“No corsets, no hatpins, and no crying.”
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Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes. (Erving Goffman)
“No corsets, no hatpins, and no crying.”
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pattzifist hat das schöne Video “Chess for Girls” (eine Werbeparodie von Saturday Night Live), das wir vor drei Jahren hier kurz vorgestellt hatten und welches dann bei YouTube alsbald gelöscht worden war, wieder aufgetan:
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Daß es bemerkenswerte Unterschiede zwischen den Gehältern von Männern und Frauen auch dann gibt, wenn man ähnliche Ausbildungs- und Lebenssituationen nebeneinander stellt, war hier ja bereits öfter Thema – zuletzt am Equal Pay Day. Und natürlich gibt es da sehr unterschiedliche Lösungsansätze.
Nun gibt es laut der Süddeutschen Zeitung (und Spiegel Online et al.) zwei neue Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) (über deren mindestens eine das Mindener Tageblatt schon im Mai berichtet hatte), die allerdings nicht so aufregend sind, wie in den Meldungen behauptet – jedenfalls dann nicht, wenn man sich mit diesem Thema schon etwas eingehender beschäftigt hat.
Firmen sind am Entstehen niedriger Frauengehälter zwar stark beteiligt, was sich auch in ihrem Zögern zeigt, die Gehaltsunterschiede von sich aus zu verringern oder Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Beteiligt sind freilich auch Frauen, die sich mit weniger zufriedengeben als Männer. Der Eindruck, dass die Arbeit von Frauen weniger wert ist als die von Männern, ist offenbar in der gesamten deutschen Gesellschaft verbreitet: bei Männern und Frauen, bei Angestellten und Chefs.
Was sich daran zunächst vor allem zeigt, ist, wie durchdringend Vorstellungen von Ungleichheit zwischen den Geschlechtern – und sich daraus ergebenden Ungleichbehandlungen – im “Perpetuum Mobile Patriarchat” für uns alle sind. Wenn Mädchen allein deshalb schlechter in Mathematik abschneiden, weil man ihnen erklärt, daß sie als Mädchen schlechter in Mathematik seien, dann ist es nur konsequent, daß diese zu negative Selbsteinschätzung, gerade im Vergleich zu Männern, auch in anderen Bereichen ihren Widerhall findet.
Desweiteren wird auch deutlich, daß es offenbar in der gesellschaftlichen wie individuellen Wahrnehmung der Gehälter einen “Blinden Fleck” gibt, der uns genau diese Unterschiede in der Bezahlung nicht wahrnehmen läßt. Um das zu vermeiden, wäre es womöglich tatsächlich am sinnvollsten, größtmögliche Transparenz umzusetzen, um so die Unterschiede in den Gehältern von Männern und Frauen sichtbar zu machen – und damit angreifbar.
Die Mädchenmannschaft stellt zu den Texten übrigens noch eine ganze Menge weiterführender Fragen.
(Oh, und übrigens, sueddeutsche.de: Eure im Artikel verlinkte “Bildstrecke zum Thema” über “Frauen-Karrierekiller” hat mit dem Thema nur indirekt etwas zu tun, ist klischeehaft fotografiert und inhaltlich eher zweitklassig.)
Wie queernews.at meldet, hat die ECSOL (European Commission on Sexual Orientation Law), eine Gruppe von Rechtsexpert_innen, die sich mit sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität im Kontext europäischen Rechts beschäftigt, in einem Newsletter auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte Bezug genommen.
Ohne daß ich selbst die Entscheidung des EGMR im Einzelnen kommentieren und bewerten könnte (und vor allem ohne daß ich auf den konkret verhandelten Fall eingehen wollte), lassen sich nach queernews.at daraus vor allem folgende Schlüsse ziehen:
Auch wenn derzeit die Mitgliedsstaaten der EU noch nicht daran gehindert werden können, über nationales Recht die Ehe nur heterosexuellen Paaren zu gestatten, so will der Gerichtshof Artikel 12 der Europäischen Menschenrechtskonvention (MRK) nicht weiterhin so verstanden wissen, daß die Ehe allein heterosexuellen Paaren offenstehen könne.
Entgegen seiner bisherigen Rechtsprechung, daß eine “Familie” stets auf der Grundlage einer heterosexuellen Partnerschaft entstehe, hat der EGMR außerdem jetzt entschieden (ich zitiere queernews.at)
dass angesichts der raschen Entwicklung der gesellschaftlichen Haltung zu gleichgeschlechtlichen Paaren eine solche künstliche Unterscheidung heute nicht mehr angebracht ist und dass die Beziehung der Antragsteller, eines gleichgeschlechtlichen Paares, das in einer stabilen De-Facto Partnerschaft zusammenlebt, ebenso unter den Begriff “Familie” fällt wie ein verschiedengeschlechtliches Paar in der gleichen Situation.
Mühsam ernährt sich natürlich das Eichhörnchen, und bis zu einer Gleichstellung ist es noch weit – von einer Integration radikalerer Konzepte jenseits der dichotomen Geschlechterordnung und der exklusiven Zweierbeziehung einmal ganz abgesehen. Aber langsam tut sich hier was im europäischen Recht.
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Es ist, als seien diese Filme in einer Zeit stecken geblieben, die von der Gegenwart und ihren Konfliktlinien nichts wissen will – von der Diskussion zum Beispiel, ob Emanzipation schon dort geglückt ist, wo ehrgeizige Frauen ihren Weg machen.
So schreibt es Cristina Nord von der taz in ihrem Artikel zum Frauenbild im aktuellen Arthouse-Kino, bei dem sie unter anderem auch einen Blick auf Amelia wirft, der hier ja auch schon Thema war.
Und wer sich für Fragen von Geschlecht und Kino interessiert, mag von mir ganz selbstbeweihräuchernd noch hingewiesen sein auf meinen ebendort veröffentlichten und schon drei Wochen gut abgehangenen Text zu weiblichen Monstren und Tiermenschen, anläßlich des Filmstarts von Splice verfaßt (den ich wie dem Text zu entnehmen ist, für einen sehr spannenden Horrorstreifen halte).
Für Freund_innen des Actionfilms verweise ich dann noch gerne auf einen längeren Essay von Ines Walk zu Actionhelden in der Krise, der zwar schon seit Januar online steht, aber deswegen ja nicht schlechter ist, sowie, ich schon wieder, auf meine Gedanken zu den Geschlechterkonstruktionen in The A-Team und The Losers, drüben in meinem Filmblog. Über Anmerkungen und konstruktive Kritik würde ich mich herzlich freuen.
(Ich liebe das Onion News Network.)
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Julia Gillard, bisher stellvertretende australische Regierungschefin, ist gestern wohl etwas überraschend Nachfolgerin von Kevin Rudd geworden, nachdem sie ihn zu einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz herausgefordert hatte.
Details hat die Deutsche Welle.
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Die Vorstellung beginnt draußen vor der Volksbühne und hat eine Menge Schauspieler angelockt. Frauen, die Frauen spielen, und Frauen, die Männer spielen, und Männer, die irgendetwas dazwischen spielen. So richtig weiß man das nicht genau, und darauf haben es die überwiegend schwul-lesbischen Versammelten angelegt. Für sie sind Geschlechterrollen nämlich tatsächlich Rollen – einstudierbar, aufführbar, eine große Schau. Und wer in eine Rolle schlüpfen kann, der kann auch in eine andere schlüpfen, glauben sie. Und spielen.
Diejenige, die das mit dem Geschlecht und der Schauspielerei formuliert hat, übernimmt an diesem Abend die Hauptrolle: Judith Butler, amerikanische Philosophin an der Universität Berkeley und Mutter der sogenannten „Queer“-Forschung. Vor 20 Jahren gab sie mit ihrem Buch Das Unbehagen der Geschlechter der schwul-lesbischen Szene ihren theoretischen Unterbau. Seitdem wird sie unter sexuellen Minderheiten als Ikone gefeiert. Auch deshalb will man ihr am Folgetag auf dem Berliner Christopher Street Day (CSD) den Zivilcouragepreis verleihen. Sie wird ihn ablehnen. Das Event ist ihr zu „kommerziell“.
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Heute läuft Amelia in den deutschen Kinos an, ein “Biopic” über die Pilotin Amelia Earhart, eine der ersten Amerikanerinnen mit Pilotinnenlizenz, die erste Frau, die den Atlantik im Alleinflug überquert hat, zu ihrer Zeit Rekordhalterin über diverse Flugstrecken etc. pp. – auch politisch war Earhart aktiv, und in den USA ist sie, die vor fast genau 73 Jahren, am 2. Juli 1937, über dem Pazifischen Ozean verscholl, immer noch eine bekannte Persönlichkeit.
Der Film allerdings bleibt, zumindest sehe ich das so, weit hinter den Erwartungen zurück, den man an ihn stellen konnte. Dabei konnte man sich durchaus Hoffnungen machen, daß mit Regisseurin Mira Nair und Hauptdarstellerin Hilary Swank aus dem Stoff ein aufregender Film entstehen würde.
Warum das nicht geklappt hat, habe ich in der neuesten Missy aufgeschrieben (sowieso stets eine Kauf- und Abonnierempfehlung!), aber auch noch etwas ausführlicher und mit etwas anderem Schwerpunkt bei critic.de; Jan Kedves hat sich für die taz dazu Gedanken gemacht. Weitere Kritiken versammelt film-zeit.de.
Foto: 20th Century Fox
Das Bildblog hat heute dokumentiert, wie die Bravo ihre Leser_innen mit zwei Listen mit Rachevorschlägen an der oder dem Ex zu Straftaten animiert.
Das ist schon für sich sehr lesenswert. Durchaus interessant ist aber auch, sich diese Listen dahingehend anzusehen, welche Geschlechter- und Sexualitätsstereotype darin versteckt sind (stets bedenkend, daß das Beziehungsmodell, welches hier mitgedacht wird, stets brav heterosexuell ist und nur Männlein und Weiblein kennt).

Daraus ließe sich dann etwa Folgendes destillieren:
Einem Mann/Junge sollte nach Meinung der Bravo-Autor_innen peinlich sein, wenn:
Einer Frau oder einem Mädchen ist in dieser Gegenüberstellung eher peinlich oder unangenehm, wenn:
Der Witz ist jetzt nicht unbedingt, daß sich diese Formen von (wir weisen gerne noch einmal daraufhin: potentiell strafbarer) “Rache” nicht vielleicht aufs jeweils andere Geschlecht anwenden ließe – Inkontinenz ist ja, ganz unabhängig vom Geschlecht, keine schöne Sache. Interessant ist, welche Formen jeweils als besonders geeignet für welches Geschlecht ausgewählt wurden.
Und da fallen diese Rachephantasien doch größtenteils brav in die Stereotype dessen, was mit “Männer” und “Frauen” besonders negativ assoziiert wird. Bei den Männern sind das neben zu großer Emotionalität und der Unfähigkeit, “die Frau” sexuell (und sonstwie) an sich zu binden, vor allem mangelnde sexuelle Performanz und Größe, nebst insgesamt fehlender Kontrolle über die eigenen Körperausscheidungen. Die Frauen hingegen lassen sich eher dadurch bestrafen, daß man sie als unweiblich (sie schlägt!) oder körperlich fehlerbehaftet darstellt, in ihrem Einkaufswahn trifft oder aber, der Klassiker, einer freien und zügellosen, gar promisken Sexualität bezichtigt oder mit dieser in Verbindung bringt.
Es ist ziemlich bestürzend, wie wenig in der Bravo-Redaktion zumindest in diesem Fall über die implizit mitgesagten Geschlechterstereotype nachgedacht wird.
(Verwendung des Heftscans mit freundlicher Genehmigung von Lukas Heinser vom Bildblog. Danke!)
Nachdem meine Suche nach einer informierten Analyse des Videos zu Lady Gagas “Telephone” so ein wunderbares Ergebnis gezeitigt hat, würde ich den Versuch mit dem neuen Video der Künstlerin gerne wiederholen. Seit gestern ist “Alejandro” online zu finden – allerdings weiß ich nicht, weil ich derzeit gerade in Paris bin, ob eines der unten eingebundenen Videos auch in Deutschland zu sehen ist. (Ansonsten bitte gerne funktionierende Links in die Kommentare; ich bin den Rest des Tages unterwegs.)
“Alejandro” funktioniert sicher völlig anders als das “Telephone”-Video, das macht schon ein oberflächlicher Blick auf die Ästhetik des fast neun Minuten langen Clips deutlich. Hier spielen Leni Riefenstahl, Faschismus, Fetischismus und Katholizismus ebenso eine Rolle wie Bezüge zum Steampunk. Manche sehen auch Bezüge etwa zu Madonnas Musikvideo zu “Express Yourself”. Aber da findet sich sicher noch mehr. Ich freue mich über Einsendungen (admin@genderblog.de) – bestimmt ist für einen guten Text auch wieder eine kleine physische Anerkennung drin – aber natürlich auch schon über kluge Anmerkungen in den Kommentaren!
Und hier jetzt also das Video:
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