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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

Die Faust des Feminismus

 Rochus Wolff   11. Januar 2007
 Feminismus, Interna

Mitte Dezember habe ich hier unser neues Logo präsentiert, ohne näher auf das Symbol einzugehen, das wir dafür verarbeitet haben (und in anderer Form auch vorher schon benutzt hatten). Die “Faust des Feminismus”, die “feminist fist”, die noch den frühen Jahren des “Second Wave Feminism” entstammt.

Genauer stammt das Symbol aus dem Jahr 1969 und entstand anläßlich der Proteste gegen den Miss America-Schönheitswettbewerb in diesem Jahr. Oder, wie Jo Freeman schreibt:

The feminist button depicting a clenched fist inside the biological female symbol debuted at the 1969 protest. It quickly spread to become the women’s liberation trademark. As originally designed, it was “menstrual red” on white, though it morphed into many colors and styles over the next few decades.

Die “Faust” war nicht das erste Symbol, das sich die feministische Bewegung gab, ist aber wahrscheinlich eines der einflußreichsten und inzwischen bekanntesten Zeichen, die mit dem Feminismus und der Frauenbewegung assoziiert werden (eben “the women’s liberation trademark”).

Der ursprüngliche Entwurf für die Faust stammt von der US-amerikanischen Feministin Robin Morgan, die als Kind Model, Radiomoderatorin und Schauspielerin gewesen war, später aber als Autorin und Aktivistin bekannt wurde.

Wie wiederum Jo Freeman anmerkt, gab es schon sehr bald unterschiedliche Versionen und Fassungen des Buttons:

The original version was a dark red on a white background. It has undergone some regional changes — Boston’s button is outlined, Chicago’s has narrow lines, New Haven’s fist crashes through the top of the female symbol — but the basic design is the same.

Die Faust des FeminismusFür das Genderblog wurde die Farbe Lila als bewußter Verweis darauf gewählt, daß sie in Deutschland gewissermaßen als “Farbe des Feminismus” gilt. Daß das Rot der Originalversion dabei als “menstrual red”, als “Menstruationsrot” bezeichnet wurde, war kein Zufall. Wer hier allerdings jene Variante des Feminismus am Werke sieht, die sich gerne auf die “Natürlichkeit” der Frau bezieht, liegt wohl sehr, sehr falsch, wenn man z.B. Morgans Mitgliedschaft bei W.I.T.C.H. bedenkt.

Die Entscheidung war eher eine, die die Appropriation der Bewegung und ihrer Symbole wie Farben durch – bei einem Schönheitswettbewerb nicht unwahrscheinlich – Kosmetikfirmen und andere Unternehmen verhindern sollte:

Ever conscious that major corporations like to co-opt incipient protest movements, she [Robin Morgan] imagined that the cosmetic firm sponsoring the pageant might respond by manufacturing a matching lipstick named “Liberation Red.” Therefore, if we were asked about the button, we were instructed to reply that the color was “Menstrual Red.” No one would name a lipstick that.

Wir danken Robin Morgan für Ihre Erlaubnis, das von ihr entworfene Symbol (hier in der von Mariano Procopio gestalteten Fassung) hier verwenden zu dürfen.

 
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3 Kommentare

(RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel)

  1. Was mich mal interessieren würde, ist, inwieweit ein solches Logo angesichts seines Ursprungs als ideologische Aussage verstanden werden soll oder als (vielleicht sogar leicht ironischer) Kommentar zur Entwicklungsgeschichte des Feminismus. Angesichts des akademischen Hintergrunds der Autoren und des Mission Statements – “Im Genderblog soll Platz für unterschiedliche Meinungen und Interessen sein..” – veranlaßt das Logo mich auf jeder Seite erneut zur Frage: “Steht hier Erkenntnisinteresse oder Interessenpolitik im Vordergrund?” Wie ist das?

  2. Für ideologisch (oder gar ideologisch verbohrt) halte ich uns hier ja eigentlich nicht; dennoch soll das Logo (zumindest verstehe ich es so) natürlich eine politische Positionierung und Parteinahme signalisieren. Nein, wir sind hier nicht politisch neutral. Wir vertreten feministische Positionen. Eben im Plural: Denn was das genau ist, feministisch, das kann nicht eineR allein definieren oder festlegen. Und in den Kommentaren, so sie nicht feindselig und/oder deutlich sexistisch sind, dürfen hier auch gerne abweichende Meinungen vertreten werden. Bitte sehr gerne, sogar.

    Ich glaube auch nicht, daß sich Erkenntnisinteresse und Interessenpolitik gegenseitig ausschließen. Die feministische Forschung (auch die inzwischen gern verpönte “Frauenforschung”) hat, finde ich, dafür doch genug Gegenbeispiele geliefert.

  3. Eure Selbstbeschreibung steht allerdings etwas im Konflikt mit dem Logo: “Das Genderblog ist das erste kollaborative Weblog zu Frauen- und Geschlechterforschung, Feminismus und Geschlechterpolitik im deutschsprachigen Raum.” Besser, unmissverständlicher und “Geschlecht” nicht immer noch als zwingend feministischer Sichtweise unterworfener Forschungsgegenstand darstellend wäre: “Das Genderblog ist das erste f e m i n i s t i s c h e kollaborative Weblog zu Frauen- und Geschlechterforschung und Geschlechterpolitik im deutschsprachigen Raum.” oder eben kein solches Logo, wenn Ihr’s halbwegs ernst oder ehrlich meint ;-|

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