Glaubenskrieg um das “Gedöns”
Im heutigen “Tagesanzeiger” ist ein schöner Artikel von Kordula Doerfler über den Streit zur Kinderbetreuung in Deutschland zu finden.
Da leider nicht online verfügbar, aber in seinen Formulierungen recht treffend, hier eine kurze Zusammenfassung im O-Ton:
Gerhard Schröder, Kanzler der ersten rot-grünen Koalition in Deutschland kannte für die Angelegenheit nur Verachtung: “Gedöns” nannte er Familienpolitik und so wurde sie auch behandelt. Als Stiefkind, als Luxusbeschäftigung für Quotenfrauen, jedenfalls nichts für harte Männer vom Schlage Schröders oder seines Aussenministers. (…)
Angela Merkel war bisher gewiss nicht mit profilierter Familienpolitik aufgefallen (…) aber (jetzt) hat auch Merkel erkannt, dass dieses Thema eine gewichtige Gruppe im Land umtreibt: die Frauen nämlich. (…)
(Doch) vor allem Männer in der eigenen Partei, im konservativen Milieu reagieren allergisch, gar hysterisch. Denn auch ihnen ist die Gewissheit abhanden gekommen, wie Familien heute leben sollen: Der Streit um Krippenplätze und ihre Finanzierung ist nur ein Symptom. Zu Tage tritt eine tiefe Verunsicherung, ja Ratlosigkeit. Im Kern geht es um die Frage, wie eine Gesellschaft und ein Arbeitsmarkt aussieht, in der Frauen selbstverständlich beides haben können – wenn sie es wollen. Und wie sieht eine moderne Familienpolitik aus, die verschiedenste Lebensformen und Wahlmöglichkeiten wenigstens in Betracht zieht? Nur mehr Geld vom Staat ist keine Antwort auf die Frage, aber zumindest ein Anfang in einer überfälligen Diskussion, die nicht nur in Deutschland geführt werden muss.
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Die Bemerkung “(Doch) vor allem Männer in der eigenen Partei, im konservativen Milieu reagieren allergisch, gar hysterisch.” halte ich für ein aus der Luft gegriffenes Bild, mal abgesehen davon, dass die aktive politische Szene in konservativen Kreisen großteilig von Männern besetzt ist (man mag es nicht glauben, aber auch in der CDU sind Frauen in Führungsämter stärker vertreten, als sie prozentual in der Basis zu finden sind), und deswegen schon überwiegend konservative Männer in den Medien auffallen.
Überhaupt darf man nicht vergessen, weswegen es einen Konflikt mit “neuer” Familienpolitik und den “Konservativen” gibt, nämlich weil die Konservativen per nomen für “Erhaltung” eintreten (die Politik wird dem Namen dennoch nicht gerecht, denn sie hat sich verändert und verändert sich nach wie vor erheblich).
Die politische Herausforderung besteht darin, ein Arbeitsumfeld zu gestalten, (siehe Artikel) “in der Frauen selbstverständlich beides haben können – wenn sie es wollen (!)” und weder einen Arbeitsmarkt, in dem Frauen dazu genötigt werden, sich aus ihrem (möglicherweise) traditionellem Feld zu lösen noch einen, in dem sie systematisch ausgeschlossen werden.
Die Diskussion darf sich nicht darum drehen, wie man Frauen möglichst schnell in den Arbeitsmarkt integrieren kann oder warum sie eher zuhause “bei den Kindern” bzw. “vorm Herd” bleiben sollte. Es muss darum gehen, was die Menschen in unserer Gesellschaft (in all ihrer Vielfalt) wollen und wie man unter Berücksichtigung der Werte, die unsere Gesellschaft per Grundgesetz festhält, dort Hindernisse abbaut, wo sie einzelne Menschen bzw. Gruppen stören.
Das ist mein erster Beitrag in diesem Blog und ich möchte meine Verwunderung darüber ausdrücken, dass er sich genderblog nennt, wo er sich doch scheinbar vor allem mit (sog.) weiblichen Interessenbereichen auseinandersetzt (siehe auch Logo). Gender ist mehr.