Ohrfeige für den Begriff “Gender” und für die “Geschlechterforschung” von Luise F. Pusch
Luise F. Pusch kritisiert in ihrem Webloeintrag “Gender – wer es braucht und wozu?” die Verwendung des Begriffs “Gender” und die “Gender Studies” an sich. Hier ein paar Auszüge:
“Als einige Jahre später der akademische Feminismus in den USA das neue Wort “Gender” auf den Markt brachte mit der Erläuterung, man unterscheide jetzt zwischen “Sex” und “Gender”, und Sex sei das biologische und Gender das soziale Geschlecht – da fragten wir uns lange und bis heute, wo denn da der Unterschied sei.”
“Den Schick und die Gelder konnte mann doch nicht allein den Frauen überlassen. Also “Gender Studies” – die stehen auch einem Mann ganz vorzüglich. Kein Spur mehr von “feministisch” oder “Frauen”.”
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Wow, hätte nie gedacht, daß ich das mal sagen würde: Aber – auch wenn “Geschlecht” logisch eben die Kombination von (engl.) “sex” und (engl.) “gender” ist (auch wenn manche etwas hilflos versuchen, “gender” als eben diese Kombination zu definieren), ist die Trennung aus analytischer Perspektive meines Erachtens durchaus sinnvoll. Vor allem, weil es ja gerade um Erkenntnisgewinnung im Spannungsverhältnis der Geschlechter geht, das mal mehr kulturell, und mal mehr biologisch geprägt ist.
“Den Frauen den “Feminismus” klauen…” war es nicht eher so, daß aufgrund des Nischendaseins ein für den gesellschaftlichen Mainstream tragfähiger Begriff gefunden werden mußte… also “gender mainstreaming” im wahrsten Sinne des Begriffs? Und ist nicht auch das “Genderblog” (“we’re biased”) nicht ein wunderbares Beispiel dafür?
Am Rande – auf Crooked Timber gibt es einen Bericht über eine Konferenz names “Real Utopias – Rethinking Gender Egalitarianism“, der interessanterweise sehr stark auf die hierzulande aktive Krippendebatte eingeht.
ich finde ja doch interessant, wie mannhaft die schelte einer alten frau als “ohrfeige” erwähnt wird. löste das im gesellschaftlich unbewussten bereich inkorporierter geschlechterverhältnisse – noch dazu von einer “alten dame des feminismus”! – nicht ein wenig schuldgefühle bei feministischen männern aus? ich finde es erstaunlich, dass eine so wenig brisante aussage einen beitrag wert ist. trotzdem danke: ich konnte gut schmunzeln dabei :-)
alte männer, um mal ebenso stereotyp zu bleiben, wäre allerdings wohl der vorwurf traditionaler gewaltanwendung im eigenen hause nicht ganz erspart geblieben. aber, mannhaft: einfach die andere backe noch hinhalten!
Ob man “Ohrfeige” da jetzt passend findet oder nicht – Puschs Glosse dokumentiert nur, was in allen zwischen feministischer Bewegung und Gender-Theorie zu verortenden Praxis- oder Theorie-Zweigen wohlbekannt ist: es gibt weder den einen Feminismus noch die eine feministische Theorie. Das ist nicht originell, aber es ist immer wieder gut, auf die diversen Zweige hinzuweisen. Und Puschs Glosse ist insofern bemerkenswert als sie, deren Beruf ja nun gerade die Sprache ist, sich darin hauptsächlich auf eine meiner Meinung nach eher abseitige Begründung bezieht:
Daß “gender” sich primär als analytische Kategorie durchsetzte und da womöglich auch ihren hauptsächlichen Wert hat, steht jetzt erst in ihrer Nachbemerkung.
Auf einer ganz anderen Ebene aber liegt Luise Pusch dann wieder ganz nahe an poststrukturalistischen Zweigen der feministischen Theorie: die sehen “sex” und “gender” als ebenfalls nicht wirklich unterscheidbar, nur sehen sie das eben aus einer ganz anderen Richtung.
Schon immer hat die katholische Kirche (und ihr Vertreter Wixa?) nur Wasser gepredigt und Wein gesoffen.
Doppelbödig wie die Kirche ist, hat sie Sex nur zur Fortpflanzung erlaubt (also sind Frauen doch nur Gebärmaschinen?) – wie übrigens auch die modernen Soziobiologen.
Im übrigen ist es symptomatisch, dass gerade ein Kirchenvertreter den Begriff “Gebärmaschine” wieder in die Diskussion eingebracht hat.
Und nun zu was anderem:
Es ist schon eigenartig, dass die heutige Zeit der schönen griechischen Antike genau konträr ist:
Damals hatte die gut ausgebildete Oberschicht genug Zeit, sich um Grundlagenforschung etc. zu kümmern – und die breite Unterschicht war mit Arbeiten beschäftigt.
Heute hat die Oberschicht kaum mehr Zeit, Kinder zu erziehen und sich perfekt auszubilden – und die immer größere Unterschicht kommt vor Langeweile fast um…
Doppelbödig wie die Kirche ist, hat sie Sex nur zur Fortpflanzung erlaubt (also sind Frauen doch nur Gebärmaschinen?)
Ich hatte mal eine Broschüre der katholischen Kirche in der Hand, in welcher mir – als Mann – erklärt wurde, dass für mich Sex nur erlaubt sei, wenn ich gedächte ein Kind zu zeugen. Dazu noch ein paar Tips, wie ich die Lustgefühle bei diesem Akt verringern könnte. Sind Männer nur Zeugungsmaschinen?
Grüße
Mirko.
Auf die Frage, warum Pfuschs Meinung hier gewürdigt wurde:
Gender, Gender Mainstreaming geriet in letzter Zeit in die Kritik. Einer der wichtigsten Kritikpunkte war, dass die Aussage: “Auch für Männer” nichts weiter als ein Lippenbekenntnis ist. Dieser Kritik wurde mit den einleuchtenden Argumenten von “Kastrationsängsten” begegnet. Oder aber “reaktionäre Abwehrhaltung”, was stark an den feministischen Kampfbegriff “Backlash” erinnert, mit dem jede Feminismuskritik beiseite gewischt werden kann. (“Das ist doch nur Backlash”).
Eine Alt-Feministin die Gender( Mainstreaming) kritisiert, ist ein guter Einwand gegen die Behauptung: “Gender Mainstreaming ist die totalitäre Fortsetzung von Feminismus” (Prof. Bock).
Mich überzeugt das nicht, aus zwei Punkten:
1. Feministinnen sind sich untereinander teilweise spinnefeind. Die härteste Kritik musste Alice Schwarzer aus den Reihen der Frauenbewegung einstecken – wovon Otto Normalverbraucher aber nichts mitbekommt. Der Angriff auf die EMMA-Redaktion, bei denen Müllbeutel mit Mist ausgeschüttet wurden, Parolen an die Wände geschmiert wurden, Telefon- und Computerkabel durchtrennt wurden, kam bezeichnenderweise nicht vom Patriarchat, sondern aus den Reihen der autonomen Frauenbewegung.
2. Wenn eine Gender-Forscherin die Frauenbeauftragte ablöst, dann überzeugt mich das genauso, wie wenn sich die Frauenbeauftragte “Gleichstellungsbeauftragte” nennt, es ist lediglich ein rhetorisches Mannöver um den Schein zu wahren, dass auch die Interessen von Männern wahrgenommen werden. Das Flennen der Feministinnen, die Frauenförderungsmaßnahmen durch Gender Mainstreaming verdrängt sehen, kann deswegen getrost übergangen werden.
viele Grüße
Mirko.
p.s.: dieses Symbol da oben rechts… hier im GENDERblog …erinnert mich an irgendwas *grübel*
Also ehrlich, über den Punkt die katholische Kirche für ihre “Leibfeindlichkeit” zu schelten, sollten wir doch wirklich hinaus sein – vor allem weil ihr gesellschaftlicher Einfluß offenbar selbst in der CDU soweit zurückgegangen ist, daß sie mit Worten wie “Gebährmaschine” provozieren muß, um große öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen.
Im übrigen scheint selbst der Papst die Sache mit dem Sex etwas entspannter zu sehen, er redet ja fast schon von “freier Liebe”… (zitiert aus einem Kommentar von mir auf Spreeblick.de –