CFP Kulturen der Liebe
Von Donnerstag, den 4. Mai, bis Samstag, den 6. Mai 2006, findet an der Universität Wien die internationale Graduiertenkonferenz Kulturen der Liebe. Codes, Diskurse, Visualisierungen, Praktiken und Erfahrungen im historischen, interkulturellen und weltregionalen Vergleich statt. (Quelle: H-Soz-u-Kult)
Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Daniela Hammer-Tugendhat, Universität für Angewandte Kunst in Wien, Prof. Dr. Franz X. Eder und Prof. Dr. Reinhard Sieder, Universität Wien; in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Kulturwissenschaften/Cultural Studies an der Universität Wien
Organisation: Mag. Sonya Balti, MSc
‚Liebe’ wird codiert, diskursiviert und visualisiert, also besprochen und besungen, beschrieben, bildhaft dargestellt, instruiert, diszipliniert und bewertet. Als Interaktionsform und Bezogenheit des (hetero- oder homosexuellen) Paares wird Liebe praktiziert. Als Aufschichtung von Deutungen, Sinngebungen und deren Reinterpretation in der Erinnerung wird sie erfahren. Kulturwissenschaften und Cultural Studies thematisieren deshalb ‚Liebe’ – wie alle kulturellen Phänomene – sowohl als Code, Diskurs und Visualisierung als auch als Praxis und Erfahrung.
DoktorandInnen der Geschichtswissenschaften, der Soziologie, der Literatur- und Sprachwissenschaften, der ethnologisch-anthropologischen Wissenschaften, der vergleichenden Religionswissenschaften sowie der Literatur-, Kunst-, Film- und Bildwissenschaften sind eingeladen, an der Konferenz teilzunehmen, ihre laufenden Arbeiten vorzustellen und sich einer (oder mehreren) der folgenden Fragestellungen und Dimensionen des Themas zuzuordnen:
1. In welchem Maße sind Codes, Visualisierungen und Diskurse einerseits, Praktiken und Erfahrungen von ‚Liebe’ andererseits gender-spezifisch? Welche sozial-ökonomischen Kräfte, religiösen Deutungsmuster oder philosophischen Traditionen sind mit im Spiel?
2. ‚Liebe’ wird in Texten codiert und diskursiviert. Welche Veränderungen sind im Lauf der Jahrhunderte auszumachen? Welche Codes und welche Diskurse sind zu unterscheiden?
3. Bilder und andere Darstellungen aus Kunst, Film und Fernsehen visualisieren Konzepte und Vorstellungen der Liebe. Welche geschlechterdifferenten Positionen werden dabei ins Bild gesetzt und transportiert? Welche Utopien der Liebe werden entworfen? Überwiegen in der ‚Hoch’-Kunst Darstellungen ihres Scheiterns, während ‚populare’ Kunst Liebe eher romantisiert und idyllisiert und somit den ‚Glauben an die Liebe’ stärkt?
4. Orale Codierungen von ‚Liebe’ finden sich in Redewendungen, Sprichworten, popularen Gesängen, Reimen, lebensgeschichtlichen Interviews, Gesprächsdokumentationen und TV-Talk-Shows, die sich häufig der Besprechung der Liebe annehmen und bilden eine weitere Dimension.
5. Wie gestaltet sich das Verhältnis von Liebe und Sexualität? Wie konstruktivistische Forschungen nahe legen, ist Sexualität – wie Liebe – immer der kulturellen Codierung unterworfen, sodass zu fragen ist, wie die Codierungen der Liebe und die Codierungen des Sexuellen jeweils aufeinander Bezug nehmen.
6. „Fremde“ und „exotische“ Liebesmodelle, oft assoziiert mit „freien“ oder „promisken“ Formen der Sexualität und verbunden mit rassistischen Phantasien einer besonderen Triebhaftigkeit der „Wilden“, zogen die Neugierde westlicher ForscherInnen auf sich. Jüngere ethnologisch-anthropologische Forschung entdeckt aber auch variantenreiche Codierungen der Liebe und des Sexus. Worin unterscheiden sie sich von den Konzepten westlicher und verwestlichter Zivilisationen?
7. Wie wird ‚Liebe’ in nicht-westlichen und nicht-christlichen, aber sukzessive kapitalistisch globalisierten Gesellschaften (etwa in Teilen Chinas, Indiens, Indonesiens, oder des subsaharischen Afrika, insbesondere in mega-cities) codiert, praktiziert und erfahren? Wie wird ‚Liebe’ religiösen und weltlich-politischen Ordnungen, aber auch der Konsumorientierung unterworfen? Ist der Export / Import westlicher Liebes-Konzepte Teil der laufenden ‚kulturellen Globalisierung’?
8. Wie begreifen Kulturwissenschaften und Cultural Studies das Verhältnis von Code, Diskurs, Visualisierung, Praxis und Erfahrung?
Eine genauere Erläuterung der 8 Punkte findet sich auf der Homepage http://www.univie.ac.at/graduiertenkonferenzen-culturalstudies/
Ziel der Konferenz: Die Konferenz soll jungen WissenschaftlerInnen ermöglichen, ihre Dissertationsprojekte in einem internationalen und interdisziplinären Kontext vorzustellen und zu diskutieren, Kontakte zu WissenschaftlerInnen und Universitäten aufzubauen und mit der Arbeitsform der wissenschaftlichen Tagung umgehen zu lernen. Die ausgearbeiteten Vorträge sollen publiziert werden.
Konferenzsprachen: Deutsch und Englisch
Organisation: Bis zu 15 DoktorandInnen werden eingeladen, einen (maximal 30minütigen) Vortrag zu halten, der von einem Experten / einer Expertin kommentiert und von den KonferenzteilnehmerInnen diskutiert wird. In einem Impulsvortrag wird ein/eine renommierte/r WissenschaftlerIn in das Rahmen-Thema einführen. Den nicht in Wien lebenden BewerberInnen können die Reisekosten und zwei Übernachtungen finanziert werden.
Bewerber/innen sind gebeten, ein Exposé (2.000 bis 5.000 Zeichen) ihres Vortrags einzusenden und ein Curriculum Vitae sowie eine Publikationsliste beizulegen. Einsendeschluss: 15. Oktober 2005. Die Bewerbungen erfolgen per Email an: graduiertenkonferenz.geschichte@univie.ac.at
Die Verständigung über die Aufnahme erfolgt bis zum 15. November 2005. Vollständige Manuskripte sind bis zum 31. März 2006 vorzulegen.
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