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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

Fordern, was uns zusteht

 Julia Seeliger   8. März 2007
 8. März 2007, Frauenförderung, Geschlechterpolitik, Politik

Mit dem Spruch „Monogamie ist keine Lösung“ wurde ich bekannt. Von vielen aus der Freie-Liebe-Szene habe ich dafür Beifall erhalten, was mich sehr gefreut hat. Doch die Reduzierung dieses Spruchs auf die Liebe greift zu kurz, er war entstanden als Überschrift einer Presseerklärung. Diese wandte sich gegen eine Erklärung junger CSU-Abgeordneter, die sich vehement dafür aussprachen, das „traditionelle Familienmodell“ als „das einzig wahre“ anzusehen.

Mit einem solchen Familienbild jedoch werden nicht nur diejenigen, die „anders“ leben, diskriminiert – das trifft Regenbogen- und Patchworkfamilien, Alleinerziehende und alle anderen, die eben keine Lust auf Vater-Mutter-Kind haben.

Nein, das Bekenntnis zur vermeintlich so traditionellen Kleinfamilie zementiert vor allem die patriarchale Gesellschaft: Frauen sollen nach dem Willen jener jungen CSU-Abgeordneten am besten an Herd und Wickeltisch verbannt werden, während Papa die Kohle heranschafft. Das ist nicht nur himmelschreiend ungerecht, sondern verschließt auch die Augen vor den gesellschaftlichen Realitäten: Eine moderne Wissensgesellschaft braucht die Ideen der gut ausgebildeten Frauen, sie kann es sich nicht leisten, diese Ideen zu verschenken.

Anstatt Ehegattensplitting und Elterngeld braucht eine moderne Gesellschaft ein flächendeckendes Netz an Kinderbetreuungseinrichtungen. In Kitas sollen die Kleinen aber nicht einfach aufbewahrt werden, sondern von früh an spielen, lernen und sich selbst erfahren. Nebenbei gesagt: Nur durch frühe Bildung und ein integratives Bildungssystem werden sich, das hat auch der neueste UN-Bildungsbericht wieder deutlich gemacht, die sozialen Ungerechtigkeiten aufbrechen lassen.

Langfristig wäre ich für eine Kita-Pflicht ab drei – aber erst, wenn eine ausreichende Zahl an gut ausgebildeten BetreuerInnen ausgebildet sind und allerorts die Infrastruktur hierfür geschaffen ist. Die Bundesregierung tut gut daran, endlich konsequenter auf frühe Kinderbetreuung zu setzen – jetzt müssen aber auch Taten folgen!

Für eine wirkliche Gleichberechtigung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt braucht aber noch mehr – das Beispiel VW mit seinen Lustreisen für Lustgreise macht deutlich, wie männerbündlerisch es noch in vielen deutschen Chefetagen zugehen muss. Anstatt Old-Boys-Netzwerke braucht die deutsche Wirtschaft endlich Frauenquoten für die Chefetagen!

Quoten sind realpolitische Instrumente zur Überwindung von Ungerechtigkeiten. Dass solche Quoten auch in der Privatwirtschaft ohne Probleme möglich sind, hat der norwegische Staat erst kürzlich bewiesen: Seit Anfang 2006 müssen norwegische Aktiengesellschaften mindestens 40 Prozent Frauen im Aufsichtsrat vorweisen. In einer Vorlaufsphase wurde den Unternehmen Zeit gegeben, ihre Aufsichtsräte freiwillig zu quotieren. Flankierend baute Norwegen eine Datenbank von Frauen auf, die an einem solchen Posten Interesse hatten.

Quoten für die Privatwirtschaft sind, wie das Beispiel Norwegen zeigt, somit kein „völlig abwegiger“ oder gar „verfassungswidriger“ Eingriff in den Markt, wie manche meinen mögen – im Gegenteil! Die „Förderung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen“ als Staatsziel findet sich an exponierter Stelle im Grundgesetz, nämlich in Artikel Drei: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Ich meine, das wir Frauen weiterhin konsequent fordern sollten, was uns zusteht: Die Hälfte der Macht, die Hälfte der Verwirklichungschancen, die Hälfte des Kapitals. Denn nicht weniger steht uns zu.

Julia Seeliger wurde im Dezember in den Parteirat von Bündnis 90/Die Grünen gewählt. Sie wurde bundesweit bekannt durch die Parole “Monogamie ist keine Lösung”.

 
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42 Kommentare

(RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel)

  1. Ein ausreichendes Angebot an KiTas, so daß jeder, der möchte, sein Kind dort unterbringen kann? Ja!
    KiTa-Pflicht ab drei? Nein. Warum denn das auch??? Kindergartenpflicht, naja von mir aus, das ist ja aber auch nicht ganztägig. Aber KiTa? Warum soll ein Elternteil denn verpflichtet sein, sein Kind ganztägig in eine KiTa zu geben?

  2. Nö, das ist für mich ne Frage von sozialer Gerechtigkeit. Wir müssen die Welt nicht immer aus der AltbaubewohnerInnen-Perspektive sehen.

  3. Ah verstehe.
    Gut, da kann ich mich drauf einlassen.

    Danke für die Anmerkung.

  4. In einem Stimme ich mit dir überein. Kitas für alle ab drei ist wunderbar. Ehegattensplitting und eventuell Elterngeld weg ist auch gut. Aber ich bin vehement gegen Frauenquoten.

    Mehr Frauen in Führungspositionen, kein Problem, solange sie sich in fairem Wettbewerb mit anderen eben auch männlichen Bewerbern befinden. Und Frauenquoten torpedieren diesen fairen Wettbewerb. Es ist nicht so, dass Frauen nach der Hälfte der Macht greifen. Sie wollen sich nicht die Hälfte der Macht erstreiten, sie wollen sie vielmehr per Quote geschenkt haben.

    Da du ja Mitglied der Grünen bist: Ich war schockiert, als ich mir auf der Webseite Eurer Partei das Frauenstatut der Grünen angeschaut habe. Das ist doch Sexismus pur. Zu diesem Zeitpunkt war in meiner Stadt gerade Wahlkampf und ich habe mit einem von den Grünen am Wahlkampfstand gefragt, ob das wirklich ernstgemeint ist, weil ich das einfach nicht glauben konnte. Seit ich wahlberechtigt bin habe ich grün gewählt, bis ich auf das Frauenstatut der Grünen gestoßen bin. Und solange das so da steht, sind die Grünen für mich nicht mehr wählbar.

  5. Ich meine, das wir Frauen weiterhin konsequent fordern sollten, was uns zusteht: Die Hälfte der Macht, die Hälfte der Verwirklichungschancen, die Hälfte des Kapitals. Denn nicht weniger steht uns zu.

    Da werden aber viele Grüne Frauen auf die Barrikaden gehen, wenn sie sich wirklich nur mit der Hälfte zufrieden geben müßten… ich zitiere aus dem Grünen Frauenstatut:
    http://www.gruene.de/cms/theme.....e_grue.htm

    § 1 MINDESTQUOTIERUNG

    Wahllisten sind grundsätzlich alternierend mit Frauen und Männern zu besetzen, wobei den Frauen die ungeraden Plätze zur Verfügung stehen (Mindestparität).

    Frauen können auch auf den geraden Plätzen kandidieren.

    Reine Frauenlisten sind möglich.

    Sollte keine Frau für einen Frauen zustehenden Platz kandidieren bzw. gewählt werden, entscheidet die Wahlversammlung über das weitere Verfahren. Die Frauen der Wahlversammlung haben diesbezüglich ein Vetorecht entsprechend § 4 des Frauenstatuts.

    Ich bin mit fast sicher, daß es irgendwann mal einem Mann nicht mehr zu peinlich ist, das auf seine Grundrechtstauglichkeit hin überprüfen zu lassen…

    Mehr Freiheit erreicht man nicht im übrigen nicht durch mehr Zwang, sondern durch die Anerkennung alternativer Lebensmodelle. Das gilt für “Regenbogenfamilien” genauso wie für das klassische Modell. Durch reverse diskursiver Diskriminierung von vermeintlich klassischen, aber doch deutlich seltener gewordenen Lebensentwürfen schafft man nur vermeintliche “Märtyrer” vom Typ Eva Herman.

    Alle Quotentheoretiker und Opferfeminismusprotagonistinnen soltlen entlich kapieren, daß junge CSU Abgeordnete in diesen Fragen nicht mehr die Mehrheitsmeinung kundtun. Dann sollten aufhören, Diskriminierung zu schreien, wenn sie genau das selbst fordern. Ehrlichkeit in der Debatte würde allen Beteiligten gut zu Gesicht stehen und uns allen weiterhelfen.

    Ist Polygamie eigentlich eine Lösung? In – ich glaube es war Usbekistan oder Kirgisistan – wurde die nämlich gerade wieder eingeführt… ;)

  6. wow. auf dass jeder tag frauentag sei: so viel weibliche kommentarbeteiligung ist ja eher selten.

  7. Danke, Tobias, dass du das verlinkt hast. Am haarsträubendsten finde ich:

    § 4 FRAUENABSTIMMUNG UND VETORECHT

    Da bekomme ich Gänsehaut, wenn ich das lese.

  8. “Durch reverse diskursiver Diskriminierung…”
    wo genau siehst du denn die bitte?

  9. Ich bin auch für Quoten, für Männerquoten bei Gleichstellungsbeauftragten, damit der Genderfaschismus endlich aufhört, Ungerechtigkeiten immer nur bei den Frauen zu entdecken, männliche Benachteiligungen dagegen einfach vom Tisch zu wischen.

  10. Ich sehe die reverse diskursive Diskriminierung darin, daß die Deutungshoheit über “Gerechtigkeit” – ein uns allen am Herzen liegendes Konzept, sonst würden wir hier nicht diskutieren – im Geschlechterverhältnis von einer bestimmten Gruppe von – zumeist – Frauen gehalten wird, die “Freiheit” und “Gleichberechtigung” sagen, aber gleichzeitig jede Entscheidung von Frauen gegen das von Ihnen bevorzugte Beziehungs- und Familienmodell mit Rückgriff auf das unüberprüfbar im Äther herumschwirrende “Patriarchat” als letztlich erzwungen und unfrei diskreditieren.

    Es mag ja noch angehen, sich darüber zu empören, daß junge CSU Abgeordnete ein Statement für ihre alternde Wählerschaft abgegeben haben – auch wenn die Empörung mindestens eben so selbst-referentiell ist. Aber ob eine Frau sich für oder gegen Karriere entscheidet, ist *KEINE* moralische Entscheidung und sollte ihr und ihrem Partner (ihrer Partnerin) überlassen bleiben. Genauso wenig wie eine arbeitende Mutter deswegen gleich eine “Rabenmutter” ist sollte sich eine Frau, die zuhause geblieben ist, nicht als Verräterin bei ihren “Schwestern” für die vermeintliche Perpetuierung des Patriarchats entschuldigen müssen. Das ist aber leider – nicht mal selten – der Fall, insbesondere bei jungen Akademikerinnen.

    Und das soll keine reverse Diskrimninierung sein?

  11. Hallo

    ich zitiere aus meinem Artikel:

    Quoten sind realpolitische Instrumente zur Überwindung von Ungerechtigkeiten.

    Es geht nicht ums Prinzip. Es geht darum, Ungerechtigkeiten abzubauen.

  12. Quoten sind realpolitische Instrumente zur Überwindung von Ungerechtigkeiten.

    Und genau das stimmt eben nicht. Welche Ungerechtigkeiten sind das und wo werden diese überwunden? Ich bezweifle schon die Existenz der Ungerechtigkeiten. Quoten sind kein Instrument zur Überwindung von Ungerechtigkeiten, Quoten sind Ungerechtigkeit.

  13. Und noch mal *schwups*

    Aber ob eine Frau sich für oder gegen Karriere entscheidet, ist *KEINE* moralische Entscheidung und sollte ihr und ihrem Partner (ihrer Partnerin) überlassen bleiben.

    Hm, ich nehme das mal schon so an, dass Du nicht meinst, dass der Partner entscheiden soll, ob eine Frau Karriere machen möchte oder nicht. Es gibt ja auch das schöne Beispiel, wo der Partner entscheidet, wo die Frau das Wahlkreuz macht.

    Zum Thema Wahlfreiheit: Da finde ich es auch bezeichnend, dass jetzt, in der KiTa-Debatte, immer davon gesprochen wird, dass die Frauen Wahlfreiheit haben sollen, ob sie Kind oder Karriere wählen. Plötzlich entdecken darüber hinaus Konservative die Kritik an der Lohnarbeit für sich.

    Interessant.

  14. Da sind in jüngerer Zeit groteske Theorien von Kühlschränken und Familien in Umlauf, und eine hippe, junge Nachwuch-Grüne stellt politische Forderungen bezüglich “Familie” basierend auf ihren herzlichen Erfahrungen aus ihrer WG. Der Witz: Familien sind inzwischen tatsächlich so leicht aufzulösen wie WGs – zumindest für Frauen.

    Das Konservative gegen die schöne, neue Familienwelt Sturm laufen ist zu begrüßen. Aber man(n) sollte auch aus Männersolidarität heraus dem “progressiven” Gewäsch, welches die “traditionelle” Familie in die hinteren Bänke verweist, genauer unter die Lupe nehmen.

    Denn was jedem Mann klar sein sollte: Die Mutter-Kind Bindung wird – selbstverständlich – nicht angetastet.

    Wenn hier Familien zu nicht-beständigen, variablen Größen erklärt werden, dann ist es eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit, dass der Vater zur variablen Größe wird, die als abschaffbar oder austauschbar gesehen wird.

    Die Mutter kann sagen: “Ich werd jetzt alleinerziehend” oder “Patchwork? aber nicht ohne meine Kinder!” – nicht der Vater! Bei diesen ganzen schönen, neuen Welt-Geschwätz handelt es sich um nichts weiter als eine massive Diskriminierung der Väter.

  15. Hi

    Wenn hier Familien zu nicht-beständigen, variablen Größen erklärt werden, dann ist es eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit, dass der Vater zur variablen Größe wird, die als abschaffbar oder austauschbar gesehen wird.

    Die Mutter kann sagen: “Ich werd jetzt alleinerziehend” oder “Patchwork? aber nicht ohne meine Kinder!” – nicht der Vater! Bei diesen ganzen schönen, neuen Welt-Geschwätz handelt es sich um nichts weiter als eine massive Diskriminierung der Väter.

    Entschuldige mal, die deutsche Realität sieht anders aus: Da sind Frauen materiell arm, weil allein erziehend, weil sich die Männer aus der Verantwortung ziehen.

    Bitte mal vorsichtig mit solchen Männerhasser-Verschwörungstheorien!

  16. Wenn hier Familien zu nicht-beständigen, variablen Größen erklärt werden, dann ist es eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit, dass der Vater zur variablen Größe wird, die als abschaffbar oder austauschbar gesehen wird.

    Vorsicht! Der Vater wird nicht als komplett abschaffbar gesehen. Ein Aspekt des Vaters soll ja bestehen bleiben: das Zahlen.

    Entschuldige mal, die deutsche Realität sieht anders aus: Da sind Frauen materiell arm, weil allein erziehend, weil sich die Männer aus der Verantwortung ziehen.
    Bitte mal vorsichtig mit solchen Männerhasser-Verschwörungstheorien!

    Schon witzig, dieser Absatz mit dem Schlusssatz. Du bestätigst da ja gerade die Männerhasstheorie: “Die Männer sind schuld, die Männer ziehen sich aus der Verantwortung.”

  17. Verantwortung? Allein-erziehend?

    Der Begriff “Verantwortung” induziert, dass man(n) auch Rechte an jenem “Objekt” hat, für welches man “verantwortlich” ist. Und was die Väterrechte in Deutschland angeht – und das wird auch von der Mehrheit der Bevölkerung so gesehen – so sind solche kaum existent.

    Weiterhin wird die Mehrheit der Scheidungen von Frauen eingereicht. Eine kleine Tatsache, die ihre kausale Kette oben etwas durcheinanderbringt.

    Was die Nachtrennungssituation angeht, so sieht es hier tatsächlich katastrophal aus – für Männer. Die Selbstmordrate unter Trennungsvätern schnellt auf das Sechsfache hoch. Ein Punkt, über den gewiss jeder informiert wäre, wenn dies bei Frauen der Fall wäre.

    Im Übrigen haben Sie mir nicht inhaltlich geantwortet, sondern sind von meiner These der rechtlichen Diskriminierung von Vätern auf Nachtrennungssituation ausgewichen.

    Also zurück: Inwiefern werden die Rechte von Vätern in einem Diskurs, welcher “Alleinerziehend” oder “Patchwork-familien” als zukunfsträchtig preist, gewahrt?

  18. es sind die menschen, die einen schaffen…

    aus einem artikel im genderblog der gleichberechtigung (jaja: die gute alte quotendisko) fordert wird eine trollfarm mit kastrationsangst. soetwas hat das genderblog wirklich nicht verdient.

    ……

  19. Ich fordere ebenfalls Gleichberechtigung – allerdings für Väter. Dass sich manche davon so bedroht fühlen, dass sie mit gehaltvollen Argumentationen von Kastrationsängsten reagieren und dementsprechend rumtrollen und Andeutungen machen, dass eine Zensur erwünscht wäre, ist nicht meine Problem.

  20. “Anstatt Ehegattensplitting und Elterngeld braucht eine moderne
    Gesellschaft ein flächendeckendes Netz an Kinderbetreuungseinrichtungen.”

    Das ist erstmal eine Behauptung ohne Beweis – es steht ja nicht mal
    eine Begründung dar. Ich hätte gerne erklärt, warum eine Familie (mit
    z.B.Papa, Mama, Tochter, Sohn) mit “traditioneller” Rollenverteilung
    (ein Partner verdient, sagen wir, 4000EUR/Monat, der andere kümmert
    sich um die Kinder) mehr Steuern zahlen soll als eine Familie mit
    “neuer” Rollenaufteilung (beide Partner verdienen 2000EUR/Monat).
    Beide Familien müssen mit 4000EUR für 4 Personen im Monat leben, wieso soll
    das zweite Modell steuerlich bevorzugt werden?

    Tatsächlich bedeutet eine Abschaffung des Ehegattensplittings genau
    das, was immer dementiert wird: den Ehepartnern soll nicht die Wahl
    gelassen werden, welches Familienmodell sie leben wollen. Ohne
    Ehegattensplitting hat man keine Alternative zum Doppelverdienermodell,
    wenn man den (durch das Kind sowieso schon eingeschränkten) Lebensstandard
    einigermaßen halten will.

    Daß durch mehr bzw. ausreichend KiTa-Plätze bessere Möglichkeiten
    für Doppelverdiener geschaffen werden sollten, steht außer Frage.
    Aber die “traditionelle” Familie durch die Hintertür abzuschaffen,
    ist nicht der richtige Weg, und fände mit Sicherheit auch keine
    Mehrheit in der Bevölkerung. Deswegen spricht es ja auch keiner
    aus.

    Es spricht also nichts dagegen, daß Kinder schon bald in eine
    KiTa gehen – sofern sie dort spielen, lernen und sich selbst
    erfahren (genau das, was sie zu Hause in dem Alter auch tun).
    Womit wir bei der Frage wären, wieviele Betreuer denn dafür
    nötig sind. Denn in Schweden, unserem großen Vorbild, werden,
    so hört man, teilweise bis zu 20 Windelkinder von gerade mal
    2 Mitarbeitern betreut. Daß die Kinder dann schlechter als
    zuhause betreut werden, ist eigentlich ziemlich offensichtlich.
    Aber genau da wollen wir hin, oder?

    Ich wiederhole mich: gegen gut betreute KiTas ist nichts einzuwenden.
    Aber die werden nicht kommen, schon gar nicht, wenn die Mehrheit
    der Kleinkinder dort betreut werden soll. Was man bekommen wird,
    sind Abstellanlagen für die Kinder. Eine Chance für vernünftige
    KiTas hat man nur, wenn man den Eltern die Wahl lässt, wie sie
    ihre Kinder betreuen. Und das bedeutet wiederum: Ehegattensplitting
    und Elterngeld.

    Zu den Quotenregelungen: eine Aufsichtsratsquote ist zwar nicht
    gerade gerecht, aber sie dürfte auch nicht besonders schaden.
    Man sollte sich aber hüten, Quoten dort einzuführen, wo (anders
    als in Politik oder Vorstandsetagen) Fachkompetenz wichtiger ist
    als rhethorisches Geschick. Das wäre doch ein gravierender
    Wettbewerbsnachteil.

    Und abschließend gefragt: wo bleiben eigentlich die Forderungen
    nach einer Frauenquote bei den gesellschaftlich weniger hoch
    angesehenen Berufen, z.B. bei der Müllabfuhr? Das machen hier
    ausschließlich Männer, wo bleiben die Frauen? Sie könnten es
    doch tun, schließlich hört man überall, daß Frauen schon längst
    all das können, was Männer auch können. Im Gegenzug zur 40%-Frauenquote
    bei der Müllabfuhr könnten die verbleibenden Müllarbeiter dann
    eine 40%-Quote bei Verkäuferjobs aufbauen. Allerdings schleicht
    sich bei solchen geschlechterausgleichenden Maßnahmen der Verdacht
    ein, daß es durchaus angenehmer sein könnte, acht Stunden im
    Geschäft mit den Kolleginnen zu ratschen als früh um sechs bei
    Wind und Wetter eine schwere Mülltonne nach der anderen zu wuchten.
    Womit wir bei der Antwort auf die Frage am Anfang dieses Absatzes
    wären.

    An Johannes:
    Auch ich habe bei inzwischen 5 Bundestags- 4 Landtags- und
    einigen Kommunalwahlen mein Kreuz fast immer bei den Grünen
    gemacht. Seit ich Familie habe und das Frauenstatut kenne,
    ist es damit vorbei. Allerdings werde ich ganz sicher nicht
    zur CSU wechseln (das geht dann doch nicht) – die einzige
    Lösung für mich ist, daß ich, wie schon bei der letzten
    Landtagswahl, nicht mehr wählen gehe. Insofern schaue ich
    mir das Trauerspiel aus der Ferne an, und versuche, irgendwie
    zurecht zu kommen.

  21. Hm, ich nehme das mal schon so an, dass Du nicht meinst, dass der Partner entscheiden soll, ob eine Frau Karriere machen möchte oder nicht. Es gibt ja auch das schöne Beispiel, wo der Partner entscheidet, wo die Frau das Wahlkreuz macht.

    Ich meine, daß diejenigen, die es angeht, gemeinsam eine für sie sinnvolle Lösung finden sollen, ohne daß diese moralisch aufgeladen ist. Weder in die eine, noch in die andere Richtung.

    Zum Thema Wahlfreiheit: Da finde ich es auch bezeichnend, dass jetzt, in der KiTa-Debatte, immer davon gesprochen wird, dass die Frauen Wahlfreiheit haben sollen, ob sie Kind oder Karriere wählen.

    Sollen sie denn nicht? Vielleicht wollen sie ja auch was dazwischen – vielleicht wollen ja auch Männer was dazwischen?

    Plötzlich entdecken darüber hinaus Konservative die Kritik an der Lohnarbeit für sich.

    Interessant.

    Ja, das ist es, und daraus ergibt sich eine *immense* politische Chance, unsere Sozialsysteme aus der Vergangenheit zu heben. Negativsteuer oder Grundlohn sind plötzlich keine Instrumente aus dem Werkzeugkasten der DKP mehr sondern von Forschungsinstituten und der ZEIT diskutierte Modelle, die Wahlfreiheit ermöglichen können – das Ende von Hartz IV und wirkliche Freiheit in der Lebensgestaltung hängen mit dieser Frage (und die mit der wahrgenommenen demographischen Situation) eng zusammen. Bei aller Notwendigkeit von mehr Kinderbetreuungsangeboten, wenn die vermeintliche Links hier mit zuviel Staat und zumindest moralischem Zwang argumentiert, wie ich es aus Deinem Statement herauslese, dann wird sie eine der größten Chancen zur Modernisierung unseres Landes mit Argumenten aus der Vergangenheit vertun.

    Das Risiko ist sicher bedeutend.

  22. Jungs, achtet bitte auf die gendergerechte Verteilung der Kommentare hier. Es kann ja wohl nicht angehen, dass ihr euch hier breitmacht und mit euren Argumenten die lieben DiskutantINNEN vergrault. Bessert euch gefälligst!

  23. Die Hälfte vom Kapital? Mir kommen die Tränen.
    Der Blick in ein gewöhnliches Kaufhaus genügt, um zu sehen, welchem Geschlecht (erheblich) mehr Verkaufsfläche eingeräumt wird. Warum nur?

    Aber hier stellt frau sich gern weiterhin blind gegenüber subtilen Verhältnissen, welche schon vor langer Zeit Eingang in Volksmärchen gefunden haben.

    Mädels, wann nehmt ihr endlich den Daumen aus dem Mund.

  24. War’s das jetzt, oder kommt noch eine fundierte Gegenrede der Autorin?

  25. Zum Thema Kita-Pflicht:
    Ich finde es faszinierend, wie zwar schon alleine die Begünstigung der ‘traditionellen’ Strukturen kritisiert wird, aber dann die eigene Vorstellung so gut ist, daß sie zur Pflicht erhoben werden soll. Da ist die Befürwortung unterschiedlicher Vorstellungen dann zu ende. Ich denke nicht, daß mir eine Kita-Pflicht ab drei irgendwie gut getan hätte und ein eigenes Kind würde ich auch selber erziehen wollen und nicht mit drei Jahren “abgeben” müssen.

  26. Ich meine, das wir Frauen weiterhin konsequent fordern sollten, was uns zusteht: Die Hälfte der Macht, die Hälfte der Verwirklichungschancen, die Hälfte des Kapitals. Denn nicht weniger steht uns zu.

    Beim Lesen drängen sich mir dabei gleich die Kategorien “wir” – die Männer – und “ihr” – die Frauen – auf. Fördert solch eine Formulierung nicht gerade das Schubladendenken, das es abzuschaffen gilt?
    Ich denke, es ist das Ziel Chancenungleichheit, Vorurteile, etc. abzuschaffen und nicht von der anderen Seite her einfach eine prinzipielle Gleichverteilung der Macht zwischen zwei Gruppierungen zu fordern. Es gibt viele Kriterien, nach denen sich die Menschen aufteilen lassen. Warum zum Beispiel nicht verlangen, daß das Durchschnitsalter der “Machtinhaber” dem Durchschnittsalter der Bevölkerung entspricht? Oder zwischen nicht Brillenträgern und Brillenträgern?

  27. Ja, wo bleibt sie, die wortgewaltige grüne Gegenrede? Oder ist schweigen seeliger denn reden?

    Soviel zu “schweigenden Männern” und “eloquenten Frauen”, kurz: Schema F(eminismus).

  28. Das “Wir-die-Guten-Ihr-die-Schlechten”-Gequatsche hatten wir schon so oft – es endete immer in der Katastrophe. Es geht nur um Rechthaberei und Ideologie. Aber hier entzaubert sich das Gequatsche eben selbst ganz eindeutig.

    Ja, Sven K., du hast Recht: es ist ein Trugschluss, zu glauben, bei genereller Kindergartenpflicht ab zwei, drei Jahren wäre soziale Gerechtigkeit erreicht. Elemininieren, einebnen, wegstutzen – das kann die Frau Seeliger mit ihren jungen Jahren schon sehr gut. Den eigenen Lebenswandel anderen aufzwängen, grenzt an Größenwahn und Idiotie.

  29. Meine Herren,

    Langfristig wäre ich für eine Kita-Pflicht ab drei – aber erst, wenn eine ausreichende Zahl an gut ausgebildeten BetreuerInnen ausgebildet sind und allerorts die Infrastruktur hierfür geschaffen ist.

    Und da Sie ja alle der Meinung sind, daß das nie was wird, braucht man sich über die Kita-Pflicht ja auch nicht aufzuregen.

    Und liebes Alphatierchen, die These von “schweigenden Männern” und “eloquenten Frauen” hat mit Feminismus ja wohl nichts zu tun. Eher schon, daß das Diskussions- und Redeverhalten von Männern in der Öffentlichkeit dazu geeignet ist, Frauen in der Öffentlichkeit zum Schweigen zu bringen – fällt Ihnen was auf? (Ach Müllerchen sagte sowas schon? Ist’s womöglich Absicht? Sehen Sie, eben.)

    Wie übrigens auch die Verkaufsfläche in Kaufhäusern nichts über die Verteilung des Kapitals nach Geschlechtern aussagt. “Kapital” ist dann nämlich doch ein Begriff, der ein wenig anderes als nur das bloße Geld im Portemonnaie meint. Und selbst dieses korreliert nicht unbedingt mit der Verkaufsfläche.

    Aber das Argument werde ich mir merken, vielleicht gar einrahmen. Wer weiß, wann man es mal gebrauchen kann.

  30. “Und liebes Alphatierchen, die These von “schweigenden Männern” und “eloquenten Frauen” hat mit Feminismus ja wohl nichts zu tun. Eher schon, daß das Diskussions- und Redeverhalten von Männern in der Öffentlichkeit dazu geeignet ist, Frauen in der Öffentlichkeit zum Schweigen zu bringen.”

    Na da ist deine Kollegin, Rochus, Astrid von Friesen aber anderer Meinung:

    “Schuld sind immer die anderen! Die Nachwehen des Feminismus. Frustierte Frauen und schweigende Männer”

    Mehr auf amazon.

  31. Und liebes Alphatierchen, die These von “schweigenden Männern” und “eloquenten Frauen” hat mit Feminismus ja wohl nichts zu tun. Eher schon, daß das Diskussions- und Redeverhalten von Männern in der Öffentlichkeit dazu geeignet ist, Frauen in der Öffentlichkeit zum Schweigen zu bringen – fällt Ihnen was auf? (Ach Müllerchen sagte sowas schon? Ist’s womöglich Absicht? Sehen Sie, eben.)

    Schon ‘ne schwache Vorstellung irgendwie. Ich hatte jetzt gehofft, dass Grünenpolitikerin Julia Seeliger hier das Frauenstatut der Grünen kommentiert. Tut sie offenbar nicht.

    Natürlich sind jetzt wieder die bösen Männer schuld, die durch ihr Diskussions- und Redeverhalten die armen Frauen zum Schweigen bringen. Mir kommen gleich die Tränen. Ist irgendwie symptomatisch für weite Bereiche des Feminismus. Da wird einerseits auf Gleichbehandlung gepocht “Gleicher Lohn für gleiche Arbeit”, was auch immer “gleiche Arbeit” sein mag. Aber wenn man dann Frauen in der Diskussion wie Männer behandelt, dann ist es auch böse, weil es die Frauen “zum Schweigen” bringt.

  32. schweig. wir halten ein gedenkjahr ab für unsere stummen schwestern.

  33. ..also dass ausgerechnet der genderblog von ziemlich eifernden Machos überlaufen wurde-denkwuerdig.

  34. yeah- das patriarchat siegt!
    nein, mal im ernst, wen und warum, beschreibst du als “machos”? bring dich ein, schreib was! wir besitzen alle nicht die weisheit, sondern spielen/kämpfen/reden darum. ich mag gern deine stimme hören!

  35. ..also dass ausgerechnet der genderblog von ziemlich eifernden Machos überlaufen wurde-denkwuerdig.

    Wo siehst du hier “ziemlich eifernde Machos”?

  36. Ehegattensplitting klingt ja irgendwie spannend, ist aber sicher nicht im Sinne der Freien Liebe gemeint! Wie aber Besitzdenken und alte Moralvorstellungen politische Lösungen, kann man/frau erst beurteilen, wenn man/frau einmal auf der anderen unmoralischen Seite gestanden ist und den ganzen moralischen Ballast über sich ergehen lassen musste.

    Plötzlich wir dir klar, Lösungen mit vielen Möglichkeiten und Ansätzen sind gar nicht möglich, da die Zweierbeziehung eine unumstößliches Tabu ist, auch für die Grünen und auch wenn die gesellschaftliche Realität dem gar nicht mehr entspricht. (Leider geht die Entwicklung in Richtung einer Vereinsamung – der Singel als der wirklich freie Mensch)

    Für mich ist durch meine Neuorientierung sehr schnell klar geworden, freie Sexualität und Liebe ist nur möglich, wenn wir uns alle für das Wohl der Kinder verantwortlich fühlen. Das ist eigentlich der aller Anfang aller Solidarität.

    Vielleicht sollte jeder berufstätige Mensch dazu vergattert werden einmal in der Woche für einen Nachmittag Kinder an seinen Arbeitsplatz mitzunehmen (für alle Aufheuler: es ist nur ein Gedanke!), dann würden schnell viele neue Möglichkeiten geschaffen.

    lg Alfred

  37. tagelange funkstille. falls ich nicht danebenliege, wünsche ich dir, rochus einen entspannten (verdienten!) urlaub. aber so’nen kleinen seitenhieb kannich mir ja doch nicht verkneifen: ist das genderblog opfer des großen maskulistischen schweigens geworden? wer blockt eigentlich gerade all die beiträge von frauen hier? wo sind eure stimmen, frauen, mädels, alpha-mädchen?

    FORDERN, was uns zusteht…

    ich kann leider keinen eigenen beitrag starten, würde aber gern mehr über das ausbleiben der beiträge der bloggerinnen erfahren.

  38. Wie sagte noch Ursel v d Leyen: Die Zeit der Alpha-Tierchen ist vorbei.

  39. Wie Alfred geschrieben hat, vielleicht sollte jeder Berufstätige einmal Kinder am Arbeitsplatz….ähnliches gibt es bereits in einigen skandinavischen Ländern, so dass dort, wenn keine Tagesbetreuung möglich ist, die Kinder eben am Arbeitsplatz sind. Die dadurch verlorene Arbeitszeit wird an anderen Tagen einfach wieder ausgeglichen…
    Übrigens was das Thema Gleichberechtigung angeht, Jungen bräuchten insbesondere im Kindergarten und in der Grundschule Möglichkeiten Sport zu treiben und Lesehilfen, da sind die Mädels “uns” nämlich statistisch betrachtet voraus.

  40. Übrigens was das Thema Gleichberechtigung angeht, Jungen bräuchten insbesondere im Kindergarten und in der Grundschule Möglichkeiten Sport zu treiben und Lesehilfen, da sind die Mädels “uns” nämlich statistisch betrachtet voraus.

    Ich denke, dass das der falsche Weg wäre.

    Der statistisch gemessene Vorsprung der Mädchen beim Lesen und überhaupt beim Lernen in der Schule kommt nicht daher, dass die Mädchen da irgendwie besser wären und die Jungen deswegen Förderung bräuchten. Er kommt daher, dass die Inhalte im Kindergarten und im Grundschulunterricht auf die Interessen der Mädchen zugeschnitten sind.

    Es wird dort zu viel Schöngeistiges gemacht und zu wenig Technisches. Man sollte mit den Kindern weniger Saltzteig backen und dafür mehr solche Sachen wie Radwechsel am Fahrrad. Weniger Schattentheater, Siebdruck, etc, dafür Fischertechnik, Stromkreisexperimente und dergleichen.

    Auch bei den Leseinhalten nicht den Focus auf zwischenmenschlichen Kram legen, sondern mehr Technik mit einbeziehen.

    Das zumeist weibliche Lehrpersonal müsste dann zwar wahrscheinlich nochmal auf Fortbildung. Vielleicht stört sich auch der ein oder andere daran, dass solche Maßnahmen die Jungs freut und die Mädchen sich drüber ärgern. Aber ich denke, dass sowas dazu führt, dass die Jungs mehr Spaß an der Schule haben, weil die Schule dann nicht nur die Interessen der Mädchen berücksichtigt, sondern auch die der Jungs. Und dann wären die Jungs in der Schule aufmerksamer und damit auch erfolgreicher.

    Und das wäre ein Schritt zu mehr Gleichberechtigung.

  41. [...] “Fordern, was uns zusteht” – mein Beitrag im Genderblog vom 8.3.2007 [...]

  42. [...] das Genderblog habe ich einen Artikel geschrieben, der ab 18 Uhr online gehen wird. Jetzt ist er online. Dort findet Ihr aber auch viele andere Artikel, unter anderem auch diesen von Paula [...]

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