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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

Auch ambitionierte Mütter brauchen Möglichkeiten

 Rochus Wolff   22. Januar 2007
 Elternschaft, Kapitalismus

In Männerdomänen spielen Frauen zwar meist die zweite Geige. Allerdings: Mütter machen dort eher Karriere als Kinderlose.

So schreibt es die Wirtschaftswoche und macht daraus direkt die frohe Botschaft: “Verzicht auf Kinder lohnt sich nicht”. Die im Artikel genannte Studie geht aber anscheinend nicht näher auf die Ursachen des beschriebenen Phänomens ein, die ja nun das eigentlich Interessante wären. Immerhin wird die Autorin Yvonne Haffner mit den Worten zitiert, Karriere machten die Frauen nur, wenn sie nach kurzer Babypause wieder voll einsteigen.

Entscheidend ist für ambitionierte Mütter vor allem: Sie müssen am Ball bleiben, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Nur die Hälfte der Erfolgreichen hat beruflich pausiert, bei 40 Prozent war die Kinderpause kürzer als sechs Monate.

Und das macht alle anderen genannten möglichen Gründe – Mütter verlören die kühle Aura einer Karrierefrau und seien deshalb weniger gefürchtet, sie seien organisierter und bodenständiger (was ich aus eigener Erfahrung, und auch für Väter, vielleicht auch noch durchgehen ließe) und all dergleichen – schon ziemlich klein und unwichtig. Denn erstmal muß man ja in seinem Beruf bleiben, wenn man dort “Karriere” machen will – und da legen einer und einem fehlende Betreuungsmöglichkeiten und das gesellschaftliche Raunen von der ach so schädlichen Fremdbetreuung für Kleinkinder schon so einige Steine in den Weg. Und natürlich die Geschlechterrollen:

Nur vier Prozent der befragten Mütter können die Kinderbetreuung an den Partner delegieren.

Leider hat niemand die Männer gefragt, warum denn die Mütter nicht können – womöglich, weil sie nicht wollen? Nur etwa fünf Prozent aller Väter nahmen zuletzt Elternzeit, und man wird sehen, ob und wie sich dies mit dem Elterngeld verschiebt.

Keineswegs zu verachten sind für Eltern generell die im Artikel nur angedeuteten Hindernisse durch elternunfreundliche Arbeitszeiten und Termine: Regelmäßige berufliche Abendsitzungen können dann rasch zu einem echten Problem werden.

Aber muß es überhaupt “Karriere” sein? Das wäre ja noch eine ganz andere Frage. Ob es nämlich nicht vielleicht schöner sein könnte, wenn Eltern generell ihr Leben mit Kind(ern), Erziehung und Berufstätigkeit unter einen Hut bringen könnten. Wenn der “Lebensmittelpunkt”, wie es so schön heißt, also wirklich unbedingt die Arbeit und nur die Arbeit sein muß.

(via)

 
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