Die schöne Landrätin
Es hilft nichts, wir müssen noch einmal auf die Angelegenheiten von Herrn Stoiber und Frau Pauli zurückkommen. Die älteren unter uns werden sich erinnern: Bevor es vor allem darum ging, Herrn Stoiber evtl. einer/m Gegenkandidaten/in auszusetzen, war zumindest der formale Anlaß für all das Geschrei der Vorwurf, Stoiber lasse seine Kritikerin und vor allem ihr Privatleben ausforschen. Und weil es dabei natürlich um vielleicht Anzügliches ging, ist die “Spitzelaffäre” der anderen Medien der Bild-Zeitung eine Sex-Spitzelaffäre.
Um den Sexappeal aber noch ein bißchen anzuheben (bzw. immer wieder behaupten zu können), pappt das Fachblatt für Bigotterie und Sexismus, das Bildblog wies jetzt darauf hin, der promovierten Diplom-Kauffrau allerhand Adjektive an, mit denen sie Herrn Doktor Stoiber sicher nicht belästigen, pardon, beschmieren würde: “schön” ist sie immerzu, und “attraktiv”.
Nun kann man das als Geschmacksurteil irgendwie hinnehmen und vielleicht sogar okay, gar schmeichelhaft finden; man kann auch darauf verweisen, daß Pauli in ihrer Heimatstadt vom Volksmund auch gerne “Die schöne Gabriele” genannt wird, wie mir aus für gewöhnlich gut unterrichteter Quelle zugetragen wurde.
Aber Bild ist nicht der Volksmund, sondern ein hochpolitisches, immer noch auflagenstarkes Medium; und so wird das immerfort angeklebte “schön” zu einem wichtigen Merkmal hochgebrabbelt, als ginge es hier nicht viel mehr um ernsthafte Fragen von Privatsphäre und inzwischen Wahlrecht und Volkssouveränität (wie man am Sonntag bei Sabine Christiansen hören konnte). Mehr noch, die Zeitung suggeriert hier fröhlich (und, zugegeben, sehr implizit), an dieser Sache mit dem “Sex” (von dem man jetzt immer so viel liest) könne vielleicht doch etwas dran sein…
(Und ja doch, hier trudeln seit einigen Tagen immer wieder Suchanfragen ein von Menschen, die über Google nach “gabriele pauli sex” suchen.)
Bis sich dann unser Spezialist für komplexe Meinungen einmischt, Franz Josef Wagner himself, der dann am Montag tönte:
Liebe schöne Landrätin Gabriele Pauli,
[...] Sie sind voyeuristisch eine Badezimmerspiegel-Schönheit, politisch sind Sie eine Bombe. Äußerlich sexy. Ihre Fingernägel sind french manikürt, weiß an den Spitzen.
Ihr rotes Haar ist wie eine Flamme. Ein Foto zeigt Sie in Lederkleidung auf Ihrem schweren Ducati-Motorrad. Sie sind zweimal geschieden, Sie haben eine 19-jährige Tochter, und Sie sehen aus wie ein Kracher. [...]
Herzlichst
Ihr F. J. Wagner
Natürlich sind in diesem Ausschnitt alle, wie auch immer vagen Anspielungen Wagners auf Paulis politische Tätigkeit ausgelassen – es sind aber nicht so lange Abschnitte, und auf Gründe und Hintergründe der ganzen Geschichte geht der Chefkolumnist sowieso nicht ein. Nein, für ihn ermöglicht Pauli nur eine weitere Phantasie, über die er öffentlich Herumspeicheln kann.
Und was es bedeuten soll, “voyeuristisch” eine “Badezimmerspiegel-Schönheit” zu sein, das würde ich mir doch gerne von sprachbegabteren LeserInnen noch erklären lassen.
***
Das Photo, von dem Wagner spricht, findet sich übrigens prominent auf Paulis Weblog. Nur daß man nicht denken muß, hier sei Recherche im Spiel gewesen. (via)
(Bild: Screenshot bild.de)
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[...] wurde entlassen, nachdem pikante Nachforschungen der Staatskanzlei über die schöne, schöne Landrätin bekannt geworden [...]