Haushaltsunfall: Gehirn im Mixa
Helfen flache Scherze gegen flaches Denken?
Die Furcht vor dem eigenen Machtverlust muß schon sehr groß sein, die Paranoia und Selbstüberschätzung aber wohl nicht weniger. Walter Mixas Ausfälle gegen Ursula von der Leyen und ihre Pläne zur Förderung von Kinderbetreuungsplätzen sind ja nur die (wohlfeil kritisierbare) Zuspitzung jener Ausbrüche von Ahnungslosigkeit, die schon in den Tagen davor aus verschiedenen Ecken, vor allem aber aus CDU und CSU zu vernehmen waren. Mixa nimmt eben allenfalls kein Blatt vor den Mund.
Ungewöhnlich scharf hat Bischof Walter Mixa Familienministerin von der Leyen für ihre Pläne einer erweiterten frühkindlichen Betreuung angegriffen. Wer mit staatlicher Förderung Mütter dazu verleite, ihre Kinder bereits wenige Monate nach der Geburt für vier oder vielleicht sogar sechs Stunden werktags in staatliche Obhut zu geben, degradiere die Frau zur “Gebärmaschine”, statt sie als das zu erachten, was sie eigentlich seien: Waschmaschinen, Putzlumpen und Kochvollautomaten.
So faßt es die Titanic womöglich präziser zusammen als jede Agentur-Meldung in mehr oder minder seriösen Zeitungen es je könnte. Mixa schäumt aber auch zu schön, wähnt, sozialistische Vorstellungen
hätten sich im Bundesfamilienministerium eingenistet, ausgebreitet, festgesetzt, und mutmaßt, die Doppelverdiener-Ehe werde von der Ministerin geradezu zum “ideologischen Fetisch” erhoben
, wie die Zeit schreibt. Und dann fällt eben auch das Wort von den “Gebärmaschinen”, als die von der Leyen Frauen sehe; und nirgendwo etwas von den Kinderbetreuungs- und Brutmaschinen, als die Herr Mixa die Frauen wohl gerne sähe.
Aber die Diskussion um die irren Ideen dieses irrenden Hirten ist natürlich letztlich schlichtweg Schmarrn; Mixascher Realitätsverlust, wohl durch abgehobenes Bischofsdasein induziert, wie Frau Wortschnittchen diagnostiziert:
Ich wünsche Ihnen, Herr Mixa, einmal eine Woche in der Mitte einer lebensnahen Familienform: Sie müssten als alleinerziehende Mutter sehen, wo sie die Betreuung für Ihr Kind herbekommen, weil das Unterhaltsgeld des geschiedenen Ehemannes für eine sichere Existenz nicht ausreicht und Sie im Übrigen sehr gern arbeiten würden, denn Sie mögen Ihren Job und setzen auf die Vorbildfunktion einer glücklichen und arbeitenden Mutter.
Mark Spörrle spricht von Mixas von materiellen und anderen Zwängen völlig unbeleckten Theorien
, was aufs Gleiche hinausläuft; und Uta Ranke-Heinemann sekundiert:
Die Bischöfe haben sich derartig an die Unterdrückung der Frauen gewöhnt, dass sie in ihrer Unbildung was die Kulturgeschichte anbelangt sogar der Meinung sind, das Christentum sei eine Befreiung der Frau gewesen.
(Persönlich bin ich ja außerdem auch der Meinung, Herr Mixa, daß Männer zum Umgang mit kleinen Kindern nicht im geringsten weniger befähigt sind als Frauen. Bei Ihnen bin ich mir allerdings nicht so sicher. Jedenfalls würde ich meine Kinder nicht Ihren Wahnvorstellungen ausgesetzt sehen wollen.)
Aber das sind alles nur Scharmützel, in denen die katholische Kirche (auch Kardinal Meisner hat sich ja eingeschaltet) wieder einmal beweist, daß Frauen ihr als Subjekte in der öffentlichen Sphäre eher unheimlich sind. Was die politische Debatte um die Kinderbetreuung angeht, sind das alles aber eher publizistische Schein-, allenfalls noch Rückzugsgefechte; der Kern des Streits liegt wahrscheinlich in einem fundamentalen (und vielleicht gewollten) Mißverständnis. Lehmann etwa schreibt:
Mit Recht haben viele darauf hingewiesen, dass es unbedingt bei einer echten „Wahlfreiheit“ bleiben müsse, dass nämlich die Eltern sich für die Erziehung der Kinder zu Hause entscheiden können und auch entsprechend unterstützt werden müssen, ohne dass diese Entscheidung indirekt abgewertet oder am Ende gar benachteiligt wird.
Die hier insinuierte Annahme, es gebe zur Zeit eine echte „Wahlfreiheit“
(mit oder ohne Anführungszeichen), hat jedenfalls mit der Realität in Deutschland nichts zu tun – nicht einmal in Berlin, wo die Kita-Dichte für deutsche Verhältnisse enorm hoch ist, ist es leicht, einen Platz zur Kinderbetreuung für Kinder ab einem Jahr zu bekommen. Anderswo (in West- wie Ostdeutschland) ist das eher noch schwieriger.
Deshalb ist auch die ganze Diskussion um von der Leyens Vorstöße auch so absurd: Ihr Ziel ist es Medienberichten zufolge, bis 2013 zu ermöglichen, daß etwa 35 Prozent der Kinder in Kitas oder von Tagesmüttern betreut werden
können – das kann man kaum als Versuch beschreiben, Frauen dazu zu zwingen, ihre Kinder in “Fremdbetreuung” zu geben. Eher schafft es endlich Möglichkeiten, die bisher für die meisten Familien überhaupt nicht vorstellbar sind.
Außerdem können, mit Verlaub, die bestehenden Einrichtungen durchaus eine bessere Finanzierung vertragen.
(Ranke-Heinemann-Interview gefunden bei Kurz, via)

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