Danke, Angie!
Bundestagswahl 2005: Zum ersten Mal wird in Deutschland eine Frau als Kanzlerkandidatin vorgeschlagen – ausgerechnet von der CDU. Sollte ich nun die CDU wählen, nur weil sie eine KanzlerkandidatIN hat? Kann eine Frau überhaupt die Interessen von Frauen in der Politik besser vertreten? Für mich war es eine schwierige Entscheidung. Aus ideologischen Gründen habe ich mich aber letztendlich gegen ein Kreuz bei der CDU entschieden.
Heute muss ich zugeben sehr glücklich darüber zu sein, dass die Mehrheit der deutschen Frauen und Männer anders entschieden hat. Die Wahl führte bekanntlich zu einer knappen Mehrheit für die CDU, aber zu einem großen Erfolg für Angela Merkel. Sie wurde erste deutsche Bundeskanzlerin.
Trotz anfänglicher Skepsis und reichlich Kritik von allen Seiten, kann nun nach fast 1½ Jahren Regierungszeit gesagt werden: Angie, Du machst Deinen Job gut! Ohne Handtasche, rosa Bluse und emotionale Momente. Sondern pragmatisch, rational, ehrgeizig, willensstark und durchsetzungsfähig. Angela Merkel hat überrascht. Sie hat Stereotype abgebaut. Sie hat gezeigt, dass Frauen sich in der Politik mindestens genauso gut durchsetzen können wie Männer. Sie hat es geschafft, dass ihre weiblichen – und vor allem ihre männlichen – Kollegen sie respektieren und schätzen. Sie hat Maßstäbe gesetzt für die Zukunft. Auf einmal sind Frauen in der Politik selbstverständlich und erwünscht.
Nicht vergessen werden sollte aber auch, dass es neben Angela Merkel noch weitere fünf Frauen im derzeitigen Bundeskabinett gibt. Besonders um Ursula von der Leyen ist es in den letzten Monaten immer lauter geworden. Dank Debatten um das neue Elterngeld und den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen war Ursula von der Leyen wohl mit Abstand die Ministerin mit der größten Medienpräsenz. Mit ihren neofeministischen Ansichten hat die CDU-Familienministerin fast noch mehr überrascht als die Kanzlerin selbst. Für Ursula von der Leyen bedeutet Familienpolitik vor allem Gleichstellungspolitik. Mit ihren Forderungen nach mehr erwerbstätigen Müttern und mehr Vätern, die sich um die Kindererziehung kümmern, hat sie ihre Partei gespalten und gleichzeitig Mitglieder anderer Parteien auf ihre Seite gezogen. Sie hat es geschafft, parteipolitische und ideologische Grenzen zu überwinden. Sie hat den „konservativen Herren“ in ihrer Partei gezeigt, wo es lang geht. Sie hat deutlich gemacht, dass die Zeit der männlichen Alphatiere vorbei ist: Frauen wollen nun die Hälfte der Macht. Den nötigen Rückhalt bekommt Ursula von der Leyen vor allem von der Bundeskanzlerin. Ein bisschen Feminismus ist also auch bei Angela Merkel zu finden.
Insgesamt ziehe ich hiermit ein eindeutig positives Fazit für Frauen in der Politik. In Deutschland hat sich einiges bewegt. Macht weiter so! Dann werde ich mich vielleicht 2009 auch für die CDU entscheiden. Weil sie nämlich starke Frauen hat.
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Ich sehe das genau anders herum. Du hast das ganz richtig gemacht. Du hast, vermutlich wegen der politischen Inhalte, dich gegen die CDU und für eine andere Partei entschieden. Wenn du CDU gewählt hättest einzig aus dem Grund, dass Merkel eine Frau ist, wäre das für mich ziemlich tumbe Ideologie gewesen. Eigentlich wäre es purer Sexismus, genau das, was der Feminismus den Männern so oft vorwirft, nämlich dass sie bei Personalentscheidungen qua Geschlecht entscheiden.
Auf einmal? Frauen sind doch in der Bundespolitik schon seit Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken. Es hat vielleicht eine gewisse Symbolkraft, dass das wichtigste politische Amt in Deutschland momentan erstmalig von einer Frau bekleidet wird, aber weibliche Minister gibt es doch schon seit Jahrzehnten. Alle Parteien haben, seit Jahrzehnten Frauen an vorderster Front dabei. Allen voran die Grünen, mit ihrem offen sexistischen Frauenstatut.
Mit den Forderungen nach besseren Kinderbetreuungsmöglichkeiten bin ich absolut einverstanden. Ansonsten praktiziert von der Leyen mir zu sehr den Steinzeitfeminismus. Sie zeigt mit dem Finger auf die Männer und sagt: “Ihr müsst Euch ändern, Ihr seid die Bösen, Ihr seid schuld.”
Es hat sich tatsächlich für Frauen einiges zum Guten bewegt. Aber für ein weiter so kann ich nicht plädieren. Mann muss immer alte Ziele überdenken. Ich sehe in Deutschland mittel- und langfristig die Gefahr einer massiven Männerbenachteiligung.
Ich mochte die merkel nie und mag sie auch heute noch nicht – trotzdem muß ich offen sagen, ich hab ihr ursprünglich wohl zu wenig zugetraut… ein klitzekleines bißchen ist sie mir sympathischer geworden – aber ich bin weit davon entfernt, für sie irgendwelche pom-poms zu schwingen und “weiter so!” zu schreien.
von der leyen… allen respekt. ich stimme zwar auch in einigen dingen mit ihr nicht überein, aber hartnäclig ist sie, das muß man ihr lassen – und das war auch gut so! das thema kinderbetreuung wird zum ersten mal ernst genommen und das ist wichtig!
ob das jetzt ein schritt in richtung echter gleichberechtigung von frauen in der politik ist? ich glaube, für so eine prognose ist es definitiv noch zu früh.
und @ johannes: wo bitte siehst du denn eine “gefahr massiver männerbenachteiligung”??
@dodo: Wo ich Männerbenachteiligung sehe.
Es gibt einige Bereiche. Hier mal ein paar.
* Es gibt seit Jahren den Trend, dass Jungen in der Schule schlechter werden und Mädchen besser. Trotzdem gibt es weiterhin einseitige Mädchenförderungsprogramme, während die Jungen leerausgehen. Darüber hinaus kommt die Unterrichtsmethodik sehr den Mädchen entgegen. Mädchen entwickeln sich unterschiedlich als Jungs, ihnen fällt es im Grundschulalter leichter, sich zu konzentrieren. Dadurch haben sie später einen Vorsprung, den die Jungs nicht mehr einholen. Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass die viele Kinder praktisch keinen Kontakt zu männlichen Erwachsenen haben.
* Der größte Teil aller Arbeitsunfälle betreffen Männer. Männer haben entgegen aller Klischees, dass Frauen die unattraktiven Jobs hätten, die richtigen Drecksjobs.
* Als Familienvater ist man in Deutschland persona non grata. Momentan wandelt sich da das Bewusstsein so ein wenig. Ich habe in meinem Bekanntenkreis einige Fälle, in denen Väter zu Zahleseln degradiert wurden. Die Mutter verhindert den Umgang der Kinder mit dem Vater und will lediglich den Unterhalt haben. So nach dem Motto: “Verschwinde aus meinem Leben und aus dem Leben deiner Kinder. Das einzige Lebenszeichen, was ich von dir wünsche, ist der monatliche Eintrag auf meinem Kontoauszug.” Und das Schlimme ist: Die Frauen kommen mit sowas durch.
* Das Paradebeispiel der Männerbenachteiligung: Wehrpflicht.
Alles in allem ist es heute so, dass es Bereiche gibt, in denen Frauen benachteiligt sind und Bereiche in denen Männer benachteiligt sind. Gegen Frauenbenachteiligung wird politisch seit Jahrzehnten vorgegangen, gegen Männerbenachteiligung nicht.
stimmt, es braucht auch mehr jungenarbeit. das wird doch aber inzwischen auch gefordert (siehe letzte emma-ausgabe, da hats auch viel interessantes zu der shell-studie) und nur wegen fehlen von jungenprogrammen mädchenprogramme abschaffen wollen wär ja blödsinn.
und welche unterrichtsmethodik meinst du genau? daß kinder nach der 4. klasse schon in haupt/real/gymi aufgeteilt werden? das ist aber doch kein neuer trend, das ist doch schon ewig so… oder hast du was anderes gemeint?
zu den drecksjobs: mit den arbeitsunfällen hast du sicher recht. aber die “typischen frauenberufe” (nicht sonderlich gut bezahlt, miese aufstiegschancen) macht das nicht unbedingt attraktiver, nur weil es weniger arbeitsunfälle gibt. außerdem finde ich den vergleich bißchen schief: die meisten “männlichen drecksjobs” werden von den männern ja nicht geradezu angestrebt; man muß jungs nicht erzählen “hey, ihr könnt auch was anderes werden als minenarbeiter!” – aber es war/ist offensichtlich nötig, mädels zu ermuntern, was anderes als kinderfrau zu werden: immer mehr frauen ergreifen “männliche” berufe, auch aufm bau (wo das arbeitsunfallrisiko ja auch nicht ohne ist).
ich weiß nicht, wo ein aktueller trend sein soll, daß man männer dazu auffordert, scheißjobs anzunehmen. oder ihnen gute jobs verwehrt. das wäre dann diskriminierung. einfach nur schlimme fakten nennen wo sowieso daran gearbeitet wird berufsaufteilungen in “für männer” oder “für frauen” aufzuheben macht keinen sinn.
abgesehen davon ist der wahrscheinlich risikoreichste, erniedrigendste drecksjob der welt immer noch von frauen besetzt: prostitution.
und ich kenne deinen bekanntenkreis nicht – und das ist der punkt. was scheidungen/unterhaltszahlungen/… angeht, ist es notwendig einschätzung der situation auf den individuellen fall abzustimmen – deswegen möchte ich keine urteile fällen. aber wenn du sowieso schon siehst, daß “sich da das Bewusstsein so ein wenig wandelt”, warum führst du den punkt auf zur bekräftigung deiner einschätzung “Ich sehe in Deutschland mittel- und langfristig die Gefahr einer massiven Männerbenachteiligung.” wenn du doch selbst sagst, daß es so langsam in die richtige richtung geht? ist doch prima!
was wehrpflicht angeht: meiner persönlichen meinung nach ist die scheiße und gehört abgeschafft. das sollte keiner machen müssen, weder mann noch frau noch sonstwer.
Ich meinte den Unterrichtsstil und die Unterrichtsinhalte. Der ganze Schulunterricht ist zu schöngeistig und zu wenig technisch. Man sollte den Grundschülern nicht nur Bleistift, Füller und Wasserfarben in die Hand geben, sondern auch mal einen Schraubenzieher oder einen Technikbaukasten. Der Grundschulunterricht ist zu sehr aufs Gestalten getrimmt, weniger aufs Experimentieren. Das sind so Dinge, die den Mädchen entgegenkommen. Und das liegt ja auch in der Natur der Sache. Die Grundschullehrer sind zumeist Frauen. Die können die Interessen von den Grundschuljungs gar nicht nachvollziehen, weil sie selbst nie ein Junge waren.
Ich habe mich zwar eben gegen Quotenregelungen ausgesprochen, aber der Lehrer- und Erzieherberuf ist der einzige, in dem ich für starre Quotenregelungen bin. Allerdings nicht für eine Frauenquote, auch nicht für eine Männerquote, sondern für eine allgemeine Quote wie, jedes Geschlecht mindestens 40%.
Ich sehe jetzt nicht, dass typische Frauenberufe schlechter bezahlt wären und weniger Aufstiegschancen hätten, als typische Männerberufe. Zu dem Ergebnis kommst du vielleicht wenn du Putzfrau mit Ingenieur vergleichst.
Ich sehe eben nicht, dass es in die richtige Richtung geht. Außer vielleicht beim Familienrecht. Obwohl es da auch ziemlichen Widerstand seitens der Steinzeitfeministen gibt.