dieser je besonderen position eine perspektivische bereicherung. ein klarer vorteil dieses symposiums im vergleich zu wissenschaftlichen veranstaltungen oder (unter der knute der grünen frauen geduldeten) böll-veranstaltunge (die letzte “gemeinsame veranstaltung von frauen- und männerarbeitsgruppe der BÖLLs war ein weibliches schaulaufen, vor dem ich fliehen musste um die nötigsten anstandsregeln nicht zu verletzen): praktiker, theoretiker, frauen, männer, verschiedene sichtweisen, respekt jedem beitrag gegenüber.

    inhaltlich interessant war z.b. dass bereits ein nur 1-stündiger unter-werdenden-vätern-info-block bei geburtsvorbereitungskursen deren teilnahmebereitschaft zur, sicherheit während und positive erinnerungen an die geburt signifikant erhöht – in klinikatmosphäre! toller outcome würd’ ich sagen – bei allen verbesserungsmöglichkeiten: eine Stunde!
    sicher, hätte jeder vermuten können. nur tuts kaum jemand. oder wie war das bei euch? habt ihr einen austausch “unter vätern” gehabt? habt ihr väter so viele rund-um-die-geburt-bezogene-kurse-kontakte wie eure frauen? ist das für eine gute vaterschaft von vorteil? glaubt ihr das recht auf ähnliche startbedingungen als vater zu haben wie mütter? (und jetzt muss ich mich mit einschließen:) was tun wir dafür? …
    … dass keine gesetzliche krankenkasse die kosten für die väter übernimmt wissen zumindest sicher die neueren väter unter euch.
    interessant, weil es mich ja sehr an die universitären debatten erinnert fand ich folgendes:
    1. jenseits der (gegen mitte der tagung dann sogar thematisch eher dominierenden) praktiker und dem dänischen psychologen s.a. madsen wurden männer fast ausschließlich in ihrer funktion als unterstützung für gebärende, kind, professionelle, “dauerhafte, harmonische beziehung” etc. instrumentalisiert.
    2. der jüngste theoretiker wies mehrfach auf die bedeutung anderer beteiligter bei der geburt hin (z.b. in türkischen familien oft die mutter oder schwester): ein wichtiger und deutlicher hinweis. und – wie ich es mittlerweile fast typisch finde: wollte darüber die väter fast völlig vergessen. es passte einfach so wunderbar in ein muster, das ich gegenwärtig in feminstisch geprägter jungen- und männerforschung öfter entdecke: über die “dekonstruktion der gesellschaftlichen heteronormativität und ihrer binären zuordnungsgrundlage” und die theoretische entgrenzung gegenwärtiger identitäten versucht man sich des aus feministischer ideologie problematischen objekts “mann” zu entledigen – konkret können ja auch lesbische partnerinnen oder mama oder eine freundin, schwester dabei sein bei der geburt etc.
    ich halte das für einen ausdruck einer tieferliegenden politischen strategie der wertumdeutung, den einzelnen vertretern wahrscheinlich oft nicht bewusst, nichts desto trotz erstmal wirkmächtig: das f e m i n i s (!) tischer ideal wird ins zentrum gerückt und der feind zerstreut, indem feminist dessen identität wegkonstruiert. so dass es keine “männer” mehr gibt, die zusammen/geschlossen ihre bedürfnisse und wünsche und rechte vertreten könnten. wer’s nicht glaubt, kann sich ja mal mit nichtidentitärer jungenarbeit beschäftigen, den häufigstebn antworten von feministen auf den hinweis geschlechtsspezifischer probleme/nachteile von männern und jungen (vor allem, wenn sie durch “gleichstellungsmassnahmen geschehen”) lauschen oder z.b. hier zum thema vaterschaft mit dem konzept der “intentionalen vaterschaft” vertraut machen, gelesen in der zusammenfassung eines vortrages von Prof. Ingeborg Schwenzer: “Die Zukunft des Familienrechts”, bei den gender lectures des bmfsfj-geförderten genderkompetenzzentrums, 2006. um gleich vorweg dem leidigen vorwurf, ich sei ein alter traditionalist, konservativer oder “was-weiß-ich” zu begegnen würdige ich hiermit die zeitgemäßen und sinnvollen vorschläge von frau schwenzer. ich zitiere aus der kurzen zusammenfassung, auffindbar hier im netz:

    “In ihrem „Model Family Code“ führt Prof. Dr. Schwenzer im Kindschaftsrecht einen neuen Aspekt ein, und zwar den der intentionalen Elternschaft. Dabei ist Elter die Person, die mit Zustimmung der Geburtsmutter eine intentionale Elternschaft übernimmt. Somit ist der Anknüpfungspunkt für Elternschaft der Wille, Elter zu werden. [...] Prof. Dr. Schwenzers „Model Family Code“ wurde als visionär und innovativ empfunden.”

    kein wort der skepsis oder gar kritik am neuen mutterrecht. biologische vaterschaft (die ganz sicher nicht das einzig wichtige kriterium für elterschaft ist) wird damit quasi abgeschafft…
    was für mich neu von der theoretischen sichtweise her war: “mood disorders in men becoming fathers” oder im deutschen meist unter der postnatalen depression zusammengefasst. praktisch kenne ich das gut, wobei der englische begriff da umfassender und in meinem fall treffender ist. aber ziemlich ausgeschlossen, an einer deutschen uni etwas mit schwerpunkt gender studierend darüber etwas zu erfahren. dann schon eher über die tradierung weiblichen wissens im china der jahrhundertwende 1900.

    insgesamt ein gelungener einstieg in das thema. im nächsten jahr sollte aber auf alle fälle der einbezug von hebammen und ärzten verstärkt werden.
    da ist was ins rollen gebracht worden!

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