Keine Appeasement-Politik!
Demnächst auch auf der Leinwand: Die Abgründe der biologistischen Vereinfachung
Muß das wirklich, wirklich sein? Kann, ja, darf das wahr sein? Einer von Constantin Film heute verbreiteten Pressemitteilung (PDF) entnehme ich, daß ich am 6. Dezember 2007 womöglich mit schwereren Zuckungen und Krämpfen im Bauchraum zu kämpfen haben werde. Denn, und das ist jetzt leider kein Scherz, die Bücher von Allan und Barbara Pease werden verfilmt.
Natürlich werden wir nicht auf Spielfilmlänge mit albernen Tests zur Gehirngeschlechtsbestimmung beworfen werden – die Leute von Constantin sind ja nicht völlig doof. Stattdessen wird eine “Romantische Komödie” produziert, besetzt mit den für dieses Genre einigermaßen verläßlichen Publikumsmagneten unter den deutschen SchauspielerInnen (Jessica Schwarz, Detlef Buck, Benno Fürmann, Annika Kuhl), Leander Haußmann wurde als Regisseur engagiert (der, immerhin, vielleicht hoffen läßt, daß der Film ein wenig komplexer werden könnte als die Bücher) und leider als Sprecher auch noch Mario Barth.
Und nennt das Ganze, natürlich, Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken können. Das wird schlimm, ich sag’s Euch, ganz schlimm:
Das Drehbuch zu dieser charmanten und augenzwinkernd ‚lehrreichen’ Komödie basiert auf den beiden Bestsellern ‚Warum Männer lügen und Frauen immer Schuhe kaufen’ sowie ‚Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken’ von Allan und Barbara Pease (erschienen bei Ullstein/Econ). Mit einer verkauften Gesamtauflage von rund 10 Mio. Exemplaren weltweit (davon allein 4 Millionen in deutscher Sprache!) gehören die Bücher von Allan und Barbara Pease zu den meistverkauften Publikationen dieses Genres. Interessante Erkenntnisse der Hirn- und Evolutionsforschung fließen locker und mit viel Witz in die Haupthandlung ein. Während eine romantische Komödie abläuft, entschlüsseln sich nebenbei verblüffende Erkenntnisse über die Unvereinbarkeit von Mann und Frau. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden dabei von Comedysuperstar Mario Barth als Erzähler auf trockene Weise kommentiert.
Wer sich schon immer gefragt hat Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken können wird in diesem ‚Aufklärungs-Film’ über die ganz und gar nicht unerheblichen Unterschiede zwischen Mann und Frau die ein oder andere Antwort finden!
Als Gegenmittel schlage ich vorerst dieses Buch und, ein wenig kürzer und schneller erreichbar, diesen Text vor, zur rechtzeitigen Immunisierung. Mir ist jetzt schon schlecht.
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Wie ja schon ein paar Mal erwähnt, finde ich, daß der Artikel zu einseitig auf die kulturelle Schaffung biologischer Unterschiede abhebt. Klar, daß es in der “weichen” Soziologie gut ankommt, wenn die “harte” Neurophysiologie die Sinnhaftigkeit ihres Forschungsgebietes unterstreicht. Daß das so auch nicht ist, wird denn auch in anderen Artikeln zu diesem Thema deutlich. Aber alle zerebrale Plastizität hilft nicht weiter, wenn es um die Frage geht, was und wie “nature” und “nurture” zusammenwirken, vor allem da gerade in dem Bereich, in dem das Geschlecht der zwar kleine aber feine Unterschied ist, bei der Partnerwahl nämlich, sind die biologisch geprägten Unterschiede am klarsten und daher wohl auch am kulturell bedutsamsten. Will sagen: Frauen können vielleicht richtig einparken lernen, oder zumindest weitgehend – da scheinen die Unterschiede in der Neurobiologie begrenzt zu sein. Aber für jemanden, der nicht gerade im Risikomanagement von Versicherungen arbeitet, ist das ja wohl ein eher nachgeordneter Punkt. In den Bereichen, die die Frau zur Frau und den Mann zum Mann machen, sind die biologischen Imperative offenbar auch neurophysiologisch deutlich sichtbar.
Im aktuellen Spiegel ist übrigens auch ein Artikel (“Mädchen im Jungenkörper”, S. 140, noch nicht online) über transsexuelle Jugendliche und die sich verändernde Herangehensweise der an diesen Fällen beteiligten Mediziner und Psychologen, der trotz nach wie vor bestehender Ungewissheit im Hinblick auf das genaue Zusammenwirken von biologischer und kultureller Prägung, der Biologie eine wichtigere Rolle zuweist, als das lange der Fall war.
Wo stehst Du denn genau in der nature und nurture Diskussion?
… wg. fehlender Bearbeitungs-Funktion: Im dritten Satz meines obigen Kommentars soll es heißen – “Da das so auch nicht *GANZ RICHTIG* ist…”
Gegen eine administrative Korrektur und anschließende Löschung dieses Kommentars habe ich überhaupt nichts. Im Gegenteil ;).
Schlechte Filme, gute Artikel…
Erstmal zu den schlechten Filmen: Constantin Film will laut dieser PM die unglaublich tollen und wahnsinnig empfehlenswerten Allan und Barbara Pease Bücher (übertroffen höchstens noch von Eva Herrmann) als “romatische Komödie” verfilmen…