“Weitergehen. Zwei Schritte vor. Keinen zurück.”
Das Motto des diesjährigen internationalen Frauentags sagt es ganz deutlich: Das Ziel ist noch nicht erreicht, wir befinden uns immer noch auf dem Weg, wir dürfen nicht umdrehen, sondern müssen weiter machen. Vor Augen ist dabei immer das Ziel – eine Gesellschaft frei von Rollenbildern und patriarchalischer Herrschaft, in der jede und jeder sich unabhängig vom Geschlecht frei entfalten kann und Macht gleichmäßig verteilt ist.
Doch wo stehen wir eigentlich heute im Jahr 2007? Seit eineinhalb Jahren haben wir eine Kanzlerin, zur Zeit versucht eine siebenfache Mutter das Familienbild der CDU umzukrempeln, in den USA laufen sich zwei Frauen für das PräsidentInnenamt warm und Jungen sind laut PISA die Schulverlierer. Auf der anderen Seite leben allein erziehende Mütter oftmals in Armut, Frauen verdienen durchschnittlich 26 Prozent weniger als Männer, in ChefInnenetagen sind Frauen eine Seltenheit, stattdessen bleibt die meiste Hausarbeit und die Kindererziehung an ihnen hängen und die Kinderbetreuung ist hierzulande immer noch grauenhaft.
Ist ein neuer Feminismus die Antwort?
Brauchen wir angesichts dieser Tatsachen einen neuen Feminismus, wie es die Zeit im letzten Jahr forderte? Oder entwickelt sich gerade eine „F-Klasse“ nach Thea Dorn? Feminismus gibt es seit Jahrhunderten und muss nicht neu erfunden werden. Ehrlicherweise sollte aber erwähnt werden, dass Frauenpolitik in den letzten Jahren nicht unbedingt Konjunktur hatte. Vielmehr waren es kleine Gruppen, die sich sowohl wissenschaftlich, politisch als auch medial mit dem Feminismus beschäftigt haben. So wichtig das alles ist, brauchen wir aber vor allem junge Frauen, die die Ideen weitertragen und leben. Vielleicht ist also jetzt die Zeit gekommen, wieder mehr junge Frauen für das Thema zu sensibilisieren und zu begeistern.
Junge Frauen und Feminismus
Wie denken eigentlich junge Frauen von heute über Feminismus? Lange Zeit waren Feministinnen als Männerhasserinnen, Latzhosenträgerinnen und BH-Verbrennerinnen verschrieen. Es galt als unchic sich zum Feminismus zu bekennen, schließlich schien die Emanzipation der Frauen erreicht zu sein. Auch wenn heute noch viele Leute so denken, habe ich das Gefühl, dass sich in den letzten Monaten etwas geändert hat. Vielleicht mag es – unabhängig von ihrer politischen Einstellung – auch an der Wahl Merkels zur Bundeskanzlerin liegen. Wenn ich mich mit Freundinnen und anderen Frauen über die Einschätzung ihrer Gleichstellung unterhalte, ist die Antwort kein undifferenziertes „ist doch alles paletti“ mehr. Neben den eigenen Karrierechancen, der zukünftigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Rolle des Mannes im Haushalt tritt noch eine andere Erkenntnis ins Bilde: Frauen werden in den Medien anders dargestellt als Männer. Plötzlich tritt die Frage auf, warum Merkels äußeres Erscheinungsbild eigentlich so wichtig ist, obwohl Schröder lediglich Witze über seine Haarfarbe ertragen musste. Liegt das vielleicht daran, dass bei Frauen die Taten doch nicht genügen, sondern das Aussehen immer noch eine große Rolle spielt?
Viele junge Frauen erkennen heute also, dass die Gleichstellung von Frau und Mann noch nicht erreicht ist. Sie sehen, dass Frauen anders dargestellt werden und mehr von ihnen verlangt wird. Sie wollen mit ihrer Ausbildung jedoch nicht hinterm Herd stehen und alleine die Kinder groß ziehen. Sie wollen genauso wie die Männer Karriere machen, die Welt sehen und unabhängig sein. Doch wie sieht es eigentlich mit den eigenen vier Wänden aus, mit dem Privaten?
Ist das Private noch politisch?
Aus der Frauenbewegung der 70er Jahre stammt der Spruch „das Private ist politisch“. In der neuen Feminismusdebatte ist nach persönlichen Einstellungen jedoch vergeblich zu suchen. Natürlich mögen öffentliche Belange wie Krippenplätze, Lohngerechtigkeit und politische Machtverteilung dringender sein, doch die öffentliche und sichtbare Gleichstellung ist nicht alles. Der private Bereich darf nicht gänzlich ausgespart werden. Trotz zu schützender Privatsphäre entwickeln und halten sich Rollenbilder am Stärksten im alltäglichen Umgang miteinander. Es ist bequemer, sich in ein Schema fallen zu lassen anstatt auszubrechen, aber wenn wir eine ganzheitliche Gleichstellung von Frauen und Männern erreichen wollen, muss diese auch in den privaten Bereich Einzug erhalten. Wer macht den Haushalt? Wer schraubt das Regal an? Sind Frauen wirklich schuhfixiert und stehen alle Männer auf Fußball? Jede und jeder sollte sich solche Fragen von Zeit zu Zeit fragen. Selbst das Sexualleben ist oft männlich dominiert… Meine Antwort darauf ist, dass es nicht die Frau und den Mann gibt – um daraus Realität werden zu lassen, muss dieses Verständnis auch gelebt werden.
Wo steht also die Gesellschaft?
Es bewegt sich etwas. Die Mehrheit möchte ein flächendeckendes Betreuungsangebot für unter Dreijährige, die erste Frau an der Spitze ist akzeptiert und selbst die CSU wird sich von den drei „Ks“ (Kinder, Küche, Kirche) als Frauenbild verabschieden müssen. Wir sind bereit für mehr, doch Lohngerechtigkeit und ein Ende des Männerklüngels in Politik und Wirtschaft kommen nicht von allein. Daher müssen wir weiter kämpfen – Frauen wie Männer – ein gleichberechtigtes Leben vorleben und in allen Bereichen einfordern. Jetzt ist die Zeit gekommen, alle mitzunehmen. Also lasst uns viele Schritte vor gehen und nicht zurück schauen!
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Kann da mal jemand einen Artikel verlinken, der sich mit dem Aussehen von Frau Merkel befasst? Ich halte das für eine sehr selektive Wahrnehmung, wenn man sagt, dass Frau Merkels äußeres Erscheinungsbild so wichtig ist. Ich habe von der Haarfarbdebatte bei Schröder direkt aus den Medien mitbekommen, als da die Klage lief. Über Merkels aussehen bekomme ich direkt aus den Medien gar nix mit. Nur, dass irgendwer sagt oder schreibt, in den Medien würde so viel über Merkels Aussehen diskutiert.
Im Vergleich mit Schröder wird Frau Merkel meiner Wahrnehmung nach vielmehr an ihren Taten gemessen. Merkels Privatleben steht weit weniger im Vordergrund als Schröders. Seine Frau Doris stand mehr in der Öffentlichkeit als der Ehemann von Frau Merkel, dessen Namen ich gar nicht present habe.
Ich muss Paula absolut recht geben, Merkel wurde von den Medien komplett anders behandelt, v.a. zu Beginn ihrer Amtszeit.
Johannes, google doch mal MERKEL und FRISUR. da kommen ein paar nette seiten, http://www.merkelwitze.de find ich ganz interessant.
Auch allein, dass Frau Merkel landauf, landab als DAS Merkel bezeichnet wurde, was ja den Vorwurf impliziert, sie gebe sich nicht weiblich genug bzw.sieht nicht “gut genug” aus, ist eine Diskriminierung, weil sie am Bild des “männlichen Politikers” gemessen wird.
Also, genau.
Schröder hat sein Privatleben ja wohl auch total in BILD und Co. ausgewälzt. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Medien derart drüber berichten.
Das ging von ihm aus, taugt somit auch nicht als Vergleich.
Natürlich steht Merkels Ehemann (Joachim Sauer) nicht im Rampenlicht. Genauso wenig wie Gesine Schwans Mann damals der Öffentlichkeit bekannt war. Das liegt aber nicht daran, dass das Privatleben von Frauen nicht interessiert, sondern dass von Ehemännern im Gegensatz zu Ehefrauen nicht verlangt wird, den First Gentleman zu spielen…
Johannes,
über Schörder wurden auch massig Witze gemacht. Wegen seiner Haarfarbe. Ob er wohl eigentlich ne Glatze hätte und das er ein sehr Kleiner Mensch ist. Unsere martialische Gesellschaft sucht sich eben gern was zum drauf rumhacken aus. Wenn ein Mann klein ist dann ist er kein Mann, wenn er keine oder nur wenig Haare hat wird das oft als ein Zeichen von Impotenz gewertet. Und wenn ne Frau aussieht wie ne Heuschrecke dann zieht man halt da drüber her. Der einfache Grund über solche Witze kann auch der Dümmste lachen! Und Hey es git echt Bilder von der Merkel wo sie aussieht als wär sie eine Morleiche…
Bernd
@Bernd:
Über Kohl wurden auch Witze gemacht. Wer sich in so ein hohes Amt begibt, muss damit rechnen, durch den Kakao gezogen zu werden. Bei Merkel wird jetzt von Feministenseite gleich geplärrt:
“Nur weil sie eine Frau ist, sind alle so gemein zu ihr, wir armen, armen Frauen. Immer, überall und ewig benachteiligt … böse Männer.”
Ich kann nicht feststellen, dass Merkel irgendwie von den Medien anders behandelt wird als andere Kanzler vor ihr. Merkels Frisur, Schröders Haarfarbe, Schröders Kaschmirkleidung, Schröders Zigarren, Kohls Kopfform, Kohls Stimme, Kohls mangelnde Englischkentnisse etc.etc. Bei den Kanzlern davor muss ich passen, da war ich noch zu klein.
[...] gehen wird. Jetzt ist er online. Dort findet Ihr aber auch viele andere Artikel, unter anderem auch diesen von Paula [...]