Anzeige

Anzeige

Genderblog

Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)

 

What Sex Is Your Brain

 Rochus Wolff   10. April 2005
 Allgemeines

Für all jene, die (ich halte es für formidablen Dünnsinn) an ein “Geschlecht” des Gehirns glauben, hat die BBC schonmal einen kleinen Test vorbereitet: What Sex Is Your Brain? Der hat sogar noch weniger Fragen als ein ähnlicher Fragebogen bei Pease & Pease.

(via [zeitwissen:log])

 
Teilen 
 
-->

6 Kommentare

(RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel)

  1. Warum hältst du (statistische!) Unterschiede zwischen den Gehirnen von Frauen und Männern für “formidablen Blödsinn”? Es gibt Studien, die sich mit den genetischen Unterschieden im Gehirn von Frauen und Männern beschäftigen, es gibt Theorien, die sich mit kognitiven Unterschieden beschäftigen, und Analysen anatomischer Unterschiede.

    Also, warum “formidabler Dünnsinn”? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Kann es sein, daß die These “Männer und Frauen sind gleich” mal durch “Männer und Frauen sind gleichberechtigt” ersetzt werden muß?

    Man sollte natürlich nicht vergessen, daß die indivuduellen Schwankungsbreiten weit über die Unterschiede im statistischen Mittel hinausgehen. Und auch da sollte Gender-Gerechtigkeit ansetzen, um gegen die aufgrund des statistischen Mittels aufgebauten Vorurteile gegen das eine oder andere Geschlecht in einer bestimmten Rolle zu beseitigen.

  2. Präzise gesagt habe ich davon geschrieben, daß Gehirne nicht männlich oder weiblich sein können, und ich halte es für wichtig, diese Adjektive nicht einfach so auf Körperteile anzuwenden, da man damit, ohne sich näher Gedanken zu machen, Geschlechterdifferenz bis in jede Zelle einschreibt, ohne daß es dafür immer zwingende Gründe gibt.

    Was den Rest angeht: natürlich gibt es Meinungen, Theorien, Studien und hastenichtgesehen dazu. Das ist ja keine Neuigkeit. Es gibt aber viele Gründe dafür, die konkreten Untersuchungen immer mit viel Skepsis und Vorsicht zu genießen, wie sich das für wissenschaftliche Studien ja überhaupt gehört.

    So ist die Sache mit dem bei Männern und Frauen unterschiedlichen Corpus callosum ein Dauerbrenner seit mindestens den siebziger Jahren, aber es gibt meines Wissens noch keine wirklich zuverlässige Studie mit brauchbaren Ergebnissen dazu. So gibt es statistisch relevante Größenunterschiede, aber man weiß gar nicht so recht, womit man sie korrelieren soll: mit der Gehirnlänge, dem Gewicht? Was sonst? Dann kann es sein, daß die Nervenfasern unterschiedlich dicht sind, vor allem aber weiß man gar nicht so schrecklich genau, was das CC eigentlich macht und wie – weshalb das Gerede davon, daß Frauen wegen ihres Corpus callosum besser über ihre Gefühle sprechen bzw. Emotionen und Intellekt besser verbinden können (wie es häufiger zu lesen ist) doch einige sehr, sehr große Brüche in der Argumentationskette zu überkleistern hat.

    Hinzu kommt dann schließlich eben noch das Problem, daß die Sache mit den individuellen Schwankungsbreiten gerne ignoriert wird. So sind halt die Frauen, so sind die Männer. Wie aussagekräftig soll das aber überhaupt noch sein, wenn die individuellen Schwankungsbreiten weit über die Unterschiede im statistischen Mittel hinausgehen?

  3. Also ich finde die nachweisbare Existenz genetischer Unterschiede zwischen den Gehirnen von Männern und Frauen schon einen zwingenden Grund, dieses Körperteil in die Betrachtung von Geschlechterdifferenzen mit einzubeziehen. Und auch wenn vielleicht der Nachweis des Zusammenhangs zwischen physiologischen und kognitiven Unterschieden noch nicht gelungen ist, so sind jedoch beide für sich genommen meßbar.

    Die Aussage, man solle solche Untersuchungen und Studien mit Vorsicht genießen, ist ohne Nennung konkreter Gründe ein Allgemeinplatz, den ich so nicht akzeptieren kann. Gibt es methodische Zweifel? Gibt es Studien, die das Gegenteil belegen? Gibt es Gründe, an der Unvoreingenommenheit der Wissenschaftler zu zweifeln? In dieser Pauschalität erinnert mich das an die Argumente der Perpetuum-Mobile-Gläubigen, der Energieerhaltungssatz sei ja auch bloß eine Theorie.

    Zur Aussagekraft, angesichts individueller Abweichungen: das statistische Mittel hat erstens unser Rollenbild geformt, ist also zum Verständnis desselben durchaus hilfreich, hilft zweitens bei der Analyse typischer Probleme im Miteinander der Geschlechter, und gibt uns drittens die Werkzeuge an die Hand, die spezifischen Problemsituationen von Individuen, die vom Durchschnitt abweichen, zu verstehen und zu lösen.

    Mal auf den Punkt gebracht: hältst du einen Frauenanteil von 10% in Studienfächern wie Informatik und Maschinenbau tatsächlich für ausschließlich gesellschaftlich bedingt?

  4. Sex differences in emotional function

    Da hier schon kontrovers um Gehirn und Geschlecht diskutiert wurde, ist diese Nachricht vielleicht für einige von Interesse:

    Das Institut für Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin lädt zu einem öffentlichen Kolloquium am Dienstag, d…

  5. Es ist erwiesen, dass Mädchen im koedukativen Physikunterricht gegenüber Jugen Nachteile haben, die unter anderem durch unterschiedlichee Spielverhalten (Puppen tragen nicht zum Erwerb eines physikalischen Verständnisses bei) bedingt sind. An reinen Mädchengymnasien oder bei getrenntem Anfangsunterricht in Physik (mit anderen Lehrmethoden) wurde festgestellt, dass Mädchen viel mehr Interesse zeigen und eher Physik als Leistungsfach wählen als die koedukative Vergleichsgruppe. Zudem tragen biologische Unterschiede zwischen den Geschlchtern nur zu 1% zu den Gesamtunterschieden bei, so eine Untersuchung von Hyde aus dem Jahr 1981. Was mir bezüglich der Berufswahl noch ein Rätsel ist: Mädchen mit herausragenden Fähigkeiten im Bereich Naturwissenschaften und Technik brechen häufig ein begonnenes Ingenieursturium ab und wenden sich Sozialwissenschaften zu. Hat hierfür jemand eine schlaue Erklärung?

  6. Es gibt einen geschlechtlichen Unterschied im Gehirn – ich bin eine transsexuelle Frau (eine Frau mit abweichendem Körper vom angeborenen Geschlecht), wer mich in meiner Existenz ernstnehmen will, der kann diese Tatsache nicht abstreiten.

Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.



WordPress · Login für AutorInnen · Impressum

URL dieser Seite: http://genderblog.de/index.php/2005/04/10/what-sex-is-your-brain/
blogoscoop