eine Antwort auf FAZ- und Spiegelartikel zum Gender Mainstreaming
Heide Oestreich führt in der taz-Ausgabe vom 13.02.2007 ein Interview mit Prof. Susanne Baer zur aktuellen Debatte um Gender Mainstreaming.
Über die Debatte wurde bereits im Genderblog hier, hier und hier berichtet.
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Wie ja auch schon der vorher zitierte Artikel von Heide Oestreich differenzierter – aber wohl deshalb – auch widersprüchlicher als die Artikel in der FAZ und im Spiegel.
Kein Umerziehungsprogramm? Vorsicht mit den Worten –
Naja, da es dem Konzept ja zu einem nicht unbeträchtlichen Teil genau darum geht Frauen genau diese Perspektive näherzubringen, wirkt diese Argumentation leider etwas unsauber.
Sicher ist Gender Mainstreaming mehr als *nur* ein Umerziehungsprogramm, aber es ist eben *auch* eins, eines, das sich kommunikativ von den radikalen sozialgestalterischen Visionen des frühen radikalen Feminismus vor allem in der Rhetorik und der Tatsache unterscheidet, das es politisch legitimiert ist.
Da hat Frau Baer vollkommen Recht: Der aufkeimende Widerstand ist ein Zeichen des politischen Erfolgs. Natürlich ist das ganze nicht durch eine “Verschwörung” zustande gekommen – nur waren solche Themen eben lange nichts, was als “ernsthafte” Politik galt – und das “Ökosystem” für feministische Politik scheint mir mindestens so sehr als Seilschaft zu fungieren wie die Jungen Liberalen.
Also – Vorwurf der Verschwörung unbegründet, aber der sachliche Einwurf, daß durch Desinteresse ein spezifisches, nicht notwendigerweise von der Allgemeinheit in dieser Weise gesehenes Problem zum gesamtstaatlichen Projekt geworden ist, der sollte nicht einfach so weggewischt werden. Mancur Olson hat in “The logic of collective action” beschrieben, warum solche individuellen Interessen sich im Gegensatz zum “Gemeingut” einfacher umsetzen lassen.
Es mag zu spät für eine wirkliche gesellschaftliche Debatte sein, aber da das Konzept ja eigentlich keinen wirklichen Inhalt hat, sondern eine wie eine Schale ist, die je nach Situation mit Inhalt gefüllt werden muß, besteht also durch verstärkte Aufmerksamkeit durchaus die Möglichkei, Einfluß zu nehmen.
Nur muß eben klar sein, daß Geschlecht jetzt eine öffentlich zu diskutierende Kategorie ist. Auf den arbeitsvertraglich vereinbarten “Playboy” für die Herrentoilette!
Siehe auch meine Aussagen in den Kommentaren zu den anderen GM Artikeln.