Gender Mainstreaming erreicht die Straße
In Wien und Fuenlabrada wird es demnächst zumindest teilweise neue Verkehrsschilder und Piktogramme geben.
Unter dem Slogan “Sehen Sie’s einmal anders” macht die Stadt Wien derzeit Werbung für Gender Mainstreaming:
Aber nicht nur auf den Plakaten sollen neue Piktogramme für Aufmerksamkeit sorgen: Als Vorreiterin wird Wien Hinweis-Schilder und Piktogramme – soweit die Gestaltung der Stadt obliegt – künftig der Alltagsrealität anpassen. So werden etwa öffentliche Wickelplätze künftig auch durch einen wickelnden Mann angezeigt und neben “männlichen Fluchtweg-Schildern” wird es im Rathaus fortan auch Schilder geben, die eine laufende Frau zeigen. Auch die Wiener Linien setzen auf Gender Mainstreaming: Die altbekannten Piktogramme, mit denen Fahrgäste aufgefordert werden, alten und behinderten Menschen oder Personen mit Kleinkind einen Sitzplatz zu überlassen, werden künftig ergänzt.
Und während auch bei entsprechenden Bestrebungen in Spanien die Reaktionen anscheinend überwiegend positiv sind, gibt es natürlich auch eher skeptische Reaktionen.
Zudem kann man natürlich kritisch anmerken, daß eine solche, sehr sichtbare Aktion, dazu geeignet sein mag, tatsächliche Versäumnisse beim Gender Mainstreaming zu verschleiern – und auch wenn Bilderpolitik eine mächtige Waffe sein kann und die gewissermaßen visuelle Gleichberechtigung wichtig und vor allem noch lange nicht erreicht ist, so ist sie gerade bei der Umsetzung des Gender Mainstreaming in Verwaltungen und staatlichen Strukturen ein womöglich eher kleines Problem.

Trotzdem ist es natürlich schön, daß auch in der Wiener Bilderwelt nicht nur Männer alt und nicht nur Frauen mit Kinder unterwegs sind. Aber erst wenn in Wien auf allen öffentlichen Herrentoiletten nicht nur ein höherer Hygienestandard als bisher eingehalten wird, sondern auch Wickeltische aufgestellt werden (von Ikea lernen, FreundInnen, heißt siegen lernen!), dann sind wir vielleicht wirklich einen Schritt weiter.
(Bilder: wien.at)
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In
Naja – wie schon vor ein paar Wochen berichtet…
“werde ich das Gefühl nicht los, daß auch mittels einer solchen Motivwahl die dem Konzept Gender Mainstreaming selbst in der Theorie anhaftende Problematik dargestellt werden sollte. Oder aber die Agentur hat sich sehr subtil über ihren Auftrag lustig gemacht… denn mal ganz ehrlich: Hat schon mal irgendjemand einen weiblichen Bauarbeiter (oops, eine BauarbeiterIn…) gesehen??? Bauingenieurinnen, Architektinnen, klar. Und natürlich Trümmerfrauen. Von 1945-1955 hätte so ein Schild vielleicht gepasst. Aber seitdem?
In einer von fortschreitender Tertiarisierung geprägten Wirtschaft gibt es wenige Bereiche, in denen eine geschlechtliche Arbeitsteilung wohl noch deutliche Effizienzvorteile hat. Handarbeit am Bau gehört zweifellos dazu. Solange Häuser noch nicht von 3D-Druckern gebaut werden, werden weibliche Bauarbeiter wohl annähernd so selten anzutreffen sein, wie männliche (biologische) Mütter…”
Eigenzitat
Hübsch, stimmt aber nicht (PDF).
Daß eine rein männliche Bauwirtschaft “Effizienzvorteile” habe, halte ich doch für ein Gerücht. Ich kenne einige Frauen, die da körperlich locker mithalten könnten (aber vielleicht nicht mit biertrinkenden – wie effizient ist das? – Männermännern zusammenarbeiten wollen), falls Du das meinst.
Und außerdem, wie gesagt, Bilderpolitik ist etwas anderes als reale Gleichstellungspolitik.
(Im Übrigen gehört bei Mann wie Frau ein Helm auf den Kopf. Alles andere ist für BauarbeiterInnen viel zu gefährlich.)
[...] kleiner beitrag zum neuen “gender mainstreaming” in wien und fuenlabrada(kleine stadt auszerhalb von madrid) auf dem genderblog gefunden. auch in berlin wird das thema des schilder-umdesigns diskutiert.. aber sehts euch einfach selbst an -link. [...]
Es gibt sogar “gegenderte” Fluchthinweisschilder.
http://blog.bruysten.com/2007/01/15/gendermania/
Die Diskussion um Strichmännchen ähnelt meiner Meinung nach sehr der Diskussion um die geschlechtergerechte Schreibweise. Meiner Meinung nach geht es dabei auch um die Sichtbarmachung beider Geschlechter, wenn es sein muss heutzutage noch mit dem “Holzhammer”.
Die unteren Aufkleber werden in der Wiener U-Bahn verwendet, und waren mir im letzten Jahr in der “klassischen” Version (oben) schon negativ aufgefallen. Sie sollen nämlich signalisieren, dass man für Frauen mit Kind aufstehen soll und den Platz anbietet. Dass man auch für Männer mit Kind aufsteht, finde ich selbstverständlich und wird hier nur noch einmal visualisiert.
Ich halte übrigens für Frauen und Männer die Tür auf – das ist einfach höflich ;-)
… eben erst gesehen…
Manchmal ist eben auch an Gerüchten etwas dran – ich zitiere aus der von Dir angegebenen Quelle – dem Interview mit der Bauingenieurin:
Klar, deswegen sollte, wer letztere betreibt, darauf achten, daß sie von ersterer nicht lächerlich gemacht wird…
Also, wenn ich mir die ganzen germanischen Hünen ansehe, die so auf den Baustellen rumlaufen, dann ist ja schon klar, warum Frauen da nicht mithalten können ;-) Es ist schon erstaunlich, wie das in der Werbung vermittelte Bild von Frauen als zarten (untergewichtigen) Rehen und Männern als muskelbepackten Helden die Selbstbilder der Geschlechter prägen. Da fällt es garnicht mehr auf, dass ein Großteil der männlichen Menschen ziemlich klein gewachsen und unsportlich ist und dass es Frauen gibt, die 140 kg stemmen können.
Letztens lief bei Phoenix ein Portrait über eine Fernfahrerin. Sie wurde von den männlichen Fernfahrern rausgemobbt, weil diese keine Frau (die sie auch noch attraktiv fanden) zur Kollegin haben wollten. Das will ich ihnen nicht vorwerfen, die Gesellschaft lehrt ihnen dieses Verhalten.
In einer Welt, in der der weibliche Körper als schwach und hilflos (und als der pure Sex (Schonmal eine Baustelle ohne schamlose Pin-Up-Bilder gesehen?)) und der männliche als kraftvoll dargestellt werden, ist es außerdem kein Wunder, dass “die Geschlechter” zu bestimmten Berufen greifen.
Ich finde es gut, wenn die Symbole, die uns im Alltag begegnen die Geschlechtsrollen nicht auch noch zementieren. Allerdings finde ich das geschlechtslose Strich”männchen” noch am geeignetsten.- Strichfräuchen mit Kleidchen und Zöpfchen sind doch recht dämlich! Ohne Geschlecht kann sich schließlich jeder der gemeint ist (auch die bisher 200 (?) Bauarbeiterinnen) mit so einem Strichwesen identifizieren ;-)
die schilder könnten ja als einstieg dienen, frauen auf ihren gesellschaftlichen zwangsdienst vorzubereiten, denn: 200 geschätzte (hab die zahl von maan übernommen, hast du, maan/hat jemand brauchbare quellen?) frauen unter ca. 160.000 bauarbeitern macht etwas mehr als 0,1 %… wie wäre es mit einem 9- oder 12- monatigen zwangsdienst für frauen beim tiefbau, bis dort eine geschlechteregalitäre besetzung in den untersten hierarchien erreicht ist. damit würde sich dann auch recht bald das thema “sexualisiertes verhalten” der arbeiter geben & ich würde bei umzügen nicht immer mit männern die schweren sachen schleppen (wenn meine freundin nicht mit dabei ist ;-)!
was ich meine ist, dass wir einerseits nicht über theoretische konzepte, unser “besonderes” kulturell/intellektuelles milieu als eher junge erwachsenengeneration und gleichstellungsgegenderte die real existierenden geschlechtsbezogenen unterschiede in z.b. biologischer grundausstattung, identitätskonstruktionen, handlungsstrategien, sozialen beziehungen, gesellschaftsstrukturen etc. übersehen oder gar verdecken sollten! und ein tiefbauarbeiterinnenschild jenseits vom karneval oder einem berufsberatungszentrum empfinde ich eher als provokation und verdeckung männlicher lebensrealität.
und andererseits schließe ich mich der these von tobias an, wenn ich ihn richtig verstehe, dass es unwahrscheinlich ist, dass ein nennenswerter anteil der bauarbeiter in den nächsten jahren frauen sein werden. eher gibt es eine eu-erweiterung in richtung süden und osten gleichzeitig, die der baubranche billige sich verschleißende arbeitskräfte zuführt…
ich find die untere bilderreihe schon ganz gut, finde auch irritationen des normalen (in von den adressaten gut verträglichen dosen!) fein – aber eben nur wo’s passt und nur als kleine begleitmusik zum großen konzert wirklich gleichstellung fördernder maßnahmen. ansonsten nehme ich gern wie maan die strichmenschen.
Ich finde die neuen Schilder super ;-)
Die Diskussion um Frauen im Baugewerbe ist ja ansich eine ganz eigene Diskussion, daher hier nur zu den eigentlichen Schildern: Papis mit Kindern – da dürften wir uns doch mal alle einig sein (ob pro- oder antifeministisch) – , dass das sehr vorbildich ist. Natürlich müssten dann auch tatsächlich die Wickelräume folgen, die auch für die Papis und nicht nur für die Mamis benutzbar sind. Aber ich finde, dass durch solche geschlechtsübergreifenden Schilder zumindest ein richtiges Zeichen gesetzt wird. Egal in welchem Bereich. Und auch egal, ob es nun der Geschlechter-Realität entspricht oder nicht. Schließlich geht es auch um die Sozialisation der nächsten Generation, die in dem Bewusstsein aufwachsen sollten, dass Frauen und Männer die gleichen Möglichkeiten haben.
Mir missfällt das Fluchtwegschild. Geschlechtsneutraler, als es im herkömmlichen Fluchtwegdiagramm gezeichnet ist, kann man so ein Piktogramm doch nicht zeichnen. Und da finde ich es blödsinnig, eine weibliche Version zu zeichnen. Noch dazu eine, die Klischees und Stereotypen bedient, die wir ja eigentlich überwinden wollen.
Also, laut dem ersten Schild haben Frauen am Bauplatz immer noch Miniröcke an. Das allein läßt das Schild vollkommen lächerlich wirken.
Und was die U-Bahn-Schilder angeht… ich habe die Figuren IMMER geschlechtslos betrachtet. Ist ja nicht so, daß ich blinde Frauen stehen lasse und meinen Platz nur für blinde Männer frei mache.
Falls jemand “Stupid White Men” gelesen hat: in einem Kapitel erwähnt Moore, daß manche Firmen Schwarze an der Rezeption von Bürogebäuden sitzen haben, nur um zu beweisen, daß diese Firmen auch Schwarze einstellen. Jedoch sind oft die eigentlichen Büroangestellten weiß. Die feministischen Schilder sind das selbe in grün; der Durst nach Emanzipation wird damit nur oberflächlich befriedigt. In Wirklichkeit haben sie gar keinen Effekt, außer daß die Leute mal kurz die Stirn runzeln und sich darüber ärgern, daß wieder mal Steuergelder verschwendet wurden.
Also so eine schwachsinnige Seite habe ich selten gesehen … ich hoffe es handelt sich um eine Parodie oder ist dieser Blödsinn etwa ernst gemeint?