O-Töne
Posted in: 8. März 2008, Feminismus
„Die Frauenfrage ist keine Frage mehr.“
Einführung Wirtschaftsmathematik: Ich schaue links die Sitzreihe runter, rechts runter. Um mich herum nur Männer. Und diese Doktorandin erzählt der Tageszeitung, die Frauenfrage sei an unserer Universität gegessen.
Der Chefredakteur unserer Studentenzeitung gibt uns Damen Diättipps, schwärmt von der „Schnittenquote“ in gewissen Fitnessstunden und glaubt an unseren Speckröllchen abzählen zu können, in welchem Semester wir stecken.
Aber die Frauenfrage ist keine Frage mehr.
„Welche Gemeinsamkeit können Sie zwischen diesen Autoren feststellen?“ – „Es sind alles Männer.“
Aber die Frauenfrage ist keine Frage mehr.
Statt an die Vorträge erfolgreicher Wirtschaftsfrauen zu gehen, rennen wir lieber ins Step-Aerobic. Karriereförderlicher.
Doch halt: Wenn wir zu gut aussehen, heisst es, wir würden alles nur unserem Äusseren verdanken. Glauben wir das von anderen, sind wir nur eifersüchtig. Mal sind wir zu feminin, mal zu maskulin, mal zu attraktiv, um ernst genommen zu werden, mal zu hässlich. Und ein anderes Mal heisst es, wir verdanken unseren Erfolg einem Frauenbonus.
Und eine Freundin meint, sie habe sich von der Emanzipation emanzipiert. Alles wird rosa und wir träumen wieder von Geldhochzeiten à la Desperate Housewives und glauben, die Macht sitze im höchsten Schuhabsatz. Überhaupt: L’art de faire vouloir reichte doch schon unseren Urgrossmüttern.
Wir schmachten mit Jane Austens Heldinnen und alles wird rosa. Dass die Autorin aber mit ihrer spitzen Feder auch die gesellschaftliche Schlechterstellung der Frau anprangerte, geht in den Schmonzetten unter, zu denen ihre Werke des öfteren verkitscht werden.
Freche Frauen, Chicklit, Chickflick und Reese Witherspoon erobert in rosa, blond und mit Chihuahua Washington, D.C., und am Ende finden vom Shopaholic über die Undomestic Goddess alle ihren Mr Darcy. Auf dass wir den Besuch des Nagelstudios als feministischen Akt verkaufen dürfen.
Und all das klingt nun frustriert, weil doch die Frauenfrage doch keine Frage mehr ist und wir uns von der Emanzipation emanzipiert haben.
Die Frauenfrage ist keine Frage mehr?
Feminismus heute heisst, die Frauenfrage wieder zur Frage zu machen, damit sie nicht ständig wiederbelebt werden muss. Sprich, dass wir uns nicht zweimal überlegen müssen, ob wir zu weiblich, zu männlich, zu etc. sind.
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