26. Januar 1977
Die wichtigste feministische Zeitschrift in Deutschland feiert heute ihren 30. Geburtstag
Heute vor 30 Jahren erschien die erste Ausgabe der Emma. Die aktuelle Ausgabe hält denn auch Rückblick – aber keineswegs, wie in verschiedenen Medien geschrieben wurde, indem vorwiegend Alice Schwarzer gepriesen wird. Natürlich taucht sie immer wieder auf – Emma ist und war schließlich ihr Projekt. Zugegeben, das Interview mit ihrem Friseur hätte sie sich sparen können. Aber das sind auch nur zwei schwache auf insgesamt gewohnt reflektierten 180 Seiten.
Zudem beschäftigt sich die Ausgabe nicht nur mit Rückblick auf die Themen, die Emma gesetzt und weitergeführt hat, und auf die Frauenbewegung in den letzten 30 Jahren, sondern natürlich auch mit aktuellen Fragen: zum Beispiel mit Politikerinnen-Parodistinnen, der Wiederentdeckung des Biologismus im Geschlechterkampf und dem “Homo-Mahnmal” in Berlin; ein ausführliches Dossier beschäftigt sich mit dem Thema Prostitution. Und Alice Schwarzer blickt in die Zukunft.
Daß es die Emma gibt und geben kann, ist auch heute keine Selbstverständlichkeit. An den Reaktionen auf die erste Ausgabe läßt sich einigermaßen ablesen, daß sie anno 1977 durchaus mit noch mehr Skepsis aufgenommen wurde als heute – auch wenn sie leider viel weniger gelesen wird, als es nötig wäre. Ohne Widerstände aber kam die Emma nicht zustande, und der Mut ihrer Gründerin und der vielen AutorInnen, die seither für sie geschrieben haben, sollte heute einmal hervorgehoben werden, selbst wenn man/frau/mensch nicht mit allen ihren Positionen (ob von innerhalb oder außerhalb der feministischen Meinungsspannbreite) übereinstimmt.
Dieses eine Mal stimmt also, und ich hätte nicht gedacht, daß ich das mal schreiben würde:
Bild hat recht.

Kleiner Fernsehtip: Der ZDF-Dokukanal wiederholt heute einzelne Sendungen aus dem Themenabend von vor einigen Tagen. Und gibt’s die Sendung 30 Jahre Emma – Sind wir emanzipiert genug? gibt es auch als Videostream.
(Foto: aus der aktuellen Emma-Ausgabe)

Das Genderblog bei Facebook
Das Genderblog bei Twitter
Aha, Alice Schwarzer ist also immerhin im Besitz mindestens einer Wahrheit?
Welche wäre das denn genau? Wäre nicht uninteressant, das zu wissen, schließlich ist sie nicht wirklich diskussionswillig, wie ich selbst erfahren habe.
Wer nicht Emma liest, gehört laut dem oben verlinkten Editorial der Jubiläumsausgabe übrigens zum
Clever. Ist das die Wahrheit, die Alice Schwarzer verkündet? Oder ist es war, daß ihre historische Rolle vollkommen überbewertet wird, denn für die anderen zwei Drittel ist
War es schon immer? Oops. Wohl ein Versprecher, denn sie glaubt natürlich an die Bedeutung ihrer Bewegung –
Innerhalb weniger Jahrzehnte? Tut Hybris weh? Mary Wollenstonecraft und Abigail Adams würden wohl widersprechen. Und Fourastié? Was ist mit ihm? Die Korrelation von ökonomischem Erfolg von Frauen und der industriellen Revolution und ihrer Fortentwicklung wird von der Inhaberin jener Wahrheit nur am Rande erwähnt – statt dessen tut sie das, was sie anderen als falsche Abwehrstrategie vorwirft, denn
Oder aber auch das “ewige Patriarchat” als schwarzer Peter für alles, was das eigene Erklärungsmodell nicht zu deuten vermag. Zum Beispiel die Widersprüche in der eigenen Argumentation, die immerhin andeutungsweise eingeräumt werden – da wo der kleine Unterschied eben der relevante bleibt. Eine Argumentation –
- die andeutet, daß es vor Alice Schwarzer und ihrer Version von Feminismus keine wirkliche Partnerschaft zwischen Männern und Frauen gab, ist in etwa so absurd wie so manches “im Patriarchat gibt es keine Liebe”-Statement von Andrea Dworkin.
Vielleicht würde es der neue Mann (die zwei Drittel vermutlich, die, die den Kaiser nicht zurückwollen) sogar tatsächlich strukturell vorziehen
Sogar Diego Maradona hat schließlich mal geweint. Aber Moment, war da noch was? Ach ja,
Aber diese These muß sie auch gegen sich gelten lassen, auch dann, wenn es schwerfällt. Hoffen wir also alle gemeinsam, daß es dieser gute Wunsch ist, auf den sich die Sache mit der Wahrheit bezieht:
Es ist allerdings zu vernuten, daß Alice Schwarzer dann alleine zurückbliebe. Ob das dann im Sinner der Erfinderin ist?