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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

“Sind Frauen die besseren Männer?”
Menschen bei Maischberger stellte am 23. Januar 2007 eine große Frage

 Anja William   13. Februar 2007
 Feminismus, Gesellschaft, Medien

Menschen bei Maischberger: Zur Sendung vom 23. Januar 2007 mit den Gästen Gabriele Pauli (Fürther CSU-Landrätin), Alice Schwarzer (Journalistin, Feministin), Angela Elis (ARD-Moderatorin), Christa Müller (Diplom-Volkswirtin) und Horst- Eberhard Richter (Psychoanalytiker)

Als ich auf der Emma-Homepage gelesen habe, daß Alice Schwarzer bei Sandra Maischberger auftritt, war das einer der seltenen Momente, in denen ich mich darüber geärgert habe, keinen Fernseher zu haben. Glücklicherweise habe ich dann entdeckt, daß man “Menschen bei Maischberger” kurze Zeit nach der Ausstrahlung auch als Videostream online bei DasErste.de anschauen kann und habe das auch mit Vergnügen getan.

“Sind Frauen die besseren Männer?”

Diese provokative Frage verneinte Schwarzer natürlich. Allerdings stellte sie klar, daß Frauen alles können, was Männer können. Jetzt sei es an den Männern zu zeigen, daß sie alles können, was Frauen können. Also: Auf geht`s, Männer!

Das gleich zu Beginn für die ewig Gestrigen, die wohl schon beim Titel der Sendung aufgejault haben, erst recht bei der Gästeliste (“Nur ein Mann!!!!!”) und die immer noch nicht verstehen (wollen), daß Feministinnen nicht “gegen die Männer” kämpfen, sondern für die Sache der Frauen.

An Gabriele Pauli gerichtet bemerkte Schwarzer etwas, was mir nach Maischbergers Gespräch mit der in den Medien oft auf ihr Äußeres reduzierten Landrätin auch durch den Kopf ging:

“Man weiß als Frau gar nicht mehr, was man machen soll. Schön darf man nicht sein, häßlich darf man nicht sein…”

Ich muß gestehen, daß ich Frau Dr. (!) Pauli unterschätzt habe. Sie weiß, was sie will und kann unsachliche Kritik genau richtig einordnen, ohne sich von ihr auf ihrem Weg beirren zu lassen. Ich bin wahrlich kein CSU-Fan, aber vor dieser Frau ziehe ich meinen Hut!

Sehr informativ war auch der Einspieler zur Geschichte der Frauen in der deutschen Politik: “Die mächtigen Männner sahen Frauen nicht gern im Bundestag- außer als Putzfrauen.”

Ein großes Thema war außerdem die nicht bezahlte Haus- und Erziehungsarbeit, die immer noch zu 80% von Frauen geleistet wird. Frau Müller, angekündigt als “Verfechterin des klassischen Ehemodells” (das in ihrem speziellen Fall aber bei genauerem Hinsehen gar nicht so “klassisch” ist), kritisierte die Feministinnen, weil die Frauen durch die aus den feministischen Forderungen resultierende Mehrfachbelastung nur verloren hätten. Sie selber zog daraus damals, als sie mit Oskar Lafontaine ein Kind bekam, für sich die persönliche Konsequenz, daß sie ihre Halbtagsarbeit aufgab und nur Zuhause blieb.

Ganz verstanden habe ich ihre Beweggründe auch nach dieser Talkrunde noch nicht, noch dazu, wo sie selber sagte, mit der Gesamtsituation der Frauen in dieser Frage auch nicht zufrieden zu sein.

Schwarzer stellte fest, daß die aktuelle Forderung nach bezahlter Haus- und Erziehungsarbeit der Linkspartei, wie sie Müller vertrat, schon vor 30 Jahren eine politische Forderung war, damals aber von Seiten der CDU/CSU (“Famos!”). Die Forderung selbst bezeichnete sie als “hochgefährlich”, da sie die Frauen nur noch mehr ans Haus binden würde.

Eine Befragung von PassantInnen war zwar vordergründig zum Lachen, im Grunde genommen aber alles andere als lustig; der Großteil der Männer war sich nämlich einig: “Hausarbeit ist Frauensache, weil ich diese Arbeit nicht gerne mache.” Welch tolle Begründung! Frauen können sich natürlich nichts Besseres vorstellen, als Mann und Kind(ern) hinterherzuputzen…*args*

Und bei einigen Männern stand die Frau auch noch daneben und hat nur in das dümmliche Gelächter ihres Mannes eingestimmt: So ändert sich natürlich nichts! Wäre Frau Schwarzer seit 1977 nur passiv gewesen oder hätte wie Frau Müller zwar theoretische Forderungen gestellt, sich in ihrem (privaten) Leben aber selbst Lügen gestraft, wären die Frauen in Deutschland heute immer noch nicht auf dem Weg zur (praktischen!) Gleichberechtigung.

Auch auf Müllers Feminismus-Kritik ging Schwarzer ein: Frauen müssten sich zwar (noch) mehr anstrengen, um das Gleiche zu erreichen wie Männer, aber auf lange Sicht gesehen haben sie nur zu gewinnen; 30 Jahre “EMMAnzipation” sind ja doch eine relativ kurze Zeit.

Pauli, deren Tochter bei ihrer Wahl 3 Jahre alt war, ging damals offensiv damit um, daß sie eben nicht nur Politikerin, sondern auch (!) Mutter ist. Erst in den letzten Monaten wurde sie innerhalb der CSU angegriffen, weil sie alleinerziehend ist. Vorher hatte das niemanden gestört, weil sie “trotzdem” sehr gute Wahlergebnisse erzielte. Sie sieht in einer offensiven Haltung auch die Chance für Frauen zu zeigen, daß es geht, Mutter und erfolgreich im Beruf zu sein (Vorbild-Funktion!). Und dabei ist sie auch so ehrlich zuzugeben, daß Frauen, die beides wollen, viel mehr Energie dafür aufwenden müssen als Männer in derselben Situation. Wichtig war ihr auch die Feststellung, daß Kinder in einer harmonischen Beziehung aufwachsen, “egal, wie das bewerkstelligt wird(!)”.

Schon seltsam, daß sich Frauen mit Kind(ern) heute immer noch so für berufliche Erfolge rechtfertigen müssen, um nicht als “Rabenmutter” bezeichnet zu werden…

Die Forderung des Psychoanalytikers Richter, Frauen sollten auch im Beruf “ihre Weiblichkeit nicht verstecken”, löste bei Pauli, Maischberger und Schwarzer sofort Zuordnungsprobleme aus: welche Eigenschaften sind denn nun “typisch weiblich” bzw. “typisch männlich”? Auch ich habe Probleme mit diesem Schwarz-Weiß-Denken.

Schwarzer, der ja auch gern “fehlende Weiblichkeit” vorgeworfen wird, erläuterte: um in die Welt gehen zu können, muß eine Frau nun einmal einige “männliche” Eigenschaften übernehmen. Sanktioniert würden Frauen dafür aber allemal (noch): ob nun durch die Bezeichnung “Mannweib” oder dadurch, daß sie, wie im Fall Pauli, als “Hexe” verunglimpft werden. Auch und gerade an Müller gerichtet meinte Schwarzer, daß bei einem Fortschritt eben auch zeitweilige Rückschritte auftreten. Zu wünschen wäre, daß nicht immer nur nach den “Unterschieden” zwischen den Geschlechtern geforscht wird (männlich” im strikten Gegensatz zu “weiblich”), sondern nach den Gemeinsamkeiten (“menschlich”).

Um wieder zu Richter zu kommen: leider scheint die Einstellung dieses Mannes eher eine Ausnahme zu sein: Für ihn war es selbstverständlich, daß sowohl er als auch seine (ebenfalls politisch und beruflich sehr engagierte) Frau beide die Verantwortung übernommen haben für das Private (3 Kinder) und das Politische.

In seinem Buch Die Krise der Männlichkeit in der unerwachsenen Gesellschaft beschäftigt er sich mit dem Problem, daß viele Männer auf der Suche nach einer neuen Identität oft ein Leben lang pubertär bleiben, um ja nicht “unmännlich” zu erscheinen. Auch und gerade in der Politik gäbe es viel zu viele Männer ohne Rückgrat. (Man denke da nur an das Verhalten der CSU-Männer gegenüber Pauli!)

Laut Pauli ist jedoch der einzige Weg, Politik machen zu können, Rückgrat bei Männern und Frauen.

Abschließend möchte ich noch einmal auf Frau Schwarzer eingehen: Wieder einmal konnte sie eindrucksvoll ihre Intelligenz und ihren Humor beweisen, und damit auch, daß sie alles andere ist als die “verbitterte Männerhasserin”, als die sie von vielen Männern bzw. Männer-Medien so gern hingestellt wird. Und daß sie zu Recht das Vorbild vieler Frauen ist.

Auch wenn es an Frau Maischberger bzw. ihrer Redaktion einiges auszusetzen gab (Recherchefehler, was die Gäste anging, außerdem sind die Kurz-Informationen auf der Seite zur Sendung, wenn man den Diskussionkontext betrachtet, nicht besonders klug ausgewählt): die Diskussion war auf jeden Fall sehenswert!

 
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27 Kommentare

(RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel)

  1. wow, danke für den beitrag!
    hat echt spaß gemacht zu lesen

  2. 1. “Allerdings stellte sie klar, daß Frauen alles können, was Männer können. Jetzt sei es an den Männern zu zeigen, daß sie alles können, was Frauen können”

    Das hätte ich jetzt eher andersherum formuliert – daß Männer alles können, was Frauen auch können, sieht man seit Jahren. Wer heute Vater ist, wickelt seine Kinder genauso selbstverständlich wie die Mutter. Und was die Hausarbeit angeht, gilt dasselbe. Auf der anderen Seite vermisse ich Frauen in den produktiven technischen Berufen, aber auch in den sogenannten “Todesberufen” (d.h. den Berufen mit stark erhöhtem Unfallrisiko) oder bei der Müllabfuhr. Es wäre also an der Zeit, daß die Frauen wirklich zeigen, daß sie alles können, was Männer können – auch die Drecksarbeit.

    2. Die vielbeschworene Mehrfachbelastung müssen Männer längst wegstecken. Wer arbeitet denn meistens acht Stunden am Tag (irgendwo muß ja das Geld für den Familienurlaub herkommen), stellt vor der Arbeit sicher, daß die Kinder mit Frühstück in die Schule kommen und ist abends dafür zuständig, daß die Kinder ordentlich ins Bett kommen? Eben – Männer. Das alles natürlich ohne Wochenende, denn am Wochenende ist selbstredend der Mann für die Kinderbetreuung zuständig (schließlich hat’s die Frau die “ganze” Woche) – und das ohne Vormittage, an denen die Kinder in Kindergarten oder Schule versorgt sind.

    3. Zu den Ewiggestrigen zähle ich auch – ich wurde mit der Überzeugung erzogen, daß alle Menschen gleichberechtigt und gleichwertig sind. Genau diese Überzeugung lässt mich heute den Feminismus Schwarzerscher Prägung ablehnen. Denn die Emma und ihre Gefolgschaft haben mit Gleichberechtigung nichts, aber auch gar nichts am Hut. Das ewige Gejammer dient einzig und allein zu dem Zweck, die Priviliegien, die Frauen in dieser Gesellschaft geniessen, weiter auszubauen.
    Schwarzer mag durchaus intelligent sein, und die Art und Weise wie sie Lobbyarbeit für einen Teil der Gesellschaft (die kinderlosen Frauen, um genau zu sein), ist in der Tat beeindruckend. Aber deshalb kann (und sollte) man ihre Thesen dennoch ablehnen, wenn man nicht zu ihrer Zielgruppe gehört.

    4. Was an der Einstellung von Herrn Richter in irgendeiner Form besonders ist, erschließt sich mir nicht. So gut wie alle Männer meiner Generation übernehmen absolut selbstverständlich Verantwortung für das Private, besonders auch für ihre Kinder. Es stimmt allerdings, daß durchaus nicht alle Frauen diese Möglichkeit nutzen, auch etwas zum finanziellen Überleben der Familie beizutragen. Das bleibt meist Mänenrsache. Ist ja auch anstrengend.

  3. @Jo
    Zu 1.>>>daß Männer alles können, was Frauen auch können, sieht man seit Jahren.>>>
    Nein.
    Zu 2.>>>Wer arbeitet denn meistens acht Stunden am Tag (irgendwo muß ja das Geld für den Familienurlaub herkommen), stellt vor der Arbeit sicher, daß die Kinder mit Frühstück in die Schule kommen und ist abends dafür zuständig, daß die Kinder ordentlich ins Bett kommen? Eben – Männer.>>>
    Nein.
    Zu 3.>>>Das ewige Gejammer dient einzig und allein zu dem Zweck, die Priviliegien, die Frauen in dieser Gesellschaft geniessen, weiter auszubauen.>>>
    Nein.
    >>>Schwarzer mag durchaus intelligent sein, und die Art und Weise wie sie Lobbyarbeit für einen Teil der Gesellschaft (die kinderlosen Frauen, um genau zu sein), ist in der Tat beeindruckend. Aber deshalb kann (und sollte) man ihre Thesen dennoch ablehnen, wenn man nicht zu ihrer Zielgruppe gehört.>>>
    Nach Deiner (falschen) Definition gehöre ich nicht zu ihrer Zielgruppe, lehne ihre Thesen aber “dennoch” nicht ab.
    Zu 4.>>>4. Was an der Einstellung von Herrn Richter in irgendeiner Form besonders ist, erschließt sich mir nicht. So gut wie alle Männer meiner Generation übernehmen absolut selbstverständlich Verantwortung für das Private, besonders auch für ihre Kinder.>>>
    Da ich nicht weiß, wie alt Du bist, beziehe ich Deine These jetzt einfach mal auf die Männer _meiner_ Generation und sage auch dazu: nein. (Einige erfreuliche Ausnahme sind noch lange nicht “so gut wie alle”!)

  4. “Zu 1.>>>daß Männer alles können, was Frauen auch können, sieht man seit Jahren.>>>
    Nein.”

    Doch. Um die Argumentation mal auf dem Niveau weiterzuführen :-)
    Genauer gesagt: was können die Männer denn deiner Ansicht nach nicht? Was Frauen nicht können (oder nicht wollen), habe ich ja schon geschrieben: die unangenehmen und gefährlichen Jobs dieser Gesellschaft.

    “Nach Deiner (falschen) Definition gehöre ich nicht zu ihrer Zielgruppe, lehne ihre Thesen aber “dennoch” nicht ab.”

    Sollte man ablehnen, schrieb ich ja auch. Daß es nicht alle tun, weiß ich selbst.

    “Da ich nicht weiß, wie alt Du bist, beziehe ich Deine These jetzt einfach mal auf die Männer _meiner_ Generation und sage auch dazu: nein.”

    Mitte 30. Die Quote der Männer, die Verantworung für die Kinder übernehmen, liegt in meinem Bekanntenkreis bei ca. 95%.

  5. @Jo
    >>>Genauer gesagt: was können die Männer denn deiner Ansicht nach nicht?>>>
    Sie können als Väter nicht zeigen, daß sie genauso wie Mütter auch in der Lage sind, sich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern!(Auch hier wieder: es gibt erfreuliche Ausnahmen, aber leider viel zu wenige!)
    >>>Sollte man ablehnen, schrieb ich ja auch. Daß es nicht alle tun, weiß ich selbst.>>>
    Gut! Und was _ich_ tun “soll”, das entscheide ich lieber selbst. :)
    >>>Mitte 30. Die Quote der Männer, die Verantworung für die Kinder übernehmen, liegt in meinem Bekanntenkreis bei ca. 95%.>>>
    Ich bin Ende 20 und die Quote der Männer, die Verantwortung für die Kinder übernehmen, liegt in _meinem_ Bekanntenkreis bei ca. 10%. Und da sind die Väter, die einen auf “toller WE-Vater” machen, schon mit drin.

  6. Ich bin Ende 20 und die Quote der Männer, die Verantwortung für die Kinder übernehmen, liegt in _meinem_ Bekanntenkreis bei ca. 10%. Und da sind die Väter, die einen auf “toller WE-Vater” machen, schon mit drin.

    Ich weiß ja nicht was du so für Bekannte hast, aber in meinem Bekanntenkreis gibt es nicht einen Vater, der keine Verantwortung für seine Kinder übernimmt. Sei es durch Kindererziehung, Kinderbetreuung oder durch Stabilisieren des ausreichenden Familieneinkommens.

    Was du da mit den 10% von dir gibst, ist — Entschuldigung — billige Stammtischpolemik.

  7. Ich weiß ja nicht was du so für Bekannte hast, aber
    was du da mit den 100% von dir gibst, ist — Entschuldigung —billige Stammtischpolemik.
    Und das war meine letzte Antwort an Ewiggestrige wie Dich. Denn mittlerweile habe ich _sinnlose_ “Diskussionen” mit Ewiggestrigen aufgegeben, weil mir meine Zeit dafür zu schade ist, und werde sicher hier nicht wieder damit anfangen!

  8. Wahrscheinlich muß man es einfach so lange wiederholen, bis es unüberhörbar ist:

    a) Es ist vor allem die ökonomische Entwicklung, die für eine Veränderung in der Effizienz der geschlechtlichen Arbeitsteilung gesorgt hat. Daß Alice S. und ihre Genossen zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren bedeutet nicht, daß ihre Bewegung auch der kausale Grund für die Veränderungen war, die sich ergeben haben.

    b) Das wesentliche Problem, das sich aus der Veränderung ergibt, ist, daß sich die ökonomischen und kulturellen Veränderungen (noch?) nicht auf das weibliche Paarungsverhalten (und damit auf das männliche – Stichwort “Imponiergehabe”) auswirkt. Alle Studien, die sich damit beschäftigen, deuten darüber hinaus darauf hin, daß Frauen gerade an ihren fruchtbaren Tagen fremdgehen, und dies mit genau den Männern, die sie sonst (und politisch) meiden.

    Klar, im Detail wird das alles wieder komplexer: aber das ist meines Erachtens die gegenwärig offensichtlichste kluturelle Inkongruenz westlicher Gesellschaften (entwickelter Volkswirtschaften).

  9. Ich weiß ja nicht was du so für Bekannte hast, aber
    was du da mit den 100% von dir gibst, ist — Entschuldigung —billige Stammtischpolemik.

    Polemik ist es auf jeden Fall nicht, weil ich hier niemanden in den Dreck gezogen habe, so wie du die ganzen Väter, die sich um ihre Kinder kümmern. So schlecht, wie du hier und in deinem Blog tust, sind die Männer mit Sicherheit nicht. Und ich als Mann werde mir diesen Schuh nicht anziehen.

    Und das war meine letzte Antwort an Ewiggestrige wie Dich. Denn mittlerweile habe ich _sinnlose_ “Diskussionen” mit Ewiggestrigen aufgegeben, weil mir meine Zeit dafür zu schade ist, und werde sicher hier nicht wieder damit anfangen!

    Wow. Sehr überzeugend, deine Argumentation. Wenn jemand andere Erfahrungen hat als du und anderer Meinung ist wie du und nicht “Alice Schwarzer, Hurra” schreit, bekommt einfach den Stempel “ewiggestrig” aufgedrückt und jede Diskussion erübrigt sich.

    Naja, soll mir recht sein.

  10. “Ich bin Ende 20 und die Quote der Männer, die Verantwortung für die Kinder übernehmen, liegt in _meinem_ Bekanntenkreis bei ca. 10%. Und da sind die Väter, die einen auf “toller WE-Vater” machen, schon mit drin.”

    Und wer dieser Aussage, die eine Beleidigung der großen Mehrheit der Väter darstellt, nicht zustimmt, ist ein Ewiggestriger? Danke für die Bestätigung :-)

  11. … so viel Sexismen sind mir seit dem Studium nicht mehr um die Ohren geflogen.
    Die Idee des Genderblogs ist gut, aber die Diskussionen find ich eher auf einem unangenehmen Niveau.

    Viel Spaß noch.

  12. so viel Sexismen sind mir seit dem Studium nicht mehr um die Ohren geflogen.

    Also, ich persönlich wäre für eine Erklärung, was genau denn hier sexistisch sein soll, dankbar. Vielleicht wäre das ja auch hilfreich, ein auch für Dich angenehmeres Diskussionsniveau zu finden.

  13. Also, ich persönlich wäre für eine Erklärung, was genau denn hier sexistisch sein soll, dankbar.

    voilà:

    Das wesentliche Problem, das sich aus der Veränderung ergibt, ist, daß sich die ökonomischen und kulturellen Veränderungen (noch?) nicht auf das weibliche Paarungsverhalten (und damit auf das männliche – Stichwort “Imponiergehabe”) auswirkt. Alle Studien, die sich damit beschäftigen, deuten darüber hinaus darauf hin, daß Frauen gerade an ihren fruchtbaren Tagen fremdgehen, und dies mit genau den Männern, die sie sonst (und politisch) meiden.

  14. Aha. Na dann ist ja gut…

    Laut Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Sexismus

    “Unter Sexismus versteht man jede Art von Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung und Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Zu Sexismus im weiteren Sinn zählen auch kulturell bedingte Geschlechterrollen-Stereotype von Weiblichkeit und Männlichkeit, mit der Auswirkung, dass das Verhalten von Frauen und Männern, häufig unbewusst, mit zweierlei Maß gemessen werde.”

    Frauen treffen ihre Fortpflanzungsinteressen aus den gleichen Motiven heraus wie Männer, allerdings haben sie logisch andere Bedürfniss. Unterschiede zu thematisieren hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, “mit zweierlei Maß” zu messen. Ganz im Gegenteil – es wird der gleiche Maßstab angelegt, auch wenn das mal wehtut.

  15. Dieser Frau-Mann-Zirkus ist ja kaum zum aushalten! Wer jetzt wieviele Männer oder Frauen in seinem Bekanntenkreis kennt, die so und so viel für ihre Kinder übrig haben oder nicht.- Vollkommen unwichtig! Ich denke Menschen sollten nach ihren Möglichkeiten und ihrem je eigenen Lebensentwurf ihr Leben gestalten. – Ob mit oder ohne Kinder, ob berufstätig oder nicht: Das wird jeder mit seinem Partner/ seiner Partnerin abzuklären haben.
    - Anmaßend, wer hier ein Urteil fällen will!

    Die Geschichte mit dem Paarungsverhalten entbehrt allerding nicht einer gewissen Komik. Es ist schon etwas einfach, Seitensprünge mit Hilfe der Biologie erklären zu wollen. Auf dem gleichen Niveau argumentieren Menschen, die “dem Mann” eine permanente Tendenz zum Vergewaltiger unterstellen.

    Ich fände es schön, wenn wir von den tradierten Geschlechtsrollen wegkämen, die beide anerkannten Geschlechter, in unterschiedlichen Zusammenhängen, in Abhängigkeiten pressen können.

    So wie ich keinen Bock habe, Hausfrau und Mutter zu werden, möchte mein Partner nicht den Ernährer spielen. Gleichzeitig wollen wir aber auch nicht die ungewöhnlich taughe Karrierefrau und der fürsorgliche Hausmann sein. – Wir werden unseren Weg gehen. Davon bin ich überzeugt, weil wir eben nicht zusammen sind, um irgendwelche günstigen ökonomischen Verhältnisse zu schaffen, sondern weil wir Freunde sind und das Leben zusammen verbringen wollen. – Die Ideologen können bleiben wo der Pfeffer wächst…

    Die Disputanten hier blenden außerdem aus, dass es auch noch Lebensweisen jenseits der Heterosexualität gibt. -Das düfte im weiteren Sinne auch mit Sexismus zu tun haben.

  16. Die Geschichte mit dem Paarungsverhalten entbehrt allerding nicht einer gewissen Komik. Es ist schon etwas einfach, Seitensprünge mit Hilfe der Biologie erklären zu wollen. Auf dem gleichen Niveau argumentieren Menschen, die “dem Mann” eine permanente Tendenz zum Vergewaltiger unterstellen.

    Niemand bestreitet, daß die Motive für individuelle Entscheidungen nicht biologisch determiniert sind. Das sind sie sicher nicht. Aber sie sind biologisch (und kulturell) disponiert, d.h. es besteht eine – statistisch nachprüfbare – Tendenz, aber kein wie auch immer gearteter biologischer “Zwang” zu einer bestimmten Handlungsweise. Ob und inwieweit Männer (oder Frauen) kulturell oder biologisch zu Gewalttaten disponiert sind, ist eine ebenfalls nicht unbedeutende Frage, die ja auch in den letzten Jahren immer häufiger – vor allem im Hinblick auf die Diskussion um die Neurobiologie und “den freien Willen” diskutiert wird. Ich persönlich halte diese Diskussion zwar für interessant, aber für alle praktischen Belange für irrelevant – ganz im Gegensatz zu Disposition, die eine Tendenz für Verhalten aufzeigt, dem Individuum aber die Entscheidung überläßt. Wir haben biologische und kulturelle Imperative – aber wir haben auch eine kognitive Überprüfungsinstanz.

    Ich fände es schön, wenn wir von den tradierten Geschlechtsrollen wegkämen, die beide anerkannten Geschlechter, in unterschiedlichen Zusammenhängen, in Abhängigkeiten pressen können.

    Ich fände es schön, wenn wir von den tradierten Geschlechtsrollen wegkämen, die beide anerkannten Geschlechter, in unterschiedlichen Zusammenhängen, in Abhängigkeiten pressen können. So wie ich keinen Bock habe, Hausfrau und Mutter zu werden, möchte mein Partner nicht den Ernährer spielen. Gleichzeitig wollen wir aber auch nicht die ungewöhnlich taughe Karrierefrau und der fürsorgliche Hausmann sein. – Wir werden unseren Weg gehen. Davon bin ich überzeugt, weil wir eben nicht zusammen sind, um irgendwelche günstigen ökonomischen Verhältnisse zu schaffen, sondern weil wir Freunde sind und das Leben zusammen verbringen wollen. – Die Ideologen können bleiben wo der Pfeffer wächst…

    Das Problem hat aus meiner Sicht eben leider nur bedingt mit Ideologie zu tun. Und die strukturellen Veränderung brauchen mehr Zeit als einzelne Individuen bei ihrer Lebensplanung sinnvoll einrechnen können. Sicher “sind wir nich zusammen *um* günstige ökonomische Verhältnisse zu schaffen” – sondern, wenn, wegen ihrer superioren Effizienz. Würden wir (in der westlichen Welt) noch immer 80% unseres Sozialprodukts mit Muskelkraft erwirtschaften hätte der Begriff Geschlechtergerechtigkeit mit Sicherheit eine andere Bedeutung als er sie im Moment hat… Die Gleichberechtigung wie wir sie kennen beruht auf der strukturellen Veränderung der “herrschenden Produktionsverhältnisse”. Da sich Kultur schneller anpaßt als Biologie entstehen die Inkongruenzen, die wir gegenwärtig erleben – um mal ein aktuelles Beispiel zu nennen: Bis zum Gentest war es immer so, daß nur die Mutter wußte, ob der rechtliche/emotionale Vater auch der biologische Vater ist, mit allen kulturellen Konsequenzen für die Kontrolle weiblicher Sexualität, die sich aus dieser Unsicherheit ergeben haben. Nun hat sich die Situation technisch verändert, und es wird sich eine Anpassung ergeben. Aber zunächst ist erstmal ein Spannungsverhältnis, bis sich ein neues Gleichgewicht einpendelt (wenn denn überhaupt).

    Die Disputanten hier blenden außerdem aus, dass es auch noch Lebensweisen jenseits der Heterosexualität gibt. -Das düfte im weiteren Sinne auch mit Sexismus zu tun haben.

    Glaube ich nicht. Die Ausblendung hat ja eher mit der Fragestellung im Konkreten zu tun. Um aber eine Verbindung herzustellen: Sofern es eine Zunahme an nicht Fortpflanzungsbezogenen Partnerschaften / Lebensweisen geben sollte, ist das natürlich eine bedeutende Herausforderung für jede Theorie, die den Einfluß biologischer/fortpflanzungsbezogener Faktoren betont.

  17. Hinsichtlich der biologischen Dispositionen kann man sicherlich geteilter Meinung sein. – Und wir sind es offenbar. Denn diese bezöge sich, im Sinne der modernen Schulmedizin, wohl letztlich auf hormonelle Unterschiede, die Handlungen begünstigen. Nun gibt es aber unendlich viele Einflussgrößen, die in einem statistischen Verfahren kaum alle kontrolliert werden können. So zum Beispiel die körperliche Aktivität eines Menschen, seine Ernährung (bei der kulturell-geschlechtsspezifische Bedingungen einen biologischen Effekt nach sich ziehen), der Streß, dem er/sie ausgesetzt ist, mögliche Depressionen, Hyperaktivität, Süchte, Erkrankungen (z.B. Diabetes) u.a.m. All das hat sicherlich einen Effekt auf den Hormonhaushalt des Menschen, was eine Erklärung von Verhalten durch geschlechtlich-biologische Voraussetzungen durchkreuzt. Insofern beeinflusst die Kultur die Biologie und nicht umgekehrt.

    Das Argument, ein durch Muskelkraft erwirtschaftetes Sozialprodukt würde die Frage nach Geschlechtergerechtigkeit in einem anderen Licht erscheinen lassen, teile ich auch nicht. Die kulturellen Bedingeungen erzeugen einen weiblichen Körper, der sich, hinsichtlich Kraft, in einem hohen Maße vom männlichen unterscheidet. Zum einen ist die “ideale” Frau sehr schlank, ein Bild, dem leider viele, schon in sehr jungen Jahren, zu entsprechen versuchen. Zum anderen werden Sportarten, in denen der Aufbau von Muskelmasse dominiert, hauptsächlich für Jungen und Männer angepriesen (was mit den gesellschaftlichen Erwartungen an Männlichkeit zu tun hat). Damit werden Körper erzeugt und ein Bild von der schwachen Frau und dem starken Mann zementiert. Solche Zustände führen dazu, dass ich, als 22-jährige Frau, meinem sechzigjährigen Nachbarn (Der einen Kopf kleiner ist als ich) nicht die Einkaufstüten nach oben tragen darf, obwohl er sich eindeutig schwer damit tut.

    Nicht zuletzt sollte erwähnt werden, dass in feudalen Zeiten Frauen und Männer gleichermaßen auf den Feldern gearbeitet haben (wie es in Anatolien heute noch der Fall ist). Anders hätten sie es sich wohl auch nicht leisten können. Zudem berichtet Tacitus davon, dass bei den Teutonen Frauen “gleichberechtigt” an den Kriegshandlungen beteiligt waren.

    Die Unterdrückung weiblicher Sexualiät ist noch heute in islamisch geprägten Ländern zu finden. Ich halte die Kontrolle der eigenen “Gene” allerdings für eine kulturelle Angelegenheit, vor allem der monotheistischen Religionen, und nicht für eine biologische Notwendigkeit. Dafür spricht, dass es durchaus Männer gibt, die “fremde” Kinder als die eigenen anerkennen. Entweder durch eine Patchwork-Lösung oder unfreiwillig (Wobei ich ein Bedürfnis nach “eigenen” Kindern für gerechtfertigt halte).

    Ich finde es gut, dass Heutzutage die Möglichkeit besteht, einen Vaterschaftstest zu machen. Aber die Kuckuckskinder sind in Zeiten moderner Verhütungsmittel wohl eher eine Ausnahme. Außerdem sollte eine aufgeklärte Gesellschaft doch darüber hinweg sein, ihre Weibchen im Zaum halten zu müssen. Mir ist in meinem Leben noch keine Frau begegnet, die eine so schlechte (ungleiche) Beziehung zu ihrem Partner hatte, dass ein Kuckuckskind in Frage gekommen wäre.
    Für die existenten Fälle stellt das System ja schon einige Regelungen bereit. – Väter können in die Verantwortung genommen und Nicht-Väter hieraus entlassen werden (Problematisch ist hierbei allerdings, dass die Mutter einwilligen muss).

    Wenn das System nicht optimal funktioniert, dann ist das System falsch und nicht die Menschen mit ihren Bedürfnissen. – Das kann einfach nicht sein!

  18. Hinsichtlich der biologischen Dispositionen kann man sicherlich geteilter Meinung sein. – Und wir sind es offenbar.

    Kann man in der Tat. Und aus nicht geteilten Meinungen sollte – wie hier – ein zivilisierter Diskurs entstehen und kein gezetere wie an anderen Stellen hier im Blog.

    Insofern beeinflusst die Kultur die Biologie und nicht umgekehrt.

    Ich denke nicht, daß das Geheimnis ausschließlich bei Hormonen liegt, auch wenn die sicher einen bedeutenden Anteil haben. Daß sich durch Sozialisierung unter Umständen biologische Effekte ergeben ist eine (gerade für die Sozialwissenschaften) bedeutende Erkenntnis – letztlich gibt es nämlich nur eine Wahrheit. Fraglich ist allerdings ob wir (als Menschheit) erkennen können.

    Nicht zuletzt sollte erwähnt werden, dass in feudalen Zeiten Frauen und Männer gleichermaßen auf den Feldern gearbeitet haben (wie es in Anatolien heute noch der Fall ist). Anders hätten sie es sich wohl auch nicht leisten können. Zudem berichtet Tacitus davon, dass bei den Teutonen Frauen “gleichberechtigt” an den Kriegshandlungen beteiligt waren.

    Also wirtschaftsgeschichtlich ist das natürlich sowohl das eine wie das andere eine etwas krude Aussage angesichts der Vielzahl von sozialen Institutionen, die die Arbeitsteilung schon mediiert haben. Aber – sorry – auch wenn es vermutlich eine gewissen mediale Konstruktion weiblicher Schwäche gab oder gibt – es ist schlicht so, daß Frauen weniger Muskelmasse haben – sie sind in diesem Zusammenhang “das (muskulär) schwache Geschlecht”. Das hat in einer Muskelökonomie Folgen. Genauso wie das Ende der Muskelökonomie die Gleichberechtigung gefördert hat.

    Die Unterdrückung weiblicher Sexualiät ist noch heute in islamisch geprägten Ländern zu finden. Ich halte die Kontrolle der eigenen “Gene” allerdings für eine kulturelle Angelegenheit, vor allem der monotheistischen Religionen, und nicht für eine biologische Notwendigkeit. Dafür spricht, dass es durchaus Männer gibt, die “fremde” Kinder als die eigenen anerkennen. Entweder durch eine Patchwork-Lösung oder unfreiwillig (Wobei ich ein Bedürfnis nach “eigenen” Kindern für gerechtfertigt halte).

    Kultur spielt überall eine Rolle. Aber es gibt ausreichend Belege dafür, daß die Kontrolle der Weitergabe der eigenen Gene ein bedeutendes biologisches Verhaltensmotiv ist – die Penislängen von sich paarweise sexuell fortpflanzenden Tieren unterscheiden sich nachprüfbar in Abhängigkeit von der Wahrscheinlichkeit weiblicher “Untreue”. Je wahrscheinlicher die direkte Konkurrenz auf der Spermien, desto länger der Penis. Für mich ist es unmöglich, angesichsts solcher Erkenntnisse die Biologie als wesentlichen Faktor zu ignorieren.

    Außerdem sollte eine aufgeklärte Gesellschaft doch darüber hinweg sein, ihre Weibchen im Zaum halten zu müssen.

    Sowohl moderne Verhütungsmethoden als auch die Möglichkeit eines Gentests sollten jede soziale institutionelle Kontrolle überflüssig machen – Glück auf! Welcher Mann würde weibliche Sexualität schon einschränken wollen? Aber noch ist das eben nicht ganz so weit…

    Wenn das System nicht optimal funktioniert, dann ist das System falsch und nicht die Menschen mit ihren Bedürfnissen. – Das kann einfach nicht sein!

    Klar gibt es dysfunktionale gesellschaftliche Systeme. Aber das hängt zumeist mit Problemen bei der Adaptionsgeschwindigkeit zusammen. So entstehen enorme Spannungsverhältnisse innerhalb von aber auch zwischen Kulturen.

    Ein ganz wesentliches Spannungsverhältnis, das Dysfunktionalität geradezu buchstabiert, ist der anhaltende weibliche Infantizid in Asien, der – mal vom moralischen Problem abgesehen – zu einem enormen Testosteronüberhang und Männern ohne Sex und jede Chance auf eine Partnerschaft führen wird (Foreign Policy hat im letzten Jahr einen langen Bericht darüber gebracht), der sich aller Wahrscheinlichkeit nach in Kriegen äußern wird. Sollte es nicht dazu kommen, gebürt der Friedensnobelpreis vermutlich indischen und pakistanischen Prostituierten… auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt (85 Frauen auf 100 Männer in der relevanten Altersgruppe) ist das Problem gegeben (da fliegt schließlich auch ab und an der Deckel vom ein oder anderen Fußballstadion) – Dysfunktionalität hin oder her, der wesentliche Punkt ist für mich, Fortpflanzung und Sex im Rahmen der Gendertheorie zu ignorieren, ist für mich schlichtweg absurd. Es kann nur darum gehen, zu verstehen, wie sich Biologie und Kultur (darunter jetzt auch mal die Ökonomie gefaßt) gegenseitig beeinflussen.

  19. @maan:
    >>>Wer jetzt wieviele Männer oder Frauen in seinem Bekanntenkreis kennt, die so und so viel für ihre Kinder übrig haben oder nicht.- Vollkommen unwichtig!>>>
    Da hast Du Recht. Ich habe mich auf eine sinnlose Diskussion eingelassen, kommt aber nicht mehr vor!:)

  20. Ich denke, von einem “muskulär schwachen Geschlecht” kann man nur dann sprechen, wenn man von Idealtypen der Geschlechter ausgeht. Ich würde mich vielleicht darauf einlassen anzuerkennen, dass man die Menschen (abgeschwächt idealtypisch) in eine eher kleinere und schwächere Gruppe und in eine eher größere und stärkere Gruppe teilen kann. Ich gestehe auch zu, dass der Anteil der weiblichen Menschen an der ersten Gruppe größer ist als der der männlichen. Aber Representanten beider Geschlechter befinden sich auf beiden Seiten. (Unter Yahoo!Deutschland kann man sich übrigens nette Bilder von Bodybuilderinnen ansehen ;-))

    Wenn man das Phänomen der Sklaverei betrachtet, dann zeigt sich außerdem, dass es vielmehr auf Systeme und Strukturen ankommt, als auf biologische Stärke. Heute dominieren dunkelhäutige Sportler in den meisten Sportarten (was zumindest zeigt, dass sie hellhäutigen Menschen körperlich nicht unterlegen sind) und dennoch gab es Zeiten, in denen weiße Männer schwarze Männer unterdrückt haben. Und wahrscheinlich bin ich auch größer und stärker als viele asiatische Männer.

    Die Sache mit den Tieren ist natürlich immer eine ganz gefährliche. Es ist schon irgendwie fragwürdig, sich eine (möglicherweise oft bestätigte)Theorie herauszugreifen, um diese anschließend auf eine völlig andere Spezies anzuwenden. Es gibt im Tierreich schließlich so viele unterschiedliche Lebensformen, dass es ja an sich schon schwer fällt alle in menschliche Kategorien zu pressen. Bei den Löwen jagen hauptsächlich die Weibchen, männliche Frösche sind wesentlich kleiner als ihre Partnerinnen, Kaiserpinguinmännchen brüten die Eier aus, Krähenpaare bleiben ihr Leben lang zusammen, andere Tiere begegnen sich nur ein Mal in ihrem Leben (zur Paarung), Bonoboweibchen haben Lesbensex. – Es gibt eine Vielzahl von Tieren, die nicht um die Befruchtung kämpfen.
    Ein Bekannter von mir hat in diesem Zusammenhang einmal gesagt: “Warum sollte ich mich mit den Vögeln vergleichen, ich würge ja schließlich auch keine Würmer wieder hoch, um meine Kinder damit zu füttern.” -Recht hat er!

    Im Zusammenhang mit der sozialen institutionellen Kontrolle weiblicher Sexualität gefällt mir das Menschenbild ganz und garnicht. Jeder zivilisierte Mensch, der sich auf eine Partnerschaft einlässt, wird seine eigenen Wertvorstellungen und Vorstellungen von einer Paarbeziehung mit denen des anderen abgleichen und nach einiger Zeit feststellen, ob es passt oder nicht. – Seitensprünge und Kuckuckskinder kommen sicherlich aus individuell vollkommen unterschiedlichen Motiven zustande und sind eine traurige und manchmal wohl auch tragische Angelegenheit für eine Beziehung. Ich verwahre mich aber gegen das Bild von den bösen, bösen Frauen, die den “Männchen” in jedem Fall ein fremdes Kind unterjubeln würden. – Das wird der emotionalen Bindung, die Paaren, die sich aus freien Stücken gebildet haben, zu unterstellen ist, kaum gerecht. Ich kann mir diese Art von Umgang nur unter ganz primitiven Bedingungen vorstellen. Glücklicherweise bringt es “unsere” Kultur mit sich, dass zumindest in großen Teilen der westlichen Gesellschaften eine gegenseitige Achtung von Partnern vorhanden ist. Dort wo sie es nicht ist, findet wohl eher eine Bedrohung menschlichen Lebens statt (häusliche Gewalt, Verwahrlosung von Kindern, Ehrenmorde etc.). Die dort fehlende emotionale Kompetenz wird in unseren Breiten ja fast als Krankheit angesehen, wobei sich diese wohl noch am ehesten in animalisch-biologische Zusammenhänge einordnen lässt.

    Im Zusammenhang mit der Kindstötung gefällt mir die rein heterosexuelle Sichtweise nicht. Außerdem leben wir in einer Welt in der jährlich mehrere millionen Mädchen und Jungen Opfer sexuellen Mißbrauchs werden. Da erscheint die Argumentation mit den Prostituierten doch etwas heterosexuell-biologistisch-fortpflanzungstheoretisch-idealistisch. Ohne Normensystem würden sich viele Menschen wahrscheinlich an allem möglichen befriedigen (Viele tun es auch heute schon; trotz PartnerIn).

    Den Zusammenhang zwischen Gewalt in Fußballstadien und Hormonstaus würde ich doch eher durch eine Verbindung von selbst erfahrener Gewalt, Gruppenzugehörigkeit, Perspektivlosigkeit, Faschismus und Alkohol ersetzen.
    Außerdem sollte man nicht vergessen, dass es unter “primitiven” Verhältnissen mit Sicherheit mehr gewalttätige Frauen gibt, als es unter “gesitteten” Verhältnissen gewalttätige Männer gibt. Insofern ist es keine Frage des Geschlechts sonder der Kultivation und Erziehung, ob Menschen mehr oder weniger aggressiv sind. Außerdem gibt es eine menge Männer, die jahrelang keinen Sex mit Frauen haben und trotzdem nicht aggressiv und gewalttätig werden.

    Sex spielt im Rahmen der Gendertheorie mit sicherheit eine Rolle. Aber eine weitaus unkonventionellere als es es hier angeklungen ist. Bei der Fortpflanzung sehe ich das nich so. Sieht man sich die Debatte um “Zeugungsverweigerer” und “kinderlose” Frauen an, dann scheint die Biologie gegenüber persönlichen, kulturellen Voraussetzungen doch eine untergeordnete Rolle zu spielen. Genauso bei Menschen, die Kinder in ihre Lebensplanung mit einbeziehen. Dabei wird meist ein günstiger Zeitpunkt abgewartet (außerdem würde heute niemand auf die Idee kommen, ein Mädchen sollte mit dem Beginn ihrer Fruchtbarkeit ein Kind bekommen bzw. ein Junge eines zeugen). Männer, wie Frauen legen dabei Wert auf eine verlässliche Partnerschaft. Irgendwann stellt sich die Frage nach Kindern; oder eben nicht. Es kann also nicht davon gesprochen werden, dass hier ein biologisch kaum zu bändigender Drang bestünde. Wenn es einen Drang gäbe, würde ich ihn doch eher in Kategorien wie “persönliche Erfüllung” und “Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod” einordnen. Die Tatsache, dass sich soewtas wie Kultur entwickelt hat, bedeutet, dass sich soetwas wie der Mensch entwickelt hat. Ohne Kultur und Gesellschaftsverträge (Trotz biologischer (kräftemäßiger) Ungleichheiten) säßen wir nämlich heute immernoch auf den Bäumen. Die Frage ist doch, was das Leben lebenswert macht, wie die Menschen leben wollen. – Sicherlich nicht im Krieg und sicherlich nicht in der Unterdrückung. – unabhängig davon ob sie in einer “Muskelwirtschaft” oder einer Wissens- und Industriegesellschaft leben.

    Interessant finde ich im Zusammenhang mit emotionlaer Bindung auch den kürzlich gefassten Beschluss hoher arabischer Geistlicher gegen Genitalverstümmlung muslimischer Mädchen. Viele der Männer, die diese Praxis zum ersten Mal auf Video gezeigt bekamen waren schockiert und erschüttert, was ihren “Töchtern” durch einen solchen Brauch angetan wird. Ohne diesen Beschluss zu hoch zu bewerten, finde ich es doch bemerkenswert, dass in einer Kultur, die von der Kontrolle weiblicher Sexualität geleitet wird, das Mitleid mit den menschlichen Wesen an dieser Stelle so viel galt, dass ein Macht- und Kontrollinstrument aufgegeben wurde.

  21. maan, sorry, bin noch nicht zu einer Antwort gekommen – kommt aber noch.

  22. Hallo Maan,

    Ich denke, von einem “muskulär schwachen Geschlecht” kann man nur dann sprechen, wenn man von Idealtypen der Geschlechter ausgeht. Ich würde mich vielleicht darauf einlassen anzuerkennen, dass man die Menschen (abgeschwächt idealtypisch) in eine eher kleinere und schwächere Gruppe und in eine eher größere und stärkere Gruppe teilen kann. Ich gestehe auch zu, dass der Anteil der weiblichen Menschen an der ersten Gruppe größer ist als der der männlichen. Aber Representanten beider Geschlechter befinden sich auf beiden Seiten. (Unter Yahoo!Deutschland kann man sich übrigens nette Bilder von Bodybuilderinnen ansehen ;-))

    Also visuell ist das dann eher nicht so mein Ding ;). Ja klar, Regina Halmich könnte mich so wie Stefan Raab krankenhausreif prügeln. Aber ob nun als Idealtyp oder als statistischer Durchschnitt, ich denke, uns ist beiden klar, daß es, bei aller Individualität, diese von der geschlechtlichen Biologie determinierten Unterschiede gibt. Nicht umsonst wollen ja auch (wie der Spiegel vor ein paar Wochen berichtete) junge transsexuelle (biologisch männliche) Teenager *vor* der Pubertät mit Hormonspritzen behandelt werden, denn danach haben eben im Allgemeinen breitere Schultern. Wenn auch nicht so breit wie die von Regina Halmich, die allerdings in ihrer Referenzgruppe gegenüber Mike Tyson auch nicht besonders chancenreich wäre…

    Die Sache mit den Tieren ist natürlich immer eine ganz gefährliche. Es ist schon irgendwie fragwürdig, sich eine (möglicherweise oft bestätigte)Theorie herauszugreifen, um diese anschließend auf eine völlig andere Spezies anzuwenden. Es gibt im Tierreich schließlich so viele unterschiedliche Lebensformen, dass es ja an sich schon schwer fällt alle in menschliche Kategorien zu pressen. Bei den Löwen jagen hauptsächlich die Weibchen, männliche Frösche sind wesentlich kleiner als ihre Partnerinnen, Kaiserpinguinmännchen brüten die Eier aus, Krähenpaare bleiben ihr Leben lang zusammen, andere Tiere begegnen sich nur ein Mal in ihrem Leben (zur Paarung), Bonoboweibchen haben Lesbensex. – Es gibt eine Vielzahl von Tieren, die nicht um die Befruchtung kämpfen.

    Das ist völlig richtig. Man sollte angesichts der im Tierreich vorhandenen Vielfalt nicht einfach beliebig Beispiele herausgreifen, das kann nur nach hinten losgehen. Aber gut gewählte Beispiele sind vermutlich nicht selten aussagekräftiger als der größte Teil hilfloser Vorwürfe an eine vermeintlich diskriminierende kulturelle Realität. Der wesentliche Punkt ist, daß die bei der Arterhaltung knappe Ressource immer die einflußreichste ist: Beim Menschen ist das eben die weibliche Eizelle. Welchen Einfluß diese Gleichung zum Beispiel auf die Entwicklung patriarchaler Gesellschaften hatte (vielleicht noch hat) ist etwas, das für mich zum Kern jeder Gendertheorie gehören müßte, was in dieser aber meines Erachtens aus vor allem ideengeschichtlichen und ideologischen Gründen (we’re biased…) nicht passiert.

    Im Zusammenhang mit der sozialen institutionellen Kontrolle weiblicher Sexualität gefällt mir das Menschenbild ganz und garnicht. Jeder zivilisierte Mensch, der sich auf eine Partnerschaft einlässt, wird seine eigenen Wertvorstellungen und Vorstellungen von einer Paarbeziehung mit denen des anderen abgleichen und nach einiger Zeit feststellen, ob es passt oder nicht. – Seitensprünge und Kuckuckskinder kommen sicherlich aus individuell vollkommen unterschiedlichen Motiven zustande und sind eine traurige und manchmal wohl auch tragische Angelegenheit für eine Beziehung. Ich verwahre mich aber gegen das Bild von den bösen, bösen Frauen, die den “Männchen” in jedem Fall ein fremdes Kind unterjubeln würden. – Das wird der emotionalen Bindung, die Paaren, die sich aus freien Stücken gebildet haben, zu unterstellen ist, kaum gerecht.

    Es geht dabei ja nicht darum, irgendwem irgendwas zu unterstellen, sondern um statistische, nicht individuelle Realität. Und derzufolge soll, wenn ich mich richtig erinnere, jedes 7. bis 10. Kind nicht vom rechtlichen Vater stammen. Wenn auch sicher nicht jedes Fremdgehen auf biologische Faktoren zurückgeht, scheinen die diesebzüglichen verhaltensbiologischen Ergebnisse recht schlüssig zu sein: Frauen, die sich “genetisch rational” verhalten, sollte man aber genausowenig “Bosheit” unterstellen wie man sie den Männern unterstellen sollte, die mit diesen Frauen schlafen – oder den in Abwesenheit von technischer Überprüfbarkeit historisch entstandenen sozialen “Kontrollstrukturen”. Die Möglichkeit effizienterer Kontrolle wird unser aller Verhalten sicher über kurz oder – vermutlich eher – lang beeinflussen. Die institutionelle Kontrolle weiblicher Sexualität ist damit glücklicherweise “in unseren Breiten” sicher im wesentlichen historisch.

    Im Zusammenhang mit der Kindstötung gefällt mir die rein heterosexuelle Sichtweise nicht.

    Ich weiß nicht, was das bedeuten soll. Kinder entstehen aus heterosexuellen Beziehungen. Infantizid richtet sich – aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen – vor allem gegen Mädchen. …?

    Außerdem leben wir in einer Welt in der jährlich mehrere millionen Mädchen und Jungen Opfer sexuellen Mißbrauchs werden. Da erscheint die Argumentation mit den Prostituierten doch etwas heterosexuell-biologistisch-fortpflanzungstheoretisch-idealistisch. Ohne Normensystem würden sich viele Menschen wahrscheinlich an allem möglichen befriedigen (Viele tun es auch heute schon; trotz PartnerIn).

    Also, bei allem Einfluß der Kultur, sexuelle Orientierung als ausschließlich kulturell determiniert zu betrachten, ist doch wohl deutlich überholt. Butler, Butler her, die Homosexuellen, die ich kenne, sehen sich nicht als “diskursgeschaffen”. Und es ist auch nicht davon auszugehen, daß der größte Teil des asiatischen männlichen Proletariats in Abwesenheit von Frauen “funktionshomosexuell” wird – “heterosexuell-biologistisch-fortpflanzungstheoretisch-idealistisch.” Was auch immer das sein mag, klingt gut ;) Idealist war ich schon immer…

    Den Zusammenhang zwischen Gewalt in Fußballstadien und Hormonstaus würde ich doch eher durch eine Verbindung von selbst erfahrener Gewalt, Gruppenzugehörigkeit, Perspektivlosigkeit, Faschismus und Alkohol ersetzen.

    Ich denke lediglich, daß man darauf hinweisen sollte, wie das in den letzten Wochen ja auch verstärkt passiert ist, daß Demographie nicht nur eine Renten- oder “Volkserhaltungskomponente” besitzt. Wenn es in den sexuell aktiven Altersklassen in Ostdeutschland zwangsläufig für einen wachsenden Teil der männlichen Bevölkerung zu extremer sexueller Frustration kommt, ist das ein politisch relevantes Thema.

    Monokausalität ist nicht anzunehmen. Aber dieses Problem ist eines, das nicht wahrgenommen wird, und das vor allem deswegen, weil politisches Opfergebahren nicht der klassischen Männerrolle entspricht, die die meisten Frauen auch heute noch als sexuell attraktiv empfinden, politische Aussagen hin und her. Den “Losern” im Osten bleibt also nicht viel mehr als sich zurückzuziehen, denn sich als Opfer zu gerieren wäre für sie individuell genauso wenig hilfreich. H. M. Enzenzberger hat kürzlich einen Diskurs zum Thema “der männlicher Verlierer als treibende Kraft des Politischen” (oder so ähnlich) veranstaltet. Hast Du “Syriana” gesehen? Diese Gastarbeiter in Dubai und Saudi-Arabien haben keine Chance auf Sex oder eine Familie – kein Wunder, daß sich einige unter ihnen für Heilsverprechen erwährmen, die die Massage durch 72 “Huris” beinhalten (auch wenn der Koran wahrscheinlich an der Stelle falsch übersetzt wurde, und es sich nicht um Frauen, sondern um “Trauben” handelt). In Saudi-Arabien gibt es 100 Frauen auf 217 Männer – wie lange wird das wohl gut gehen?

    Der politische Feminismus ignoriert “Sex” auf eigene Gefahr.

    Außerdem gibt es eine menge Männer, die jahrelang keinen Sex mit Frauen haben und trotzdem nicht aggressiv und gewalttätig werden.

    Das mag sein, aber ich glaube nicht, daß sie die Regel sein werden. Tendenziell haben sich extreme gesellschaftliche Testosteronüberhänge in Kriegen niedergeschlagen.

    Sex spielt im Rahmen der Gendertheorie mit sicherheit eine Rolle. Aber eine weitaus unkonventionellere als es es hier angeklungen ist.

    Wo denn? Ernsthaft. Hier gibt gleich einen ganzen Korb voll aktueller feministischer Überblicksliteratur:

    http://plato.stanford.edu/contents.html#f

    Da geht es um analytische Konstrukte, Macht, Opression, Patriarchat, viellleicht noch um einen spezifischen Gerechtigkeitsbegriff, aber das ist letztlich ein geklautes Konzept. Sex taucht nur als vermeintlicher Gegensatz zu “gender” und in der Diskussion um die Vermarktung auf. Ich glaube, es ist ein faires Statement zu sagen, daß “Sex” in der feministischen Theorie lange gar keine Rolle gespielt hat oder aber ausschließlich als Gewaltbegriff vorgekommen ist (Penetration ist Vergewaltigung – Andrea Dworkin). Dazu hat sich notwendiger- und glücklicherweise – eine Gegenbewegung (sex positive feminism) entwickelt; aber aus meiner Sicht gilt immer noch, daß es absurd ist, eine auf Geschlechtlichkeit basierende Theorie der menschlichen Existenz unter geradezu expliziter Ausblendung des wesentlichen geschlechtlichen Unterschieds vorzunehmen – man stelle sich doch nur mal vor, daß es im Jahr 2007 immer noch so ist, daß A. Schwarzer sexuell selbstbewußte Frauen als “neue Weibchen” diffamiert (im Editorial der Emma Jubiläumsausgabe).

    Aber natürlich ist es so, daß die theoretische Einbeziehung von Sex in die Theorie das ganze auf “Macht” basierende Theoriekonstrukt existentiell gefährden würde. Insofern kann das vermutlich nicht von innen kommen. Meine Hoffnung liegt da, ganz ehrlich, beim GenderMainstreaming, wenn wir Jungs erst wirklich kapiert haben, daß man das Dings auch nutzen kann, um ein Playboy Firmenabo für die Herrentoilette anzuschaffen.

    Bei der Fortpflanzung sehe ich das nich so. Sieht man sich die Debatte um “Zeugungsverweigerer” und “kinderlose” Frauen an, dann scheint die Biologie gegenüber persönlichen, kulturellen Voraussetzungen doch eine untergeordnete Rolle zu spielen.

    Ja, das gestehe ich zu – die zunehmende freiwillige Kinderlosigkeit ist nicht unproblematisch für jede mit Fortpflanzung als menschlicher Fundamentalmotivation argumentierende Theorie. Hier wird der Begriff der Freiwilligkeit sicher noch eine entscheidende Rolle spielen. Das wird noch spannend.

    Interessant finde ich im Zusammenhang mit emotionlaer Bindung auch den kürzlich gefassten Beschluss hoher arabischer Geistlicher gegen Genitalverstümmlung muslimischer Mädchen. Viele der Männer, die diese Praxis zum ersten Mal auf Video gezeigt bekamen waren schockiert und erschüttert, was ihren “Töchtern” durch einen solchen Brauch angetan wird. Ohne diesen Beschluss zu hoch zu bewerten, finde ich es doch bemerkenswert, dass in einer Kultur, die von der Kontrolle weiblicher Sexualität geleitet wird, das Mitleid mit den menschlichen Wesen an dieser Stelle so viel galt, dass ein Macht- und Kontrollinstrument aufgegeben wurde.

    Auf jeden Fall ist es ein wichtiger Aufruf.

    Und jetzt mache ich mich auf in den Straßenkampf der Geschlechter (Karneval) ;)

  23. dem Volk aufs Maul schauen zur Frage der Rolle der Frau gefällig? Auf’m tagesschaublog ist die Diskussion um die Rolle der Frau in der Familie wohl der derzeit längste Kommentarthread, den die dort je gesehen haben…

  24. Muss ein erwachsener Mensch wirklich so etwas diskutieren? Ich bin ein Mann und ich muss ebenso wenig all das können, was eine Frau oder sonstirgendein Mann oder ein Esel oder sonst irgendein Geschöpf auf dieser Welt kann.

    Und keine Frau muss sich verbiegen, um das zu können was ich, oder ein anderer Mann, oder eine andere Frau, oder sonst irgendjemand kann. Müsst ihr Deutschen alles gleich-machen wollen, oder dürfen gute Unterschiede bestehen, ohne dass eur Weltbild gleich wackelt … ?

    Auch für den Letzten und die Letzte: Mann und Frau sind verschieden … das ist kein Versehen und kein Manko, das ist von der Schöpfung vorgesehen … Niemand braucht sich deshalb zu streiten oder minder zu fühlen.

  25. @Andreas: Ich werde mich hier sicher nicht auf eine sinnlose Diskussion mit einem Biologisten einlassen, denn alles, was ich zu diesem Thema zu sagen hatte, steht in meinem Post.

  26. Ist es nicht mittlerweile in Deutschland so, dass die Frauen gezwungenermaßen immer mehr den Männerpart übernehmen müssen?
    Ist das nicht einer der Gründe, warum es zu so vielen Scheidungen kommt?

  27. @Friends: Nein und nein.

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