Gewalt, Erpressung, Kohle?
Leider hatte ich diese Woche keine Zeit, mir die hier schon erwähnte ARD-Living-History-Reihe “Bräuteschule 1958″ anzusehen und mir ein eigenes Urteil zu bilden. Folgt man aber Hermann Unterstögers Darlegung in der heutigen Süddeutschen Zeitung, dann habe ich, zumindest was historische Akkuratesse angeht, nicht viel verpaßt:
[E]inige haben in der Verwandtschaft Leute, die in den Fünfzigern eine Haushaltungsschule absolvierten und an Eides Statt versichern, dass beispielsweise der Kochunterricht völlig anders verlief als im Ersten.
Unterstöger sieht die Zufriedenheit der Welt mit dem Projekt wenig gerechtfertigt, aber auch den Alarmismus in Silke Burmesters Text für die taz, in dem sie geschrieben hatte:
[Es erschrickt], mit welcher Leidenschaft Antje Limbrock in ihrer Rolle als Oberlehrerin aufgeht. [... Sie scheint] die ihr gegebene Macht in vollen Zügen zu genießen. Ohne Wärme oder Nähe entstehen zu lassen, lebt sie diese subtil an den jungen Frauen aus. Stellvertretend für die Millionen Deutschen, die Teil der Naziherrschaft waren, ohne die die Maschinerie des erhabenen, andere vernichtenden Menschen nicht funktioniert hätte, beantwortet sie die ewige Frage, wie Nazideutschland möglich war.
Hat jemand von Euch die Serie verfolgt? Was denkt Ihr davon?
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Ach so, die Überschrift bezieht sich auf einen Text im Artikel in der SZ, wo es heißt:
Hm, also den Vergleich mit Nazudeutschland … scheint mir sehr stereotyp. Alles, was in Deutschland mit Machtmißbrauch in autoritärer Form zu tun hat, wird leicht als Nazitum betrachtet (siehe entsprechenden Artikel in “Die Welt” vom 12.1.07). Wäre dies eine amerikanische Sendung, hätte sie den Vergleich vermutlich nicht gebracht.
Ich habe mir die Sendung nicht angesehen, habe selbst auch keinen Fernseher *wozu auch*. Aber es ist doch klar, dass diese Sendung polarisiert, das ist ja auch der Sinn. Alles was polarisiert, wird Gesprächsstoff, bringt Zuschauerzahlen.
Ich stimme Janna zu.
Der Vergleich mit Nazideutschland ist absolut überzogen und diffamierend. Lächerlich.
ich glaube, janna und johannes lesen völlig fehl:
“… wie nazideutschland möglich war.” steht da. dass sie den sog. “vergleich” (welcher definitiv keiner ist!) bei einer amer. sendung nicht gebracht hätte, liegt nahe. und ist schade, denn sie will das ausdrücken, was diese (alle) menschen so anfällig für autoritäre systeme (in allen konsequenzen natürlich) macht. wer “nazideutschland” nicht psychologisch betrachten will und diesen fakt, der von silke burmester implizit eingeworfen wurde, ignoriert, ist m.e. ebenso anfällig für autoritäre systeme (in allen konsequenzen natürlich). vom kartenabreisser im kino bis zum kz-aufseher (verzeihung, aber das musste sein)
@ Tee: Ich glaube, ich habe den Text schon richtig verstanden. Mich stört hier einfach, dass sie wieder auf Nazideutschland eingeht. Warum zieht sie nicht ein anderes System heran? Ich denke auch nicht, dass ich mich vor der Betrachtung Nazideutschlands drücke. Falls Du den Film ads Experiment gesehen hast oder Dich mit dem tatsächlichen Experiment auseinandergesetzt haben solltest, weißt Du ja, dass andere auch schon über Macht(-verhältnisse) wissenschaftlich (!) geforscht haben.
@tee:
[auch wenn ich hiermit keinen Beitrag zur Diskussion direkt liefern kann, würde ich dafür pladieren von "KartenabreisserIn" und "KZ-AufseherIn" zu sprechen (es geht um das I, nicht um die Anführungszeichen)] wenn schon, denn schon…
japp janna, hab davon gehört. das stanford-prison-experiment sicherlich. ich finde es ganz natürlich zur verdeutlichung einfach den “superlativ” zu benutzen. und das ist hier implizit und auch sonst oft und zurecht die shoah. gab es denn schon vorher experimente und forschungen in diesem umfang? sicher nein. im nationalsozialismus wurde eine neue qualität erreicht (auch wenn viele das mit der technik begründen), die autorität in einem noch “schlimmeren” licht erscheinen lässt. ausserdem bezieht sie sich konkret auf die sog. “ewige frage”, welche durchaus existent ist und in anderen autoritären systemen so nicht gestellt werden kann. (zumal das meist auch noch diktaturen sind)
ach steff_, da vergess ich’s einmal …
aber vom-bis schliesst die sog. weiblichen personen doch nicht aus oder? ausserdem mag ich …/in lieber, hehe. und 2tes ausserdem: wie hätte ich das denn schreiben sollen: “von dem/der kartenabreisser/in im kino bis zu dem/der kz-aufseher/in”? da hab ich intuitiv den einfachen weg gewählt. aber kommt nicht mehr vor frau/herr genderwächter/in!
bekackte binäre geschlechterkategorien!