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Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

Weil Sexpuppen so geil sind (und Paris Hilton?)

 Rochus Wolff   4. Januar 2007
 Medien, Sexismus

Liebe Welt-Redaktion,

daß Ihr Paris Hilton doof und dumm findet, das geht ja noch an, das ist in sich als gebildet verstehenden Kreisen so en vogue, selbst wenn die Frau selten wirklich etwas sagt – das macht so ein Urteil eigentlich schwierig. Daß Ihr es womöglich degoutant findet, wie Hilton mit ihrem Aussehen und ihrer Sexualität Aufsehen und womöglich auch Geld erlangt, mag auch noch angehen. All das schreibt Ihr in Eurem neuen Artikel schon in den Teaser:

Eigentlich ist Paris Hilton alles andere als prüde und obendrein äußerst geschäftstüchtig. Die junge Dame war sich nicht zu schade, den Gewinn aus dem Verkauf ihres inoffiziellen Sex-Videos „One Night in Paris“ von ihrem Ex-Lover vor Gericht einzufordern.

Und dann kommt der Satz:

Das Angebot eines Sexartikel-Herstellers schlug sie aber nun überraschend aus.

Überraschend? ÜBERRASCHEND? Habt Ihr noch alle Neuronen unterm Hütchen?

Es ging, man kann es ja bei Euch lesen, um das „Angebot“, Vorbild und Modell für ein Gummipuppe Modell zu sein, die dann als Sexspielzeug verkauft wurde. Das abzulehnen findet Ihr überraschend? Womöglich, weil Frau Hilton gelegentlich ohne Unterhose aus dem Haus geht oder ein privates Video erstellt hat? Weil sie es gewagt hat, vom schmutzigen gebackenen Kuchen auch ihren Teil einzufordern? Womöglich, weil ja alle Frauen, die sich so kleiden und geben, irgendwie Sexspielzeuge sind?

Denkt nochmal drüber nach. Bitte. Ihr seid doch sonst nicht so dumm.

 
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8 Kommentare

(RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel)

  1. [...] Abt. für Medien Haben die drüben bei der Welt eigentlich heute Hirn und Herz ausgeschaltet? Nebenstehendes Detailwissen (gefunden hier; kann man das verpermalinken?) als “Wissen, das die Welt nicht braucht” zu qualifizieren, disqualifiziert. (Muß ich erklären, warum?) Anders: Wissen, das die Welt nicht braucht, ist zum Beispiel die präzise Chargennummer der Packung jenes Mittelchens, mit dem Sascha Lobo sich zuletzt die Haare auf Rot geschmiert hat (keine Ahnung). Oder warum ich heute morgen um präzise sieben Uhr achtunddreißig schon wach war (Rittersyndrom). Das meiste andere Wissen braucht die Welt. Die Welt braucht sie wohl nicht. Themen: die weltmedienwissen [...]

  2. Sorry, aber die WELT ist doch auch sonst nicht klug. Furchtbares Blatt.

  3. Schon. (Sieht man von der Literarischen Welt ab, die ist manchmal sehr gut.) Aber furchtbar und herabwürdigend-sexistisch sind eigentlich immer noch zwei unterschiedliche Dinge, auch wenn sie sich gerne vergeschwistern zu solcherlei Grauen.

  4. überraschend? Überraschend? Überraschend finde ich vor allem diese doch etwas harte Reaktion auf die Meldung (von AFP)…

    Angesichts der Tatsache daß Miss Hilton ihre Sexualität überaus gewinnbringend vermarktet, mag die Ablehnung eines solchen Angebots den ein oder anderen schon überraschen – wenn sie sich meines Erachtens auch aus den (nicht explizierten) Details des Angebots des Puppenherstellers erklärt: Bei einem Preis von USD 50.000 pro Puppe kann es sich eigentlich nur um eine speziell angefertige sog. “RealDoll” handeln (Realdoll.com) – und nicht um ein Latexmodell aus dem Erotikdiscounter am Hauptbahnhof. Mein Gefühl sagt mir, daß Miss Hilton im Wissen um das Funktionieren der Medienwelt und den fehlenden Realitätsbezug des Gegenstands mit Letzterem Vorschlag weniger Probleme gehabt hätte als mit dem offensichtlich an sie herangetragenen, zum realistischen Luxusfetisch einiger weniger zu werden – denn das ist zwangsläufig viel persönlicher.

    Daher ist meines Erachtens auch der letzte Satz des Beitrags etwas deplaziert – es geht nicht um alle Frauen. Vorsicht bei solchen Generalisierungen ;).

  5. Doch, da generalisiere ich gerne und fröhlich – die Person Paris Hilton spielt hier letzten Endes eh keine Rolle, allenfalls ihr mediales Image, und eben: ihr Geschlecht. Hätte eben jener Mann, der das genannte Video auf den Markt warf (ohne ihre Einwilligung, soweit man weiß), ein ebensolches Angebot abgelehnt, das wäre, da möchte ich was drauf wetten, nicht als “überraschend” vermerkt worden.

    Und daß sich irgendjemand gerne als Sexspielzeug abgebildet sähe, wie realistisch und exklusiv auch immer, sollte man jedenfalls aus der Ferne nicht leichtfertig annehmen. Und wenn dann Paris Hilton selbst mal gefragt wird und antwortet, muß man natürlich nicht alles glauben, was sie sagt, aber zumindest klingt die Frau so doch etwas anders als ihr mediales Image. Gelegentlich sogar ein wenig moralisch.

  6. Hmm, mein Punkt war wohl nicht so klar, wie ich dachte – ich glaube, daß es gerade die Exklusivität und der Realismus des (angenommenen) Angebots war, der ihre Ablehnung hervorgerufen hat. Eine Latexpuppe hat als Serienprodukt eben keinen wirklichen persönlichen Bezug mehr. Da ich nicht glaube, daß sich Miss Hilton plötzlich vom “male gaze” als solchem abschrecken läßt, kann ich mir vorstellen, daß letzteres nicht unakzeptabel für sie gewesen wäre. Da spielt die Person eben schon eine Rolle – genau wie ihr mediales Image und ihr Geschlecht (als logische Voraussetzung von medialem Image und Person).

    Immerhin schafft sie es selbst durch die Ablehnung eines “unmoralischen Angebots” eine vermutlich weltweite Diskussion über ihre Sexualität in Gang zu setzen…

  7. hallo,
    is doch völlig egal ob “Frau” oder “Mann”. Wer ständig in der Öffentlichkeit aufgrund “sexskandalen” präsent ist, wird von medien auf diesem verhalten festgetackert.

    und wegen “sonst nicht so blöd”… das bezweifel ich stark. die “welt” übertrifft sich meiner meinung nach immer wieder in blödsinn.

  8. Sexpuppen als stille Begleiterinnen auf der PubCon 2008…

    Auf der PubCon 2008 in Hannover haben wir, wie in einem anderen Beitrag schon erwähnt, Bekanntschaft mit dem Sexpuppen24-Team gemacht. An diesem Abend war das Thema „Sexpuppe“ in aller Munde. Das Sexpuppen24-Team bezweckte wohl damit, f……

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